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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schraubstollen - Schreck
Bei dem Parallelschraubstock, welcher statt
der Bogenbewegung nur eine Parallelverschiebung
der Backen gestattet, sind die Backenflächen auch bei
großen Öffnungen parallel. Fig. 2 zeigt einen Pa-
rallelschraubstock mit langer Schraube zur Bewegung
der verschiebbaren Backe. Die Schraube geht durch
eine Schrauben-
mutter hindurch,
die in der rohr-
artigen Hülse der
festen Backe ange-
ordnet ist. Hinter
der festen Backe
ist, wie bei den
Flaschenschraub-
Fig. 2. stocken, ein kleiner
Amboß angeord-
net, auf den kleinere Eisenteile gerichtet werden. Wäh-
rend die Flaschenschraubstöcke ganz aus Schmiede-
eisen hergestellt werden, sind die Parallelschraubstöcke
meist gegossen; öfters sind dann schmiedeeiserne
Backen eingesetzt. Beim Einspannen polierter oder
feiner Arbeitsstücke werden, wenn die Backen geriffelt
find, Überbacken aus Eisen-, Messingblech oder Blei
über die Backen der S. gesteckt, wohl auch durch eine
Feder verbundene hölzerne Backen (Feilkluppe)
zwischen dieselben eingelegt, damit solche Stücke
beim Einspannen ihre Politur nicht verlieren oder
überhaupt eine weichere Unterlage erhalten. Eine
Art tzandsckraubstock ist der Feilkloben (s. d.).
Schraubstollen, s. Hufeisen.
Schraubzwinge,S ch rauben zwing e,Leim-
zwinge, ein Werkzeug der Tischler und Metall-
arbeiter zum Zusammenhalten hölzerner und metal-
lener Arbeitsstücke beim Leimen, Bohren und an-
dern Arbeiten. Es besteht aus einem hölzernen
oder eisernen H-förmigen Bügel, durch dessen einen
Schenkel eine Schraube hindurchgeht. Durch An-
ziehen der Schraube wird das Arbeitsstück (oder die
gemeinschaftlich zu bearbeitenden Arbeitsstücke)
gegen den zweiten Schenkel gepreßt und in dieser
Lage festgehalten. Große S. werden als Schraub -
oder Leimknecbte bezeichnet.
Schraudolph, Claudius von, Sohn des Johan-
nes von S., Maler, geb. 4. Febr. 1843 in München,
wurde an der Akademie daselbst gebildet, wandte
sich von derHeiligenmalerci (Heilige Elisabeth Brot
austeilend) ab und malte zunächst einc Hofbräuhaus-
scene (1866), dann ein Mädchen am Klavier, den
Osterspaziergang aus "Faust", ferner Renaissance-
und Nokokoscenen. Die Nenaissance führte ihn zur
dekorativen Monumentalmalerei. 1883-94 war er
Direktor der Kunstschule zu Stuttgart.
Schraudolph, Johs. von, Maler, geb. 13. Juni
1808 zu Obcrstdorf im Allgäu, bezog 1825 die Kunst-
akademie zu München, bildete sich unter Schlott-
hauers Leitung weiter aus, übte sich unter Cornelius
in der Glyptothek in der Freskomalerei und half
dem Maler H. Heß bei den Fresken in der Aller-
beiligenhofkapelle und der Bonifatiusbasilika zu
München. Mit Fischer und Nöckel lieferte er dann
die Kartons zu den Glasgcmäldcn der Pfarrkirche
in der Auvorstadl, für die Dome zu Regensburg und
Landshut. König Ludwig I. betraute ihn 1844 mit
der Ausmalung des Doms zu Speyer, welche Arbeit
er, unterstützt von seinem Bruder Claudius S.
(geb. 1813, gest. 13. Nov. 1891), der auch sein Gehilfe
bei Ausführung der Fresken in München gewesen.
1853 vollendete. (Die Steinigung des Stephanus
aus diesem Cyklus hat Burger gestochen; Photogra-
phien nach den Kartons von Albert in München.)
