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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Schweiz

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Schweiz (Industrie. Handel)

Kanton St. Gallen u. s. w.) sind fast ganz ausgebeutet und ergeben jährlich nur noch 3000 t, die Asphaltgruben des Val de Travers (Neuenburg) 7000 t. Torf findet sich überall; Kochsalz liefern die Salinen von Bex (Waadt), Rheinfelden, Ryburg und Kaiseraugst (Aargau) und Schweizerhalle (Basel), im ganzen jährlich etwa 40000 t. Von Mineralquellen sind zu erwähnen die kalten Schwefelquellen in Gurnigel, Lenk, Heustrich, Schwefelberg, Stachelberg, Alvaneu, Le Prese, Yverdon, die warmen Quellen in Baden, Schinznach, Lavey, die Natronsäuerlinge von Tarasp, Schuls, Fideris, St. Moriz, Rothenbrunnen, Pasugg, die Eisensäuerlinge ebenda, mit schwefelsaurem Gips in Seewen, Blumenstein, Gonten, die salinischen Quellen bei Tarasp, Schuls, Birmenstorf, die Kalkquellen (kalte sehr zahlreich) als Thermen bei Weissenburg und Leuk, die jod- und bromhaltigen Quellen von Wildegg und Saxon, die neutrale Therme von Pfäfers.

Industrie. Der große Reichtum an Wasserkräften bildet die Hauptgrundlage der kräftig entwickelten Industrie. Der Ursprung derselben läßt sich bis ins 13. Jahrh. zurückverfolgen. Damals war die Woll- und Leinenindustrie verbreitet; die Anfänge der Züricher Seidenmanufaktur fallen ebenfalls in dieses Jahrhundert; das 15. Jahrh. brachte die Papierfabrikation (Basel, Freiburg), den Buchdruck (Basel) und die Uhrmacherei (Genf). Im 16. Jahrh. begann die Seidenspinnerei, -Zwirnerei und -Färberei, die Sammet- und Seidenweberei sowie die Passementerie; im 17. Jahrh. folgte die Musselinmanufaktur, Stoffdruckerei, Bleicherei, Strumpfweberei, Tabakverarbeitung und Spitzenklöppelei. Das 18. Jahrh. brachte die Baumwollspinnerei, Stickerei, Strohflechterei, Musikdosenfabrikation und Roßhaarspinnerei. Im 19. Jahrh. entstand die Maschinen-, Farben-, Zündholzindustrie, die Farben-, Schuhwaren-, Gummi- und Instrumentenfabrikation, die Brauerei, Holzschnitzerei, die Fabrikation von kondensierter Milch, Käse, Milchzucker, Schokolade u. a. Einige dieser Industrien bestehen nicht mehr; so ist die Spitzenklöppelei fast ganz eingegangen, wesentlich zurückgegangen ist die Leinenmanufaktur, vorübergehend auch die Wollwarenfabrikation. Die bedeutendsten Fabrikationszweige sind gegenwärtig die Baumwollindustrie (Stickerei, Weberei, Zwirnerei, Druckerei, Bleiche und Appretur, Färberei) mit 2050 Betrieben und 88988 beschäftigten Personen (davon 1571 Fabriken mit 54158 Arbeitern), die Seidenindustrie (Stoff- und Handweberei, Spinnerei, Zwirnerei, Färberei) mit 350 Betrieben und 60704 beschäftigten Personen (227 Fabriken mit 27819 Arbeitern), die Uhrenindustrie (ohne Musikdosen) mit 44147 thätigen Personen, die Verarbeitung von Stroh und Roßhaaren (Fabrik- und Hausindustrie), die Eisengießerei und Maschinenfabrikation mit 14888 Personen (12918 in 172 Fabriken) und die Milchwirtschaft (Käserei und Milchsiederei). Die nächstbedeutenden Industrien sind die Verarbeitung von Tabak (6415 Arbeiter), die Fabrikation von Schuhwaren (27393), Hanf- und Leinenwaren (6625), Wollwaren (3520), Papier und Holzstoff (2744), Bijouteriewaren (1582), Wirkwaren, Musikinstrumenten (2079) und Gummiwaren (6341), die Holzschnitzerei (1730), Farbenindustrie (976) und Schokoladenfabrikation (13 Fabriken mit 528 Arbeitern). - Die Gesamtzahl der dem Bundesgesetz vom 23. März 1877 unterstellten Fabrikanlagen betrug (1888) 3786, darunter 2322 mit Motoren; beschäftigt waren 159543 (86532 männl., 73011 weibl.) Arbeiter, darunter 22914 (9691 männl., 13223 weibl.) unter 18 Jahren. Verwendet wurden Wassermotoren mit 54243, Dampfmotoren mit 27432, Gasmotoren mit 394, Elektromotoren mit 323 Pferdestärken. 1893 brauten 318 Brauereien 1521806 hl Bier, wovon 19614 hl ins Ausland gingen. Durch das eidgenössische Fabrikgesetz von 1877 wurde das Maximum der täglichen Arbeitszeit in den schweiz. Fabriken auf 11 Stunden festgesetzt, die Sonntagsarbeit untersagt, die Frauen- und Kinderarbeit wesentlich beschränkt und das Fabrikwesen der Aufsicht eidgenössischer Inspektoren unterstellt. Eine Ergänzung zu diesem Fabrikgesetz bildet das 1881 erlassene Gesetz über die Haftpflicht bei Unglücksfällen sowie das Gesetz über die sog. erweiterte Haftpflicht von 1887.

