Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Siemens; Siemens-Martin-Prozeß; Siemens ; Siemenseinheit; Siemensinduktor; Siemering

959

Siemens (Adolf) - Siemering

Regeneration bei Feuerungsanlagen für Hüttenzwecke beschäftigt, die einen Umschwung in der Pyrotechnik veranlaßt hat (s. Gasfeuerungen, Bd. 7, S. 572d). An der Vervollkommnung dieser Regenerativgasöfen haben auch Hans S. (geb. 1818, gest. 1867) und Werner S. mitgearbeitet. Friedrich S. hat bedeutende Erfolge damit vorzüglich in der Glasindustrie erzielt, Wilhelm aber in der Stahl- und Eisengewinnung: letzterer legte 1867 ein eigenes Probestahlwerk in Birmingham, 1869 die Landore Siemens Steel Works an. Diese haben neuerdings die Bestimmung erhalten, Stahlrohren nach dem Mannesmannschen Walzverfahren herzustellen, für das der Siemensstahl besonders geeignet ist. Wilhelm S. war Teilhaber der Firma Siemens & Halske (s. oben) und leitete deren Londoner Zweiggeschäft. Er schrieb: "Über Brennstoff. Über Gewinnung von Eisen und Stahl" (Berl. 1874), "Die Eisen- und Stahlindustrie in England. Der Bathometer" (ebd. 1878), "Einige wissenschaftlich-technische Fragen der Gegenwart" (ebd. 1879; Neue Folge, ebd. 1883), "Über die Erhaltung der Sonnenenergie" (aus dem Englischen, ebd. 1885). Seine "Scientfic works" erschienen in 3 Bänden (Lond. 1889-95). - Vgl. Obach, Sir William S. als Erfinder und Forscher (Lond. 1885); Pole, Wilhelm S. (Berl. 1890).

Friedrich S., geb. 8. Dez. 1826 zu Mentzendorf bei Lübeck, besuchte das Lübecker Gymnasium, fuhr dann 2 1/2 Jahre lang als Schiffsjunge zur See und ging hierauf zu seiner weitern Ausbildung nach Berlin. Er machte als Freischärler den ersten Feldzug gegen Dänemark mit, ward aber nach dem Abschluß des ersten Waffenstillstands 1818 nach England geschickt, um Werners Telegraphenapparate dort einzuführen. Er arbeitete in England mit Wilhelm S. zusammen, bemühte sich dann in der Maschinen- und Schiffbauanstalt, jetzt "Vulkan", bei Stettin Wilhelms und auch seine eigenen Erfindungen im Fache der Motoren- und Maschinentechnik zur Ausführung zu bringen. Im Herbst 1856 konstruierte er den ersten Regenerativofen (erstes engl. Patent vom 2. Dez. 1856). 1858 setzte er in seinen Regenerativofen an Stelle der direkten Feuerung die Gasfeuerung. 1859 siedelte Friedrich wieder nach England über. Nach dem Tode seines Bruders Hans (1867) übernahm Friedrich S. die von Hans begründete Glashütte in Dresden und hat nicht nur diese zur bedeutendsten Glashütte Deutschlands gefördert, sondern auch noch Glashütten in Dohlen bei Dresden und Neusattel bei Karlsbad in Böhmen sowie die Dresdener Hartglasfabrik gegründet. Diese Glashütten beschäftigen über 4000 Personen. 1888 wurden sie in eine "Aktiengesellschaft für Glasindustrie" mit einem Kapital von 9 Mill. M. umgewandelt. Durch das von ihm erfundene "Heizverfahren mit freier Flammenentfaltung" erzielt er eine weit vollkommenere Verbrennung, steigert unter Erhöhung der Ofentemperatur die Leistung und sichert trotz dieser gesteigerten Leistungen eine erheblich längere Dauer der Ofen. Dieses Heizverfahren ist auch bei dem Siemens-Martinofen angewendet worden. Friedrich S. gründete ferner Fabriken in Dresden, Wien, Berlin und London zur Herstellung von Gasbeleuchtungs- und Heizapparaten eigener patentierter Erfindung, ferner technische Bureaus in Dresden und London mit Zweiggeschäften in Wien, Paris zur Verwertung seiner zahlreichen technischen Erfindungen, von denen noch die Glasschmelzwannen, das kontinuierliche Glasschmelz- und Arbeitsverfahren, die Herstellung

