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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schimper - Schindler
wird 1,2 bis 1,5 m bock. Über die Intelligenz die zu-
trauliche Art und die Beweglichkeit dieser Tiere, von
denen viele Junge lebend nach Europa gebracht und
mehrere Jahre in Tiergarten gehalten wurden, giedt !
es viele interessante Erzählungen. Das nordcurop. !
Klima ertragen sie nicht; sie sterben hier bald an der
Lungenschwindsucht. Als Nahrung reicht man in
der Gefangenschaft vorzugsweise Früchte der verschie-
densten Art, roh und gekocht, daneben gekochten Reis,
Eier, Fleisch und Milch. Die Preise schwanken zwi-
schen 300 M. bis 1500 M. und mehr. - Vgl. bart-
mann, Beiträge zur zoolog. und zootom. Kenntnis
der sog. anthropomorphcn Äffen (2 Hefte, Pest 1872);
ders., Die menschenähnlichen Affen (ebd. 1883).
Schimper, Karl Friedrich, Botaniker, Bruder des
folgenden, geb. 15. Febr. 1803 zu Mannheim, stu-
dierte zu Heidelberg und München, wo er mit Alex.
Braun und Agassiz eine eigene philos.-botan. Schule
begründete. Im Austrage des Kronprinzen, nacb-
maligen Königs Max, untersuchte er 1842-43 die
bayr. Alpen und die bayr. Pfalz geognostisck. Spä-
ter lebte er zu Schwetzingcn, wo ibm der Großberzog
von Baden, der ihm auch ein Jahrgehalt Zahlte,
eine Wohnung im Schloß angewiesen hatte. Er
starb daselbst 21. Dez. 1867. S. bat die unter dem
Namen Epiraltheorie bekannte Ansicht über die
Blattstellung (s. d.) zuerst aufgestellt, doch nicht
näher ausgearbeitet. Er gab auch zwei Sammlun-
aen "Gedichte" (Erlangen ^1840 und Mannh. 1847)
beraus. - Vgl. Volger, Leben und Leistungen des
Naturforschers Karl S. (3. Aufl., Franks, a. M. 1889).
Schimper, Wilh., Reisender, geb. 19. Aug. 1804
zu Mannheim, lernte anfangs als Kunstdrechsler,
trat in seinem 17. Iabre in das bad. Militär, stu-
dierte zwei Jahre zu München Naturwissenschaften,
unternahm 1829 eine Reise nach Südfrankrcich und
Algier, auf welcher er reiche botan. Sammlungen
machte. Nach der Rückkehr verweilte er zu Neuchatcl,
dann zu Offwciler im Elsasi, wo er seine "Reise nack
Algier" (Stuttg. 1834) schrieb. 1834 ging S. nach
dem Orient. Er durchwanderte Oberägypten, die
Einaihalbinsel und Teile von Arabien und begab
sich 1836 nach Abessinien, wo er sich das Wohlwollen
des Fürsten Ubie von Adua erwarb. S. ließ sich in
Abessinicn nieder, verheiratete sich mit einer Einge-
borenen und erhielt die Verwaltung des Distrikts
Antitscho. Letztere Stellung verlor er durch König
Theodorus. Nach Auflofung des württemb. Reise-
vereins, der ihn ausgesandt hatte, setzte S. seine
Sammlungen im Auftrage des Parifer "laräin äks
1'1l,,iit03 fort. Seit 1863 mußte er gezwungen in
der Nähe des Königs Theodor verweilen und wurde
1868 auf die Festung Magdala gebrackt, bis ibn die
Engländer 13. April 1868 befreiten, worauf er sich
in Adua niederließ. Hier starb er im Okt. 1878.
Schimper, Wilhelm Philipp, Geolog und Pa-
läontolog, Vetter der vorigen, geb. 12. Jan. 1808
zu Doscnheim bei Zabern, studierte zu Straßburg
Theologie, wardann Hauslehrerund erhielt 1853 eine
Stellung am Naturhistorischen Museum zu Straß-
burg, an dem er 1838 zum Konservator, später zum
Direktor aufrückte. Gleichzeitig lebrte er als Pro-
fessor der Geologie und der Paläontologie an der
Universität. Erstarb 20. März 1880 in Straßburg.
S. hat sich^besonders als Vryolog einen Namen er-
worben, i^eine Hauptwerke sind: "^lonoFi-apliiü
c!63 ^Hnt63 s()83il63 (In Ar(58 IiiAÄll'L de3 V03^K3"
imit Mougnot, Lpz. 1844), "Li'^olo^iN 6ui'0s)26H"
(6 Bde., Etuttg. 1836-54, mit 640 Tafeln), im
Verein mit Bruch und Gümbel, nebst dem Supple-
ment "^In8c!i 6Ul0pg.6i novi" (ebd. 1864 - 66),
"3tirpo3 normale di-voloFiae sui-opae^s" (Straßb.
