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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Seemüller - Seen
zwei Reihen gezeichnet; dabei bedeuten die Punkte
Etoßminen, die Kreuze Veobachtungsminen. Früher
legte man die Minen vielfach anf den Grund, wozu
bedeutende Ladungen erforderlich waren, jetzt werden
sie auf 2-4 in unter Wasser gelegt; die hohlen Kcssel-
blcchgefa'ße werden nur zu einem Drittel ihres Raum-
gehalts mit der meist 501lF betragenden Schiehwoll-
ladung gefüllt, haben deshalb genügenden Auftrieb,
um so hoch zu schwimmen, als ihnen ihr Ankertau, das
einen schweren eisernen Schildanker trägt, gestattet.
Besonders sinnreich ist die Art der Zündung. Auf
der Oberstäche der S. sitzen fünf durch Vleikappen ge-
schützte geschlossene Glasgefäße, Schwefelsäure ent-
haltend. Beim Anstoß eines Schiffs biegen sich die
Schulmappen und zerbrechen die Gläser, die Flüssig-
keit ergießt sich auf ein darunter befindliches Trocken-
element aus Zinkkohlenplatten; der hierdurch er-
regte elektrische Strom bringt einen dünnen Platin-
draht innerhalb einer explosiven Zündmasse zum
Glühen, und dadurch erfolgt die Sprengung. (S.
Tafel: Torpedos und Seeminen, Fig. 2: Un-
terseeische Mincnervlosion.) Da man in den Strom-
kreis ein langes sog. Sicherheitskabel eingeschaltet
hat, ist man in der Lage, das Hantieren mit den S.
dadurch unschädlich zu machen, daß man den Strom-
kreis des Kabels so lange unterbrochen hält, bis die
.Mine fertig verankert ist; erst dann ersolgt auf ge-
' hörige Entfernung von der Mine das Zusammen-
splissen des Sicherheitskabels, das an einem kleinern
Eisen dann ebenfalls auf den Meeresboden versenkt
wird. Will man die Minensperre wieder entfernen,
so holt man erst die Sicherheitskabcl wieder in die
Höhe, unterbricht den Stromkreis durch Zerteilen
desselben und kann dann wieder ohne Gefahr die
Mine selbst aufnehmen. Das Legen der Minen er-
solA 'durch Minenruderj ollen oder kleine Dampf-
boote, die die Mine in Schlepp nehmen und an ihrem
durch Markierungsbojen bestimmten Platz veran-
kern, nachdem sie die S. von dem als schwimmendes
Dcpotdienendcn Minenprahm empfangen haben,
der hinter der Sperre verankert liegt. Ein Teil der
Minensperre muh das Passieren der eigenen Schiffe
gestatten können. Diese sog. Ausfallslücke wird durch
Beobachtungsminen ausgefüllt; diese haben im Ge-
fäß selbst keine Minengläser und Elemente, viel-
mehr geht der Stromkreis von der Mine mittels
Kabels an Land bis zur ersten Vcobachtungsstation
^, ist dort durch einen Schlüssel 3 unterbrochen,
der nur geschlossen wird, wenn der Beobachter den
Feind in Richtung der S. sieht; dann läuft das Kabel
zur zweiten Veobachtungsstation V, wo in gleicher
Weise der Strom geschlossen wird, wenn dort der
Feind in Linie der Mine sich zeigt; am letzten Teil des
Stromkreises liegt die Zündbatterie 2, deren äußerer
Pol mit einer Erdplatte ^ verbunden ist. Die Mine
selbst wirkt dabei als zweite Erdplatte. Das einfache
Schema des Stromkreises stellt Abbildung 2 dar.
Nur wenn beide Beobachter das feindliche Schiff
in Richtung der Mine sehen, ist der Stromkreis ge-
schlossen; dann aber muß auch das Schiff gerade
über der explodierenden Seeminc fein. Die Sicher-
heit in der Beobachtung wird erreicht mit Hilfe des
Siemensschen Distanzmessers, bei dem die Bewe-
gungen des Fernrohrs des Beobachters ^ (s. Fig. 2)
auf elektrischem Wege auf ein Reißbrett, das gleich-
falls ein Fernrohr trägt, dem Beobachter L über-
mittelt werden, so daß dieser auf der Karte stets den
Schnittpunkt ^1 der Visierlinien sieht und dem ent-
sprechend die Minen zünden kann durch besondern
Fig. 2.