Nach dem Bericht der Branntwein-Monopolverwaltung wurden im Inlande (1893) 2347 t gebrannte Weine erzeugt, darunter 2345 t Spiritus zum Trinken im Werte von 2137114 Frs. Verwendet wurden hierzu 19682 t einheimische Kartoffeln, 825 t einheimische Körnerfrucht und 492 t ausländischer Mais. Von der Monopolverwaltung wurden 9428 t eingeführt. Die monopolpflichtige Einfuhr betrug 8491 t, darunter 7705 t Rohstoffe für Brennzwecke, das übrige Branntweine, Liqueure, Essenzen zur Bereitung geistiger Getränke u. dgl.

Handel. Die S. hat trotz des Mangels an Rohprodukten für die Industrie und trotz des Fehlens einer Meeresküste und größerer Wasserstraßen einen im Verhältnis zur Größe bedeutenden Handel. Von der Gesamteinfuhr entfallen etwa 40 Proz. auf Rohstoffe, je etwa 30 Proz. auf Nahrungs- und Genußmittel sowie auf Fabrikate, von der Ausfuhr 75 Proz. auf Fabrikate, je 12-13 Proz. auf Rohstoffe und auf Nahrungs- und Genußmittel.

Eine Übersicht über den Waarenverkehr giebt die Tabelle auf S. 724.

Die Hauptartikel im Specialhandel waren 1893:

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Einfuhr Ausfuhr

Waren Mill. M. Waren Mill. M.

Seide 133,4 Seidenwaren 123,5

Getreide und Mehl 99,5 Baumwollwaren 114,6

Wollwaren 38,5 Uhren 89,5

Kohlen 36,1 Rohseide 37,5

Chemikalien 29,3 Käse 36,2

Baumwolle 28,3 Seidengarn 35,5

Tiere 27,6 Maschinen u. Fahrzeuge 24,7

Baumwollwaren 25,8 Chemikalien 19,5

Wein 25,5 Tiere 17,9

Eisen 24,4 Baumwollgarn 17,2

Maschinen u. Fahrzeuge 23,3 Milch 17,0

Zucker 19,3 Wollgarn 8,2

Kaffee 17,0 Häute 8,0

Eisenwaren 15,8 Strohwaren 7,6

Gerste, Malz, Hopfen 14,8 Wollwaren 7,4

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Ferner wurden noch in größern Mengen eingeführt Holz (12,7 Mill. M.), Wolle (10,9), Leder (10,3), Tabak (8,9), Seidenwaren (8,9), Bücher u. s. w. (8,9), Viehfutter (8,6), Leinenwaren (8,3 Mill. M.) u. a.

Die Ein- und Ausfuhr in den vorausgehenden Jahren betrug in Franken:

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Jahr Einfuhr Ausfuhr

1889 906 556 524 695 263 418

1890 954 273 276 702 812 986

1891 932 165 846 671 866 935

1892 869 410 402 657 649 216