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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Solothurn-Lebern; Solotnik; Solowezk

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Solothurn-Lebern - Solowezk

13 Sekundärschulen mit 679 Schülern und Schülerinnen, 1 Mittelschule mit Anschluß an das akademische Studium (Gymnasium, Gewerbeschule, Handelsschule u. s. w., in S.), 4 gewerbliche und industrielle Schulen, 8 gewerbliche Fortbildungsschulen. Bei den Rekrutenprüfungen 1895 hatten von 100 Rekruten 20 die beste Note in mehr als zwei Fächern, 12 die schlechteste Note in mehr als einem Fach. In militär. Hinsicht gehört S. zum Stammbezirk der 5. Division (2. Armeekorps). Das Wappen ist ein von rot und weiß quer geteilter Schild. - 2) S., frz. Soleure (lat. Solodurum), Hauptstadt des Kantons, an der Aare, über die hier drei Brücken führen, in 435 m Höhe am Südfuß des Juras, an den Linien Basel-Biel und Herzogenbuchsee-Lyß der Schweiz. Centralbahn und S.-Langnau (43 km) der Emmenthalbahn, in fruchtbarer Gegend, Sitz eines Bischofs, hat (1888) 8460 E., darunter 2583 Evangelische und 88 Israeliten, (1896) 9420 E., Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Elektricitätswerk, breite Straßen, alte Wälle und Türme, 11 Kirchen, darunter die St. Ursuskathedrale, seit 1828 Domkirche des Bistums Basel, 1762-73 an der Stelle einer 1050 gegründeten eingestürzten Kirche erbaut, mit großer Kuppel und zwei Halbkuppeln und einem Kirchenschatz (Metall- und Textilarbeiten aus dem 14. bis 18. Jahrh. in der St. Ursuskirche), 4 Klöster, einen Zeitglockenturm, angeblich 400 v. Chr. gebaut, ein frühburgund. Bau aus dem 5. oder 6. Jahrh. n. Chr., ein Rathaus, eine bischöfl. Residenz, Zeughaus mit den Waffen der Kantonsmiliz und einer Sammlung alter Waffen und Rüstungen, Gemeindehaus mit Stadtbibliothek (40 000 Bände, 200 Inkunabeln) sowie Münz- und Medaillensammlung, städtische Gemäldesammlung mit einem Hauptwerk (Madonna mit dem Kinde) von Hans Holbein dem Jüngern (1522), eine Kantonsschule mit Bibliothek, eine Sammlung röm. und mittelalterlicher Altertümer, Naturalienkabinett mit wichtigen Juraversteinerungen, ein Theater und eine Kantonalbank; ferner Uhrmacherei, berühmte Steinbrüche, lebhaften Verkehr und Produktenhandel. S.ist nach einer lat. Inschrift am Glockenturm nebst Trier die älteste Stadt nördlich von den Alpen. In der reizenden, mit Villen und Landhäusern besetzten Umgegend sind die bekanntesten Punkte das Dorf Zuchwyl (642 E.), in dessen Kirchhof das Herz Kosciuszkos (gest. 1817 zu S.) beigesetzt war (jetzt in der Kapelle der Villa Morosini bei Vegia), die St. Verenaschlucht mit der Einsiedelei St. Verena, der Aussichtspunkt Wengistein, die Irrenanstalt Rosegg, das Bad Attisholz und der Aussichtspunkt und Kurort Weißenstein.

^[Abb.]

