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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sching - Schinkenmuschel
erworbenen Gemälde?ax (1891), dem von der Erz-
herzogin Clotilde von Österreich angekauften Bilde
Nach der Ernte (1892), fertigte er 24 Kartons (Kohle-
zeichnungen) zum "Waldfräulein" von Zedlitz.
Sching, japan. Hohlmaß, f. Schoo.
Schingeti, Schingit, Stadt und wichtiger
.Handelsplatz in der von Verbern bewohnten Oase
Adrar-Tmarr in der Westsahara, am Kreuzungs-
punkt von Karawanenstraßcn, hat 3000 E. und be-
deutende Ausfuhr von Steinsalz.
Sching-king, auch Schöng-tsching und von
ihrer Lage östlich von Echan-hai-twan auch Kw an-
tun g genannt, chines. Provinz, znr Mandschurei
(s. d.) gehörig, aber meist dem eigentlichen China zu-
gezählt, grenzt im W. an Pe-tschi-li, im N. an Kirin,
im O. an Korea, von dem es durch den Ialu-kiang
getrennt ist. Die etwa 145000 kin umfassende Pro-
vinz ist größtenteils gebirgig; das Bergland ist aber
durch das 100 Km breite ebene Thal des Liau ho in
zwei Teile geteilt, der westl. Teil, Liau-si, den I-wu-
lu-schan und das Küstenland im W. des Golfs von
Liau-tung enthaltend, ist fchmal, der östliche im N.
breit, läuft im S. in eine schmale Halbinsel aus und
schneidet den Golf von Pc-tfchi-li vom Gelben Meer
ab. Hauptfluß ist der Liau-Ho. Die Einwohnerzahl
dieser sich in neuester Zeit hebenden Provinz wird
auf 5 Mill. geschätzt. Hauptstadt ist Mukdcn (s.d.).
Etwa 110 km östlick, unweit der koreanischen Grenze,
liegt Ienden oder Hing-king, die frühere Residenz
der Mandschuhcrrscher, mit den Gräbern derselben,
oberhalb der Liau-Ho-Mündung der Vcrtragshafen
Niu-tschwang (s. d.) und am Vorgebirge Negcnts
Sword der Kriegshafen Port-Arthur oder Lü-sun.
Schingu, brasil. Fluß, f. Lingu.
Schinkel, Karl Friedr., Baumeister und Maler,
geb. 13. März 1781 zu Neuruppin, genoß ein Jahr
lang den Zeichenunterricht bei Oberbaurat Gilly in
Berlin und wurde hierauf Schüler von dessen Sohn,
dem Vauinspektor Friedrichs Gilly. Als letzterer
1800 starb, vertraute man l^. die Fortsetzung aller
architektonischen Privatarbeiten des Verstorbenen
an. Zugleich fetzte er das theoretische Studium der
Bauwissenschaft auf der Bauakademie fort und ging
dann 1803 nach Italien. 1805 kehrte er über Frant-
reich nach Berlin zurück. Da die Kriegsperiode der
Bauthätigkeit Einhalt gebot, griff er 1806 zur Land-
fchaftsmalerei und wußte den klimatifchen Charakter
der Natur und den Zusammenhang der architekto-
nischen Welt mit dieser auf feine Weise wiederzu-
geben, neigte aber dabei entschieden zur Nomantik,
wie er denn auch 1810 einen got. Entwurf für das
Mausoleum der Königin Luise zeichnete und 1819
eine glänzende Zeichnung für den Dom zu Berlin
im got. Stil vorlegte. Wenn aber auch in den land-
schaftlichen Bildern mit Architekturansicht, fowohl
in den 1808-14 gemalten Dioramen für Gropius
wie in dem felbständig ausgestellten Panorama von
Palermo, mittelalterliche Bauten, der Kölner und
der Mailänder Dom, das Münster zu Straßburg
u. s. w. eine Nolle spielten, fo find doch in den Dio-
ramen wie in den eigentlichen Landschaftsbildern
die klassischen Motive häufiger, z. B. in der Blüte
Griechenlands (gestochen von Witthöft). Seine prak-
tifche Thätigkeit als Baukünstler eröffnete er mit der
Ausstattung einiger Zimmer der Königin, doch war
diese Thätigkeit so spärlich, daß er mit Landschaften
und Dioramen fortfahren muhte und von 1815 an
