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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwedisch-Pommern - Schwefel
Schwedisch-Pommern, der westl. Teil des Her-
zogtums Pommern (s. d., Bd. 13, S. 260 d), den das
Deutsche Reich im Westfälischen Frieden als Reichs-
lehn, mit Sitz und Stimme im Fürstenkollegium
auf dem Reichstage, an Schweden abtreten muhte.
Schwedt, Stadt im Kreis Angermünde des
preuß. Reg.-Bez. Potsdam, am linken Ufer der
^ Oder, an der Nebenlinie Anger-
münde-S. (23,i Km) der Preuß.
Staatsbahnen,Sitz eines Amts-
gerichts (Landgericht Prenzlau)
und einerReichsbanknebenstelle,
mit breiten, geraden Straßen,
die mit Bäumen besetzt sind,
hat (1890) 9801 E., darunter
277 Katholiken und 206 Is-
raeliten, in Garnison das Dragonerregiment
Nr. 2, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fern-
sprecheinrichtung, 3 evang. und 1 kath. Kirche, eine
Synagoge, ein Schloß (Kronfide'i'kommiß), 1580
erbaut, 1723 als Residenz eines Seitenzweigs der
Markgrafen von Brandenburg vergrößert, mit
engl. Garten und dem großen Gebäude der 1867
nach Hannover verlegten königl. Reitschule, städti-
sches Gymnasium; bedeutenden Tabakbau und
Fabrikation (1500 Arbeiter, jährliche Produktion
5000 t), Brauerei, Dampfsägewerk, Handel, Schiff-
fahrt und Fifcherei. Nordwestlich von S. das 1778
erbaute Lustschloß Monplaisir mit Park.
S. erhielt 1265 Stadtrecht, sank aber so sehr, daß
ihm 1515 aufs neue das Stadtrecht verliehen werden
mußte. Die Herrschaft S., feit 1478 ein Besitz-
tum der Grafen von Hohenstein, kam 1609 an Bran-
denburg und wurde von dem Großen Kurfürsten
seinem ältesten Sohne aus zweiter Ehe, Philipp
Wilhelm, verliehen, der als Markgraf von S. der
Gründer einer Seitenlinie wurde (Markgrafen
von Vrandenburg-Schwedt), die 1788 aus-
starb. - Vgl. Thomä, Geschichte der Stadt und Herr-
schaft S. (Berl. 1873).
Schwefel (lat. 3u1kui-, chem. Zeichen 8, Atom-
gewicht 32), ein nichtmetallisches Element, das sich
in der Natur sehr verbreitet findet. In freiem Zu-
stande (als gediegenerS.) findet er sich in Kratern
von Vulkanen, in Kalk und Gipslagern und in den
damit in Verbindung stehenden Thon- und Mergel-
lagern, ferner auf und in Braunkohlen- und Stein-
kohlenflözen, so auf Sicilien und in der Romagna,
auf den Ionischen Inseln, in Ägypten an den Küsten
des Roten Meers, im Staate Nevada, in Mexiko,
im Solfatarendistrikt von Krisuvik auf Island, als
Absatz von Schwefelquellen (z. B. Aachen) u. s. w.
Der S. kommt ferner in Form von Schwefelmetal-
len (Schwefelkies, Kupferkies, Bleiglanz, Zinkblende)
und schwefelsauren Salzen (im Anhydrit, Gips,
Kieserit, Schwerspat, Cölestin u. s. w.) und als
Schwefelwasserstoff in den Schwefelwässern (s. d.) vor.
Von Wichtigkeit ist auch das Vorkommen des S. in
der Steinkohle, die bis zu 1 Proz. meist in Form
von Schwefelkies davon enthält. Der S. findet sich
als Bestandteil der Pflanzenkörper in organischen
Verbindungen, so in dem Senf, den Zwiebeln, dem
Löffelkraut, dem Meerrettich, der ^8k fostiäa sowie
in gewissen Bestandteilen des tierischen Körpers
(Eiweiß, Casem, Horn, Haut, Muskeln, Galle).
