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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schleuse (Wasserbauwerk)
Thorpaares liegenden Thorkarnmern (1) haben jedoch
tiefer liegende Böden, so daß unterhalb jedes Thor-
paares ein (stumpfwinkliger) Anschlag, der Ober- bez.
der Unterdrcmpel (0 und u), gebildet wird. Die dem
Unterwasser zugekehrte Seite jedes Thorpaares legt
sich mit ihren untersten Teilen gegen diesen Drcmpel
und mit den drehbaren Pfosten an den Eeiten, den
Wcndcsänlen, an die Wendcnischen. Die sich an die
Wcndenischen nach dem Oberwasser zu anschließen-
den Nischen heißen Thornischcn; in diese legen sich
die Thore, wenn sie geöffnet sind. Die Thore, die
bei sehr schmalen S. anch einflügelig angeordnet
werden, sind von .holz oder bei brcitcrn E. auch von
Eisen, und dann hohl und durch angemessenes Aus-
pumpen znm Schwimmen zu bringen (Schwimm-
tbore). Anch kann man, wie bei einigen neuern
Bauten (Odcr-Spree-Kanal, Kanalisicrung der obern
Oder), die Drehachse des Thores horizontal anord-
nen, so daß es nach dem Unterwasser zu umklappt.
Zur gelegentlichen Abdämmnng des Hanptkör-
pers der S. dienen einfache oder doppelte Damm-
falze (ä). Das Drehen der Thore kann mechanisch
oder durch hydraulische Einrichtungen bewirkt wer-
den. Die Füllnng der Schleusenkammer ans dem
Ober- und die Leerung in das Unterwasser geschieht
entweder dnrch das Ziehen der Schuhe (s. Wehr) in
den Thoren oder in den Umlänfcn (nin), die aus
dem Oberwasser in die Schleusenkammer und mit-
unter auch aus dieser in das Unterwasser.
Bedeutet: ".Füllen der Schleusenkammer bis zur
.höhe des Oberwasscrspiegcls, d Offnen des Obcr-
thorcs, 0 Einfahren des Schiffs in die Schleufcn-
kammcr, ä Schließen des Oberthores, 6 Leeren der
Schleusenkammer bis zur Höhe des Unterwasser-
spiegels, t Offnen des Unterthores, 3 Durchfahren
des Schiffs in die Untere Haltung, Ii Schließen des
Untcrthores, i Durchfahrcn des Schiffs in die Obere
Haltung, fo verlauft das Durchschleusen, 1) wenn
wie in der Skizze das Unterthor offen ist und ein
Schiff von oben geschleust werden soll: in der
Reihenfolge 1i ad cäelZ; 2) wenn wie in der Skizze
das Untcrthor offen ist und ein Schiff von unten
geschleust werden soll: in der Reihenfolge cd ad i;
3) wenn das Oberthor offen ist und ein Schiff
von oben gefchleust werden soll: in der Reihenfolge
cäslF; 4) wenn das Obcrthor offen ist und ein
Schiff von unten geschleust werden soll: in der
Reihenfolge äelci^di.
Die Schleusenkammern werden als einfache für ein
Schiff, oder als Doppel- oder Kesselschleusen
für zwei und mehr Schiffe nebeneinander (dann gern
mit über Eck gestellten Thoren, damit das zuerst ein-
gefahrene Schiff auch zuerst wieder ausfährt), auch
ftir zwei Paar Schiffe hintereinander u. s. w. erbaut
und haben daher sehr verschiedene Längen (von etwa
3l^ bis je 165 m) und Breiten (von etwa 4 bis zu
25 m). Besonders bemerkenswert ist die großeKesfel-
schleuse bei Emden, durch die der Ems-Iade-Kanal
den Emdener Stadtgraben derart kreuzt, daß die
Kesselschleuse bei geschlossenen Kanalthoren mit die-
sem, bei geschlossenen Stadtgrabenthoren mit dem
Kanal gleiche Wasserspiegelhöhe hat.
Das Gefalle der Kammerschleusen betrug früher
in der Regel gegen 2 in, neuerdings bis zu 6 in
und 10 in (Schachtschleusen). Bei noch größern
Höhenunterschieden sind Schiefe Ebenen (s. d.)
oder Schiffshebewerke (s. unten) vorzuziehen.