Geschichte. Zur Römerzeit gehörte das Gebiet nördlich von der Aare mit Solodurum zu Raurachien, das südliche zu Helvetien. Im 5. Jahrh. ward das Land von Alamannen besiedelt, im 6. kam es unter fränk. Herrschaft, 888 an Burgund und mit diesem 1032 an das Deutsche Reich, später unter die Herrschaft der Herzöge von Zähringen, durch deren Erlöschen 1218 die Stadt S. Reichsfreiheit erlangte. Seit 1295 mit Bern verbündet, nahm S. an dessen Kämpfen gegen den österr.-burgund. Adel teil, erweiterte im 14. und 15. Jahrh. sein Gebiet durch Erwerbung mehrerer Herrschaften der Grafen von Kyburg, Thierstein u. a. und trat 1481 nach den Burgunderkriegen gleichzeitig mit Freiburg der Eidgenossenschaft bei. Im Schwabenkriege nahm es teil an der entscheidenden Schlacht von Dorneck (1499). Die Reformation, die 1532 ohne die Dazwischenkunft des Schultheißen Wengi zu einem Bürgerkriege geführt hätte, wurde 1533 auf Antrieb der kath. Orte bis auf die Gemeinden des Bucheggbergs unterdrückt. Während des 16. und 17. Jahrh. machte in S. die ursprünglich mehr demokratische Form des Gemeinwesens der aristokratischen Platz, die im 18. zur Oligarchie ausartete. Damals wurde die Stadt Sitz der franz. Gesandtschaft in der Schweiz. Dem Patriciat ward 1798, als die Franzosen die Stadt ohne Widerstand besetzten und den Kanton der helvet. Einheitsrepublik einverleibten, ein Ende gemacht. Durch die Mediationsakte von 1803, welche wieder den Staatenbund an die Stelle des Einheitsstaates setzte, erlangte S. mit Zürich, Bern, Luzern, Freiburg und Basel den Rang eines Vororts. 1814 wurde hier, ebenso wie an andern Orten, durch einen Handstreich der aristokratischen Partei (8./9. Jan.) die frühere Staatsform, wenn auch in gemilderter Form, wieder eingeführt und erhielt sich bis 1830, wo unter dem Eindruck der Pariser Julirevolution die Volksversammlung von Balsthal (22. Dez.) die aristokratische Regierung stürzte und polit. Gleichberechtigung des Landes mit der Hauptstadt errang; die letzten Vorrechte der Stadt wurden indessen thatsächlich erst 1841 vollständig aufgehoben. Seither hat sich der Kanton ruhig in demokratischer Richtung weiter entwickelt, besonders unter der Verwaltung des radikalen Landammanns Vigier; durch die 12. Dez. 1875 vom Volke angenommene neue Verfassung mit Referendum und Initiative wurde der Übergang von der repräsentativen zur reinen Demokratie vollzogen. Wie S. im Sonderbundskriege (1847) in der Reihe der bundestreuen Kantone stand, so stand es auch bei den Abstimmungen von 1872 und 1874 über Revision der Bundesverfassung mit großer Mehrheit in der Reihe der Annehmenden. In dem Kampf zwischen dem Staate und der röm.-kath. Kirche, der 1873 mit der Absetzung und Ausweisung des Bischofs Lachat aus S. durch die Diöcesankonferenz begonnen und 1885 durch Wiederanschluß der beteiligten Kantone an das Bistum Basel beigelegt wurde, stand S. auf Seite dieser Kantone. (S. Schweiz.) Im April 1887 entstand ein Sturm gegen die radikale Regierung infolge von Verlusten der Kantonalbank und Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung. Die Regierung wurde abberufen, eine Totalrevision durchgesetzt und 23. Okt. eine neue demokratische Verfassung angenommen. Eine neue Revision der Verfassung (umfassend: Verfassungsinitiative, Proportionalwahlsystem, Finanzreform) ist 17. März 1895 mit 8342 gegen 2777 Stimmen angenommen worden. - Vgl. Strohmeier, Der Kanton S. (St. Gallen 1836); F. von Arx, Die Regeneration im Kanton S. von 1830 (Soloth. 1880); Hartmann, S. und seine Umgebung (ebd. 1885).

Solothurn-Lebern, frz. Soleure-Lebern, Bezirk im schweiz. Kanton Solothurn, hat 124,3 qkm und (1888) 20 822 E., darunter 6315 Evangelische und 92 Israeliten, in 17 Gemeinden. Hauptort ist Solothurn.

Solotnik (Zolotnik), russ. Gewicht = 4,2657 g, der 96. Teil des Pfundes und das 96fache des Dola.

Solowezk. 1) Inselgruppe am Eingang zur Onegabucht des Weißen Meers, zum russ. Gouvernement Archangelsk gehörig, besteht aus den