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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schwefelsilber - Schweflige Säure
der Heilung leicht zu ausgedehnten Narbenschrum-
pfungen und Verengerung von Speiseröhre und
Magen, die oft den Kranken nach Monaten noch
einem entsetzlichen Hungertode entgegenführen. Die
Behandlung hat vor allem die Aufgabe, das Gift
unschädlich zu machen, weshalb man sofort Alkalien,
insbesondere gebrannte Magnesia, im Notfall Kreide,
Seife, Asche, Soda, in großen Mengen in Wasser
gelöst reiche. Gegen die vorhandenen Beschwerden
sind Eispillen, desinfizierende Mund- und Gurgel-
Wässer sowie stärkere Reizmittel (Wein, starker
schwarzer Kaffee, Thee) zu verordnen. Bei ent-
stehenden Narbenverengerungen der Speiseröhre ist
die mechan. Erweiterung mittels Sondierung vorzu-
Schwefelsilber, s. Silbersulsid. ^nehmen.
Schwefeltrioxyd, s. Schwefelsäure.
Schwefelwässer libsiop^as), natürliche oder
künstliche Mineralwässer, die sich durch ihren Gehalt
an Schwefelwasserstoff und löslichen Schwefelmetal-
len auszeichnen. Der meist in der Form von Schwefel-
wasserstoffgas in ihnen enthaltene Schwefel giebt
ihnen einen mehr oder weniger starken Geruch und
Geschmack nach diesem Gase und häusig infolge von
ausgeschiedenem Schwefel ein schwach opalisierendes
Ansehen. Aus einigen heißen Schwefelquellen,
z. B. der von Aachen, sublimiert Schwefel in Form
zarter, locker zusammengehäufter Krystallnadeln,
welche die Wände und Gewölbe, wodurch die Quel-
len eingeschlossen sind, bekleiden. Modifiziert wer-
den die Wirkungen der S. durch die den einzelnen
Quellen eigentümliche Beimischung anderer Stoffe,
und man unterscheidet sonach 1) alkalisch-mu-
riatische, in denen vor den übrigen Bestandteilen
Kochsalz und kohlensaures Natron vorwaltet, z. B.
zu Aachen; 2) alkalisch-salinische, in denen sich
neben den angeführten Stoffen noch schwefelsaures
Natron (Glaubersalz) in bedeutenderer Quantität
vorfindet, z. B. zu Warmbrunn und zu Landeck;
3) erdig-salinische, in denen schwefelsaure Salze,
namentlich erdige, die ersten Nebcnbestandteile bil-
den, z. B. zu Baden in Osterreich, Nenndorf, Eilsen,
Kreuth u. s. w. Alle Schwefelquellen haben das
gemeinschaftlich, daß sie die Ab- und Aussonderun-
gen der äußern und der Schleimhaut befördern und
den Blutumlauf beschleunigen, weichen jedoch in
ihrer Wirkung durch die vorwaltenden Nebenbestand-
teile sowie durch ihren verschiedenen Temperatur-
grad noch verschiedentlich voneinander ab. Im all-
gemeinen wendet man sie gegen Dyskrasien ver-
schiedener Art, chronische Krankheiten der äußern
Haut, die in unterdrückter Thätigkeit oder regel-
widriger Absonderung derselben bestehen, Krank-
heiten der Schleimhäute infolge örtlicher Schwäche
und Stockungen des Blutkreislaufs in den Unter-
leibsorganen, namentlich Hämorrhoidalbeschwerden
an. Vorzugsweise benutzt man sie als Bad in allen
Formen, weniger auch als Getränk. Die wichtigsten
deutschen S. sind die von Aachen, Burtscheidt,
Landeck, Langensalza, Nenndorf, Eilsen, Nürnberg,
Weilbach und Langenbrücken. Außerhalb Deutsch-
lands sind besonders die Schwefelquellen von Baden
bei Wien, die Herculesbüder bei Mehadia und
Trentschin-Teplitz in Ungarn, Abano und Acqui in
Italien, Baden und Schinznach in der Schweiz, Aix,
Barreges, St. Sauveur, Cauterets und Vagneres
d'Adour in Frankreich und Harrowgate in England
als heilkräftige S. berühmt.