Soll die unterste Kanalhaltung gegen Eindringen
von Hochwasscr aus dem Gewässer, in das der Kanal
mündet, geschützt werden, so erhält das Unterhaupt
der untersten S. ein zweites, mit der Spitze gegen
jenes Gewässer gekehrtes Tborpaar, das als F lut-
thor bezeichnet wird. Bei Seeschleusen schützt man
sich gegen das Eindringen von Hochwasscr ebenfalls
durch Flutthore, die man cbenfo wie das ganze see-
wärts gelegene Außenhaupt der S. über die Höhe
der höchsten bekannten Sturmfluten hinaus ragen
läßt (Eturmflutthore), und gegen das Ver-
lorengehen von Wasser zur Ebbezeit'ourch dieEbbe -
thore, die, in den Binnenhäuptern der S. ange-
bracht, durch den höhern Stand des Vinnenwassers
gegen den Drempel gedrückt werden. Fäckerthore
werden vorzngsweife bei den der Verschlickung aus-
gesetzten S. von Seehäfen angebracht. Jeder ihrer
Flügel besteht ans zwei Thorwänden, die ungleich
lang sind und im Grundriß an einen ausgebreiteten
Fächer mit ungleichen Schenkeln erinnern; sie öffnen
sich selbstthätig oder nach Ziehen von Schützen bei
außen abfallendem Wasser und bringen den seewärts
von ihnen angesammelten Schlick in Bewegung.
Bei den hydraulischen oder Trogschleusen,
besser Schiffshebewerken, kann man drei Haupt-
systcme unterscheiden: 1) Das Druckcylinder-
sy st e m. Jede der zu verbindenden Kanalhaltungen
mündet in zwei Arme; zwischen den Abschlußtborcn
zweier einander gegenüber liegenden Arme befindet
sich je ein parallelcpipcdischcr wassergefüllter SchM-
trog, der auf einem Prcßkolbcn ruht, welcher in
einen Prehcylinder eintaucht. Beide Preßcylinder
sind durch ein Rohr mit Absperrventil verbnnden
und halten sich im Gleichgewicht. Das nach Öffnung
der korrespondierenden Thore von Kanalhaltung und
Trog in diesen eingefahrene Schiff verdrängt auo
dem Troge so viel Nasser, wie sein eigenes Gewicht
beträgt. Beide Tröge bleiben daher im Gleichge-
wicht, gleichviel ob sich nur in einem oder in beiden
Schiffe befinden. Giebt man nun dein einen Trog
durch Einlassen von Wasser ein Übergewicht, so sinkt
er herab und bringt den andern zum Steigen. In
erstcrm kann man also ein Schiff aus der Höhe der
obern in die der untern Kanalhaltung bringen, im
zweiten, wenn erforderlich, ein Schiff aus der Höhe
der untern in die der obern Kanalhaltung. Nach
Einnahme der neuen Stellung der Tröge werden
wieder die korrespondierenden Thore geöffnet und
das Schiff führt durch. Der Nachteil dieses Systems
ist, daß, wenn man auch wegen kleinen Betriebes
einen der Tröge zur Aufnahme eines Schiffs gar
nicht benutzt, dennoch zwei Tröge und je zwei mit
Thoren abgeschlossene Kanalarme vorhanden sein
müssen, und daß die ganze Last der Tröge und der
zu ihrer Bewegung erforderliche Überdruck von den
Prcßcylindern aufgenommen werden muß. Aus
lctzterm Grunde lassen sich für große Schisssabmes-
sungen und demnach für große schwere Tröge keine
Prehcylinder von genügender Sicherheit konstruieren
und dieses System ist in solchcnFäüen unanwendbar.
2) DasSchwi m m ersy st e m. (Nachstehende Fig.2,
Querschnitt, und 3, Längsschnitt, zeigen dieses Sy-
stem in den Größcnvcrhältnisscn des Hebewerks beim
Tortmund-Ems-Kanal: Länge des Troges --- 70,
Differenz zwischen Ober- j^O. ^V.^ und Unterwasser-
spiegel ^U. ^V.^ --- 14 in.) Hier können ebenfalls
zwei Tröge angewendet werden, es ist aber prin-
cipiell nur ein Trog und daher jederseits auch nur
eiu Kanalarm erforderlich. Der wassergefüllte Trog
'I wird durch den Auftrieb einer Anzahl von wasser-
dichten Luftbehältcrn, Schwimmern.^, die in Wasser-