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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schlangenadler - Schlangengift
Wiederkehr günstigerer Verhältnisse erwachen. Den
Menschen fürchten die S. allgemein und greifen ihn
nur gezwungen an. Ihre Lebensdauer und -Zähigkeit
sind groß; enthauptete E. bewegen sich noch lange,
und selbst ein vom Rumpfe getrennter Kopf vermag
noch einige Zeit nach dieser Trennung zu beißen;
vielleicht beruht auf diesen Umständen die volkstüm-
liche Behauptung, eine tödlich verwundete Schlange
sterbe erst mit Sonnenuntergang. Die S. pflanzen
sich meist durch Eier fort, die von den dem Männchen
äußerlich gleichen Weibchen in Sand oder feuchte
Erde, oft durch zähe Fäden paketweise miteinander
verbunden, gelegt werden. Die Vcbrütung erfolgt
durch die atmosphärische Wärme, seltener (bei Niesen-
schlangen) durch die Mutter; die Giftschlangen ge-
bären in der Regel lebendige Junge. Diese gleichen
so ziemlich ihren Eltern, erhalten aber ihren vollen
Glanz erst nach mehrern, rasch aufeinander folgenden
Häutungen. Die Ordnung der S. zerfällt in fol-
gende Unterordnungen: 1) Viperina, mit meist vom
Halse deutlich abgesetztem, hinten breitem Kopf, im
Ober- und Unterkiefer mit Zähnen, Oberkiefer sehr
klein mit ganz durchbohrten Giftzähnen; Schwanz
kurz. Hierher gehören die Grubenottern (f. d. und
Tafel: G i ftf ch l an g cn, Fig. 2, die Klapperschlange,
und Fig. 7, die Echararaka), die Vipern (f. d. und
Fig. 3 u. 4, die Kreuzottern); 2) ^oinw-wa. vens-
N033., Kopf nicht oder nur wenig gegen den Hals
abgesetzt, Oberkiefer nach hinten verlängert mit
nicht ganz durchbohrten Giftzähnen. Hierher ge-
hören die Prunkottern (s. d. und Fig. 6, die Korallen-
schlange, und Fig. 5, die Brillenschlange), die Meer-
schlangen (s. d. und Fig. 1, die Plattschwanzschlange);
3) ^owdrilorniiÄ, ohne Giftzähne. Hierher gehören
die Riescnschlangen (s. d. und Tafel: Schlangen,
Fig. 1, die Abgottschlange), die Nattern (f. d. und
Fig. 2, die Ringelnatter), die Schlingnattern (s. d.
und Fig. 5), die Wickelschlangen (s. d. und Fig. 3,
die Korallcnrollschlange), die Nachtbaumschlangen
(s. Baumschlangen und Fig. 4, der Ularburong);
4) I^pkiopiäas, Wurmschlangen, Zähne, niemals
Giftzähne, nur im Ober- oder nur im Unterkiefer,
der kleine Kopf ist nicht abgefetzt, Schwanz stark
verkürzt, Mund nicht erweiterungsfähig, Augen
verkümmert. Leben in der Erde. - Vgl. Lenz,
Schlangenkunde (Gotha 1832; 2. Aufl. u. d. T.:
H. und Schlangenfeinde, ebd. 1870); Dume'ril und
Bibron, NrMoloFie Fener^is (9 Tle. in 10 Bon.,
mit Atlas, Par. 1835-50); Jan, Iconoxi^pkw
36U6rai6 ä68 0pkiäi6N3 (51 Lfgn. in 4 Bon., ebd.
1860 - 83; seit 1860 fortgesetzt von Sordelli);
Bleyer-Heyden, Schlangen-Fauna Deutschlands
(Weim. 1891); Dürigen, Deutschlands Reptilien
und Amphibien (Magdeb. 1891 fg.).
Schlangenadler ((^i-ca^wL), eine in fünf Arten
aus Europa, Afrika und Indien ausgebreitete Raub-
vogelgattung, deren bekanntester Vertreter der gal-
lische S. (OircaewL ßa11icu8 6m.) ist. Derselbe ist
ein70cin langerund 180cm klafternder Raubvogel,
der in Südeuropa, Asien und Asrika vorkommt, aber
auch in Deutschland an verschiedenen Orten brütend
beobachtet wurde. Die Oberseite ist braun, Schwingen
und Schwanz mit dunklern Querbindcn, Kehle hell-
braun, Unterbrust und Bauch weiß mit braunen
Flecken, um die Augen ist das Gefieder weiß und
wollig. Seine Nahrung besteht aus Glicderticrcn
und kleinern Wirbeltieren, besonders Reptilien. In
der Gefangenschaft sieht man ihn häufiger, doch hält
er sich, da man ihm seine naturgemäße Nahrung
nicht bieten kann, nur selten längere Zeit. Bezahlt
wird er mit etwa 50 M.
