Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Socius; Sockel; Sockelgeschoß; Sockelgesimse; Sockenblume; Soconusco; Socorro; Soda

20

Socius - Soda

rung der Analogien zwischen gesellschaftlichen und Naturerscheinungen, namentlich dem Sein und Leben der Organismen, haben Carey, Schäffle, P. von Lilienfeld die S. zu behandeln gesucht.

Eine andere Auffassung der Gesellschaftswissenschaft ist die in Deutschland namentlich von L. von Stein begründete. Hier handelt es sich lediglich um die wissenschaftliche Darstellung der besondern Zusammenhänge und Beziehungen, die, namentlich durch die Besitzverteilung begründet, abgesehen von der staatlichen Organisation, wenn auch nicht völlig unabhängig von derselben, zwischen den Individuen bestehen. Das gesellschaftliche Leben mit seinen Ordnungen und Klassenunterschieden wird als eigentümlicher Kreis von Erscheinungen behandelt, dessen Theorie sich zwischen der Lehre von den wirtschaftlichen Gütern und der Staatslehre einschiebt.

Endlich wird die Gesellschaftswissenschaft von manchen auch als gleichbedeutend mit der Sociallehre oder Socialökonomie betrachtet, nämlich mit derjenigen Auffassung, die nicht von der individualistischen Wirtschaft, sondern von den Bedürfnissen der Gesamtheit ausgeht, und demnach die wirtschaftlichen Resultate nicht nur nach der Quantität der Produktion, sondern auch nach der Art beurteilt, wie die Produkte zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse verteilt werden.

Litteratur. Spencer, Einleitung in das Studium der S. (2. Aufl., Lpz. 1890); ders., Die Principien der S. (deutsch von Vetter, Bd. 1-4, Stuttg. 1877-91); Schäffle, Bau und Leben des socialen Körpers (2. Aufl., 2 Bde., Tüb. 1896); L. von Stein, Der Begriff der Gesellschaft und die sociale Geschichte der Französischen Revolution (ebd. 1850); ders., System der Staatswissenschaft. Bd. 2: Die Gesellschaftslehre (Stuttg. 1856); Dilthey, Einleitung in die Geisteswissenschaften, Bd. 1 (Lpz. 1883); Gumplowicz, Grundriß der S. (Wien 1885); Tönnies, Gemeinschaft und Gesellschaft. Abhandlung des Kommunismus und des Socialismus als empirischer Kulturformen (Lpz. 1887); Röhrich, Das Buch von Staat und Gesellschaft (ebd. 1890 fg.); Ratzenhofer, Wesen und Zweck der Politik (3 Bde., ebd. 1893); Ammon, Die Gesellschaftsordnung und ihre natürlichen Grundlagen (2. Aufl., Jena 1896); Revue internationale de sociologie (Par. 1892 fg.); Annales de l'institut internationale de sociologie (ebd. 1895 fg.); Giddings, The principles of sociology (Neuyork und Lond. 1896). S. auch Socialismus.

Socius (lat.), Genosse, Gesellschafter (s. Gesellschaft).

Sockel, der sowohl zur architektonischen Schönheit wie zur Stabilität und zum Schutze dienende verstärkte Fuß oder äußere Vorsprung am untern Teile von Mauern, Pfeilern, von Säulen (Basis) und andern Gegenständen. Der S. wird bei Gebäudeumfassungen in der Regel aus härtern, widerstandsfähigen Werkstücken (Steinplatten aus Sandstein, Granit, Syenit u. s. w.) hergestellt, je nach Höhe und Ausdruck des Gebäudes mehr oder weniger kräftig ausgebildet und mit Gliederungen (Sockelgesimsen) versehen. Er reicht gewöhnlich bis zur Höhe des innern Erdgeschoßfußbodens und dient außer obigen Zwecken zugleich zur Aufnahme der Fenster für den Keller oder das Sockelgeschoß.

Mit S. bezeichnet man auch den Untersatz unter der Basis der Säulen und zwar die einfache rechtwinklige Platte (Plinthe, s. d.), ebenso wie den mit Fuß und Kranzgesims versehenen größern würfelförmigen Körper (Piedestal, Postament); ferner den Untersatz unter Vasen, Büsten und Statuen.

