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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Siciliane; Sicilianische Eisenbahnen; Sicilianische Nüsse; Sicilianische Vesper; Siciliano; Sicilien

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Siciliane - Sicilien (Insel)

Siciliane, eine aus Sicilien stammende lyrische achtzeilige Strophe von der Reihenfolge abababab, von der Stanze (abababcc) demnach durch das Festhalten zweier Reime unterschieden. Sie heißt in Italien auch Strambotto (s. d.).

Sicilianische Eisenbahnen, s. Italienische Eisenbahnen.

Sicilianische Nüsse, s. Pistazien.

Sicilianische Vesper, Name des blutigen Aufstandes, der sich 1282 gegen die franz.-angiovinische Herrschaft in Sicilien erhob und seither zur sprichwörtlichen Bezeichnung für jede mörderische Volkserhebung gegen eine gewaltthätige Fremdherrschaft geworden ist. Die unter Karl I. (s. d.) von Anjou gesteigerten Lasten der Bauern und verschärften Monopole und Hafenzölle sowie der Übermut der neu eingedrungenen provençal. Beamten und Adligen ließen die Sicilianer den teilweise schweren Druck der Hohenstaufenherrschaft vergessen und ihre Blicke auf deren Erben, König Peter III. von Aragonien, den Gemahl von Manfreds Tochter Konstanze (s. d.), richten. Um ihm den Boden zu bereiten, durchzog der Arzt und Edelmann von Salerno, Johann von Procida, den Karl von Anjou vertrieben und Peter in Aragonien entschädigt hatte, als Bauer verkleidet die Insel. Peter begab sich 1282 in die Nähe der Insel, indem er einen Zug gegen Bona in Algier unternahm; die Gelegenheit zum Eingreifen eröffnete ihm der durch einen Zufall ausgebrochene Aufstand auf der Insel. Das Verbot, Waffen zu tragen, benutzten die franz. Beamten zu unziemlichen Durchsuchungen, selbst von Frauen. Dies führte um die Vesperzeit des zweiten Osterfeiertags (30. März 1282) in Palermo dazu, daß der Gatte einer solchen Frau einen franz. Beamten niederschlug. In einem allgemeinen Blutbad wurden zuerst in Palermo, dann in den übrigen Städten Siciliens die verhaßten Fremdlinge niedergemacht; auch der Adel schloß sich allmählich der Erhebung der Bürger an. Palermo und die meisten Städte pflanzten nun das Reichsbanner auf und errichteten republikanische Gemeinwesen; aber der erbitterte Angriff Karls auf Sicilien und die von ihm ausgesprochene Zurückweisung aller Friedens- und Vermittelungsanträge zwang die Sicilianer, die Hilfe Peters von Aragonien anzurufen, welcher 30. Aug. 1282 in Trapani landete und Juni 1283 sich mit Konstanze in Palermo krönen und huldigen ließ, während zugleich sein Admiral Ruggiero di Lauria die Flotte Karls bei Reggio vernichtete und 1284 dessen Sohn Karl (II.) gefangen nahm. Doch erkannten die Anjou und der Papst die Aragonier in Sicilien erst 1302 an, und der Zwist zwischen diesen und Neapel fand erst seinen Abschluß mit der Wiedervereinigung beider unter Alfons V. von Aragonien (1435). An der Auffassung, Procida, der Verschwörer, sei nur ein Held der Sage und der Ausbruch des Aufstandes sei ganz unvorbereitet gewesen, hält Mich. Amari fest in seinem großen Werk La guerra del Vespro Siciliano (Palermo 1842; 9. Aufl., 3 Bde., Mail. 1886; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1851); vgl. noch dessen Racconto popolare del Vespro Siciliano (Rom 1882); J. M. R.^[Jakob Michael Reinhold] Lenz, Die S. V. Trauerspiel (hg. von Karl Weinhold, Bresl. 1887; zuerst gedruckt Mitau 1782).

Siciliano (ital., spr. ßitschi-, alla Siciliana), ein Tonstück von ländlich einfachem, aber zärtlich schmeichelndem Charakter, Nachbildung von Melodien der Landleute in Sicilien; früher zu Gesängen in Opern und Oratorien sowie als Instrumentalstück an Stelle des Adagios verwendet.

