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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sims
Staatsdienst herbei. S. lebte seitdem seinen littcrar.
Steigungen zu Bonn, wo er sich später habilitierte,
1850 die ord. Professur der altdeutschen Litteratur
erhielt und 18. Juli 1876 starb. E. bat es ver-
standen, die besten Werke der altdeutschen Dicktung
in guten Übersetzungen weitcrn Kreisen zugänglich
zu machen. Seinen litterar. Ruf begründete die
Übertragung des Nibelungenliedes (Bcrl. 1827;
52. Ausl., Stuttg. 1892)'. es folgten Walthcr von
der Vogclwcide (Berl. 1833: 7. Aufl., Lpz. 1883),
der "Arme Heinrich" Hartmanns von Aue (Berl.
1830; 2. Aufl.,Heilbr. 1875),^Parzivalund Titurcl"
Wolframs von Eschcnbach l^tuttg. 1842', 6. Aufl.
1883), der "Tristan" Gottfrieds von Straßburg
(Lpz. 1852; 2. mit einem Schluß vcrmebrte Aufl.
1875), "Orendel" (Stuttg. 1845), die "Lieder der
Minnesinger" (Elberf. 1857) u. s. w. Tiefen Dick-
tungcn der mittclbochdeutschcn Zeit reihten sich die
gelungenen Übcrsetzunaen der "Edda" (Stuttg. 1851;
9. Aufl., ebd. 1888)/des "Veowulf" (ebd. 1850)
und des "Heliand" (Elberf. 1850; 3. Aufl., Verl.
1882) an. Freier bewegte sich E. in der Bearbeitung
des "Guten Gerhard" nach Rudolf von Ems (2. Aufl.,
Stuttg. 1864) u. a. Eine poct. Darstellung der ge-
samten deutschen Heldensage bot er in dem "Helden-
buch" (0 Bde., Stuttg. und Tüb. 1843 - 40 u. ö.),
das die "Gudrun", die "Nibelungen", "Das kleine
Hcldcnbuch" und das ganz selbständige "Amelungen-
lied" (darin das frische und kräftige kleine Epos
"Wicland der Schmied") umfaßt. Auch auf jüngere
Werke dcbnte E. leine Erneuerungen aus, z. V.
Brants "Narrensckiss" (Berl. 1872), die "Sinn-
gedichte" Logaus (Stuttg. 1874), Pauliö "Schimpf
und Ernst" (Heilbr. 1876) und Spees "Trutz-
nachtigall" (ebd. 1878), vor allem die "Teutschen
Volksbücher", von denen 1830-67 13 Vände oder
54 Hefte (Berl. und Frankf. a. M.; neue Aufl., Vas.
1887) erschienen sind. Ferner veröffentlichte er:
"Dcutfchcs Kinderbuch" (3. Aufl., Frankf. a. M.
1870) und "Rätsclbuch" (3. Aufl., Bas. 1887).
"I.lmäH 8ion" (2. Aufl., Stuttg. 1868) bringt Über-
setzungen altchristl. Hymnen.
Unter S.s wissenschaftlichen Leistungen sind die
bedeutendsten sein "Handbuch der deutschen Mytho-
logie" (Vonn 1853-55; 6. Aufl. 1887) und die vor-
treffliche Abhandlung "Tie Nibclungcnstropbe und
ibr Ursprung" (ebd. 1858). Das schwierige Gedickt
vom "Wartburgkriege" gab er (Stuttg. 1858) mit
Erläuterungen heraus. Tie Shakespearc-Littcratur
bereicherte er durch die "Quellen des Sbakcspeare
in Novellen, Märchen und ^agen" (2. Aufl., 2 Bde.,
Bonn 1870). Unter seinen eigenen poct. Versuchen
("Gedichte", 2. Ausg., Stuttg. 1863; "Legenden",
Vonn 1855; "Deutsche Kricg/sliedcr", Verl. 1870;
"Dichtungen", ebd. 1872) sind die Balladen das
Wertvollste. - Vgl. Nik. Hocker, Karl S. (Lpz. 1877).
