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Session – Setaria
vielen Tieren. Sie ist nur möglich im Wasser, wenn schon manche Landtiere (gewisse Spinnen, mehr noch die Larven der Ameisenlöwen, in gewissem Sinne auch die Chamäleons) sehr nahe an sie streifen. Dabei sind die Tiere entweder absolut sessil, d. h. mit dem Boden, auf dem sie sich befinden, so vereinigt, daß sie sich willkürlich unter allen Umständen nicht von ihm trennen können, oder es ist (Seeanemone, Süßwasserpolypen) eine sehr langsame Ortsveränderung möglich. Sessile Tiere finden sich in der Gruppe der Protozoen (z. B. Sandforaminiferen), weiter sind sämtliche Spongien und die meisten Hohltiere (Korall- und Hydroidpolypen), die meisten Haarsterne unter den Stachelhäutern, zahlreiche röhrenbewohnende Würmer, Krebse (die Rankenfüßer), viele Mollusken, wie besonders Muscheln (z. B. die Austern), aber auch Schnecken (z. B. Vermetus), bei weitem die meisten Armfüßer, Moos- und Manteltiere sessil. Nur sessile Wirbeltiere scheint es nicht zu geben. Die negativen und positiven Folgen der S. sind ganz ähnlich wie die des Schmarotzertums. Besondere Sinnesorgane (namentlich Augen) und Organe freiwilliger Ortsbewegung fehlen fast allgemein oder die letztern sind umgebildet (bei Rankenfüßern zu Strudelapparaten geworden), ursprünglich symmetrische Tiere können asymmetrisch werden (besonders Schwämme), und die Entwicklung ist meist mit einer rückschreitenden Metamorphose (s. d.) verbunden. Andererseits aber unterstützt die S. die Bildung von Tierstöcken und den damit verbundenen Polymorphismus; weiter verursacht sie Strudel- und Wimperapparate, um mit dem Wasser die Nahrung und den Sauerstoff herbeizuschaffen, und sie gestattet die Bildung gewichtiger Skelettmassen, wie man sie bei Schwämmen und Korallen bemerkt. Aus den Eiern sessiler Tiere gehen nicht unmittelbar wieder sessile Nachkommen hervor, sondern frei bewegliche Larven, die, bevor sie sich festsetzen, umherschwimmen und das Verbreitungsgebiet der Art vergrößern. – Vgl. Lang, Über den Einfluß der festsitzenden Lebensweise auf die Tiere (Jena 1888).
Session (lat.), Bezeichnung für die parlamentarische Sitzungsperiode, d. i. den Zeitraum, für welchen die Körperschaft jeweilig zusammenberufen ist. Die S. wird eröffnet und beendet durch feierliche Akte, deren beliebige Anordnung Vorrecht des Landesherrn ist. Durch die gleichfalls dem Landesherrn vorbehaltene Vertagung (s. d.) wird die S. rechtlich nicht beendet, die parlamentarischen Privilegien, insbesondere die sog. Immunität der Abgeordneten, dauern auch während der Vertagung fort.
Sester, nicht mehr gesetzliches bad. und Schweizer Maß (in der Schweiz amtlich «Viertel») = 15 l; 10 S. = 1 Malter.