Von S.s Ölgemälden, deren er viele für Hochaltäre
gemalt hat, besitzt die Neue Pinakothek zu München
neun, darunter: Himmelfahrt Christi, Petri Aschzug,
Maoonna; das Marimilianeum daselbst Die Geburt
Christi. S. starb 31. Mai 1879 in München.
Schrauf, Albr., Mineralog, geb. 14. Dez. 1837
zu Wien, studierte daselbst Naturwissenschaften,
wurde 1861 Beamter bei dem Hofmineralienkabi-
nett und blieb, 1868 zum ersten Kustos ernannt, hier
bis 1874. An der Wiener Universität habilitierte
er sich 1863 als Docent und wurde daselbst 1874
ord. Professor der Mineralogie und Vorstand des
Mineralogischen Museums, später wirkliches Mit-
glied der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. S.s
litterar. Thätigkeit bewegt sich auf dem Gebiete der
Mineralogie, Paragenesis, Mineralgeschichte und
Physik. Krystallographie. Außer zahlreichen Abhand-
lungen, insbesondere krystallograph^chei AN, und
chem.-Mineralog. Studien über den Associations-
krcis der Magnesiumsilikate und Quecksilbersulfide
veröffentlichte er: "Lehrbuch der Physik. Minera-
logie" (2 Bde., Wien 1866 - 68), sein eigentliches
Hauptwerk; ferner "Atlas der Krystallformen des
Mineralreichs" (1 Bd., Wien 1865-78), "Physik.
Studien über die Beziehungen zwischen Materie
und Licht" (ebd. 1867), "Handbuch der Edelstein-
kunde" (ebd. 1869).
Fok/'eb. oder ^c/^b., hinter der wissenschaftlichen
Benennung naturgeschichtlicher Gegenstände Ab-
kürzung fürJoh. Christ. Daniel von Schreb er,
geb. 1739 zu Weissensee, gest. 1810 als Professor
und Direktor des Votanischen Gartens m Erlangen.
Schreber, Daniel Gottlieb Mor., Arzt, geb.
15. Okt. 1808 in Leipzig, ließ sich nach vollendetem
Studium in seiner Vaterstadt als Arzt nieder und
leitete daselbst 1843 - 59 die von Carus gegrün-
dete orthopüd. Heilanstalt. Er starb 10. Nov. 1861.
S. hat sich durch zahlreiche Schriften um die Neform
des Erziehungswesens, insbesondere der physischen
Erziehung, sowie um die Einführung der Heilgym-
nastik (s. d.) große Verdienste erworben. Äußer
vielen kleinern Aufsätzen veröffentlichte er: "Das
Buch der Gesundheit" (Lpz. 1839-, 2. Aufl. 1861),
"Kallipädie oder Erziehung zur Schönheit" (ebd.
1858; 3. Aufl. u. d. T. "Das Buch der Erziehung",
bearbeitet von Hennig, ebd. 1891), "Kinesiatrik oder
die gymnastische Heilmethode" (ebd. 1852), "Die
schädlichen Körperhaltungen und Gewohnheiten der
Kinder" (ebd. 1853), "Die planmäßige Schärfung
der Sinnesorgane" (ebd. 1859), "Anthropos, der
Wunderbau des menschlichen Organismus" (ebd.
1859), "Pangymnastikon" (2. Aufl. 1875), "Arztliche
Zimmergymnastik" (24. Aufl. 1890).
Schreck (?avor), eme herabstimmende, läw
mende Einwirkung, die der Geist durch plötzliche
Wahrnehmung gefahrdrohender Dinge oder Zu-
stünde erfährt. Die Wirkung des S. auf den Or-
ganismus ist bald geistig-körperlich lähmend (z. B.
das Herz), starr und unthätig machend, bald führt
sie zu Reflexbewegungen lKrampf", bald zu einer
mebr oder weniger unwillkürlichen Anstrengung
zum Fliehen. Die durch das Erschrecken entstaw
denen Krampfformen (Epilepsie, Veitstanz, Asthma
u. s. w.) haben das Eigentümlicke, daß sie regel-
mäßig wiederkehren können, zu Gewohnheitskränv
vfen werden und dann unheilbar bleiben. Das
Aufschrecken der Kinder im Schlafe (pavornoc-