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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sinter - Sinzig
und mit der Leitung der Kabincttsangclegenheiten z
beauftragt. Infolge der Bewegung von 1848 trat ^
er aus diesen Stellungen zilrück und wurde Mit- ^
glied des Oberlandesgerichts zu Dessau. Im
anhält. Landtag von 1849 gehorte ^. zur ent-
schiedenen Rechten; 1850 sasi er im Staatenhause
des Unionsparlaments zu Erfurt. In demselben
Jahre wmde er zweiter Präsident des gemeinschaft-
lichen Oberlandesgerichts für Anhalt-Dessau und
Cöthen und 1853 alleiniger Präsident desselben.
1862 erfolgte seine Berufung in das Ministerium,
1863 seine Ernennung zum Wirkl. Gebeimrat. In
demselben Jahre wurde er zum Vorsitzenden des
neuerrichteten Staatsministeriums für ganz Anhalt
ernannt. Er starb 2. Aug. 1868 zu Dessau. Unter ^
seinen jurist. Werken ist "Das praktische gemeine
Civilrecht" (3 Bde., Lpz. 1844-55; 3. Aufl. 1868
-69) das bedeutendste. Außerdem schrieb er ein
"Handbuch des gemeinen Pfandrechts" (Halle 1836)
sowie eine "Anleitung zum Studium des Bürger-
lichen Gesetzbuchs sür das Königreich Sachsen" (Lpz.
1864). In Gemeinschaft mit andern unternahm er
1829 die erste deutsche Übersetzung des "^or^nz
^iri8 civiliä" (7 Bde., Lpz. 1830-34), der sich eine
solche des "(üorMZ ^urig canonici" (2 Bde., ebd.
1834-39) im Auszuge anschloß.
Sinter, Gesteine, die aus mineralhaltigen Ge-
wässern als krystallinische oder amorphe Absätze ent-
stcbcn und zum Teil sehr neuer, sogar noch fort-
dauernder Bildung sind. Der Gestalt nach ist der S.
stalaktitisch, und zwar nierenförmig, knollig, traubig,
tolbig, röhrig, tropfsteinartig, ständig oder zackig,
oder er kommt rindenartig als Überzug vor. Man
unterscheidet nach den Hauptbestandteilen besonders
denKalksinter, KieselsinterundEisensinter
(s. diese Artikel). Mit S. bezeichnet man endlich
auch noch mehr oder weniger zusammengeschmolzene
Massen, z.V. die durch den Blitz balb geschmolze-
nen Quarzkörner (Vlitzsinter, s. Blitzröbren).
Sintflut (lat. äiwviuin), vom altdeutschen 3in-
üuot, d. h. allgemeine Überschwemmung, meist nach
einer guten Volksetymologie Sündflut genannt,
da in der biblischen Erzählung die Flut zur Zeit des
Noah als eine Strafe für die künden der Menschen
betrachtet wird. Die S. ist nicht zu verwechseln mit
dem Diluvium (s. d.) der Geologen, das mit ibr
nichts zu thun hat. Gerettet wird aus ihr Noab,
der nach Iahwes Angaben rechtzeitig ein Schisf (die
Arche) zimmert, in welcher er seine Familie und die
zu rettenden Tiere birgt. Die im 1. Vuch Mose über-
lieferte Sintflutsage ist nicht in Palästina entstan-
den, sondern aus Vabylonien dortdin gekommen,
was ein Vergleich der biblischen Erzählung mit der
babylonischen ergiebt. Die älteste Gestalt dieses
Berichtes ist von G. Smith 1872 auf mehrern Tbon-
tafeln entdeckt worden. Danach bildet die babylon.
Legende den elften von 12 zusammengehörigen Ge-
sängen, aus welchen ein babylon. Nationalgedicht,
die Heldenthaten des Gilgamisch, nach Rawlinson
wahrscheinlich eine Versinnbildlichung der Sonnen-
laufbahn, besteht. Die meisten dieser Tafeln sind in
trümmerhaftem Zustande auf uns gekommen. Nur
die 1., 6. und die 11. Tafel mit der Sintfluterzüh-
lung, von der sich im Britischen Museum vier Haupt-
exemplare befinden, sind in einiger Vollständigkeit
erhalten. Der nahe Zusammenhang der babylon.