Stromsckluft. Andere Vcobachtungsmincn tragen
den Mathiesonschen Stromschließer, durch den diese
S., wenn nötig, gewissermaßen in selbständige Etoh-
minen verwandelt werden, ein Vorteil vor den oben-
gcnannten, da bei Nacht
und Nebel keine Beobach-
tungen möglich sind.
Eine Abart der Stoß-
minen sind die Streu-
minen, die so eingerich-
tet sind, daß sie erst nach
einer bestimmten Zeit von
selbst wirksam werden und
ihre Wirksamkeit nach
einer beliebig festzusetzen-
den Periode selbständig wieder abstellen. Die Streu-
mincn werden von fog. Streuminendampfern durch
besondere Einrichtungen vor feindliche Häfen oder
in bestimmte Stellen eines Fahrwassers gelegt und
werden im Kriegsfall in flachen Meeren mit wenig
Strömung, wie der Ostfce, eine Rolle spielen.
Eine Abart der Beobachtungsminen sind die
Konterminen, S. mit sehr großer Schießwoll-
ladung, bis zu 250 KZ, die durch flache Boote mög-
lichst nahe einer feindlichen Minensperre gebracht
und dann auf elektrischem Wege entzündet werden,
wobei sie alle im Umkreis von 50 m liegenden Stoh-
mincn u. s. w. zerstören und so eine Bresche in die
Minensperre schlagen, die dem Angreifer das Passie-
ren gestattet. Auch mit Booten oder großen Prähmen
hat man die feindlichen Minensperren zu breschiercn
versucht, wobei jedenfalls das Resultat gewonnen
ist, daß jede Minensperre ihrerseits des Schutzes von
Küstenforts und Wachtschiffen und -Booten bedarf,
um nicht unwirksam gemacht zu werden.
Seemüller, Joseph, Germanist, geb. 15. Okt.
1855 zu Währing bei Wien, studierte in Wien und
Straßburg, wurde 1879 Privatdocent der deutschen
Sprache und Litteratur in Wien, war seit 1881 zu-
gleich Gymnasialprofessor, bis er 1890 an die Uni-
versität Innsbruck berufen wurde. S. gab Willirams
"Paraphrase des Hohen Liedes" (Straßb. 1878),
einen ö'sterr. Satiriker des 13. Jahrh., den sog. "Sei-
fried Helbling" (Halle 1886), dann Ottokars große
östcrr. Rcimchronik (Hannov. 1890-92) kritisch und
erklärend heraus. Seine "Wiltener Gründungssage"
(Innsbr. 1895) ist eine Quellenstudie. In einer
Reihe pädagogischer Schriften ("Die Sprachvorstel-
lungen als Gegenstand des deutfchen Unterrichts",
Wien 1885; "Zur Methodik des deutschen Unter-
richts", ebd. 1885; "Verdeutsche Sprachunterricht
am Obergymnasium", ebd. 1888 u. a.) hat er zuerst
Ergebnisse der Steinthal-Pantschen Sprachbetrach-
tung für den Schulunterricht verwertet.
Seen, in natürliche Eintiefungen des Festlandes
eingeschlossene größere Wasseransammlungen. Der
Sprachgebrauch ist aber in Unterscheidung zwischen
S. und kleinern, oft künstlich erzeugten Wasserbecken
(Teichen, Weihern) schwankend. Einige S. werden
sogar "Meer" genannt, z. B. Kaspisches, Totes,
Schwäbisches Meer (Bodensee). Mit Ausnahme des
tropischen Afrikas sind die äquatorialen Gegenden
der Erde im allgemeinen seearm, erst polwärts von
40" nördl. und südl. Br. nimmt der Seereichtum
zu, doch bedecken die S. überhaupt nur einen kleinen
! Teil der Erdoberfläche; auch in seereichen Ländern
ist ihr Gesamtarcal verhältnismäßig gering. Am
scercichstcn sind Finland, Schweden und Maine in
den Vereinigten Staaten, wo die ^.H, 8,4 und