Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

992
Sinapin - Sindh
Sinapm, Alkaloid von dcr Zusammensetzung
d?iell2.^^5, das in Verbindung mit Schwcfelcyan-
wasserstofssäure (als Sulfosinapin) im weißen Scns-
lamen lvon^ina^iz^IdH^.) vorkommt. BcimKochen
mit Alkalien zerfällt es in Cholin (s. d.) und Sina-
pinsäure, (^iiI^Oz. Das S. ist nicht krystallisiert
erhalten worden, wohl aber Salze desselben.
3inä.pi8 />., Pflanzengattung aus der Familie
der Krucifcren (s. d<) mit gegen 15 Arten in der
nördl. gemäßigten Zone dcr Alten Welt, kraut-
artige Gewächse, die sich von dcr Nr^zi^ (s. d.)
durch mehrere stark hervortretende Nerven auf den
Schoten unterscheiden. Am bekanntesten ist der
weihe Senf, 3. aida /^., in Teutschland wild und
im großen angebaut. Die Samen l^emina 8.) die-
nen zur Herstellung des Senfs (s. d.) und verschiede-
ner als Gewürz oder Zeilmittel dienender Präpa-
rate, während die Samen einer asiat. Art, des rus-
siscken oder Sareptascnfs, 3. ^uncea /^., auch
zur Bereitung des Senföls (f.d.) dienen. Die Samen
des als H e d e r i ch oder Ackcrsenf is. d.) bekannten 8.
lli-v6n8i3 ^. können gleichfalls zurSenfbcreitnng ge-
braucht werden. Der weiße Senf wird in der Land-
wirtschaft, seines raschen Wachstums halber, auch
als Grünfutter angebaut (f. Tafel: Futterpflan-
zen II, Fig. 7), und zwar je nach dem Bedürfnis
im zeitigen Frühjabr als Vorfrucht für fpät anzu-
bauende Sommerpflanzcn, oder in die Stoppel des
Getreides als Zwischenfrucht, oder auch noch anders,
und kann da große Erträge liefern. Häufig wird er
auch im Gemenge mit andern Grünfutterpflanzen,
wie Buchweizen, Wicke, Hafer, angefüt.
3iQ2.pi8lnu3 (lat.), s. Scnfteig.
Sinau, Pflanzcnart, f. ^Iclwiuilla.
5inoers st oou8t3.ntsr (lat.), "aufrichtig und
beständig", Devise des prcuß. Roten Adlerordens.
Sindelfingen, Stadt im Oberamt Boblingen
des württemb. Neckarkreises, an der Schwippe und
dem Fuß dcr Vurghalde, hat (1800) 4239 E., dar-
unter 33 Katholiken, Post, Telegraph, Fcrnfprech-
einrichtung, eine schöne Kirche (1083), Latein- und
Realschule; Seiden-, Teppich- und Leincnweberei,
Baumwollindustrie, Sägewerke und Ziegeleien.
Sinder und Garn, zwei Schwesterstädte in
Nordwestafrika, mit ungefähr 17000 E., auf zwei
Felfeninfeln im mittlern Niger, nördlich vom Fulbe-
reich Gando gelegen, von üppigster Vegetation um-
geben. Von hier aus werden große Mengen Hirse
nach Timbuktu und in das Land der Tuareg aus-
geführt. Dank der Eifersucht zwischen dem Herrscher
von Gando und den Tuareg behielten beide Städte
bis setzt ihre Unabhängigkeit.
Sindh (engl.S ind e),Fluß inOstindien,s.Indus.
Sindh (engl. E(c)inde), indobrit. Provinz
(vormals eigenes Fürstentum), seit 1888 unter Ver-
waltung des Lieutenantgovcrnor des Pandschab,
grenzt nördlich an Bclutschistan, das Pandschab
und den Staat Vahawalpur, östlich an die Staaten
Dschaisalmir und Dschodhpur (in Radschputana),
südlich an das Sumpfland ("Ran") von Katschh
und das Arabifche Meer, westlich an das Gebiet
des Chans von Kelat in Bclutschistan. Mit seinen
fünf Distrikten: Karatschi, Haidarabad, Schikarpur,
Thar und Parkar, und dem Obcr-Sindhgrenzland
nimmt S. das Delta und untere Stromgebiet des
Indus ein und bedeckt 123 295 likm. Die Bevölke-
rung zählt (1891) 2 871774 meist Mohammed. E.
(beides mit Ausschluß dcr nichtbrit. Enklave Chair-
pur, die auf 15 761 hkin j/1891^ 131937 E. zählt).