Schlangenalabaster, s. Gekrösestcin.
Schlangenaugen (OpKiopntKaiiniäaL), Fa-
milie der Kurzzüngler (s. d.) mit verkümmerten,
als Ringe entwickelten Augenlidern; es fehlt eine
Seitenfurche am Körper; Rücken, Seiten und Bauch
haben gleichgestaltete, in alternierender Reihenfolge
angeordnete Echindelschuppen. Man hat die 14
Arten auf 6 Gattungen verteilt. Die S. sind eigen-
tümlich verbreitet: 6 Arten bewohnen Australien
bis Neuguinea und Timor, je eine die Fidschi-Inseln
und Mauritius, 3 Brasilien und Westindien, und
Schlangenbad, Kurort im Untertaunuskreis
des preuß. Reg.-Bez. Wiesbaden, 9 km nordwestlich
von Wiesbaden, in einem schönen Thal des Taunus,
besitzt acht Akratothcrmen (indifferente Mineral-
quellen) von 28 bis 32° c., deren Wasser zum Baden
gegen Nervenkrankheiten, Krämpfe, Neuralgien,
Lähmungen, Frauen-, Hautkrankheiten, Gicht und
Rheumatismus gebraucht wird, namentlich von
Frauen. Die alten Vadegebäude (Kurhaus) wur-
den 1694 von dem Landgrafen Karl von Hessen-
Dassel erbaut; das mittlere Vadhaus stammt aus
dem 18. Jahrh., das untere ist 1868 vollendet. Eine
Wandelbahn verbindet Badhaus, Thermalbrunnen,
Lesezimmer und Kursaal. Außerdem besteht eine
Molkcnheilanstalt. - Vgl. Vertrand, S. und seine
Warmquellen (Heidelb. 1878); Vaumann, Ärztliche
Mitteilungen über S. und seine Indikationen (Wiesb.
1880); S. mit besonderer Berücksichtigung seiner
Kur- und Badeanstalten (ebd. 1888)- R.Wolf, 8.
and it3 tk6rmHi>va,t6i'8 (ebd. 1882); Vaumann, S.
Kurze Schilderung des Kurortes (3. Aufl., ebd. 1894).
Schlangencordon, s. Obstbaumformcn.
Schlangendienst, Ophiolatrie, die Ver-
ehrung der Schlangen. Sie beruht auf der dämo-
nischen Natur, die in vielen alten und neuern Reli-
gionen den Schlangen zugeschrieben wurde. Über
den S. gnostischer Sekten s. Ophiten. - Vgl. Mähly,
Die Schlange im Mythus und Kultus der klassi-
schen Völker (Bas. 1867).
Schlangenfichte, s. Fichte (Bd. 6, S. 7661>).
Schlangenfifche (Opiiiäidas), Familie der schell-
fischartigen Weichflofser mit verlängertem, nacktem
oder beschupptem Körper, in der Regel mit vereinig-
ten Rücken-, Schwanz- und Afterflossen. Die Vauch-
flosfen sind kehlständig, meist schwach entwickelt oder
ganz fehlend. Man hat die 45 Arten in 16 Gat-
tungen eingeteilt. Die S. sind kosmopolitisch ver-
breitete, in den tropischen Gegenden am stärksten
entwickelte Seefische, zu dencn unter andern die
Sandaale (s. d.) gehörcu.
Schlangengift, eine de.n Speichel ähnliche,
grünlich oder gelblich gefärbte, wasserhelle Flüssig-
keit, in der sich mit dem Mikroskop Zellen nach-
weisen lassen. Der eigentlich wirkende Stoff ist
noch nicht mit Sicherheit erkannt, soll aber im we-
sentlichen aus verschiedenen Eiwcihkörpcrn (Echid-
uin, Globulin u. a. m.) bestehen, die aber nur
gemeinsam wirken, wahrscheinlich ist er aber bei
verschiedenen Schlangenarten verschieden. Das Gift
bewahrt auch nach dem Eintrocknen jahrelang feine
gefährlichen Eigenschaften; doch sollen ihm diese
neuerdings durch einfaches Filtrieren entzogen wor-
den sein. Schon auf die äußere Haut gebracht, er-