Sims, Gesims, Bezeichnung einer Kunstform,
welche in der Baukunst und den ihr verwandten
Künsten verschiedene Zwecke erfüllt. Ursprünglich
und rein konstruktiv betrachtet ist der S. ein wag-
recht fortlaufendes, aus einer senkrechten, im Freien
stehenden Wand eines Gebäudes heraustretendes,
architektonisches Glied, das den Zweck bat, diese
Wand durch Überdeckung vor Wittcrungseinflüsscn
oder vor dcm von dem Dache hcrabfließenden Wasser
zu schützen. Es geschieht dies, indem der 2. aus
seiner untern Seite mit einer Untcrschncidung, der
sog. Wassernase, versehen ist, welche bewirkt, daß
das Ablaufwasscr nicht an den Wandflächen, sondern
icnkrcckt neben denselben hcrabtropft. Da ein solcher
S. stets den obern Rand der Wand bilden muß,
wurde er zugleich die Bckrönung der lctztcrn, erhielt
dadurck zugleich eine ästhetische Funktion und wurde
in mehr oder weniger rcicber Weise künstlerisch aus-
gebildet. Der wichtigste Teil eines ^. ist die Hänge-
platte, welche durch Unterglieder getragen und
durch Obcrglieder bekrönt werden kann. Schon
bei den griech. Tcmpelbautcn sind die bekrönenden
^berglieder reich geschmückt und deren oberstes, die
sog. S i m a oder R innlciste, weil in ihr die Wasser-
rinne zugleich gebildet wurde, mit Offnungen in
gcwifsen Entfernungcn vcrsehen, welche dazu dienten,
das in der Rinne sich sammelnde Tagewasser abzu-
sühren. Diese Öffnungen wurdcn scldst künstlerisch
verziert mit Löwen-
köpfcn, Wasser-
speiern oder Dra-
chen. Inbeistehen-
dcr Fig. 1 bezeich-
net a die Hänge-
platte mit ihrer
Unterschneidung I),
c die Untergliedcr,
li die ^berglieder,
6 die Sima mit
Rinne f. Tic Un-
terglicder bestehen
aus Hohlkehlen,
Wülsten, Zahn-
schnittcn, tragen-
dem Karnics. Es
.Z'
Fig. 1.
ergicbt sich hieraus die Grundform des antiken S.,
welche seit dem 15. Jahrh, wieder fast überall zur
herrschenden wurde. Beispiele von antiken reich-
verzierten Gesimsen zeigt die Tafel: Römische
Kunst II, Fig. 1 u. 3. Im Gegensatz hierzu steht
der gotiscke S. (Fig. 2), in welchem die Hängcplatte
Zweck und der Anordnung der S. unterscheidet man
im allgemeinen tragende, bindende und bekrönende
S. Zu den tragenden S.
gehören die Fuß-,
^ockcl- oder Plin-
thengesimse, zu den
bindenden die Gurtge-
simse, Vr ü st u n g s -
oder Sohlbantge-
simse und Archi-
trave. Zu den bckrö-
Flg- 2.
Flg. 5.
ncnden sind die Hauptgesimse odcrKranzge-
sinlscunddieFcnstcr - undThürverdachrlltgen
zu nennen. Die Fußgesimse (Fig. 3) gcbcn dem
Gebäude selbst und den einzelnen Architckturteilen
ihrcn festen Aufstand. Die Gurtgesimse (auch
Kaff- oder K app gcfims) bewirken die Trennung
der Stockwerke im Äußern, die Sohlbankg efimse
und Architrave (Traglote) umschlingen den Bau
bandartig, wäbrcnd die Hauptgesimse (Fig. 1) den
obern Abschluß dcs Gebäudes oder eines seiner
Architekturtcile kennzeichnen. Auch im Innern der
Gebäude, sowie an Möbeln treten S. zur Dekora-
tion auf. Während sie in der Hauptsache wagrecht
laufend die Gliederung und Teilung größercrFlächen
bewirken, hat man die S. an Giebeln und auch
sonst aufsteigend gebildet oder um Maucrvorsprünge
herumgeführt (verkröpft). Im Baroä- und Rokoko-