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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schubart; Schubert

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Schubart (Joh. Christian, Edler von Kleefeld) - Schubert (Franz)

wurde er des Landes verwiesen. Er begab sich zunächst nach Heilbronn, dann nach Heidelberg, Mannheim, München und Augsburg, wo er seine «Deutsche Chronik» (1774‒78) schrieb und Lesekonzerte hielt, in denen er die neuesten Stücke der deutschen Dichter mit dem größten Beifall deklamierte. Wegen seiner Angriffe auf die Jesuiten auch aus Augsburg ausgewiesen, ging er 1775 nach Ulm und setzte dort seine «Chronik» fort, wurde aber zu Blaubeuren 22. Jan. 1777 auf landesherrlichen Befehl verhaftet und auf die Festung Hohenasperg gebracht. Der Festungskommandant Rieger teilte ihm Bücher mystischen und theosophischen Inhalts mit, und der durch Ausschweifungen entnervte, von Leiden niedergedrückte, zur Hypochondrie geneigte und mit einer glühenden Phantasie begabte S. wurde für das Mystische gestimmt. Zwar erleichterte man 1778 seine Gefangenschaft etwas; allein erst nachdem er zehn Jahre ohne Verhör im Kerker gesessen hatte, kam er auf die Fürbitte des Königs von Preußen 1787 wieder auf freien Fuß und wurde zum Direktor der herzogl. Hofmusik und des Theaters zu Stuttgart ernannt. Noch im Gefängnis hatte er seine «Sämtlichen Gedichte» (2 Bde., Stuttg. 1785‒86; neue Ausg. von G. Hauff, 1884, in Reclams «Universalbibliothek») herausgegeben. In Stuttgart setzte er seine «Deutsche Chronik» u. d. T. «Vaterlandschronik» fort; auch begann er hier seine musikalischen Arbeiten und seine Lebensbeschreibung (2 Bde., Stuttg. 1791‒93) zu veröffentlichen. Noch vor Beendigung der letztern starb er 10. Okt. 1791. In seinen Gedichten machen sich die Unarten des formlosen Sturm- und Drangstils durch Schwulst und Roheit sehr fühlbar; einzelne treffen jedoch den Volkston recht glücklich. Besonders verbreitet war sein Kaplied: «Auf, auf, ihr Brüder, und seid stark»; aber auch einige seiner religiösen Gedichte und die erhabenen Dichtungen «Die Fürstengruft» und «Hymnus auf Friedrich d. Gr.» verdienen Anerkennung. Seine «Deutsche Chronik» fand viel Anklang wegen ihres stets gleichmäßigen Humors und ihrer reichen Abwechselung, Einfachheit der Darstellung und schonungslosen Freimütigkeit. In den frühesten Gedichten Schillers erinnert vieles an den Gefangenen vom Hohenasperg. Seine «Gesammelten Schriften und Schicksale» erschienen in 8 Bänden (Stuttg. 1839‒40). – Vgl. Strauß, S.s Leben in seinen Briefen (2 Bde., Berl. 1849; 2. Aufl., Bonn 1878); Hauff, Christian Daniel S. in seinem Leben und seinen Werken (Stuttg. 1885); Nagele, Aus S.s Leben und Wirken (ebd. 1888). Auch S.s Sohn Ludwig schrieb ein Buch über seines Vaters «Charakter» (Nürnb. 1798).

