Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

707
Schwefelalkohol - Schwefelkohlenstoff
als negatives zweiwertiges Element. Mit ersterm
vereinigt er sich nur schwer direkt zu Schwefelwasser-
stoff, mit den übrigen aber sehr leicht beim Zusam-
menerwärmen , oft unter plötzlichem Aufglühen.
Der zweiwertig gebundene S. entspricht dem Sauer-
stoff in seinen Verbindungen. Sind die Orvde der
Elemente basischer Natur, so sind es auch die Schwe-
felverbindungen. Sie werden dann Sulfobasen
oder Sulfurete genannt. Solche sind z. B. K28,
X8II, 5^3, 2n8 u. a. m. Bildet aber ein Element
mit Sauerstoff saure Oxyde, so sind auch die ent-
sprechend zusammengesetzten Echwefelverbindungen
oder Sulfide saurer Natur und werden dann Sul-
fosäuren genannt. So entsprechen z. B. den
Säureanhydriden ^^Og und ^82 O5 die Sulfosäuren
^828^ und ^8.285. Wie Sauerstoffsäuren und Vasen
sauerstoffhaltige Salze liefern, fo bilden Sulfosäuren
mit Sulfobasen die entsprechend zusammengesetzten
Sulfosalze, z. B. entspricht dem Natriumarseniat,
M3X804, Natriumsulfarseniat, Xa^Z^.
Gegenüber dem Chlor ist der S. bis zu vierwertig
(s. Schwefelchloride), gegenüber dem Sauerstoff so-
gar sechswertig, z. V. im Schwefelsäureanhydrid und
den verschiedenen Arten der Schwefelsäure is. d.).
Der S. wird hauptsächlich zur Verstellung von
Schwefelverbindungen, in größten Rengen zur Ve-
reitung von Schwefelsäure sowie des gewöhnlichen
Schießpulvcrs benutzt. Als Schwefelmilch (s. d.)
und Schwefelblumen findet er Verwendung in der
Medizin fowie zum Schwefeln ls. d.).
Gewinnung. Aus dem Schwefelkies kann der
S. durch Erhitzen bei Luftabschluß in Destillations-
apparaten zum Teil frei gemacht werden nach der
Formel: ^682-^68-1-8. Gewisse Mengen wer-
den auch aus den Gasreinigungsmassen und aus
den Sodarückständen durch Regeneration wieder ge-
wonnen. Immerhin wird der meiste S. aus dem
rohen gediegenen S., namentlich in der Provinz
Girgenti in Sicilien, die allein etwa neun Zehntel
des in den Handel kommenden Produktes liefert,
gewonnen. Die notwendige Reinigung desselben,
d. h. die Trennung von beigemengten Mineralien,
geschieht dadurch, daß man den natürlichen Roh-
schwefel in Kesseln schmilzt und im flüssigen Zu-
stande so lange erhält, bis die mineralischen Bei-
mengungen sich möglichst abgesetzt haben, worauf
man ihn vom Bodensatz abzieht und erstarren läßt.
So wird der S. (Rohschwefel) indessen nie ganz
rein gewonnen. Soll dies geschehen, so muß er
destilliert werden. Es geschieht dieses Raffinieren
in den Schwefelöfen, in denen der Rohschwefel
oder auch der noch mineralische Beimengungen ent-
haltende gediegene S. in cylindrischen eisernen Re-
torten bis über den Siedepunkt erhißt wird. Die
Dämpfe läßt man in gemauerte Kondensations-
räume treten. Solange die Temperatur derselben
den Schmelzpunkt' des S. nicht erreicht, verdichtet
sich der Dampf zu kleinen, sofort erstarrenden Tröpf-
chen, die sich als Schwefelblumen oder Schwe-
felblüte zu Boden setzen. Steigt die Temperatur
über 110°, so bleiben die Tröpfchen flüfsig und sam-
meln sich am Boden als geschmolzener S., den man
durch eine enge Öffnung in cylindrifche Holzfonnen
abzieht, in denen er zuStangenschwefel erstarrt.
Hauptproduktionsland für S. ist Sicilien, dessen
Ausfuhr jährlich über 3 Mill. Doppelcentner bei
einer Produltion von 3,? Mill. Doppelcentner be-
trägt. Deutschland führte 1894: 202 671 Doppel-
centner im Werte von 2027000 M. ein.
