Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

755
Schwindsucht - Schwingung
Schwindsucht, im allgemeinen (^al)68, lade-
Lcentia) alle langwierigen Krankheiten, bei denen
die Kranken allmählich, aber unaufhaltsam an
Fleisch und Kräften abnehmen. Die ältere Medi-
zin unterschied als zwei Hauptklassen die Darrsucbt
(s. d.) oder trockne S., Abzebrung ftiaraLinuZ), von
der eigentlichen S. oder Auszebrung (s. d.), bei wel-
cker letztern reichliche Stoffverluste und trankhafte
Entzündungs- oder Eiterungsprozcsse als Ursachen
des allmählichen Abzehrens vorlagen und meist hek-
tisches Fieber (s. Hektik und Fieber) vorbanden war.
Von den Laien wird unter S. fast ausschließlich die
Lungenschwindsucht (s. d.) verstanden. (S.Pbtbisis.)
Schwindung, die Verkleinerung des Raum-
inhalts oder der Abmessungen, welche vcrscbiedene
Körper infolge gewisser Physik. Vorgänge ersabren.
Die Zabl, welche die S. angiebt, beißt Schwind-
en aß. Holz (s. d., Vd. 9, S. 305 a.) schwindet beim
Trocknen, gegossene Metalle beim Abkühlen, wesbalb
die Gußmodclle entsprechend größer sein müssen
als die fertigen Gußstücke. Gußeisen schwindet z. B.
um ^/gg seiner Abmessungen; gegossener Stahl ^75;
Zmk '/"?; Vlcssing ^2'. Zinn'',47: Vlel ^2. Bei
der Verarbeitung der Körper zu Gebraucksgegen-
ständen kann die S. verschiedene üble Folgen nack
sich ziehen, Holzgegcnstände werfen sich oder reißen
infolge des Umstandes, daß die S. in verschiedenen
Richtungen nicht die gleiche ist; ebenso können
metallene Gegenstände sich verziebcn oder innere
Spannung, d. h. Neigung zum Zerspringen be-
kommen oder aucb wirklich zerspringen, wenn ein-
zelne Teile des Abgusses früher schwinden als
andere, sei es, daß sie schwacker im Querschnitt
sind als diese oder daß sie durch irgend einen Zu-
fall rascber abgekühlt wurden; im Innern ge-
gossener Metallgegenstände aber pflegt sich da, wo
das Metall am längsten flüssig bleibt, ein bobler
Raum zu bilden infolge des Umstandes, daß hier
noch S. eintritt, nachdem die früher erstarrte Kruste
bereits geschwunden ist. Da jener Dohlraum ur-
sprünglich vollständig luftleer ist, so verrät sich
dessen Entstehung nicht selten durch ein Senken der
Oberfläche des Abgusses oder eine völlige Trichter-
bildung an der betreffenden Stelle: die Luft drückt
die Oberfläche zusammen und strebt, den leeren
Raum auszufüllen (Lungern oder Saugen).
Durck geeignete Kunstgriffe kann der Gießer die
geschilderten übcln Folgen der S. verhüten.
Schwingekanal, ehemalige Kanalverbindung
zwischen Oste und Schwinge: auch soviel wie Elmer
Schiffgraben. Über beide s. Tabelle beim Artikel
Fehn- und Moorkolonien (Vd. 6, S. 629).
Schwingel, Pflanzengattung, s. 563wc5.
Schwingen, eine Operation der Flachs- und
Hanfspinnerei (s. Flachsspinnerei, Vd. 6, S. 859d).
- S. im Seewesen s. Schwoien.
