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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Siemianowitz - Siena
vollendete Standbild Friedrichs d. Gr. in Maricn-
burg, dessen Sockel von den Vronzefiguren der
Großmeister Hermann von Salza, Siegfried von
Feuchtwangen, Winrich von Kniprode und Albrecht
von Brandenburg umgeben ist. Ferner das 10. Nov.
1883 enthüllte Luther-Denkmal in Eislebcn; die
Statue stellt den Reformator dar, wie er die püpstl.
Bannbulle den Flammen übergicbt. In vier Sockel-
reliess sind Momente aus dem Leben Luthers dar-
gestellt. 1875-88 entstand das großartige Sieges-
denkmal in Leipzig: eine Germania auf einem
Sockel, in dessen vorderer Nische die thronende Fi-
gur des Kaisers Wilhelm I., an den Ecken Gruppen
von Kriegern sich befinden, während auf den Vor-
sprüngen des Unterbaues die trefflichen Reiterge-
stalten des Kaisers Friedrich, des Königs Albert von
Sachsen, des Fürsten Vismarck und des Grafen
Moltke stehen. In der Zwischenzeit entstand das
Gräfe-Monument (Bronzestatue) im Garten der
Charits in Berlin (1882) und das Reiterstandbild
Washingtons in Philadelphia (1883), neucstens das
kolossale Bronzestandbild des Kaisers Wilhelm I.
in der Herrscherhalle des Zeughauses in Berlin (Juli
1892 ausgestellt). S. ist Professor und Mitglied des
Senats der Akademie der Künste in Berlin.
Siemianowitz, Dorf im Kreis Kattowitz des
preuß. Reg.-Bez. Oppeln, hat (1890) 7612 E., dar-
unter 506 Evangelische und 121 Israeliten, kath.
und evang. Kirche und bedeutenden Steinkohlen-
bergbau. Das Rittergut S. mit 1334 E. hat
ein Schloß des Grafen Henckel von Donnersmarck-
Siemianowitz und ein Zinkwerk Theresienhütte des
Fürsten Hohcnlohe. Nahebei Laurahütte (s. d.).
Siemiradzki (spr. hje"), Henryk von, poln. Histo-
rienmaler, geb. 15. Nov. 1843 in Charkow, studierte
an der dortigen Universität die Naturwissenschaften,
trat aber dann in die Akademie der Künste in Peters-
burg ein. Seit 1870 machte S. Studienreisen in
Deutschland, wo er namentlich in München arbeitete,
ging dann nach Italien und ließ sich zuletzt in Rom
nieder. Seine ersten Gemälde waren: Die röm.
Orgie, Christus und die Sünderin (1873). Am
meisten Aufseben machte sein in Rom gemaltes
figurenreiches Bild: Die Fackeln des Nero (1876;
im Nationalmuseum zu Krakau); es brachte ihm
1878 den Orden der Ehrenlegion ein. Ferner sind
zu nennen: Vase oder Sklavin (1879; Kestner-
Museum in Hannover), Der bettelnde Schiffbrüchige,
Der Amulettverkäufer, Aus den Katakomben, Der
Schwertertanz (1880), Phryne (1888), Versuchung
des heil. Antonius (1891). Von ihm sind auch die
Malereien in der Heilandskirche zu Moskau; in der
evang. Kirche zu Krakau ist: Christus die Wellen
beruhigend. Zwei hervorragende Deckengemälde:
Triumphzug der Aurora und Frühling, schuf er
neuerdings im Palast Netschajeff-Maltzff in Peters-
burg; endlich den Vorhang für das neue Theater in
Krakau. Ein Album mit den Hauptwerken S.s nebst
Text gab F. I. Vulgakow (Petersb. 1890) heraus.
Siena. 1) Provinz im Königreich Italien, in der
Landschaft Toscana, grenzt im N. an die Provinz
Florenz, im NO. an Arezzo, im O. an Perugia, im S.
an Rom, im SW. an Grosseto, im W. an Pisa, hat
3795 (nach Strelbitstij 3826) (ikin mit (1881) 205 926,
nach Berechnung vom 31. Dez. 1892 207 351 E., d. i.
55 E. auf 1 (ikm, und zerfällt in die 2 Kreise Montc-
pulciano und S. mit zusammen 37 Gemeinden.
