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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Seemannshäuser - Seeminen
und Voote richtig zu handhaben, um schnelle
und sichere Seereisen zu machen und das Schiff
nach Möglichkeit zu fchonen. - Vgl. Hildebrandt,
Praktisches Lehrbuch für junge Seeleute (5. Aufl.,
Danz. 1893); Nares, 86ÄiuHN8iiip (6. Aufl.,
Portsmouth 1882); Ulffers, Handbuch der S. (mit
Atlas, Verl. 1872); Dick und Kretschmer, Handbuch
der S. (ebd. 1893); Mühleisen, Handbnck der S.
(Brem. 1893); Dittmer, Handbuch der Seeschiff-
fahrtskunde (Lpz. 1894).
Seemannshäufer, die fast in jedem Hasenorte
befindlichen Lokalitäten, in denen Seeleute für die
Dauer ihres Aufenthalts am Land billig Wohnung
und Kost bekommen. Eins der größten S., zugleich
mit Hospital verbunden, ist das zu Hamburg.
Seemannsmission, die Gesamtheit der chriftl.-
humanitären Veranstaltungen für das leibliche und
geistige Wohl der Seeleute in der Fremde. Hierher
gehören die nach Art der Herbergen zur Heimat (s. d.)
eingerichteten und geleiteten Seemannshäuser (s. d.),
Bibel- und Schriftenverbreitung, Gottesdienste in
den Hasenstädten und auf den Schissen u. s. w. Um
den Heimat und Familienleben entbehrenden See-
fahrern Schutz vor Verrohung und geistige Pflege
zu bieten, entstanden in England besondere Gesell-
schaften. In Deutschland besteht in Verbindung
mit dem Centralausschuh für Innere Mission ein
Komitee für kirchliche Verforgung deut-
scher Seeleute im Ausland (Hannover), das
in den meisten größern europ. Hafenplätzen seine
segensreiche Wirksamkeit entfaltet. Das Protekto-
rat über die S. übernahm 1894 Prinz Heinrich von
Preußen. Das Organ für diefe Bestrebungen (feit
1892) ist die von Iungclaussen und Harms heraus-
gegebene "Zeitschrift für S.". ^(S.800Ii).
Seemannsordnung, deutsche, s. Seerecht
Seemannsfchule, Deutsche, 1862 in Ham-
burg von den Schiffskapitänen Thaulow und Schuir-
mann begründete Anstalt, die junge Leute für den
Kapitänsberuf in der Handelsmarine vorbereiten soll.
Das Kuratorium der S. besteht aus sechs hamburgi-
schen Reedern und Großkaufleuten. Seit dem Be-
stehen der S. sind fast 1200 junge Leute, meist
Binnenländer, ausgebildet worden. Der jetzige Leiter
der S. ist der Kapitän F. E. Matthiesen. Der Unter-
richt umfaßt Seemannschaft, Nautik, Mathematik,
Geographie, Englisch, Französisch; ferner Turnen,
Rudern, Schwimmen. Der Kursus ist zweijährig für
Knaben von 13 bis 15 Jahren, für folche von 15 bis
17 Jahren nur einjährig. Die Aufnahme findet
Ostern und Michaelis statt.
Seemäuse, s. Haifische und Rochen.
Seemeile, s. Meile.
Seemilben (llaiNcai'iä^6), Milben, deren Rumpf
mit Panzerplatten versehen ist und deren Beine in
seitliche Ausbuchtungen des Körpers eingelenkt sind.
Das vorderste Veinpaar dient zum Gehen und ist nach
vorn gerichtet, die hintern nach hinten. Die Maxillar-
tasten sind viergliederig, die Mandibeln zweigliede-
rig , klauenförmig. Tracheen fehlen. Die Tiere be-
wohnen ausschließlich das Meer in der Nähe der
Küsten und nähren sich von mikroskopischen Algen
und verwesenden Pflanzenstoffen. - Vgl. Lohmann,
Die Unterfamilie der Haia^i-iäas (Jena 1888).
