Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sin-kai; Sin-kiang; Sinistra mano; Sinj; Sinkalīn; Sinking fund; Sinkwerk; Sinn

997

Sinistra mano - Sinn (philosophisch)

Sinistra mano (ital.), linke Hand, abgekürzt s. m., beim Vortrag von Klavierstücken.

Sinj (Sign). 1) Bezirkshauptmannschaft in Dalmatien, hat 1336,15 qkm und (1890) 46321 (24517 männl., 21804 weibl.) serbo-kroat. E. in 2 Gemeinden mit 59 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke S. und Vrlika. –2) Marktflecken und Sitz der Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts (35600 E.), an der linken Thalseite der Cetina und der Bergstraße von Spalato nach Livno in Bosnien, hat (1890) 2074, als Gemeinde 35600 E. und ein Kastell, welches ehemals den Türken wiederholt Widerstand geleistet hat.

Sin-kai, Stadt in Birma, s. Bhamo.

Sinkalīn, soviel wie Cholin (s. d.).

Sin-kiang, Sin-tsiang, oder Hsin-chiang («das neue Gebiet»), eine 1884/85 neu gebildete chines. Provinz, umfaßt das frühere äußere Kan-su, die Gebiete nördlich und südlich von Thian-schan, das chines. Ostturkestan sowie die Grenzdistrikte von Ili und zählt auf etwa 1390000 qkm etwa 1 Mill. E. Hauptstadt ist Urumtschi. (S. Karte: Innerasien, Bd. 1, S. 982.)

Sinking fund (engl., spr. fönnd), s. Tilgungsfonds.

Sinkwerk, s. Bergbau (Bd. 2, S. 758a).

Sinn, in ursprünglicher Bedeutung die Fähigkeit des Menschen, den Inhalt irgendwelcher Erfahrungen aufzufassen, und in übertragener Bedeutung dieser Inhalt selbst. So sagt man von jemand, er habe S. für die Poesie, für Naturschönheit u. s. w., so spricht man von dem S. einer Rede u. s. w. In der Physiologie und Psychologie bedeutet S. ein leibliches Organ, das unsern Verkehr mit der Außenwelt vermittelt, oder die Leistungen eines solchen Organs. In der Philosophie versteht man unter S. im allgemeinen das Vermögen unmittelbarer Auffassung und Erkenntnis im Gegensatz zu dem begrifflichen Denken. (S. Sinnlichkeit.)

Die naturgemäße Thätigkeit der S., Wahrnehmungen von der Außenwelt und von den Zuständen des eigenen Leibes zu liefern, wird vermittelt durch die Erregung bestimmter Nerven oder Nervenkomplexe. Vermöge einer Einrichtung, die man als specifische Energie der Sinnesorgane bezeichnet hat, erscheint in dem entwickelten Organismus jede Art von sinnlicher Empfindung an bestimmte Nervenbahnen derartig gebunden, daß einerseits sie selbst nur durch deren Reizung entsteht, andererseits jede beliebige Reizung dieser Nervenbahnen zu Empfindungen derselben Art führt. So entstehen z. B. Gesichtsempfindungen nie anders als durch Reizung des Sehnerven; aber wie und an welcher Stelle man auch diesen Nerven reize, ob durch Licht oder durch Stoß oder durch Elektricität, ob an seinem peripherischen oder centralen Ende oder in der Mitte, nie giebt er eine andere Empfindung als die der Helligkeit oder der Farbe. Diese eigentümliche Thatsache beruht darauf, daß die Thätigkeit der Nerven durch ihre peripherischen Endigungen bedingt ist, die durch ihren Bau zur Aufnahme und Fortpflanzung nur bestimmter Bewegungsformen befähigt sind. So sind z. B. die Endigungen des Sehnerven im Auge so eingerichtet, daß sie zwar auf die feinen Schwingungen des Lichtäthers, nicht aber auf die gröbern Bewegungen der Luft ansprechen, denen sich das Ohr mit den Endigungen des Gehörnerven angepaßt hat. Dadurch und namentlich durch die Beobachtung, daß eine Stellvertretung der nervösen Bahnen im Gehirn wie im peripherischen Verlauf möglich ist, hat die Annahme einer specifischen Energie ihre eigentliche Bedeutung verloren. Von der Verbindung, in der verschiedene nervöse Elemente miteinander stehen, ist ihre specifische Funktion abhängig zu denken, nicht von einer ihnen innewohnenden Energie.

