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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Skandinavische Kunst

seit 1837 bestand die Nationalgalerie, das Skulpturenmuseum wurde 1881 eröffnet, das Kunstgewerbemuseum 1876 errichtet, die Handzeichnungs- und Kupferstichsammlung 1877, die "Gesellschaft der Kunstfreunde" 1878, und endlich sind seit 1884 vom Staate die zu den jährlichen Kunstausstellungen nötigen Mittel bewilligt worden.

II. Schwedische Kunst. 1) Baukunst. Die ältesten Werke der romanischen Periode, zu welchen ein großer Teil der noch vorhandenen Gemeindekirchen zu zählen ist, sind düster und schwerfällig; so die Stadtkirchen zu Sigtuna, die centralen Teile der Domkirchen zu Strengnäs, Westerås, Åbo (Finland), St. Lars zu Wisby u. a. Schöner gestaltet sich der Stil in der Domkirche zu Lund (ehemaliges dän. Gebiet), in den ältern Teilen der Domkirche zu Linköping, in der schönen ehemaligen Cistercienserkirche zu Warnhem. Besonders reich entwickelt sich diese Richtung auf der Insel Gottland, wo man eine stattliche Reihe von kleinern Kirchen findet, drei- oder zweischiffig, mit luftigen Gewölben, schlanken Pfeilern, zierlichen Portalen. Bemerkenswert ist die Heiliggeistkirche in Wisby, eine achteckige Doppelkapelle mit vorspringendem, beiden Geschossen gemeinschaftlichem Chor. Das umfangreichste Werk der gotischen Periode ist der Dom zu Upsala, 1287 nach nordfranz. Muster angelegt, 1438 eingeweiht, neuerdings (1893) vollständig restauriert (s. Taf. I, Fig. 1). Der Dom zu Linköping wurde in reichem got. Stil vollendet und wie die Dome zu Strengnäs und Westerås gegen Ende des Mittelalters mit elegantem Chor versehen. Dieser Periode gehören ferner die Ritterholmskirche zu Stockholm (mit Renaissancezuthaten; s. Taf. I, Fig. 4), die Brigittinerkirche zu Wadstena sowie mehrere Stadtkirchen zu Söderköping, Örebro, Helsingborg, Malmö u. a. an. Im übrigen beschränkt sich die Thätigkeit wesentlich auf Um- und Zubauten älterer Gebäude. Die Profanarchitektur hat künstlerisch kaum etwas Interessantes aufzuweisen.