Der S. bildet mehrere allotrope Modifikationen
(s. Allotropie). Dieselben sind sämtlich bei gewöhn-
licher Temperatur gelb gefärbt und ganz unlöslich
in Wasser; sie leiten die Elektricität nicht, werden
daher beim Reiben selbst elektrisch. Bei etwa 260'
entzünden sie sich, nachdem sie vorher geschmolzen
sind, und verbrennen mit blauer Flamme zu Schwe-
fligsäureanhydrid. Einige der Modifikationen sind
in allen Flüssigkeiten vollkommen unlöslich-, andere
lösen sich, und zwar in Äther und Alkohol sehr
wenig, leichter in Benzol, fetten und-ätherischen
Ölen und namentlich in Schwefelkohlenstoff.
Die löslichen Modifikationen krystallisieren
in zwei verschiedenen Formen, so daß der S. dimorph
ist: derrhombischeS. krystallisiert in flächenreichen
Formen, deren Grundgestalt eine spitze rhombische
Pyramide ist. Die Krystalle sind durchsichtig, sehr
beständig, haben das spec. Gewicht 2,0? und schmel-
zen bei 114°. Diese Modifikation bildet sich stets,
wenn S. aus Lösungen bei niedrigern Temperaturen
als 90° krystallisiert, z. B. immer bei Verdunstung
der Schwefelkohlenstofflösungen. Schwefelmilch (f.d.)
ist diese Modifikation im nicht krystallinischen Zu-
stande. Der monokline oder prismatische S.
entsteht stets, wenn S. bei über 90° liegenden Tem-
peraturen aus Lösungen krystallisiert, oder ge-
schmolzener S. langsam erstarrt. Die Krystalle ent-
wickeln sich in Zohlräumen, z. B. wenn man eine
größere Menge geschmolzenen S. langsam oberfläch-
lich erstarren läßt, dann die Decke durchstößt und
den noch flüssigen Inhalt ausgießt, oft zu bedeuten-
der Größe. Sie sind bernsteingelb, etwas biegsam,
haben das spec. Gewicht 1,98 und schmelzen bei
gegen 120°. Beim Liegen werden sie bald undurch-
sichtig, hellgelb und sehr spröde, indem sie sich in die
rhombische Modifikation verwandeln.
Unlöslicher S. Beim Schmelzen werden die
löslichen Modifikationen zuerst zu einer bernstein-
gelben öligen Flüssigkeit (geschmolzener monokliner
S.), die sich von 150° an um so dunkler särbt, je
höher die Temperatur steigt, und zugleich immer
zähflüssiger wird. Bei 250° ist sie zu einer nicht
mehr fließenden braunen Masse verwandelt, die erst
bei stärkerm Erhitzen wieder schmilzt. Gießt man sie
dann in eiskaltes Wasser, so erhält man die pla-
stische oder elastische Modifikation in Form
dunkelbernsteingelber völlig amorpher, zu elastischen
Fäden ausziehbarer Massen, die das spec. Gewicht
1,92 haben und erst oberhalb 250" schmelzen. Bei
längerm Liegen verwandelt sich der plastische S. in
eine harte spröde Masse, den festen amorphen
S., der von gleichzeitig mit entstehendem löslichem
S. durch Ausziehen mit Schwefelkohlenstoff befreit
werden kann. Bei langem Liegen geht auch er in
monoklinen S. über. Ein Gemenge von festem
amorphem und monoklinem S. sind die Schwefel-
blumen. Erwärmt man diese Modifikation bis auf
93°, so erhitzt sie sich plötzlich von selbst bis auf
110° und ist dann in Schwefelkohlenstoff löslich ge-
worden. Auch der amorphe S. wird durch Schmel-
zen und langfames Abkühlen wieder zu löslichem,
und zwar zunächst zu prismatischem S.
Bei 440° siedet der S. und bildet tief braunrote
Dämpfe, deren Dichte --- 6,6 ist. Diefe Zahl ent-
spricht dem Molekulargewicht 192, so daß ein solches
Dampfmolekül aus 6 Atomen bestehen muh und die
Formel 8" hat. Bei starker Steigerung der Tem-
peraturfängt der Schwefeldampf an, sich auszudeh-
nen, bei 834° beträgt die Dichte noch 2,23 und bleibt
so bis über 1200° hinauf. Das dieser entsprechende
Molekulargewicht ist 64, die Formel also 82-
Dem Wasserstoff, den Metallen, dem Phosphor,
Arsen und Kohlenstoff gegenüber verhält sich der S.