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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sinistra mano - Sinn (philosophisch)
Zinistra. ma.no (ital.), linke Hand, abgekürzt
8. m., beim Vortrag von Klavierstücken.
Sinj (Sign). 1) Bezirkshauptmannschaft in
Dalmatien, hat 1336,15 ^m und (1890) 4632l
(24517 münnl., 21804 weibl.) serbo-kroat. E. in 2 Ge-
meinoen mit 59 Ortschaften und umfaßt die Gerichts-
bezirke S. und Vrlika. -2) Marktflecken und Sitz der
Vezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts
(35600 E.), an der linken Thalseite der Cetina und
der Bergstraße von Spalato nach Livno in Bos-
nien, hat (1890) 2074, als Gemeinde 35600(5.
und ein Kastell, welches ehemals den Türken wieder-
holt Widerstand geleistet hat.
Sin-kai, Stadt in Birma, s. Vhamo.
Sinkalm, soviel wie Cholin (s. d.).
Sin-kiang, Sin-tsiang, oder Hsin-chiang
("das neue Gebiet"), eine 1884/85 neu gebildete
chines. Provinz, umfaßt das frühere äußere Kan-su,
die Gebiete nördlich und südlich von Thian-schan,
das chines. Osttnrkestan sowie die Grenzdistrikte von
Ili und zählt auf etwa 1390000 hkm etwa 1 Mill. E.
Hauptstadt ist Urumtschi. (E. Karte: Innerasien,
Bd. 1, S. 982.) ^sonds.
SinkiQF tunä (engl., spr. fönnd), s. Tilgungs-
Sinkwerk, s. Bergbau (Bd. 2, S. 758a).
Sinn, in ursprünglicher Bedeutung die Fähig-
keit des Menschen, den Inhalt irgendwelcher Erfah-
rungen aufzufassen, und in übertragener Bedeutung
dieser Inhalt selbst. So sagt man von jemand, er
babe S. für die Poesie, für Naturschönheit u. s. w.,
so spricht man von dem S. einer Rede u. s. w. In
der Physiologie und Psychologie bedeutet S. ein
leibliches Organ, das unsern Verkehr mit der Außen-
welt vermittelt, oder die Leistungen eines solchen
Organs. In der Philosophie versteht man unter
S. im allgemeinen das Vermögen unmittelbarer
Auffassung und Erkenntnis im Gegensatz zu dem
begrifflichen Denken. (S. Sinnlichkeit.)
Die naturgemäße Thätigkeit der S., Wahrneh-
mungen von der Außenwelt und von den Zuständen
des eigenen Leibes zu liefern, wird vermittelt durch
die Erregung bestimmter Nerven oder Nervenkom-
plexe. Vermöge einer Einrichtung, die man als
specifische Energie der Sinnesorgane be-
zeichnet hat, erscheint in dem entwickelten'Organis-
mus jede Art von sinnlicher Empfindung an be-
stimmte Nervenbahnen derartig gebunden, daß
einerseits sie selbst nur durch deren Neizung ent-
steht, andererseits jede beliebige Neizung dieser Ner-
venbahnen zu Empfindungen derselben Art führt.
So entstehen z. B. Gesichtsempsindungen nie anders
als durch Neizung des Sehnerven; aber wie und an
welcher Stelle man auch diesen Nerven reize, ob
durch Licht oder durch Stoß oder durch Elektricität,
ob an seinem peripherischen oder centralen Ende
oder in der Mitte, nie giebt er eine andere Empfin-
dung als die der Helligkeit oder der Farbe. Diese
eigentümliche Thatsache beruht darauf, daß die
Thätigkeit der Nerven durch ibre peripherischen En-
digungen bedingt ist, die durch ihren Bau zur Auf-
nahme und Fortpflanzung nur bestimmter Bcwe-
gungsformen befähigt sind. So sind z. V. die En-
digungen des Sehnerven im Auge so eingerichtet,
daß sie zwar auf die feinen Schwingungen des Licht-
äthers, nicht aber auf die gröbern Bewegungen der
Luft anfprcchen, denen sich das Ohr mit den En-
digungen des Gehörnerven angepaßt bat. Dadurch
und namentlich durch die Beobachtung, daß eine Stell-
vertretung der nervösen Bahnen im Gehirn wie im
peripherischen Verlauf möglich ist, hat die Annahme
einer specifischen Energie ihre eigentliche Bedeutung
verloren. Von der Verbindung, in der verschiedene
nervöse Elemente miteinander stehen, ist ihre speci-
fische Funktion abhängig zu denken, nicht von einer
ihnen innewohnenden Energie.