Die Renaissanceformen treten von der Mitte des 16. Jahrh. in den vielen Bauunternehmungen der ersten Wasa-Könige hervor. Die mittelalterlichen Schlösser zu Stockholm (1697 abgebrannt), Kalmar und andern Orten werden erweitert, neue angelegt. In der Gesamtanlage herrschen noch die ältern Traditionen vor, die Renaissance von klassisch-ital. Haltung zeigt sich anfangs nur in äußern und noch mehr innern Einzelformen: Portalen, Fensterumrahmungen, Giebelschmuck, aber vor allem in Panelwerken, Decken, Thürumfassungen, Kaminen u. dgl. Nebst dem Schweden Anders Larsson seien hier genannt: Wilhelm Boy und Arendt de Roy aus Flandern, die Brüder Pahr aus Mecklenburg. Interessante Beispiele haben sich z. B. erhalten in Schloß Gripsholm (1537), Wadstena (1545), Kalmar (1560-70). Gegen Ende des 16. Jahrh. macht sich eine Einwirkung der holländ. Hochrenaissance geltend, der sich bald barocke Einzelheiten hinzugesellen. Das Prachtstück dieser Periode, Schloß Wibyholm in Sudermanland, ist leider abgebrannt. Die meisten Stockholmer Privatgebäude haben spätern Neubauten weichen müssen. Besonders entwickelte sich diese Richtung in der Provinz Schonen, damals noch ein Teil von Dänemark. Typisch ist hier Schloß Swenstorp bei Lund. Die von Christian IV. 1618-26 erbaute dreischiffige Stadtkirche zu Kristianstad ist vielleicht das bedeutendste Gotteshaus des frühern Protestantismus. Die Spätrenaissance im Geiste Palladios, anfangs nach holländ., später nach ital. und franz. Vorbildern, oft mit barockem Detail, kommt im 17. Jahrh. zur Geltung. Es ist die große Epoche der schwed. Architektur, in der die königl. Familie mit dem durch die Kriege bereicherten Hochadel im Aufführen stattlicher Paläste und Schlösser wetteifert. Die vornehmsten Vertreter dieser Richtung sind Jean de la Vallée (1620-96), Nikodemus Tessin (1615-85) und sein gleichnamiger Sohn Nikodemus Tessin der Jüngere (1654-1728). Das Ritterhaus (de la Vallée), Palais Bonde (de la Vallée), jetzt Rathaus, das königl. Schloß zu Stockholm (Tessin der Jüngere), nach dem Brande des ältern aufgeführt, Schloß Drottningholm nebst einer Menge Landschlösser, die Katharinakirche in Stockholm, Domkirche zu Kalmar (Centralanlagen), die stattlichen Grabchöre der adligen Familien zeugen von der Thätigkeit dieser Periode. Das damals durch den Feldmarschall E. Dahlberg (gest. 1703) herausgegebene große Kupferwerk "Suecia antiqua et hodierna" ist für die Kenntnis dieser Kunstepoche von besonderm Interesse. Als dann nach den unglücklichen Kriegen Karls XII. im Anfang des 18. Jahrh. die Kräfte des Landes wieder zu wachsen anfangen, konzentriert sich das Kunstleben um ein großes Unternehmen: die Vollendung des neuen königl. Schlosses zu Stockholm. Von N. Tessin dem Jüngern in seinem Todesjahre 1728 aufgenommen, wird die Arbeit von seinem Sohne Grafen C. G. Tessin fortgesetzt und nach ihm von Karl von Hårleman (gest. 1753) und C. F. Adelcrantz (gest. 1796) vollendet. Die französische Geschmacksrichtung wird jetzt alleinherrschend, anfangs im Sinne Ludwigs XV., vom letzten Drittel des 18. Jahrh. an in neuklassischem Geiste. Ein für die ältere Epoche charakteristisches architektonisches Werk ist das niedliche Schloß China bei Drottningholm; in die spätere fallen die Adolf-Friedrichs-Kirche (Centralanlage), das eben abgebrochene Opernhaus, die Börse, das Erbprinzenpalais, alle zu Stockholm. Auf dem Lande folgen den stattlichen Schlössern die kleinern, aber bequemer eingerichteten Herrensitze.

Im 19. Jahrh. herrschte in der Baukunst anfangs eine klassische Richtung vor (A. Nyström, gest. 1868, u. a.), die später von einer mehr eklektischen abgelöst wurde, an deren Spitze Scholander stand. Eine rege Bauthätigkeit entwickelt sich besonders in dem letzten Viertel des Jahrhunderts. Die Domkirchen zu Lund, Linköping, Skara, Upsala, die Schlösser zu Kalmar, Gripsholm sind restauriert, neue Universitätsgebäude in Lund und Upsala, Bibliothek, Reichsarchiv, Kunstakademie, Opernhaus (im Bau) zu Stockholm sind aufgeführt; dazu kommen noch eine Menge anderer öffentlicher und privater Gebäude in wechselnden Stilarten. Zetterwall nimmt hier nach Scholander den ersten Platz ein. Neben und nach ihm sind zu nennen: Dahl (geb. 1835), Jakobson (geb. 1839), Holmgren (geb. 1842) und die noch jüngern Clason (geb. 1856), L. Petersson (geb. 1853), C. Möller (geb. 1857), F. Lilljekvist (geb. 1863), F. Boberg (geb. 1860), Wickman (geb. 1858) u. a., sämtlich Schüler von Scholander.

2) Bildnerei. Die Erzeugnisse der Bildnerei kommen in der gotischen Periode als Tympanonreliefs und Portalfiguren, als Tauf- und Grabsteine vor. Bemerkenswertes haben die Dome zu Linköping und Upsala nebst vielen gottländischen Kirchen aufzuzeigen. Unter den Grabsteinen sind die westgottichen sog. "Liliensteine" mit stilisiertem