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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schnur – Schober

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Schnupftabak'

Niesen reizende Wirkung haben, sog. Niespulver, zusetzt, oder geradezu derartige Mischungen als S. verwendet. Solche Niesmittel sind z.B. das Pulver der Seifenwurzel, das der Wurzel vom Leberkraut (s. Asarum) und die zerriebene Blüte der Maiglöckchen, (über den Schneeberger S. s. Schneeberg.) Fabrikationsorte für S. sind unter andern Kreuznach, Lahr, Leipzig, Magdeburg, Nordhausen, Offenbach, Ratibor, Rawitsch, Stuttgart, Würzburg, Ulm, Göteburg, St. Gallen, Kristiania, Malmö, Rotterdam. – Litteratur s.unter Tabak.

Schnur, ein aus mehr oder weniger zahlreichen gedrehten Fäden bestehendes Gezwirn oder Geflecht (s. Klöppeln und Seil), auch eine bestimmte Anzahl an eine S. gereihter Dinge, z. B. Perlen. Über S. ohne Ende (Treibschnüre) s. Transmission.

Schnur, Frau des Sohnes, Schwiegertochter; namentlich in der luth. Bibelsprache gebräuchlich.

Schnurasseln (Diplopoda oder Chilognatha), eine Ordnung der Tausendfüßer (s. d.). Der in der Regel drehrunde, harthäutige Körper trägt an den meisten Leibesringen zwei Beinpaare, am Kopf siebengliedrige Fühler. Die S. sind träge und nähren sich von weichen, besonders faulenden Pflanzenstoffen. Zu den einheimischen Arten gehören die gerandete Schalenassel (Glomeris marginata Vill., s. Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer II, Fig. 13), der Sandvielfuß (Lulus sabulosus L., s. Taf. I, Fig. 9) und Blaniulus guttulatus Gerv., der in den Gärten durch Befressen von zarten Keimpflanzen schädlich wird.

Schnürboden, im Bauwesen die aus wagerecht gelegten Brettern gebildete Fläche, auf welche mittels der Schnur die Zeichnung für Zimmerarbeiten in natürlicher Größe aufgerissen wird, um die betreffenden Werkstücke danach abzupassen; auf einer Werft der Raum, wo nach den Schiffsplänen die Malle, d. h. die hölzernen Formen für die Spanten angefertigt werden. – Beim Theater heißt S. der Raum über der Bühne, in dem die Prospekte an Schnüren hinaufgezogen werden. Da diese nicht gebrochen werden, muß der S. die gleiche Höhe wie die Bühne selbst haben. Er erhebt sich z.B. im Dresdener Hoftheater 19,5 m über das Proscenium hinaus.

Schnürchenmusselin, Gewebe, s. Musselin.

Schnürchenpercal, ein dem Percal (s. d.) ähnlicher Stoff, in dessen Kette in bestimmten Abständen voneinander stärkere oder mehrfache, gewöhnlich nicht gezwirnte Fäden eingewebt sind.

Schnüren, das Umgeben einzelner Körperteile mit schnür- oder bandartigen Gegenständen, die fest anliegen und mittels Zusammenziehen einen Druck, namentlich auf die Blutgefäße, ausüben. Ein solches Verfahren wird von der Heilkunde in manchen Fällen, z.B. bei Krampfadern, mit Vorteil benutzt. Andererseits hat das S. durch die Gewalt der Mode eine große Ausdehnung beim weiblichen Geschlecht zur Verschönerung der Form des Oberkörpers gefunden. Zu starkes S. führt aber der Gesundheit nachteilige Veränderungen des Körpers herbei, insofern als die Leber gequetscht, die Baucheingeweide herabgedrängt und die Blutbewegung im Unterleibe erschwert werden, namentlich da, wo ein starkes Blankscheit im Schnürleib (Korsett) befindlich ist. Auch vermag übermäßig starkes S. viel zur Entwicklung von Frauenkrankheiten (s. d.) beizutragen. Über die geschichtliche Entwicklung der Mode des S. s. Korsett. – Vgl. Sömerring, Über die Schädlichkeit der Schnürbrüste (Lpz. 1788; 2. Aufl., Berl. 1793); ↔ Rüdinger, über die willkürlichen Verunstaltungen des menschlichen Körpers (Berl. 1875); Völcker, Die Schädlichkeit des S. (Münch. 1893).