Im einzelnen unterscheidet man fünf äußere S.: den Gefühlssinn, den Geschmack, den Geruch, das Gesicht und das Gehör. Für einen jeden dieser S. bestehen besondere Sinnesorgane, die aus den betreffenden Sinnesnerven und gewissen peripherisch gelegenen nervösen Endorganen zusammengesetzt sind und durch die Einwirkung specifischer Sinnesreize (Wärme, Licht, Schall, mechan., chem. und elektrischer Reiz) die Erregung gewisser Partien des Gehirns und damit die Entstehung der Sinneswahrnehmung vermitteln. Näheres s. Gefühl (physiologisch), Gemeingefühl, Tastsinn, Auge, Sehen, Gehör, Geruch, Geschmack.

Während die Psychologie die Sinnesempfindungen als ein Geschehen in der Seele betrachtet, erforscht die Physiologie die sie bedingenden leiblichen Vorgänge, d. h. die Formen der Erregung in den Sinnesorganen, -Nerven und -Centren. Als Eindrücke im eigentlichen Sinne, als Abbildungen der Gegenstände kann aber weder die Psychologie noch die Physiologie die Empfindungen betrachten: sie sind der Ausdruck eines Geschehens, das durch die Organisation des Nervensystems und durch dessen Verhältnis zum Bewußtsein bedingt ist; daher uns die sinnliche Empfindung niemals die wahre Beschaffenheit der Dinge, sondern nur die Art verrät, wie wir davon affiziert werden. (S. Empfindung.) Insofern ist jede Empfindung subjektiv im weitern Sinne. Als subjektive Empfindungen im engern Sinne bezeichnet man dagegen solche, die ohne Einwirkung äußerer Gegenstände durch bloße Erregungszustände der Nerven erfolgen; z. B. die subjektiven Gefühle des Hypochonders, der säuerliche Geschmack bei verdorbenem Magen, das Ohrenbrausen u.s. w. Werden derartige subjektive Empfindungen nicht als solche erkannt, sondern irrtümlich auf äußere Gegenstände bezogen, so entstehen daraus die sog. Sinnestäuschungen (s. Hallucinationen, Illusion). Die Empfindungen geben weder die Gestalt und Beschaffenheit der physik. Reize genau wieder, noch auch wachsen sie in demselben Verhältnis, wie die Reize wachsen, vielmehr nach einer Gesetzmäßigkeit, die zuerst E. H. Weber und Fechner exakt zu bestimmen versucht haben. (S. Psychophysik.)

Der gesamten leiblich vermittelten Wahrnehmung steht nun aber im Menschen noch die sog. innere Wahrnehmung, d. h. Erfahrung von unsern eigenen psychischen Funktionen gegenüber, und diese bezeichnet man seit Locke als den innern S. Dieser Ausdruck bedeutet nicht etwa ein mystisches Vermögen höherer Wahrnehmungen, sondern nur die allgemeine Thatsache, daß unsere eigenen Bewußtseinsakte von uns erkannt und beurteilt werden können.– Vgl. außer den Lehrbüchern der Physiologie und Psychologie besonders: Leyden, Über die Sinneswahrnehmungen (2. Aufl., Berl. 1872); Preyer, Die fünf S. des Menschen (Lpz. 1870); Bernstein, Die fünf S. des Menschen (ebd. 1875; 2. Aufl. 1889). Über die allmähliche Entwicklung der S. handelt Preyer, Die Seele des Kindes (3. Aufl., Lpz. 1889). Vgl. ferner: Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, hg. von Ebbinghaus und König (Hamb. 1890 fg.).