Die reichere Ausgestaltung des S. von Statuen ist erst in der neuern Kunst üblich geworden, namentlich durch die ital. Renaissance. An Stelle der vorwiegend architektonischen S. traten im 16. Jahrh. solche mit reichem figürlichem Schmuck (Sockelfiguren). Diese in der Schule des Giovanni da Bologna ausgebildete Kunstform beherrschte das 17. und 18. Jahrh., während im beginnenden 19. Jahrh. wieder ungeschmückte S. bevorzugt wurden. Wieder belebt wurde die ältere Form in neuerer Zeit, wo die Zahl und Größe der Sockelfiguren immer mehr gesteigert wurde. Charakteristische Beispiele sind der S. der Statue Friedrichs d. Gr. zu Berlin von Rauch (s. Tafel beim Artikel: Friedrich II, Bd. 7, S. 340), der Statue der Maria Theresia in Wien von Zumbusch, des König-Johann-Denkmals zu Dresden von Schilling u. a. In einigen Fällen, wie am Niederwalddenkmal (von Schilling und Weißbach), am Siegesdenkmal zu Leipzig (von Siemering), ist die Statue eine allegorische Gestalt, die Sockelfiguren aber sind die Bildnisse der zu feiernden Helden.

Sockelgeschoß, s. Kellergeschoß.

Sockelgesimse, s Sims.

Sockenblume, Pflanzengattung, s. Epimedium.

Soconusco, Departamento des mexik. Staates Chiapas, an der Grenze von Guatemala, umfaßt den Küstenstrich zwischen der Sierra Madre und dem Pacifischen Ocean. Auf diesem altkrystallinischen Gebirge befindet sich, gegen den Ocean vorgeschoben, der Vulkan von S. (2380 m). Die Küste ist flach, mit Inseln, Nehrungen, Lagunen, Barren besetzt; es besteht keine Hafenstadt von Bedeutung. Berühmt ist die Kakaokultur. (S. Chiapas.)

Socorro, mexik. Insel, s. Revilla-Gigedo.

Socorro, Stadt, bis 1886 Hauptstadt im Departamento Santander in der südamerik. Republik Columbia, nahe rechts vom Rio Suarez, zählt (1892) 20 000 E.; hat Baumwollweberei, Strohhutflechterei, Zucker- und Baumwollplantagen und Indigohandel.

Soda, kohlensaures Natrium (s. Natriumcarbonate), wurde ursprünglich aus den in Ägypten, Centralamerika, in der Araxesebene und in Ungarn gelegenen Sodaseen sowie aus der Asche von Strandpflanzen hauptsächlich in Alexandria (Rochetta), Spanien (Barilla oder Alicante), Frankreich (Salicor und Blanquette) gewonnen. Der große Bedarf an S. erforderte schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts neue Wege zu ihrer Gewinnung. Das seit 1782 bekannte Leblancsche Verfahren wurde 1812 von Losh in England, 1840 von Hermann in Deutschland (Schönebeck) eingeführt. Es beruht darauf, daß Kochsalz durch Schwefelsäure unter Gewinnung der wertvollen Salzsäure als Nebenprodukt in Sulfat umgewandelt und dieses mit Kalkstein und Kohle verschmolzen wird. Die erhaltene Rohsoda wird in Shankschen Apparaten ausgelaugt und die Lauge auf Krystallsoda oder calcinierte S. verarbeitet. Der Ammoniaksodaprozeß, der das Leblancsche Verfahren an vielen Orten bereits verdrängt hat, ist von E. Solvay in Brüssel ausgebildet worden und heißt auch der Solvayprozeß. Er gründet sich auf die Zersetzbarkeit einer konzentrierten Kochsalzlösung durch zweifach-kohlensaures Ammoniak, wobei zweifach-kohlensaures Natrium niederfällt, das man durch Glühen in S. (Ammoniaksoda) überführt, während Salmiak in Lösung bleibt, aus welchem man durch Erhitzen mit Kalk das