Seeminen, Sprengkörper, die im Gegensatz zu
den beweglichen Torpedos (s. d.) zum Schutze von
Häfen und Fluhmündungen an bestimmten Plätzen
verankert werden, um darüber hinsegelnde feindliche
Schiffe in die Luft zu sprengen. Die S. wurden zuerst
im Krimkriege von den Russen zum Schutze der Reede
von Kronstadt gegen die engl. Flotte gelegt und be-
standen aus flaschenähnlichen, hohlen, eisernen Ge-
fäßen, die mit Pulver gefüllt waren und etwa 3-4ik
unter der Oberfläche des Wassers schwimmend gehal-
ten wurden, indem man sie in dieser Höhe verankerte.
Auf ihrem Deckel trugen sie den Iacobifchen Zünder,
ein mit Schwefelsäure gefülltes, aufrecht stehendes
Glasrohr. Stieß ein Schiff gegen dieses Rohr, so brack
es ab, ergoß seinen Inhalt auf eine chem. Mischung
und brachte dadurch die Ladung zur Explosion. Der
österr. Baron Ebner vervollkommnete jedoch die S.
bedeutend, indem er sie vom Lande aus durch Elek-
tricität entzündete. Während des Italienischen Krie-
ges von 1859 wurden die Hauptkanäle Venedigs durck
ein geregeltes Verteidigungssystem Ebncrscher S. ge-
schützt. Im amerik. Kriege kamen die S. zum ersten-
mal zur praktischen Wirkung. Hier beschäftigte sick
mit ihrer Vervollkommnung der Hydrograph Maury
(s. d.), dem von den Konföderierten die Organisation
der unterseeischen Verteidigung übertragen war. Er
erzielte damit bedeutende Erfolge; zwei nordstaat-
liche Kriegsschiffe wurden gänzlich zerstört, eine Reihe
anderer fchwer beschädigt. Diese S. waren Eisen-
gefäße mit Pulverladung bis zu 100 kss und Ia-
cobischem Zünder, entweder als Rahmen- oder
Gerüstminen auf größern Holzgerüsten etwa 2 ni
unter Wasser oder als Pfahlminen auf einzelnen
unter Wasser eingerammten Pfählen befestigt. Die-
selbe Art S. wurde von den Dünen 1864 zur Ver-
teidigung der Küsten von Alsen und Fühnen gelegt,
ohne Schaden anzurichten. Ebenso waren die deut-
schen Flußmündungen im Kriege 1870/71 durch S.
gesperrt. Diese S. hatten bereits Schießbaumwolle
als Ladung, deren Explosivkraft im Wasser die vier-
fache des Pulvers ist; die Zünder waren Abelsche
oder auch Spandauer Minenzünder von geringer
Tauglichkeit; die nach außen herausstehenden Glas-
gefäße der Zünder waren durch Vleikappen gegen
schwache Stöße bei der Be-
dienung zwar geschützt,
doch kamen beim Legen
und namentlich beim Auf-
nehmen unbeabsichtigte
Explosionen vor. Seitdem
sind die S. wesentlich ver-
bessert, so daß die Gefahr
beim Legen und Aufneh-
men geringer geworden
ist. Man unterscheidet:
Stoßminen (s. d.) und
Beobachtung sminen
(s.d.). Die
elektrischen
Stoßmincn
(s. Tafel:
Torpedos
und See-
minen,
Fig.1) ma-
chen den
Hauptteil einer Minensperre aus. Eine solche
Sperre wird zur Verteidigung von Hafeneinfahr-
ten oder Meerengen in zwei oder mehrern, etwa
400 in voneinander entfernten Treffen gelegt;
jedes Treffen enthält 2-3 Minenreihen, in denen
die schachbrettförmig verteilten S. in Abständen
von 30 bis 50 iu voneinander liegen. In vor-
stehender Fig. 1 sind zwei Treffen I und II mit je
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