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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sinn (Fluß) - Sintenis
Sinn (Breite S.), rechter Nebenfluß der Frän-
kischen Saale im bayr. Neg.-Bez. Unterfranken, ent-
springt auf der Westseite des Rhöngebirges, nimmt
rechts die Schmale S. und die vom Epessart kom-
mende Iossa auf und mündet bei Gemünden.
Sinnbild, ein Vild oder die anschauliche Dar-
stellung eines Gegenstandes, welche bestimmt ist,
noch etwas anderes anzudeuten oder auszudrücken,
als wovon sie unmittelbar die Abbildung ist. Zum S.
gehört auch das Emblem (s. d.) als eine sinnbildliche
Verzierung. In einem engern Sinne braucht man S.
gleichbedeutend mit Symbol (s. d.). ^(s. d.).
Sinnen, in Süddeutschland soviel wie Aichen
Sinnesblatt, das äußere Keimblatt am Embryo
Sinnesdelirien, s. Sinnestäuschungen. s(s. d.).
Sinnesnerven, Sinnesorgane, Sinnes-
reize, s. Sinn.
Sinnestäuschungen, Sinnesdelirien,
Phantasrnen, Sinneswahrnehmungen ohne ent-
sprechende äußere Objekte (s. Sinn), zerfallen in
Illusionen (s. d.) und Hallucinationen (s. d.).
Sinngedichte, auch Auf-, über- oder Vei-
schriften, bei den deutschen Dichtern des 17. und
18. Jahrh, (etwa seit Logau) die Nachahmungen
des röm. Epigramms (s. d.). Die bedeutendsten
Dichter von S. in Deutschland waren Logau, Hage-
dorn, Lessing und Kästner.
Sinngrün, Pflanzengattung, s. Immergrün.
Sinnlichkeit, der Faktor in unserer Erkenntnis,
der im Gegebenen der Sinne liegt, im Unterschied
vom Verstand oder der Vernunft, denen die eigent-
liche Verarbeitung dieses Rohstoffs zu Begriffen zu-
fällt. S. bedeutet besonders bei Kant die Eigen-
tümlichkeit unserer räumlich-zeitlichen Anschauung
der Objekte, daß sie auf einen sinnlichen (im Neben-
und Nacheinander zu ordnenden) Stoff stets ange-
wiesen ist, niemals unabhängig von einem solchen
ihr Objekt erfassen kann. S. und Verstand sind übri-
gens nach Kant nur in Verbindung miteinander in
der Erkenntnis wirksam: Begriffe ohne Anschauun-
gen sind leer, Anschauungen ohne Begriffe sind
blind. In praktischer Hinsicht versteht man unter S.
die Empfänglichkeit für sinnliche Eindrücke und Hin-
gebung an dieselben, meist im tadelnden Sinne der
Vernachlässigung alles Höhern.
Sinnpflanze, s. Mimose.
Sinob^türk. Name der Stadt Sinope (s. d.).
Sinodor, ein Desinfektions- und Konservie-
rungsmittel, besteht aus basisch-essigsaurem Ma-
gnesium mit überschüssigem Magnesiumhydrat.
Sinolog (grch.), Kenner des Chinesischen.
3i non " vsro..., s. 8s non e vero...
Sinöpe, türk. Sinob, eine im Altertum sehr
bedeutende griech. Seestadt an der Nordküste der
klemasiat. Landschaft Paphlagonien, jetzt Haupt-
stadt eines Sandschaks im Wilajet Kastamuni, liegt
auf dem nur 370 in breiten, niedrigen Isthmus
eines ungefähr 7 km langen Küstenvorfprungs, der
sich in östl. Richtung allmählich zu einem 2 km brei-
ten, 200 m hohen abgestumpften Kegelberge ver-
breitert. Der Hafen bildet eine der Dampfschiff-
fahrtsstationen zwischen Konstantinopel und Trape-
zunt. S. besteht aus der eigentlichen türk. Stadt im
Westen und dem griech. Quartier im Osten, hat zwei
Bazare und eine große Moschee. Das einzige noch
in einiger Vollständigkeit erhaltene Gebäude aus
dem Altertum, von den Griechen "Schloß des Mi-
thridates" genannt, besteht aus vier Sälen mit ge-
wölbter Decke. Die Bevölkerung beträgt jetzt nur
gegen 8000 Seelen. Der Handel beschränkt sich auf
Ausfuhr von Holz, Wachs, Obst, Seide und Fellen.