Bedeutend ist der Acker-, namentlich Weizenbau,
Wein- und Olivenbau und die Seidenzucht. Die
Provinz wird durchzogen von der Eisenbahnlinie
Florenz-Rom, die bei Asciano, südöstlich von der
Hauptstadt, nach S. abzweigt. - 2) Hauptstadt der
Provinz S., 48 kni südlich von Florenz, an der Linie
Empoli-Chiusi des Mittclmeernetzes, kegl aus drei
in einen Knoten zusammenstoßenden, aus Thonerde
(Terra di S., s.Volus) bestehenden Hügeln, ist Sitz
des Präfekten und eines Erzbischofs und hat (1881)
23445, als Gemeinde 25204, nach Berechnung vom
31. Dez. 1892: 28 500 E., in Garnison das 5. In-
fanterieregiment (ohne 1 Bataillon) und 1 Eskadron
des 8. Kavallerieregiments "Montebello", meist enge
und krumme Straßen, aber zahlreiche schöne Kirchen
und prächtige Paläste. Die Stadt ist sür die Kennt-
nis der Kunst vom 13. bis 16. Jahrh, nebst Rom,
Florenz und Venedig die wichtigste des Landes. Der
Dom, Chiesa Mctropolitana, eine der schönsten
Kirchen Italiens, auf dem höchsten Punkt der Stadt,
soll die Stelle eines Tempels der Diana einnehmen,
dem eine Kirche Sta. Maria Assunta folgte. Das
jetzige Gebäude wurde im Anfang des 13. Jahrh.,
die Kuppel 1264 vollendet und um 1317 der Chor
verlängert. Das 1339 begonnene gewaltige Lang-
haus eines großartigen Neubaues stebt auf der Süd-
seite des Doms als Ruine, da die Pest 1348 den
Weiterbau verhinderte. Der Dom ist 89 in lang,
24 ni breit und im Querschiff 56 in hoch und hat
eine dreigiebeligc Facade aus dreifarbigem Marmor,
1284-1380 nach dem Modell von Giovanni Pisano
erbaut, mit Bildwerken und Mofaiken (1878) von
Mufsini und Franchi. Im Innern sind besonders
bemerkenswert der marmorne Fußboden mit Graf-
fitodarstellungen und Mosaiken nach Zeichnungen
hervorragender Künstler (1369-1550), die pracht-
volle achteckige Kanzel des Niccolö Pisano aus
weißem Marmor, 1266 begonnen, das Bronze-
tabernakel von Vecchictta (1465-72), eine Vronze-
statue Johannes' des Täufers (1457) von Donatello.
Das Altarbild von Duccio di Buoninsegna, das
einzige erhaltene Werk (1308-11) dieses Haupt-
meisters der Malerschule S.s, befindet sich jetzt in
der Opera del Duomo. In der Dombibliothek die
berühmten Fresken von Pinturicchio, Scenen aus
dem Leben Papst Pins' II. Der Südseite des Doms
gegenüber die Opera del Duomo mit der berühm-
ten antiken Marmorgruppe der drei Grazien, 1460
im Palazzo Colonna in Rom gefunden. Unter dem
Dom ist gewissermaßen als Krypta die Kirche San
Giovanni, das ehemalige Baptistcrium, eingebaut,
mit marmornem Taufbrunnen und fechs prächtigen
Vronzereliefs aus dem Leben Johannes' des Täufers;
San Domenico, ein hoher got. Backsteinbau (1220-
1465), enthält treffliche Fresken aus dem Leben der
heil. Katharina von Sodoma, die Kirche Fontegiusta
einen herrlichen Hochaltar von Lorenzo di Mariano
(1517), eins der schönsten Skulpturwerke dieser Zeit.
Das Oratorio di Santo Bernardino besitzt treff-
liche Gemälde, namentlich von Sodoma. Die mar-
morne Fönte Gaja enthält Reliefdarstellungen nach
den 1409-19 ausgeführten Originalen des Iacopo
della Quercia, 1868 von Tito Sarrocchi neu herge-
stellt, aber nicht vollendet; ebenfalls von Sarrocchi
ist das Standbild der Italia zum Andenken an die
in den Kämpfen für die Einigung Italiens gefalle-
nen Sienefen. Der Palazzo pubblico, ein gewaltiger
Vacksteinbau (1289 - 1305) mit säulchengeteilten
Spitzbogenfenstern und mit dem 90 m hohen Glocken-
turm del Mangia (1345), hat im Innern Wand-
malereien von Simone Martini, Sodoma, Ambro-