Sicilien, die größte, fruchtbarste, bevölkertste Insel des Mittelmeers, von der Halbinsel Calabrien durch die Straße von Messina getrennt und nur 120 km von dem nächsten Küstenpunkte Afrikas entfernt, hat die Gestalt eines Dreiecks, dessen Spitzen Kap Faro oder Peloro (Promontorium Pelorum) im NO., Kap Boeo (Lilybaeum) im W. und Kap Passero (Pachynum) im S. bilden. Die Insel hat nach einer neuen Ausmessung der Generaldirektion der Statistik 25461 km, mit den zu ihr gerechneten Liparischen und Ägadischen Inseln sowie den Eilanden Ustica, Pantelleria, Linosa und Lampedusa 25740 qkm. 1881 betrug die Bevölkerung 2927901 (1468104 männl., 1459797 weibl.) E. Für Dez. 1893 wurden 3404665 E. berechnet, also 132 auf 1 qkm. (S. Karte: Unteritalien, Bd. 9, S. 741.)

Oberflächengestaltung. Die 320 km lange Nordküste hat die Golfe von Palermo und Castellammare, die 215 km lange Ostküste die Golfe von Messina, Catania, Augusta und Siracusa, die 285 km lange Südküste keinen einzigen tiefer eingeschnittenen Meerbusen aufzuweisen. Die Insel ist sehr gebirgig; große Tiefebenen sind nicht vorhanden. Nur südwärts von Catania breitet sich, zwischen den Flüssen Simeto und Gornalunga, die gepriesene Ebene von Catania (Ager Leontinus) aus. Noch beschränktern Umfangs sind die Küstenebenen von Milazzo im NO., von Palermo im NW., von Terranova und Licata im S. Abgesehen von der jüngsten Gebirgsbildung, dem Vulkan Ätna (s. d.), der ein selbständiges System bildet, sind zwei Gebirgskomplexe zu unterscheiden. Die längs der Nordküste sich hinstreckende Gebirgskette beginnt mit den Monti Pelloritani, die sich vom Kap Faro an der Ostküste bis an das Thal des Alcantara und nach Taormina hinziehen und bis 1374 m ansteigen. Es ist dies ein von tiefen Thälern durchfurchter, teils kahler, teils mit reicher Vegetation bedeckter Rücken, der durch seine Zusammensetzung aus Granit und Gneis mit dem calabrischen Apennin übereinstimmt. Westlich von Taormina wendet sich das Gebirge unter dem Namen Monti Nebrodi (Neurodes Montes) gegen Westen und erreicht südlich von Cefalu seine größte Höhe im Pico Antenna (1975 m) in der Gruppe Le Madonie. Weiter westlich von Termini ist es sehr durchbrochen und löst sich in einzelne Rücken und Berge auf. Dieser nördl. Gebirgszug fällt unmittelbar zur Meeresküste ab, steiler als das Südgehänge, dessen Fuß 3-400 m über der Meeresfläche bleibt. Es legt sich nämlich der Südseite ein Plateau mit tertiären und vulkanischen Bildungen an, das sich südwärts allmählich abdacht und im Innern inselartige Bergpartien trägt, die auf einen ehemaligen Zusammenhang deuten. Wichtig ist als zweiter Gebirgskomplex der mit dem ersten zusammenhängende der Südostspitze der Insel, dessen Berge (Montes Heraei) in dem Monte-Lauro 985 m erreichen. In der Südabdachung der Insel befinden sich die berühmten Schwefellager in einem Gebiete, dessen Grenzen durch die Städte Girgenti, Lercara, Centuripe, Caltanissetta und Terranova bezeichnet werden. Infolge der fast gänzlichen Entwaldung herrscht große Wasserarmut. Flüsse sind zwar in Menge vorhanden, aber die meisten liegen im Sommer trocken, während sie im Winter und Frühjahr plötzlich als wilde Bergströme Verwüstung anrichten und überdies die Herstellung und Erhaltung der Verkehrs-^[folgende Seite]