noch eine Anzahl von Theaterdekorationen zur Zau-
berflöte und vielen andern Opern und Schauspielen
entwarf, die zum Teil noch jetzt an den königl. Thea-
tern in Gebrauch sind. Die Entwürfe befinden sich
größtenteils im Schinkel-Museum der Technischen
Hochschule zu Charlottenburg, teilweise publiziert in
der "Sammlung von Theaterdekorationen, erfunden
von S." (Potsd. 1849). Im Mai 1810 war er als
Assessor in die Vaudeputation gekommen, und die
Akademie der Künste nahm ibn 1811 unter ihre
Mitglieder auf. Im Mai 1815 erhielt er die Stelle
eines Geh. Oberbaurats, trat 1819 in die technische
Abteilung im Ministerium für Handel, Gewerbe
und Bauwesen und wurde 1820 Professor der Bau-
kunst an der Akademie. In praktischer Bauthätig-
kcit war er erst 1816 öffentlich aufgetreten, nämlich
mit der Neuen Wache in Berlin, mit welchem Werke
er den Klassicismus seiner Vorgänger durch geist-
volle Verwendung hellenischer Formen und Bau-
gesinnung neu belebte. Es folgte der Neubau des
königl. Schauspielhauses (s. Tafel: B erlin er Bau-
ten II, Fig. 2), 1819 die Schloftbrücke, 1821 das
got. Nationaldcnkmal auf dem Kreuzberge, 1824
-30 die gleichfalls got. Werdersche Kirche. Das
Hauptwerk dieser Zeit aber war das schon 1822-23
geplante, aber erst 1825-30 gebaute Museum am
Lustgarten (s. Taf. II, Fig. 1). Zu diefem entwarf
er auch die höchst bemerkenswerten Wandgemälde
der Vorhalle (Entwurf im Schinkel-Museum der
Technischen Hochschule). In der 1832-35 erbauten
ehemaligen Bauakademie verwendete er wieder mit-
telalterliche Architekturmotive unter Anwendung
von Terracotta, wie anch im Schloß Babelsberg bei
Potsdam, im Rathaus zu Zittau und in einigen
andern Gebäuden, worunter der Palast Redern in
Berlin durch florentin. Motive hervorragt. An
Kirchen sind noch zu nennen die vier basilikalen Vor-
stadtkirchen Berlins auf dem Wedding, in Moabit,
vor dem Nofenthaler Thor und auf dem Gefund-
brunnen, wie die Nikolaikirche zu Potsdam, deren
imposante Kuppel freilich erst von Persius 1842-50
vollendet werden konnte. Dazu kommen Schloß und
Kasino zu Glienicke und Villa Cbarlottenhof bei
Potsdam (1826). Die Zabl feiner Bauten und die
scner, die nach feinen Entwürfen ausgeführt worden
sind, beläuft sich auf dreiundachtzig. Das beste
Bild seines Wollens und Könnens geben aber seine
nicht zur Ausführung gelangten Entwürfe. Dahin
gehören der beabsichtigte Umbau der Akropolis von
Athen zu einem griech. Königspalast (10 Tafeln,
Bcrl. 1878), die Pläne zu einem kaiferl. Palast
Orianda in der Krim (15 Tafeln, ebd. 1873), des
Palastes für den Prinzen von Preußen, des Denk-
mals Friedrichs d. Gr. und anderes. - Vgl. feine
Sammlung architektonifcher Entwürfe (26 Hefte,
Verl. 1820-37; 3. Aufl., 174 Kupfertafeln mit Text,
1857-58). Gleichzeitig erschien auch eine Auswahl
in 80 Taseln. 1839 zum Oberlandesbaudirektor er-
nannt, erlag er schon 9. Okt. 1841 einer Gehirn-
lähmung. Sein Marmorstandbild (vonTicck) schmückt
die Halle des Alten Museums in Berlin, seinen Ge-
burtsort Neuruppin feine Vronzestatue (von Wiese;
1883). Schon 1869 war ihm ein Bronzestandbild
(von Drake) vor der Bauakademie in Berlin errichtet
worden. - Vgl. Aus S.s 'Nachlaß, hg. von Wol-
zogen (4 Bde., Verl. 1862-64); die biogr. Schriften
über S. von Kugler, Vötticher, Quast/ H. Grimm,
Waagen, Woltmann, Pecht, Tohme u. a.
Schinkenmuschel (leina), Gattung aus der
Familie der Vogelmuscheln (s. d.) mit 18 lebenden
Arten. Die zusammengedrückten, unregelmäßig