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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sicilien (Insel)

wege erschweren. Die bedeutendsten Flüsse sind im O. der Alcantara, Simeto (Giaretta) mit Salso, Dittaino und Gornalunga, im S. der Salso, Platani und Belice. Der größte See S.s ist der Lago di Lentini, im Thale des im S. des Simeto mündenden Lionardo, der im Sommer die Umgegend durch seine Ausdünstungen verpestet. Mineralquellen und Bäder, größtenteils Schwefelthermen, schon im Altertum berühmt, sind die von Ali, südlich von Messina, Sciacca, Termini Imerese, Termini bei Barcellona, Acireale u. s. w. Der Reichtum an Schwefel und Schwefelthermen, die Schlammvulkane bei Girgenti und Caltanissetta, die Naphthaquellen bei Mistretta, die Steinölquellen bei Caltanissetta, die nicht seltenen Erdbeben und andern Erscheinungen kennzeichnen, auch abgesehen vom Ätna, die Insel als ein größtenteils vulkanisches Revier, zu welchem auch die Liparen gehören. Der Sommer, vor allem Juli, ist regenlos, der Winter ist Regenzeit, selten sinkt das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Oktober bis März herrscht Westsüdwestwind, Mai bis August Nordostwind vor; häufig weht der Sirocco.

Erwerbszweige. Infolge des Wassermangels ist die einst so bedeutende Fruchtbarkeit der Insel, die ihr den Namen der Kornkammer Italiens verschafft hatte, zurückgegangen, doch ist sie noch immer groß. Die Hauptkultur ist wie früher die des Weizens, dann Gerste und Bohnen. Ein Hindernis des rationellen Anbaues besteht darin, daß die großen Grundeigentümer ihr Land in kleinen Stücken auf kurze Zeit vergeben, wodurch es dem Pachter sehr schwer wird, Verbesserungen einzuführen. Wo dagegen der Grundbesitz mehr geteilt ist, haben auch die neuern Methoden der Landwirtschaft Eingang gefunden. Mit dem großen Grundbesitz hängt es auch zusammen, daß es in S. so wenige Dörfer giebt. Die Landarbeiter wohnen in den Städten zusammengedrängt, welche deshalb auch meistens einen keineswegs ihrer Einwohnerzahl entsprechenden städtischen Charakter haben, überdies bedienen sich die Großgrundbesitzer in der Regel der Hilfe von Vermittlern, wodurch die Lage der Pächter, die somit Afterpächter sind, schlechter wird. Die Viehzucht wird weniger von den Grundbesitzern als von Spekulanten betrieben, welche das Vieh von einem gemieteten Weideplatze zum andern treiben. Mehr und mehr verbreitet sich in S., zum Vorteil des Landes, die Baumkultur. Etwa 160000 ha werden von Weinpflanzungcn eingenommen und die Insel liefert ausgezeichnete Weine (s. Sicilische Weine), unter denen der Marsala der bekannteste ist. Außer den althergebrachten Mittelmeer-Kulturpflanzen sind besonders die Agrumen verbreitet (Orangen und Citronen), welche in der Umgegend von Palermo, Milazzo, Messina, Catania den landwirtschaftlichen Charakter bilden. Die Kastanienwälder reichen am Ätna noch bis 1300 m Höhe. Südfrüchte, Wein, Olivenöl, Kapern, Nüsse, ferner Wolle und Kanthariden kommen zur Ausfuhr. Die Seidenkultur, schon seit dem 12. Jahrh. eingeführt und von hier aus in Italien verbreitet, ist nur bei Messina belangreich. Bienenzucht wird viel getrieben und guter Honig zur Ausfuhr gebracht. Sehr bedeutend ist der Thunfisch- und Sardellenfang, und an der Westküste gewinnt man schöne Korallen. In der Landfauna treten einige afrik. Elemente auf, z. B. Stachelschwein, Ginsterkatze, Purpurhuhn (Porphyrio haycinthinus Temm.), Laufhühner (Turnix sylvatica Desfont.) u. a. m. Das Mineralreich bietet Silber, Kupfer und Blei, aber Bergbau auf diese Metalle wird nicht getrieben. Dagegen liefert die Insel Stein- und Seesalz in großer Menge, Marmor in vielen Arten, Chalcedone und die schönsten Achate, besonders aber Schwefel. In Betrieb sind über 300 Gruben, dem jedesmaligen Grundeigentümer gehörig, die jährlich etwa 2,4 Mill. Doppelcentner liefern. Die Betriebsweise ist Raubbau, Maschinen sind noch unbekannt, Kinder schleppen das Gestein an das Tageslicht. Zwei Drittel sämtlicher Gruben befinden sich in den Provinzen Girgenti und Caltanissetta, von denen die letztere die Hälfte alles Schwefels liefert. Der Manufaktur- und Fabrikbetrieb ist unbedeutend. Der Seehandel, dessen Mittelpunkte Messina, Palermo und Catania sind, wozu noch für Schwefel (außer den beiden erstern) Girgenti, Licata, Terranova, für Wein Marsala kommen, befand sich bis in die neueste Zeit in den Händen ausländischer Kaufleute. Der Binnenhandel ist durch den Mangel an Straßen sehr erschwert. Die Zahl der Chausseen nimmt in letzter Zeit bedeutend zu; doch hat die Südküste noch immer großen Mangel daran. Über die Eisenbahnen s. Italienische Eisenbahnen. Submarine Kabel verbinden S. mit Reggio, mit Sardinien, den Liparischen Inseln, mit Tunis und Malta.

