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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Seeley - Seelmann
Mamchäer hat die Ansicht gleichfalls benutzt; die
christl. Kirche hat sie stets bestritten. Auch die kelt.
Druiden, die Scythen und Hyperboreer hatten diesen
Glauben, und die heidn. Nationen des östl. Asiens,
die kaukas. Völkerschaften, Indianer und afrik. Ne-
ger haben ihn mit mancherlei Abweichungen noch.
Eine Folge war oft die Verehrung gewisser Tiere.
Er berührt sich mit dem Totemismus (s. Totem).
Seeley (spr. ßihle), John Robert, engl. Histo-
riker, geb. 1834 zu London, studierte Philologie
zu Cambridge und wurde 1863 Professor des Latei-
nischen an der Universität zu London, 1869 Pro-
fessor der neuern Geschichte in Cambridge, wo er
14. Jan. 1895 starb. Berühmt wurde er durch das
1865 anonym erschienene Leben Christi in freireli-
giösem Sinne: "I^ccs koino", das ungeheures Auf-
sehen machte, in einer großen Anzahl von Auslagen
erschien und eine ganze Litteratur hervorrief. Seine
"Xktui'Hi i'^Ii^iou" (1882) ging aus demselben Ge-
dankenkreise hervor, hatte aber nicht gleichen Erfolg.
Von geschichtlichen Werken sind hervorzuheben:
"I^its and tim"3 ol ätein" (3 Bde., 1879, auch in
der "Tauchnitz-Edition"; deutsch Gotha 1883-87),
"I.il6 ot 15. N. ^i-nät" (1879), "I.il6 ol Napoleon
t1i6 iirät" (1885), "11i6 6XMN8i0n ok Un^i^nä"
(1883), und "Oi^awr Oreecs 3>nä ^r^tsr ZritHin"
(1887). Ferner erschienen: "Ol^ical 3wäi68" (1864)
und "1^"0tui'03 anä 688HV8" (1870).
Seelgeräte, mittelhochdeutsche Bezeichnung
eines Vermächtnisses an eine Kirche, wofür Messen
für den Verstorbenen zu halten sind.
Seeliger, Hugo, Astronom, geb. 23. Sept. 1849
in Biala bei Vielitz (Österreichisch-Schlesien), studierte
1867 in Heidelberg Mathematik und Physik und von
1868 ab in Leipzig unter Bruhns Astronomie. 1871
promovierte er mit der Schrift " Zur Theorie der
Doppelsternbewegungen" (Lpz. 1872); 1871 - 73
war S. an der Leipziger Sternwarte und zugleich
bei der europ. Gradmessung thätig; 1873 wurde er
Obscrvator der Sternwarte in Bonn; 1874 betei-
ligte er sich bei der Beobachtung des Venusdurch-
gangs als Leiter der deutschen Erpedition nach den
Äucklandsinseln. An der Bonner Universität habili-
tierte sich S. 1877 als Privatdocent mit der Schrift
"Theorie des Heliometers" (Lpz. 1876); 1878 ging
er in gleicher Eigenschaft nach Leipzig. 1881 wurde
er zum Direktor der Sternwarte in Gotha ernannt,
von wo er 1882 als Professor der Astronomie und
Direktor der Sternwarte nach München berufen
wurde; zugleich wurde er zum Mitglied der Mün-
chener Akademie der Wissenschaften ernannt und mit
der Leitung der astron. Arbeiten der internatio-
nalen Erdmessung beauftragt. Das Zauptarbeits-
gebiet von S. ist die theoretische Astronomie. In
den "Untersuchungen über die Vcwegungsverhält-
nisse in dem dreifachen Stcrnfystem ^ (^ncri" (Wie-
ner Akademie 1881) und "Fortgefetzte Untersuchun-
gen über das mehrfache Sternsystem ^ O^nci-i"
(Münchener Akademie 1888) hat er zuerst die kompli-
zierten Bewegungsverhältnisse in mehrfachen Stern-
systemen zu untersuchen unternommen. Mit den
Grundlagen der Photometrie und ihrer Anwendung
auf die Astronomie beschäftigte er sich in den Ab-
handlungen "Zur Photometrie zerstreut reflektie-
render Substanzen" (Münchener Akademie 1888),
"Zur Theorie der Beleuchtung der großen Planeten
insbesondere des Saturn" (Münchener Akademie
1887) und "Theorie der Beleuchtung staubförmiger
kosmischer Massen" (Münchener Akademie 1893).