Schubart, Joh. Christian, Edler von Kleefeld, Landwirt, geb. 24. Febr. 1734 zu Zeitz, wurde um 1760 Kriegs- und Marschkommissar bei der engl. Hilfsarmee in Berlin, nachdem er zuerst Leineweber gewesen war und dann verschiedene Stellungen als Kopist und Sekretär innegehabt hatte. In letzterer Eigenschaft machte S. einen Teil des Siebenjährigen Krieges unter General Werner mit. Für den Freimaurerbund bereiste er dann bis 1767 fast ganz Europa, kaufte 1769 das Rittergut Würchwitz bei Zeitz und 1774 noch die beiden Güter Pobles und Kreischa. Hier führte er den Klee-, Krapp- und Tabakbau sowie das Gipsen ein. Seinen litterar. Ruf begründete er durch eine von der Akademie der Wissenschaften zu Berlin gekrönte Preisschrift über den Futterkräuterbau, die er u. d. T. «Zuruf an alle Bauern, welche Futtermangel leiden» unentgeltlich verteilte. Durch ihn ist der Anbau des Klees (Rotklees) in den Betrieb der mitteleurop. Landwirtschaft eingeführt worden, die dadurch eine vollkommene Umwälzung erlitt. Seine «Ökonomisch-kameralistischen Schriften» sammelte er in sechs Bänden (Lpz. 1783‒84), denen sich sein «Ökonomischer Briefwechsel» (4 Hefte, ebd. 1786) anschloß. Besonders schnell fanden seine Lehren in Österreich Verbreitung, weshalb er 1784 unter Beilegung des Namens Edler von Kleefeld vom Kaiser in den Adelsstand erhoben wurde. Er starb 23. April 1787. – Vgl. Johann Christian S., Edler von Kleefeld (2. Aufl., Dresd. 1846). ^[Spaltenwechsel]

Schubert, Franz, Tonsetzer, geb. 31. Jan. 1797 in Lichtenthal bei Wien als der Sohn eines Schullehrers, wurde 1808 Hofkapellknabe und hatte Unterricht im Generalbaß beim Hoforganisten Ruziczka, in der Komposition bei Salieri. 1813‒17 war er Schulgehilfe seines Vaters und schrieb in seinen Mußestunden Kompositionen der verschiedensten Art, Messen und andere Kirchensachen, sechs Opern und Singspiele, Sinfonien und andere Instrumentalstücke und Lieder. Unter diesen befinden sich bereits später berühmt gewordene, z. B. der «Erlkönig» und der «Wanderer» (beide 1816). Einen Teil des J. 1818 brachte S. als Musiklehrer des Grafen Esterházy auf dessen Landgut Zelész in Ungarn zu, und in den Sommer 1819 fällt ein Aufenthalt in Oberösterreich. Aus diesen beiden Jahren sind hervorzuheben: das Lied «Die Forelle», die vierhändigen Variationen Op. 10 und das sog. Forellen-Quintett. Auch schrieb er 1819 seine sechste Sinfonie (in C). Vor das große Publikum Wiens trat S. zuerst, doch ohne nachhaltigen Erfolg, mit der einaktigen Posse «Die Zwillinge» und mit der Musik zu dem Spektakel- und Ausstattungsstück «Die Zauberharfe». Außerdem fallen ins J. 1820 das Oratorium «Lazarus», der achtstimmige Männerchor mit Orchester «Gesang der Geister über den Wassern», der 23. Psalm für vier Frauenstimmen, die Klavierphantasie Op. 15. Die J. 1821 und 1822, wo zuerst einige seiner Sachen («Erlkönig» und «Gretchen am Spinnrad») im Druck erschienen, brachten die Oper «Alfonso und Estrella» und eins von S.s bedeutendsten Kirchenwerken, die Messe in As, sowie die zwei Sätze der unvollendeten Sinfonie in H-moll. 1823 entstanden die «Müllerlieder», die Musik zum Drama «Rosamunde», die Oper «Fierabras» und die Operette «Der häusliche Krieg oder die Verschworenen». Einen Teil des J. 1824 verlebte S. wieder auf dem Esterházyschen Gute Zelész, und die Sommermonate 1825 waren einem Aufenthalt in Oberösterreich gewidmet. Aus der massenhaften Produktion dieser Jahre sind hervorzuheben: das Instrumentaloktett Op. 166, das Klavierduo Op. 140, die Lieder aus W. Scotts «Fräulein vom See» und die Märsche Op. 55 und Op. 66. Den Kompositionen des J. 1826 gehören an das große D-moll-Streichquartett, der erste Teil der Liedersammlung «Winterreise», die «Nachthelle» (für Männerchor), das Rondo brillant Op. 70 für Klavier und Violine, das Klaviertrio in B. In das J. 1827 fallen von bedeutendern Sachen: das Klaviertrio in Es, der zweite Teil der «Winterreise», der Chor «Nachtgesang im Walde», die Klavierimpromptus Op. 142. In seinem letzten, bereits durch Krankheit getrübten Lebensjahre schrieb S. sein bedeutendstes Instrumentalwerk, die große C-Dur-Sinfonie (Nr. 7), ferner das Streichquartett