Sestérz (Nummus sestertius), röm. Silbermünze (s. Tafel: Münzen Ⅱ, Fig. 5; Bd. 12, S. 84) von 2½ As Wert, daher der Name sestertius für semi-as-tertius (IIS, daneben die Form ^[img. durchgestrichenes HS, unicode U+10198] die uns geläufige HS); ihr Gewicht betrug ursprünglich etwas über 1½ g, sank aber bald auf etwas unter 1 g. Der S. war der vierte Teil des Denars; sein Wert betrug nach Silberwährung ungefähr 16, nach der seit Cäsar namentlich üblichen Goldwährung ungefähr 21 Pf. Der S. war auch die gewöhnliche Rechnungsmünze, sobald man die Rechnung nach As aufgab. Bina sestertia, gewöhnlich mit Weglassung von milia, waren 2000 S., dena 10000 und centena 100000 S. Ähnlich bezeichnete man die mit Zahladverbien gebildeten größern Summen, meist mit Weglassung von centena milia = 100000, nur durch jene, aber dann mit der Form des Genetiv Pluralis sestertium verbunden, also schrieb man z. B. vicies sestertium für 2 Mill., u. s. w. ^[Spaltenwechsel]
Sestīne (ital.), eine lyrische Dichtungsform, in der durch sechs reimlose sechszeilige Strophen und ein dreizeiliges Geleit dieselben sechs Schlußworte der Verse stets in anderer streng vorgeschriebener Reihenfolge wiederkehren, z. B. Ⅰ: a b c d e f, Ⅱ: f a e b d c, Ⅲ: c f d a b e, u. s. w. Die dreizeilige Schlußstrophe bringt alle sechs Reime wieder. Die Form erfand der Provençale Arnaut Daniel; Dante führte sie in Italien ein, wo sie dann oft verwendet ward, ebenso wie von den Spaniern. In neuerer Zeit ist sie auch im Deutschen (z. B. von Rückert) nachgebildet worden.
Sestĭus, Publius, war 63 v. Chr. als Quästor des Konsuls Gajus Antonius für Cicero gegen Catilina thätig. Auch als Volkstribun trat er für Cicero ein und bekämpfte 57 mit Milo (s. d.) Clodius. Dieser verwickelte ihn deshalb 56 in eine Anklage, aber Cicero erreichte durch eine noch erhaltene Rede seine Freisprechung.
Sesto Fiorentīno, Ortschaft in der ital. Provinz und im Kreis Florenz, an der Linie Pistoja-Florenz, am Fuße des Monte-Morello (934 m), hat 5303, als Gemeinde 14324 E. und bedeutende Strohflechterei. Nahebei liegt La Doccia, die schöne Villa des Marchese Ginori mit großer Porzellanfabrik. Nach Florenz führt auch Straßenbahn.
Sestri-Levante, Ort in der ital. Provinz Genua, Kreis Chiavari, am Meerbusen von Genua, an der Riviera di Levante, 46 km von Genua, an der Eisenbahn Genua-Spezia-Pisa malerisch gelegen, hat (1881) 2625, als Gemeinde 9650 E., ein Kastell und auf dem Kalkfelsen Isola eine alte Burg mit schönem Pinienwalde; Austern- und Sardellenfang.
Sestri-Ponente, Stadt in der ital. Provinz und im Kreis Genua, 8 km westlich von Genua, mit dem es durch Pferdebahn verbunden ist, Station der Cornicebahn (Genua-Ventimiglia) und am Meerbusen von Genua schön gelegen, hat (1881) 10872 E., schöne Villen, unter denen Villa Rossi mit Garten hervorzuheben ist; Schiffswerfte, Textilindustrie, Seifenfabrikation und Maschinenbau.
Set, ägypt. Gott, s. Typhon.
Seta (lat.), Haar, Borste; Stiel des Sporogoniums der Moose (s. d., Bd. 11, S. 1034 a); setacĕus, borstenartig.
Setacĕum, s. Haarseil.
Setarĭa Beauv., Borstenhirse, Borstengras, Pflanzengattung aus der Familie der Gramineen (s. d.) mit etwa 10 Arten in den Tropen und gemäßigten Zonen der ganzen Erde. Außer einigen wildwachsenden, einjährigen, als Unkräuter auftretenden Arten gehört hierher die italienische Borsten- oder Kolbenhirse (S. italica Beauv.), die in Südeuropa einheimisch ist und angebaut wird, ein Gras mit etwa meterhohem, fingerdickem Stengel, breiten, schilfartigen, aber weichen und nicht scharfen Blättern und einer 5‒8 cm langen, bis 1,5 cm dicken, gelappten Ähre, welche eine große Anzahl von Ährchen enthält. Die Körner, ebenso wie die der gemeinen Hirse benutzt, aber von geringerer Größe, sind bald weiß oder grau, bald gelb- bis braunrot. Man unterscheidet: große Kolbenhirse, der Körner wegen angebaut, und kleine Kolbenhirse oder Mohar (S. germanica Rth., s. Tafel: Futterpflanzen Ⅰ, Fig. 3, und Ge- ^[folgende Seite]