Das griechische S. war eine Kolonie der Milesicr,
von diesen angeblich schon Anfang des 8. Jahrh,
v. Chr. auf der Stelle einer ältern assyr. Ansiedelung
gegründet, dann (nach einer Verheerung durch Kim-
merier) 630 v. Chr. erneuert; wahrscheinlich ist es
im 7. Jahrh, überhaupt erst entstanden. Im Besitz
zweier Häfen, wurde die Stadt durch Handelsverkehr
(hier mündete die Handelsstraße von Kappadocien
und vom Euphrat) und einträglichen Thunfischfang
reich und mächtig; ihr Gebiet reichte südwärts bis
zum Flusse Halys (jetzt Kisil-Irmak), und von S.
aus wurden wieder mehrere Kolonien, wie Kotyora,
Trapezus und Kerasus angelegt. Die Stadt war
der Geburtsort des Cynikers Diogenes. In pers.
Zeit bewahrte S. lange eine selbständige Stellung.
368 v. Chr. wurde es von dem Satrapen Data-
rnes, 183 v. Chr. von Pharnaces I., dem Könige
von Pontus, erobert, der die ^tadt zur Haupt- und
Residenzstadt seines Reichs machte und durch Pracht-
bauten verschönerte. In den Mithridatischen Kriegen
hatte S. wiederholt zu leiden, 72 eroberte es Lu-
cullus, verlieh ihm aber die Autonomie; 45 v. Chr.
wurde es röm. Kolonie. Nachdem im 4. Jahrh,
n. Chr. Amasia die Hauptstadt von Pontus gewor-
den, begann S. zu sinken. Seit 1204 gehörte es zum
Kaisertum Trapezunt, wurde aber schon 1214 von
dem Seldschuken - Sultan von Iconium erobert.
Seit dem 14. Jahrh, bildete es die Hauptsestung
des Isfendiar von Kastamuni. 1461 eroberte Mo-
hammed II. die Stadt. Denkwürdig wurde S. durch
die Vernichtung einer türk. Flottenabteilung, welche
im Hafen vor Anker lag, durch den russ. Viceadmiral
Nachimow 30. Nov. 1853.
Sittsheim. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis Heidel-
berg, hat (1890) 34012 E. in 37 Gemeinden. -
2) Hauptstadt des Amtsbezirks S., an der Elsenz
und der Linie Heidelberg-Iagstfeld der Vad. Etaats-
bahnen, Sitz des Bezirksamtes und eines Amts-
gerichts (Landgericht Mannheim), hat (1890) 2952 E.,
darunter 914 Katholiken und 149 Israeliten, Post,
Telegraph, Realschule, Kreispflegeanstalt, Rettungs-
anstalt für sittlich verwahrloste Kinder und vier
Kunstmühlen. - Die um eine reiche Abtei (1099) ent-
standene Stadt wurde Freie Reichsstadt; 1298 wurde
ihre Neichssteuer und 1316 sie selbst an die Familie
von Weinsberg verpfändet. Später kam sie an
Kurpfalz, 1416 abermals durch Verpfändung an
Konrad von Weinsberg. Am 16. Juni 1674 fand
bei S. ein unentschiedenes Treffen zwischen Tu-
renne und dem kaiserl. Feldherrn Bournonville statt;
1689 wurde die Stadt durch die Franzosen zerstört.
Am 16. Nov. 1799 warfen hier die Franzofen unter
Ney die Österreicher bis an die Enz und den Neckar
zurück, aber schon 2. Dez. wurden den Siegern von
den Österreichern die Stadt und ihre Stellungen in
den nahen Dörfern entrissen. - Vgl. Wilhelmi,
Geschichte der Amtsstadt S. (Heidelb. 1856).
Sitttenis, Karl Friedr. Ferd., Jurist, geb.
25. Juni 1804 zu Zerbst, ein Enkel des Roman-
schriftstellers und rationalistischen Theologen Chri-
stian Friedrich S. (geb. 1750 zu Zerbst, gest.
1820 als Professor daselbst), studierte zu Leipzig
und Jena die Rechte, wurde Advokat in Zerbst,
1837 ord. Professor der Rechte zu Gießen, 1841
Mitglied der Landesregierung und des Landes-
konsistoriums zu Dessau, 1847 Mitglied des Lan-
desdirektionskollegimns für das Herzogtum Cöthen