Erzählung mit der im 1. Buch Mose erhellt aus
folgenden Einzelheiten: in beiden bricht die Flut
Heroin als M^iches Stmfgericbt über die verderbte
Welt, in beiden wird auf göttliches Geheiß von
einem frommen Manne ein Fahrzeug gezimmert,
damit er mit seiner Familie sich retten soll. In bei-
den Poet. Beschreibung der Flut; Angabe vom all-
mählichen Sinken der Gewässer und die Aussendung
dreier Vögel zur Erkundigung nach dem Festlande.
Darauf wohlgefällig aufgenommenes Dankopfer
und die Versicherung seitens der Gottheit, daß hin-
sort, solange die Erde steht, keine S. mehr angerichtet
werden soll. Eine zweite Recension der babylon.
Sage ist erhalten bei Verosus (280-270 v. Cbr.),
der den Held.^isuthros nennt. Das keilinschristliche
Original dieses Veroseischen Berichts ist indessen
noch nicht wiedergefunden. Eine dritte Recension
wurde auf einer Kcilschristtasel aus Kutha entdeckt.
Die erste Übersetzung des chaldäischen Sintflut-
bcrichts veröffentlichte George Smith (s. d.) in dem
Werke "^N6^d<Tiäa6Äii acc0unt0lt1i6(^6N68i8,c0U'
tHmiiiZ tiis äkLci'iption ot'tds creation, tli6 lall ol
IU5M, tQ6 äewsse" (Lond. 1875; 2. Aufl. 1880), die
neueste und vollkommenste H. Zimmern in seinen
Beiträgen zu Gunkels "Schöpfung und Chaos"
(Gott. 1895). Der Text ist am vollständigsten ver-
öffentlicht auf den Tafeln 43 - 44 >50 -51) des
4. Bandes des engl. Inschriftenwerkes "Iks l^unoi-
soi'iu In8ci'ii)tis)n3 ol ^68tLrn ^äia.". Ahnliche
Sagen von ungeheuren Überschwemmungen (Flut-
sagen) finden^sich bei sehr vielen Völkern des Alter-
tums; so bei den Griechen die l^age von der Dcu-
kalioniscben Flnt (s. Deukalion), bei den Indern,
den Persern, den Chinesen, den Völkern des nördl.
Asiens, woraus man nicht auf eine allgemeine Flut
schließen darf, da sich in den Sagen verschiedene
Einzelfluten widerspiegeln können. - Vgl. Dicstel,
Die S. und die Flutsagen des Altertums (2. Aufl.,
Verl. 1876); Sueß, Die S. Eine geolog. Studie
(Prag 1883); Andrce, Die Flutsagen, ethnogra-
phisch betrachtet (Braunschw. 1891);' von Schwarz,
5. und Völkerwanderungen (Stuttg. 1894).
Ein-tsiang, chines. Provinz, s. Sin-kiang.
5int, ut snnt, ant non "int (lat.), Ausspruch
über die Jesuiten (s. d., Vd. 9, S. 907 d).
Sinumbralampe, s. Öllampen.
Sinus (lat.), Rundung, Krümmung, Busen,
Meerbusen. S. heißt auch eine der Goniometrischen
Funktionen (s. d.); die graphische Darstellung dieser
! Funktion ergiebt die Sinus linie. (S. Tafel:
^ Kurven II, Fig. 1.)
Sinusbusfole, s. Tangentenbussole.
Sinusija-Örden, s< Snüssi.
Tinzhcim, Dorf im bad. Kreis und Amtsbezirk
Baden, 6 kin westlich von Baden, an der Linie Hci-
! delberg-Basel der Bad. Staatsbahnen, hat (1890)
3746 E., darunter 51 Evangelische, Postagentur,
Telegraph; Feld-, Wiesen- und Weinbau und Vieh-
zucht. Nahebei die Villa Fremersberg, ein ehe-
maliges Franziskanertloster.
^ Sinzig, Stadt im Kreis Ahrweilcr des prcuß.
^ Reg.-Bez. Koblenz, an der Ahr, 2,5 kin vom Rhcin,
! an der Linie Köln-Bingerbrück der PVeuß. Staats-
bahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Ko-
blenz), Kataster- und Untersteueramtes, hat (1890)
2827 E., darunter 95 Evangelische und 82 Israeli-
ten, Post, Telegraph, schöne roman., 1862 renovierte
Kirche (13. Jahrh.), Erziehungsinstitut, Kranken-
baus, Wasserwerk; Mosaikplatten-und Thonwaren-
sabrikation, Sägewerk, Ackerbau und bedeutenden
, Weinbau. 1 km von S. der Berg Zimmert und
der Mühlenbcrg rnil schouci ÄM'-M.