Schnürenpudel, s. Hunde (Bd. 9, S. 429b).

Schnurfeuer, Feuerwerkskörper, s. Drehfeuer.

Schnürleber, s. Leberentzündung.

Schnürleib, s. Korsett und Schnüren.

Schnurrohr, Putzrohr, s. Rohr.

Schnurspalierbaum, s. Obstbaumformen.

Schnurwürmer, Nemertinen (Nemertini, Rhynchocoela), eine in mehrfacher Hinsicht interessante Ordnung der Plattwürmer (s. d.), deren Angehörige vor allem durch den Besitz eines Blutgefäßsystems auf einer höhern Stufe der Entwicklung stehen. Es sind gestreckte, bandförmige, oft über meterlange Würmer mit gerade verlaufendem Darme, der durch einen After nach außen mündet; vor dem Munde liegt in einer besondern Scheide ein vorstülpbarer langer Rüssel, der oft mit stilettförmigen Stäben bewaffnet ist. Die Geschlechter sind meist getrennt; die Jungen entwickeln sich durch Metamorphose unter Bildung interessanter Larvenformen. Die S. sind Meerbewohner, die frei schwimmend oder unter Steinen versteckt, vom Raube sich nähren, teilweise (Malacobdella) parasitisch leben. Je nach dem Besitze von Stiletten im Rüssel unterscheidet man die Unterordnungen der Enopla (Bewaffnete; es gehört hierher z. B. das Tetrastemma obscurum van Bened. der Ostsee, s. Tafel: Würmer, Fig. 8, jung) und der Anopla (Waffenlose). Eine das Land bewohnende Gattung der S. ist der Landschnurwurm (s. d.).

Schô, japan. Hohlmaß, s. Schoo.

Schoa, ein mit Abessinien verbundenes christl. Königreich, zu dem seit neuester Zeit auch Enarea und angeblich Kaffa gehören, Hauptfluß ist die Djemma; der Osten entwässert zum Hawâsch. Hauptorte sind Ankober, Angolala, Debra Libanos und Breahan. Seiner Naturbeschaffenheit nach teilt es die Eigentümlichkeiten des übrigen Abessiniens, ist sehr fruchtbar und dichter bevölkert als die durch Bürgerkriege verheerten nördl. Länder. Die Bewohner, gegen 2 Mill., sind Amhara und teils christianisierte, teils mohammed. oder heidn. Galla. Die Karawanenstraße zum Meer geht durch das Adalland nach Tedschura. König Menilek (der neunte seines Stammes), der seinen Stammbaum von Menelek, dem Sohne Salomos und der Königin von Saba ableitet, während die letzten Oberkönige von Abessinien für Usurpatoren galten, lebte mit dem abessin. Kaiser Johannes im Frieden und zahlte ihm sogar Tribut. Nach dem 1888 erfolgten Tode Johannes' gelang es ihm, den abessin. Thron zu besteigen und die andern Unterkönige zur Anerkennung zu zwingen. Weiteres s. Abessinien (Geschichte) und Erythräa.

Schober, s. Feime.

Schober, Thekla von, geborene von Gumpert, unter diesem Namen bekannt als Jugendschriftstellerin, geb. 28. Juni 1810 in Kalisch (damals Südpreußen), war längere Zeit Erzieherin bei der Fürstin Luise Radziwill und beim Fürsten Czartoryski, vermählte sich 1856 mit dem auch als Dichter bekannten Legationsrat Franz von S. (geb. 17. Mai 1798 auf dem Edelsitze Torup in Schweden, gest. 13. Sept. 1882) und siedelte mit ihm nach Dresden über. Sie ist eine der besten und beliebtesten Jugendschriftstellerinnen. Hervorgehoben seien aus diesem Gebiete: «Der kleine Vater und das Enkelkind» (Berl. 1843 u.ö.), «Die Badereise der Tante»

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 571.