Seelilien (Oinoiäo^) oder Encrinitcn, der
Name einer zu den Echinodcrmen oder Stachelhäu-
tern (s. d.) gehörigen Tierklasse, die die Meere seit
den ältesten paläozoischen Zeitaltern der Erde be-
wohnt hat und auch in der Ietztwelt durch eine ganze
Neihe lebender Arten repräsentiert wird. Alle sind,
mit Ausnahme weniger Formen der Gegenwart,
festsitzende Tiere, deren kelch- oder becherförmiger
Leib auf einem gegliederten, verkalkten Stiele sitzt
und im Umkreis des Körperumfangcs eine Anzahl
ebenfalls gegliederter Arme trägt. An der nach auf-
wärts gekehrten Seite befindet sich in der Mitte des
Kelches die Mundöffnung und seitwärts davon der
After; die an dem Stiele sitzende Unterseite ist mit
regelmäßigen Kalktafeln bedeckt. Die Arme und
häusig auch der Stiel tragen Seitenanhänge, Fieder-
chen (?inrmiÄ6), und erstere überdies auf der Ober-
seite ein System von Furchen, die flimmern, Ten-
takeln tragen und nach innen zum Munde hinfüh-
ren; die Funktion dieser Ambulakralfurchen ist die
Leitung der aus kleinen Organismen bestehenden
Nahrung zum Munde. Man kann zwei größere Ord-
nungen dieser Tiere unterscheiden, die Panzersee-
lilien ((X'iuoiäoa, t6886ilita) und die Glied ersee-
lilien(0rin0i(l6H lu-tieulat^). Die erstern, die schon
in den ältesten, Versteinerungen enthaltenden Schich-
ten, namentlich im Silur vorkommen, zeichnen sich
durch die große Zahl von festverbundenen Kclchplat-
ten und die Panzerung der durch eine Haut vereinig-
ten Arme aus. Diefe uralten Gefchöpfe, von denen
man über 100 Gattungen kennt, waren in solchen
ungeheuren Mengen in den Meeren vorhanden,
daß ihre Reste mächtige Kalksteinbildungen zusam-
mensetzen, die von ihnen den Namen Crinoidenkalke
oder Entroch iten kalke erhalten haben. Nament-
lich ihre Stielglieder bilden einen so wesentlichen
Bestandteil der Schichten, besonders des Muschel-
kalks und untern Juras, daß sie auch dem Laien
als Gelenksteine, Bischofs- oderBonifacius-
pfennige bekannt sind. Ahnliche Stielglieder, sog.
Schraubensteine, findet man im devonischen
Sandstein. Die zweite Ordnung, die Glied er -
lilien, treten zuerst in der Triassormation auf,
erreichen ihre Blütezeit im Jura und sind in der
Ietztwelt noch durch teils festsitzende, teils freilebende
Formen vertreten. Unter den scssilen GaNuugen
lebt der Wurzelhaarstern (Il.Iii2ocriiiu8 lolo
teigig Ha?'F, s. Tafel: Stachelhäuter I, Fig. 1)
in großen Mengen in den nordischen Meeren.
Sein Kelch ist sehr klein und der Stiel mit wurzel-
artigen Namen im Seeboden befestigt. Eine an-
dere Gattung, i'entHci'iin^, lebt gleichfalls gesellig
in der Tiefe der Oceane; so I>6ntkcrinu8 H8t6i-iH3 /^.
im Karibischen Meere. Die freilebenden Formen,
die Haarsterne (Lilicnsterne), besitzen an Stelle
des Stiels im ausgebildeten Zustande eine Anzahl
beweglicher, gegliederter Greisranken (s. Taf. I, Fig. 3,
bei ^uteäon N3c1ii-ic1itii "/. H5Me>-) zum Festklam-
mern an unterseeischen Gegenständen und können
mit Hilfe ihrer gegliederten Arme schwimmen. Ihre
Abstammung von sessilen Vorfahren wird durch
ihre gestielten Iugendstaoien (s. Taf. I, Fig. 2, Larve
von (üuinHtnia. niLäiterraukI, _^am.), die sich erst
später ablösen, bewiesen.
Seelmann, Wilhelm, Germanist, geb. 20. Jan.
1819 in Oschersleben, war seit 1874 Assistent und
später Bibliothekar an der Universitätsbibliothek in
Berlin, machte sich um die Erforschung der ältern
niederdeutschen Litteratur und durch seine Wirksam-