Schwefelwasserstoff, Hydrothionsäure,
1^3, eine gasförmige Verbindung des Schwefels
mit dem Wasserstoss, die in der Natur in den Schwe-
felquellen (s. Mineralwässer und Schwefelwässer)
vorkommt und sich durch Fäulnis in Morästen und
in großer Menge in Kloaken bildet. Diese Verbin-
dung macht sich immer durch ihren Geruch nach
faulen Eiern bemerklich. S. wirkt erstickend und im
höchsten Grade giftig; doch haben geringe Mengen
desselben eine entschieden wohlthätige Wirkung, be-
sonders auf das Respirationssystem. S. unterhält
das Verbrennen nicht, verbrennt aber selbst mit
blauer Flamme zu schwefliger Säure und Wasser.
Durch Druck und Abkühlung wird S. in eine stark
lichtbrechende Flüssigkeit verwandelt, die bei - 61,8°
siedet und bei - 85 erstarrt. Der S. wird bereitet
durch Übergießen von Echwefelmetallen, namentlich
Schwefeleisen, mit verdünnter Schwefelsäure, wobei
das Gas entweicht. Er ist in der chem. Analyse ein
wertvolles Mittel zur Trennung der Metalle. Auch
als wirksames Reduktionsmittel wird S. benutzt.
Mit den Lösungen der meisten Metallsalze setzt sich
der S. teils in saurer, teils in alkalischer Lösung
unter Bildung von Sulfiden um. Eine Absorption
des Gases in Waffer ist das Schwefelwasfer-
stoffwasser (^hug. b^äroLuiturNta), das als Rea-
gens benutzt wird. Iniumsulfhydrat.
Schwefelwasserstoffammoniak, s. Ammo-
Schweflige Säure, Schwefeldioxyd, 802,
als Anhydrid ein farbloses, stechend riechendes, säuer-
lich schmeckendes, durch Druck und Kälte leicht zu einer
Flüssigkeit verdichtbares, in Wasser absorbierbares
Gas, das auf viele Pflanzen bleichend einwirkt und
durch Verbrennen des Schwefels, durch Rösten von
Schwefelkies, Kupferkies undZinkblende, durchKochen
von Schwefelsäure mit Kohle, Schwefel oder Kupfer
dargestellt wird. Man wendet sie entweder als Gas in
Wasser aufgelöst oder in Form schwefligsaurer Salze,
mit Kalium oder Natrium verbunden, an und benutzt
sie vorzugsweise zum Bleichen tierischer Substanzen,
wie der Seide, Wolle, der Schwämme, der Federn
u. s. w., welche Körper durch das gewöhnliche Bleich-
mittel, durch Chlor, zerstört oder nicht entfärbt, fon-
dern gelb gefärbt werden. Sie dient ferner zum
Bleichen der Stroh- und Korbgeflechte, zum Entfernen
von Obst- und Weinflecken aus Wüsche sowie als Des-
infektionsmittel <s. Desinfektion, Bd. 4, S. 971d), zum
Konservieren des Hopfens, der eingemachten Früchte,
des Weins, des Biers, bei der Saturation der Zucker-
säfte u. s. w. (S. auch Schwefeln.) Die S. S. hat
bei Gegenwart von Wasser große Neigung, Sauer-
stoff aufzunehmen und in Schwefelsäure (s. d.) über-
zugehen, und ist daher das hauptsächlichste Material
bei der Fabrikation der engl. Schwefelsäure. Auf
derselben Eigenschaft beruht ihre Anwendung als
Reduktionsmittel. In neuerer Zeit kommt das
Schwefligsäureanbydrid auch in flüssiger Form. in
starkwandigen Gefäßen in den Handel. Zu beachten
ist, daß die S. S. giftig ist und, auch in geringen
Mengen eingeatmet, die Atmungsorgane heftig
reizt und in Entzündung versetzt. Bei Einatmung
größerer Mengen wird Stimmritz enkrampf und
Erstickungstod beobachtet. Die schwefligsauren
Salze oder Sulfite entsprechen einem Säure-
hydrat H^Og, das in freier Form nicht ab-
scheidbar ist, da es sofort in Anhydrid, 802, und
Wasser zerfällt. Als zweibasische Säure bildet die
S. S. zwei Reihen von Salzen, von denen die neu-
tralen, abgesehen von den Alkalisulsiten, in Wasser
meist unlöslich sind. Von den sauren, den Bisul-
siten, sind auch die Salze der alkalischen Erden lös-