Im einzelnen unterscheidet man fünf äußere S.:
den Gefühlssinn, den Geschmack, den Geruch, das
Gesicht und das Gebor. Für einen jedm dieser S.
bestcben besondere Sinnesorgane, die aus den
betreffenden Sinnesnerven und gewissen peri-
pherisch gelegenen nervösen Endorganen zusammen-
gesetzt sind und durch die Einwirkung specifischer
Sinnesreize (Wärme, Licht, Schall, mechan., chem.
und elektrischer Neiz) die Erregung gewisser Partien
des Gehirns und damit die Entstehung der Sinnes -
Wahrnehmung vermitteln. Näheres s. Gefühl
(pbysiologisch), Gemeingefühl, Tastsinn, Auge,
Sehen, Gehör, Geruch, Gefchmack.
Während die Psychologie die Sinnesempfindun-
gcn als ein Geschehen in der Seele betrachtet, er-
forscht die Physiologie die sie bedingenden leiblichen
Vorgänge, d. h. die Formen der Erregung in den
Sinnesorganen, -Nerven und -Centren. Als Ein-
drücke im eigentlichen Sinne, als Abbildungen der
Gegenstände kann aber weder die Psychologie noch
die Physiologie die Empfindungen betrachten: sie
sind der Ausdruck eiues Geschehens, das durch die
Organisation des Nervensystems und durch dessen
Verhältnis zum Bewußtsein bedingt ist; daher uns
die sinnliche Empfindung niemals die wahre Be-
schaffenheit der Dinge, sondern nur die Art verrät,
wie wir davon afsiziert werden. (S. Empfindung.)
Insofern ist jede Empfindung subjektiv im weitern
Sinne. Als subjektive Empfindungen im engern
Sinne bezeichnet man dagegen solche, die ohne Ein-
wirkung äußerer Gegenstände durch bloße Erregungs-
zustände der Nerven erfolgen; z. V. die subjektiven
Gefühle des Hypochonders, der säuerliche Geschmack
bei verdorbenem Magen, das Ohrenbrausen u.s. w.
Werden derartige subjektive Empfindungen nicht
als solche erkannt, sondern irrtümlich auf äußere
Gegenstände bezogen, fo entstehen daraus die sog.
Sinnestäuschungen (s. Hallucinationen, Illu-
sion). Die Empfindungen geben weder die Gestalt
und Beschaffenheit der Physik. Neize genau wieder,
noch auch wachsen sie in demselben Verhältnis, wie
die Neize wachsen, vielmehr nach einer Gesetz-
müßigkeit, die zuerst E. H. Weber und Fechner exakt
zu bestimmen versucht haben. (S. Psychophysik.)
Der gesamten leiblich vermittelten Wahrnehmung
stcht nun aber im Menschen noch die sog. innere
Vabrnehmung, d. h. Erfahrung von unfern eigenen
psychischen Funktionen gegenüber, und diese bezeich-
net man seit Locke als den innern S. Dieser Aus-
druck bedeutet nicht etwa ein mystisches Vermögen
höherer Wahrnehmungen, sondern nur die allge-
meine Thatsache, daß unsere eigenen Bewußtsems-
akte von uns erkannt und beurteilt werden können.
- Vgl. außer den Lehrbüchern der Physiologie und
Psychologie besonders: Leyden, Über die Einnes-
wahrnebmungen (2. Aufl., Verl. 1872); Preyer,
Die fünf S. des Menschen (Lpz. 1870); Bernstein,
Die fünf S. des Menschen (ebd. 1875; 2. Aufl. 1889).
Über die allmäbliche Entwicklung der S. handelt
Preyer, Die Seele des Kindes (3. Aufl., Lpz. 1889).
Vgl. ferner: Zeitschrift für Psychologie und Phy-
siologie der Sinnesorgane, hg. von Ebbinghaus
und König (hamb. 18W sg.).