Schwingen, in der deutschen Schweiz eine in
manchen Bcrggcgcnden vorkommende Form des
Ringens, bei der sich beide Teile gegenseitig mit der
Faust und ausgestrecktem Arme am Wulst ihrer bis
zum Oberschenkel zurückgerollten Beinkleider oder
an besonders dazu bestimmten Schwinghosen fassen
<daher der Trivialname Hosenlupf), umeinander
in die Höhe zu heben und durch einen kräftigen
Schwung zu Boden zu werfen. Dieses Kampffpiel,
das in Beinen und Armen große Kraft und Ge-
wandtheit erfordert, hat seine genau bestimmten alt-
hergebrachten Regeln; Sieger ist, wer den Gegner
auf den Rücken wirft. Die Schwinger benachbarter
Thäler, oft auch mehrerer Kantone, versammeln sich
an bestimmten Tagen und Punkten zum Wettkampf
oder "Schwinget", so auf der Großen Scheideck, auf
den Alpen zwiscken Obwalden und Oberhasle, Em-
menthal und Entlebuch u. s. w.; seltener bei Inter-
laken, Bern, Vurgdorf u. s. w., wo die Schwingfeste
größere Dimensionen annehmen, aber auch viel von
ihrer Ursprünglichkeit und Volkstümlichkeit einbüßen.
Wer an mehrern aufeinander folgenden Schwing-
festen Sieger geblieben, ist der Schwingerkönig. Als
die besten Schwinger gelten die Emmenthaler und
Oberhaslcr (Bern), die Entlebucher (Luzern) und die
Oberwaldner.- Vgl. Schärer, Anleitungen zum
Ringen und S. (2. Aufl., Bern 1883); Ofenbrüggen,
Die Scbweizer (Bcrl. 1875); G. Herzog, Schweiz.
Volksfeste, Sitten und Gebräuche (Aarau 188^).
Schwingfaden, Algcngattung, s. Osciiiai-iH.
Schwingkölbchen oder Halteren (HHlt6r68),
die verkümmerten Hinterflügel der Zweiflügler (f. 0.),
welche die Gestalt kleiner mit einem runden Endknopf
versehener Stielcken angenommen haben. Ihre Be-
deutung ist unklar, doch spricht der Umstand, daß sich
an ibrem Grunde ein Nervcnapparat befindet, dafür,
daß sie irgend eine Sinneswahrnchmung vermitteln.
Schwingkrau oder Droop, ein Kran zum
Senken von Lasten, der zum Niederlassen und Ent-
laden von Steinkohlenwagen, beim Beladen von
Schiffen mit Steinkohlen besonders in England
Verwendung findet. Der von einem erhöhten Gleis
berabzusenkende Kohlenwagen wird an das eine
Ende des Kranauslegers gehängt; dieser besteht aus
einem doppelarmigen um eine horizontale Achse
drehbaren Hebel, der in der Ruhelage fast senkrecht
steht. Das andere Hebelende ist mit einem Gegen-
gewicht belastet; auf der Hebelachse sitzt eine Brems-
sckeibe. Löst man die Bremse etwas, so dreht sich
durcb das Übergewicht des angehängten Kohlen-
wagens der Ausleger herab, bis der Wagen unten
ankommt und abgelöst wird. Hierauf schwingt der
Ausleger, angetrieben durch das Gegengewicht am
Hebelende, wieder nach oben. ^S. 859d).
Schwingmaschine, s. Flachsspinnerei (Vd. 6,
Schwingung, Vibration odcrOscillation,
jede Bewegung, die einen Körper zwischen bestimmten
Grenzen nach bestimmten Gesetzen hin- und wieder
zurückführt; fo die Bewegungen des Pendels (s. d.),
des Wagebalkens, der Glocken, der gespannten
Saiten, der im Gleichgewicht gestörten Magnet-
nadel u. s. w. Der Schall (s. d.) besteht aus S. der
Luft, das Licht (s. d.) aus solchen des Äthers. S.
treten überall auf, wo das stabile Gleichgewicht (s. d.)
eines Körpers gestört wird und derselbe die Gleich-
gewichtslage wieder zu gewinnen sucht. Hängt z.B.
eine Last k (s. vorstehende Fig. 1) an einer Spiral-
feder 3, so wird das Gewicht der erstern bei einer ge-
48*