1844-54), "N6cli6rc1i63 luorpiinioFjqusz 6t ana-
tomi(iu63 3ur 163IN0U8863" (mit 9 Tafeln in Quart,
ebd. 1848), "Icono8 inorpIioIo^icHL" (Stuttg. 1361),
"^lemoirO P0UI- 86rvii' ö. I'iii3toir6 naturelle ä63
8PQ3FNUM" (Par. 1854, mit 24 Tafeln), welches
Werk aucb dcutfcb als "Versuch einer Entwicklungs-
geschichte der Torsmoose" (Stuttg. 1860, mit 27 Ta-
feln) erschien; "I^iaeontolo^ica, alLatica." (Straßb.
1854 fg.), <c3vn0p3i8 inu3coruin 6ur0pÄ60rum "
l2 Bde., Stuttg. 1860; 2. Aufl. 1876), "1^6 terrain
cls ti-aii3iN0n 663 V08F68" (mit Köchlin, Straßb.
1862, mit 30 Tafeln), "Ii-aits äs plUeontologis
V650WI6" (3 Bde., Par. 1869-74, mit 110 Tafeln).
Schimpf bedeutete bis ins 17. Jahrh, soviel
wie Sckerz; so betitelte Joh. Pauli seine berühmte
Schwanksammlung (1522) "Schimpf und Ernst",
und nock Andreas Gryphius nannte seine Posse
"Peter Saucnz" ein Schimpfspiel.
Schindanger,AufbewahrungsortvonAas(s.d.).
Schindel, Schindelmafchine, s. Dachschin-
Schinder, s. Abdecker. fteln.
Schinderhannes, der Anführer einer Räuber-
bande, die gegen das Ende des 18. Jahrh, am Rhein
ihr Unwesen trieb, bieß eigentlich Johann Bück-
ler, trat früh in die Dienste eines Scharfrichters,
kam infolge von Diebstählen mehreremal in Unter-
suchung, entsprang und gesellte sich zu Fink dem
Rotbart, Anführer einer Diebesbande. Mehrmals
ergriffen, entkam er wieder und kehrte zu feinen alten
Gefellen zurück. Schließlich bildete er eine große
Bande, die bald alles in Schrecken versetzte. Endlich
wurde S. gesangen und mit seinen Kameraden vor
das Specialgericht zu Mainz gebracht. Hier zum
Tode verurteilt, wurde er mit mehrern seiner Spieß-
gesellen 21. Nov. 1803 enthauptet. - Vgl. Rauck-
haupt, Aktenmäsiige Geschichte über das Leben und
Treiben des S. (Kreuznach 1891).
Schindler, Alexander Iul., o'sterr. Schriftsteller,
bekannt unter dem Pseudonym Julius von der
Traun, geb. 26. Sept. 1818 zu Wien, war anfangs
Cbemiker, studierte dann Rechtswissenschaft, ward
1846 Justitiar des Fürsten Gustav Lamberg zu Steyr
und trat 1850 in den Staatsdienst. 1854 durch die
Reaktion beseitigt, wurde er 1856 Domänenverwal-
ter des GrafenHenckel von Donncrsmarck zu Wolfs-
berg in Kärntcn, fpäter Generalsekretär der privile-
gierten Staatsbadngesellschaft zu Wien. 1661
wurde er als Vertreter Wiens in den Reichsrat ge-
wädlt, wo er zu den Führern der deutschliberalen
Apposition gehörte. Seit 1870 lebte er teils auf
seiner Besitzung Leopoldskron bei Salzburg, teils
zu Wien, wo er 16. März 1885 starb. Von S.s
Sckriften sind zu nennen: die Novellen "Die Äbtis-
sin von Bucbau" (Berl. 1877), "Der Liebe Müh'
umsonst" (3 Novellen, Tcschen 1884), "Der Sckclm
von Bergen" (Wien 1879 u. ö.), der Roman "Gold-
sckmicdkinder" (ebd. 1880), und die Dichtungen:
"Salomon, König von Ungarn" (2. Aufl., Stuttg.
1876), "Toledaner Klingen" (Wien 1876), "Gedickte"
(2 Bde., ebd. 187 l; 3. Aufl., Stuttg. 1876).
Schindler, Emil Jakob, Maler, geb. 1842 zu
Wien, gest. 10. Aug. 1892 zu Westerland auf Svlt,
war erst Schüler von Alb. Zimmermann, schloß
sich dann an die franz. Landschaftsmaler, befonders
Th. Rousseau an. Äußer Landschaften aus dem
Wiener Pratcr, dem für das Wiener Hofmuseum