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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Snellaert - Sniadecki
den Großen Rat gewählt. Nach Gründung der
, Hochschule zu Zürich erhielt er an dieser eine Pro-
fessur, folgte indes später einem Ruf an die Uni-
versität Bern, wo er Staatsrecht und Völkerrecht
vortrug. Doch geriet er hier mit der herrschenden
Partei in Streit und mußte 1836 den Kanton ver-
lassen. Er zog sich nach Zürich, später nach Küß-
nacht zurück, wo er 5. Juli 1854 starb. Außer zahl-
reichen kleinern Schriften, die zum Teil gegen den
Nltramontanismus in der Schweiz gerichtet sind,
verfaßte S. den letzten Band des von seinem Vater
und seinem Oheim herausgegebenen "Handbuck
der Kantschen Philosophie" (2 Bde., Zür. 1837)
und das "Handbuch des schweiz. Staatsrechts"
(2 Bde., ebd.' 1814).
Sein Bruder, Wilhelm S., geb. 8. April 1789
zu Idstein, studierte zu Gießen und ward Unter-
suchungsrichter beim Kriminalgericht in Dillenbnrg.
Wegen einer Schrift über die nassauischen Domünen-
systeme ward er seiner Stelle entsetzt, erhielt zwar
1819 eine Professur in Dorpat, mußte aber auch
Rußland wieder verlassen. S. ging nun nach der
Schweiz, erhielt hier eine Professur in Basel, wurde
1833 Professor an der Hochschnle zu Zürich und
1834 an der zu Bern. Wie sein älterer Bruder,
zog auch er sich den Haß der in Bern herrschenden
Partei zu und mußte infolge einer ungerechten
Hochverratsanklage den Kanton verlassen. Er ging
nach Basel-Land und wurde hier in den Landrat
gewählt. Nach der Reform der Verner Verfassung
kam er nach Bern znrück. S. war für die Schweiz
der Gründer einer neuen Rechtsschule, deren An-
hänger zum großen Teil in Bern entscheidenden
Einfluß auf die öffentlichen Angelegenheiten ge-
wannen. Er starb 8. Mai 1851 zu Bern.
Karl S., derselben Familie angehörend, geb.
19. Jan. 1806 zu Dachscnhausen im Nassauischen,
wurde 1829 Lehrer am Blochmannschen Institut zu
Dresden und 1834 Lehrer der Mathematik an der
Kreuzschule daselbst. Seit 1844 wirkte er als Pro-
fessor der Mathematik und Physik zu Jena und
starb daselbst 12. Aug. 1886. Seine Hauptwerke
sind die "Einleitung in die Differential- und Inte-
gralrechnung" (2 Bde., Lpz. 1846-51) sowie sein
geschätztes "Lehrbuch der Geometrie für Schulen
und zum Selbstunterricht" (2. Aufl., 3 Bde., ebd.
1856-58; 3. Aufl., Bd. 1, ebd. 1869). Außerdem
sind zu nennen: "Über Zweck und Einrichtung des
Realgymnasiums" (Drcsd. 1834), "Newton und die
mechan. Naturwissenschaft" (2. Aufl., ebd. 1858),
"Die Streitfrage des Materialismus" (Jena 1858),
"Die Schöpfung des Menschen" (Lpz. 1863) und
"Nikolaus Kopernikus" (Jena 1873).
Snellaert (spr. -ahrt), Ferd. Angustin, vläm.
Schriftsteller, geb. 21. Juli 1809 zu Courtray,
bildete sich zu Utrecht zum Militärarzt, lieft sich 1838
in Gent als praktischer Arzt nieder und starb dort
3. Juli 1872. Noch während seiner Studienzeit gab
er eine Geschichte der vläm. Poesie ("Over ä6 nLäsi-
Ianä8"k6 äi<Mwin8t w I^I^ie", Brüss. 1838) her-
aus , die mit einem Preise gekrönt wurde. In der
Absicht, dem Vlämischcn aufzuhelfen, bewirkte S.
1836 zu Gent die Gründung der vläm. Gesellschaft
1)6 tkol 18 F3N8CQ l!6t V(M. Von 1840 bis 1843
gab er das "Xunst- en I^ott6i-d1",c1", später die Bro-
schüre "^Vasi 6ii VlaiuinF" (Gent 1846) heraus.