^[Spaltenwchsel]

von Preßhartglas und Glashartguß sowie Friedrichs Regenerativlampen (s. Gasbeleuchtung, Bd. 7, S. 576d), die Regenerativgaskamine und -Öfen zu nennen sind. Als neue Spezialitäten stellt die Firma noch her: Petroleumgasöfen, Universalgaskochherde, Wasserwärmapparate, Spiritusglühlampen. Durch die Übernahme der Geschäfte, in welchen Friedrich mit Wilhelm S. verbunden war, hat sich sein Wirkungskreis wieder nach England, und in den Landore Siemens Steel Works namentlich wieder auf die Eisen- und Stahlindustrie ausgedehnt. Er schrieb: "Bericht über die Smoke Abatement Exibition" (Berl. 1882), "Heizverfahren mit freier Flammenentfaltung" (ebd. 1885), "Über den Verbrennungsprozeß" (2. Aufl., ebd. 1887). "über die Vorteile der Anwendung hocherhitzter Luft u. s. f." (2. Aufl., ebd. 1887).

Siemens, Adolf, preuß. Generalmajor, geb. 4. März 1811 zu Pyrmont, trat in die hannov. Artillerie, verbesserte 1817 als Hauptmann den von Bormann (s. d.) 1835 erfundenen Dosen- oder Ringzünder zu Chrapnels und vervollkommnete das Shrapnelgeschoß durch Eingießen von flüssigem Schwefel in die Zwischenräume der Bleikugeln und Bildung einer Kammer für die Sprengladung. S. trat 1867 als Oberstlieutenant in die preuß. Artillerie über, wurde zur Artillerie-Prüfungskommission kommandiert, wirkte 1868 für die Beibehaltung des Kruppschen Geschützes bei der deutschen Marine. 1872 als Generalmajor zur Disposition gestellt, wurde er später im Werner Siemensschen Institut in Berlin beschäftigt und erfand einen elektrischen Distanzmesser, ein System zum Abfeuern von Geschützen auf elektrischem Wege, eine Methode zum Messen von Geschoßgeschwindigkeiten im Geschützrohr u. s. w. Er starb 1. Juli 1887 in Berlin.

Siemens, Joh. Georg, geb. 21. Okt. 1839 zu Torgau, Enkel eines Bruders von Ferdinand S., des Vaters der Gebrüder Werner, Wilhelm, Friedrich S., trat in den preuß. Justizdienst, verließ denselben aber 1870 und wurde Direktor bei der Deutschen Bank zu Berlin, zu deren Mitbegründern er gehört. Seit 1874 war E. wiederholt Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses und des Deutschen Reichstags, wo er zur nationalliberalen, dann zur freisinnigen Fraktion gehörte. Seit 1880 ist er Mitglied des Ältestenkollegiums der Berliner Kaufmannschaft und des Ausschusses des Deutschen Handelstags.

Siemenseinheit, s. Leitungswiderstand.

Siemensinduktor, s. Cylinderinduktor.

Siemens-Martin-Prozeß, Siemensstahl (Martinstahl), s. Eisenerzeugung (Bd. 5, S. 929d).

Siemens & Halske, s. Siemens (Familie).

Siemering, Rudolf, Bildhauer, geb. 10. Aug. 1835 in Königsberg, besuchte daselbst die Akademie, kam dann zu Bläser nach Berlin, wo er an den Reliefs für die Dirschauer Brücke thätig war. Seiner 1860 vollendeten "Penelope" folgten einige Bildwerke mytholog. Art, dann unausgeführte, wenn auch prämiierte Konkurrenzmodelle von Schiller- und Goethe-Monumenten, weiterhin die sitzende Figur König Wilhelms I. in der Vorhalle der Börse zu Berlin und die Terracottastatue des Philosophen Leibni; in der Akademie der Wissenschaften zu Pest. Von Bedeutung war das von ihm gefertigte Sockelrelief der zum Truppeneinzug in Berlin (1871) aufgerichteten Gruppe der Germania mit den wiedergewonnenen Kindern Elsaß-Lothringen. Das Relief ist aber nur in einer Terraeottanachbildung in Görlitz erhalten. Es folgte dann das 1877