Über den philosophischen S. der Alchimisten
s. Philosophischer Merkur. Kohlenstoff.
Schwefelalkohol, s. Merkaptan und Schwefel-
Schwefelaluminium, s. Aluminiumsulfür.
Schwefelammonium, s. Ammoniumsulside.
Schwefelantimon, Dreifach-, s. Antimon-
sulfür; fünffach-, s. Antimonsulfid.
Schwefeläther, s. Äther, gewöhnlicher.
Schwefelätherweingeist, soviel wie Hoff
manns Tropfen (s. d.).
Schwefelbäder, s. Bad (Bd. 2, S. 254a).
Schwcfelbalsam, geschwefeltes Leinöl,
ValsÄmunl ZnituliZ) 016UN I^ini äuituratum, früher
offizinelles Präparat, wird erhalten durch Erhitzen
von 6 Teilen Leinöl mit 1 Teil Schwefel bis zur
Lösung des letztern (s. Haarlemer Balsam). S. ist
ein Volksheilmittel, in welchem allein die Wirkung
des gelösten Schwefels zum Ausdruck kommt.
Schwefelbaryum, s. Baryumsulfid.
Schwefelberg, Bad im Bezirk Schwarzenburg
des schweiz. Kantons Bern, zur Gemeinde Rüschegg
gehörig, 26 kin südlich von Bern, in 1394 m Höhe,
am nördl. Abfall der Stockhornkette auf einer Berg-
terrasse über dem linken Ufer der Kalten Sense, be-
steht aus einem großen Kurhaus und einer Trink-
halle, besitzt wie das 6 Km nördlich gelegene Gur-
nig elb ad (s. d.) eine kalte gipshaltige Schwefel-
quelle, die namentlich zur Trinkkur bei katarrhalischen
Leiden des Halses und Darms verwendet wird, und
wird als klimatischer Kurort viel besucht. Seit 1894
führt eine Fahrstraße westwärts nach Freiburg. -
Vgl. Gobl, Die Heilquellen des Kantons Bern (Bern
1862); Gsell-Fels, Kurorte der Schweiz (Zur. 1880).
Schwefelblei, s. Bleisulfid.
Schwefelblumen,Schwefelblüte,s.Schwefel.
Schwefelcalcium, f. Calciumsulfid.
Schwefelchlorrde. a. Einfach-Chlorschwe-
fel, Schwefelchlorür, früherHalbchlorschwe-
fel genannt, 82Ä2, entsteht, wenn Chlorgas über
gesämiolzenen Schwefel geleitet wird. Es ist eine
dunkelgelbe Flüssigkeit vom spec. Gewicht 1,?, siedet
bei 138° und findet Anwendung als Lösungsmittel
des Schwefels beim Vulkanisieren des Kautschuks,
d. Z w ei fach-Chlorschw es el,80i2, entsteht, wenn
Einfach-Chlorschwesel bei gewöhnlicher Temperatur
mit Chlor gesättigt wird; er ist ein braunrotes Öl
und sedr leicht zersetzbar, c. Vierfach-Chlor-
schwefel, 8OI4, entstebt, wenn eins der vorigen
Chloride bei - 22" mit Chlor gesättigt wird. Er ist
eine gelbbraune Flüssigkeit, die sich schon unter dem
Gefrierpunkt in Chlor und Zweifach - Chlorschwefel
zersetzt. Durck Wasser werden die S. sofort unter
Bildung von Salzsäure, schwefliger Säure und (die
beiden erstern) von Schwefel zersetzt.
Schwefelchlorür, s. Schwefelchloride.
Schwefelcyau, f. Rhodan.
Schwefelcyansäure,s.Rhodanwasserstofssäure.
Schwefeldioxyd, s. Schweflige Säure.
Schwefelcisen, Einfach- und Zweifach-,
s. Eisensulfide.
Schwefelhölzchen, s. Zündhölzchen.
Schwefelkadmium, s. Kadmiumsulfid.
Schwefelkalium, Einfach-, Dreifach- unt
Fünffach-, s. Kaliumsulside.
Schwefelkies, Mineral, s. Eisenkies.
Schwefelkobalt, s. Kobaltsulfide.
Schwefelkohlenstoff, Kohlendisulfid oder
Schwefelalkohol (Oai-doiiLuiii Liilkui-kwin, ^1-
codol äulturiä), O82, eine farblose, das Licht stark
45*