Auch leitete er für Willems die Redaktion der letzten
Vände des "V(^,!?i?<^ Nu8onm", besorgte nach dessen
Tode die Herausgabe der "Ouäo viÄLinücn^ lieäe-
reu" (Gent 1848), mit trefflicher Einleitung, und
eine gute Volksausgabe von dessen "Ouäo 6n ni6u>v6
1i6ä^j68" (ebd. 1864). Den von ihm veranstalteten
zweiten Abdrnck von Willems' (dessen Biographie
er 1847 veröffentlichte) Ausgabe des "I^in^n äe
Vo8" (Gent 1850) vermehrte er mit einigen Bei-
lagen. In franz. und vläm. Sprache zu gleicher
Zeit erschien sein "Xort dt^rip 66n6i' F68c1ii6ä6iii8
ä6r Q6ä6i-äuit8cli6 I6tt6i'kunä6" (Antw. 1849u. ö'.).
Ferner hat S. eine größere Anzahl kleinerer Schrif-
ten, Reden und Gedichte veröffentlicht. Die Bel-
gische Akademie, deren Mitglied er war, übertrug
ihm die Herausgabe der "^Viex^näei^ 6668t6n" von
Maerlant (2 Bde., Brüss. 1860-61) und der "Noäei--
1^nä8c1i6 ss6äickt6ii uit äo 14^ 66u^v" (Vrüss. 1869).
Auch veröffentlichte er eine vläm. Bibliographie (Gent
1857), die von 1830bis 1855 reicht. - Vgl. Vouchery,
I^6V6N880Ü6t8 von ^. ^. 8. (Antw. 1877).
Snellius, Willebrord, niederländ. Mathema-
tiker, geb. 1581 zu Leiden, folgte feinem Vater,
Rudolf S. (geb. 8. Okt. 1546 zu Oudcwater, gest.
2. März 1613 zu Leiden), als Professor der Mathe-
matik an der dortigen Universität, starb aber schon
30. Okt. 1626. Er entdeckte das optische Gesetz des
konstanten Verhältnisses zwischen dem Sinus des
Einfallwinkels und dem des Brechungswinkels
(f. Brechung der Lichtstrahlen), übersetzte das Werk
des Ludolph van Cculen "über die Berechnung des
Kreisumfangs" aus dem Holländischen in das La-
teinische (Leid. 1619), gab später über denselben
Gegenstand ein selbständiges Buch heraus ("(^1o
in6tricw>, ebd. 1621), sammelte die Beobachtungen
des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Casscl,
welche er mit jenen des Walter und Regiomontanus
beransgab (ebd. 1618), und schrieb eine Art von
Nantik, "^ipii)^ Vawvn8" (ebd. 1624), u. s. w. Am
berühmtesten ist jedoch seine Schrift "Nrato3tlien68
l>lUn.vn8" (Leid. 1617), worin er die von ihm ausge-
sührte Gradmessung (s. d., Bd. 8, S. 233d) beschreibt.
Sniadecki (spr. snjadctz-), Jan, poln. Mathe-
matiker und Astronom, geb. 29. Aug. 1756 in Znin
(im Poscnschen), studierte in Posen und Krakau
Mathematik und Physik und bildete sich 1778-81
im Auslande (bei Kästner, Laplace) weiter aus. Er
war dann Professor der Mathematik in Krakau (bis
1803), dann in Wilna, legte 1815 Professur und
Rektorat (1807 - 15) nieder und starb 1830 in
Iaszuny bei Wilna. S. war an der Reform des ge-
samten Iinterrichtswescns in den litauischen Pro-
vinzen anfs regste beteiligt. Außer astron. und
mathcm. Abhandlungen verfaßte er eine "Sphü-
rische Trigonometrie" (1807; deutfch von Fcldt, Lpz.
1828) und eine "Mathem. Geographie" (Warschau
1804; 3. Aufl. 1818). In der Philosophie trat er
sür den engl. Empirismus ein, gegen die deutsche
Philosophie und namentlich Kant. Seine Rektorats-
! reden, mehrere Biographien, z. V. Koperniks (viel-
fach überfetzt) und Kollontajs, endlich littcrar. Briefe
zeigen ihn als strengen Puristen und entschiedenen
Gegner jeder Romantik. Eine Sammlung seiner
Werke erschien in Warschau (7 Bde., 1537 - 39);
seine Briefe (1788 - 1830) gab Kraszewsti (Pos.
1878) heraus.
Sein Bruder Andrzej S., geb. 1768 in Znin,
war 1796-1832 der erste Professor der Chemie an
der Universität Wilna, dann Professor an der
medikochirurg. Akademie, und starb dafelbst 1838.
Er veröffentlichte: "Anfangsgründe der Cbemie"
(1800 u. ö.), "Theorie der organischen Wesen"