Die Hauptstadt war früher Haidarabad', in neuerer
Zeit ist es die Hafenstadt Karatscki (s. d.). Der
Boden ist zum großen Teil fruchtbarer Alluvial-
bodcn. Der Indus, der sich mit viclcn Armcn ins
Meer ergießt, teilt das Land in zwei Hälften, bis
wo Sandwüsten das östliche, ein Geschiebe kahler
Berge das westl. Gebiet abgrenzen. Dem Indus
oder Sindh(u) verdankt das Land seinen Namen
und seine Fruchtbarkeit. Der Strom überschwemmt
im Juni die Tiefebenen und tritt Anfang Septem-
ber wieder zurück. Das Klima ist schwül und trocken.
In Haidarabad ist die mittlere Temperatur der sechs
Sommermonate 36° C, und das Wasser des Indus
hat dann 31,25 bis 33,75° C Warme. In Nord-
und Obersindh ist der Sommer sogar noch heißer.
'Regen fällt sehr wenig. In Obersindh regnet es
mitunter drei Jahre nicht. Zu andern Zeiten sind
dagegen die Regengüsse heftig und verursachen
Krankheiten. In feinen Vodencrzeugnissen stimmt
S. mit den ebenen Teilen des nördl. Ostindiens
übercin. Die Bevölkerung besteht aus einem Ge-
misch von ursprünglichen Sindhern (Hindu des In-
dus), Dschat und Belutschcn; die meist zum Islam
übergetretenen Sindher sind bei ibren Landsleuten
wegen ihrer Unwissenheit und Sittenlosigkeit ver-
rufen. Tie Veluy'chen wie die andern Moham-
medaner in S. sind fanatifcke Sunniten.
Schon im Anfang des 8. Jahrh, erscheint eine
Hindudynastie in Äror. In dieser Zeit eroberte
Mubammad Qaßim im Auftrage dcs Chalifen Abd
ul-Malik das Land, das bis 871 völlig im Besitze
der Mohammedaner verblieb; seit der Zeit erhoben
sich wieder einheimische Fürsten. 1019 siel Mahmud
von Ghasni in Indien ein und ließ durch seinen
Wesir Abd ur-Rasa'i 1026 E. erobern. 1051 mach-
tcn sich die Eumra (Abkömmlinge dcs Statthalters
von Multan) unabhängig; 1351 erhoben sich die
Sama (Radschputen aus Katschh) gegen die Sumra
und setzten Dscham Unar auf den Thron. Um 1391
wurden die Sama Mohammedaner. 1521 folgte
die türk. Arghun-Dynastie. 1592 eroberte Kaiser
Akbar S. und vereinigte es mit Multan. In der
folgenden Zeit dcs Friedens gelangten die Daud-
putra ("Söhne des Daud Chan"), ein kriegerischer
und zugleich arbeitsamer Stamm, zu Macht und
Bedeutung. Gegen Ende dcs 17. Jahrh, kamen die
ihncn verwandten Kalora zur Herrschaft, die ihren
Urfprung auf Muhammad von Khambhath (1204)
znrückführten, und angeblich von Abbas, dem Oheim
dcs Propheten, abstammten. 1558 wurden die Ka-
lora durch ihren Stammesangehörigcn Adam Schah,
das Haupt einer großen Schar von Vettclmönchen,
in weitern Kreifen bekannt; durch den Mogul-Statt-
haltcr von Multan wurde er getötet. Dic Mogul-
beamten unterdrückten die Kalora lange Zeit, bis
es diesen seit 1658 gelang, erfolgreichen Widerstand
zu leisten. 1701 eroberte Iar Muhammad Kalora
mit Hilfe des belutfchifchen Sirai- oder Talpur-
stammes die Stadt Schikarpur, machte sie zur
Hauptstadt und wurde vom Kaii'cr Aurangseb als
Fürst anerkannt. Ihm folgte 1719 fein Sohn Nur
Muhammad, der sein Reich von Multan bis Tatta
ausdehnte. Als 1739 Nadir Schah das Mogul-
reich niederwarf, wurden alle Gebiete westlich vom
Indus mit dem Perserreiche vereinigt. Nach Nadir
Schahs Tode siel S. 1748 an Ahmad Schah Du-
rani von Kandahar, der Nur Muhammad Kalora
bestätigte. Als 1754 dcr Tribut im Rückstände war,
zog Ahmad Schah gegen S., und Nur Muhammad