Verwaltung. Nach der historischen, aus der Zeit der Sarazenenherrschaft stammenden Einteilung zerfiel die Insel in die 3 Bezirke: Val di Demone im NO., Val di Noto im SO., Val di Mazzara im NW. Jetzt umfaßt S. 7 Provinzen:

Provinzen Flächenraum in qkm offiziell nach Strelbitskij Einwohner 1881 Einw. auf 1 qkm

Caltanissetta 3769 3289 266379 71

Catania 5102 4984 563457 110

Girgenti 3862 3019 312487 81

Messina 4579 3227 460924 101

Palermo 5087 5142 699151 137

Siracusa 3697 3729 341526 92

Trapani 3146 2408 283977 90

Sicilien 29242 25798 2927901 100

Die oberste Gerichtsbehörde ist der Kassationshof zu Palermo. Unter ihm stehen die Appellationshöfe von Palermo, Messina und Catania. In den Hauptstädten der Provinzen bestehen Bezirksgerichte. Palermo ist Sitz des Kommandanten des sicil. Armeekorps. Das Unterrichtswesen umfaßt Volksschulen, technische und Realschulen, Gymnasien oder königl. Kollegien, Lyceen, Seminarien, Akademien; Universitäten sind in Palermo, Messina und Catania.

Geschichte. (S. Karte: Das Alte Italien, Bd. 9, S. 742.) Die ältesten Bewohner S.s waren Sikaner, vielleicht iber. Stammes, die durch die vom ital. Festlande eingewanderten Sikeler nach dem Westen der Insel gedrängt wurden, wo noch in geschichtlicher Zeit Hyklara (Carini im Westen von Palermo) eine freie Sikanerstadt war. Nach anderer neuerdings aufgestellter Meinung sind die Sikaner und Sikeler nur verschiedene Namen eines Volks. Die Sikeler gründeten eine Menge Städte und kleine Fürstentümer, die sich noch in späterer Zeit von der mittlern Nordküste tief in das Innere der Insel ausbreiteten, wo sie besonders das Symäthosthal und die Gegend um den Monte-Lauro innehatten. Frühzeitig hatten die Phöniker auf den Landspitzen der Küste und den vorliegenden Inselchen Handelsstationen gegründet und ihre Kulte