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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Somalland

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Somalland

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Somal'

etwas über 2 Mill. Seelen. Sie zerfallen in eine große Anzahl von Stämmen, welche, unabhängig voneinander, durch kein polit. Verhältnis geeinigt erscheinen und sich nur geographisch unterscheiden lassen als die S. der Nordküste (darunter die Eïssa, Gadabursi und die äußerst zahlreichen Medschertin), die S. von Harrar, von Ogaden und von der Benadirküste (darunter als die vornehmsten die Hawija). Zwischen ihnen leben als Paria (wahrscheinlich afrik. Ureinwohner) die Jebir (Possenreißer), die Midgan (Jäger) und die Tomal (Schmiede). Die S. sind nomadisierende Viehzüchter und besitzen Kamele, Strauße, Esel, Pferde und Rinder als Haustiere, aber keine Hühner. Die S. (s. Tafel: Afrikanische Völkertypen, Fig. 5) zeichnen sich aus durch tiefschwarze Hautfarbe, durch hohen, schlanken Wuchs, feine Gliedmaßen, dichtes zottiges Haar, durch vorstehende Backenknochen, sanft gekrümmte Nase und breite Lippen. Tätowierung mit wenigen Zeichen ist allgemein üblich. Beschneidung findet bei den Knaben und Infibulation bei den Mädchen statt. Die Bekleidung besteht aus Hemd und Mantel (marro) aus Baumwollstoff und aus Sandalen; der Schmuck aus Ohrgehängen, Korallenhalsbändern und Metallarmspangen; die Bewaffnung aus Wurf- und Stichlanzen (meist mit herzförmigem oder lanzettförmigem Blatt, selten mit Widerhaken), aus einem kleinen kreisrunden Lederschild mit Buckel und einem säbelartigen Dolchmesser. Als Wohnung dient eine bienenkorbartige Hütte, bedeckt mit Matten und Häuten. Die Nahrung ist hauptsächlich Milch und Fett; selten wird Fleisch gegessen; geistige Getränke kennt man nicht. Hühner, Eier, Fische, Wildbret und frisches Blut werden verabscheut. Es herrscht Polygamie, aber in sehr beschränktem Maße; streng wird auf Keuschheit bei den Mädchen und Frauen geachtet. Zum Trauerzeichen schneidet man sich die Haare ab und hüllt den Kopf in weiße Linnen. Sämtliche S. bekennen sich zum Islam, halten aber keine Sklaven. Die polit. Verfassung ist eine echt patriarchalische; Blutrache allgemein Sitte. Der Mordlust des S. fallen alle Fremden, welche stets als Feinde angesehen werden, zum Opfer. Der Wert des Mannes wird nach der Anzahl der von ihm Erschlagenen bemessen; heiraten kann nur, wer einen Feind getötet hat. – Vgl. Paulitschke, Beiträge zur Ethnographie der S., Galla und Harari (2. Ausg., Lpz. 1888); ders., Ethnographie Nordostafrikas (2 Bde., Berl. 1893–96); Schleicher, Die Somalisprache, Tl. 1 (ebd. 1892).

Somalland, Landschaft in Nordostafrika, zwischen dem 11.° nördl. Br. und 2.° südl. Br., wird begrenzt im N. vom Golf von Aden, im O. vom Indischen Ocean und im W. von den Wohngebieten der Danakil und Galla, und zwar durch eine Linie, welche, von der Tedschurabai ausgehend, über das Kondelagebirge (östlich von Harrar), den Erer abwärts bis zur Mündung in den Webi Schebehli, dann zum Jub (oberhalb Logh) und von Bardera bis zum mittlern Tana verläuft (s. die polit. und physik. Karte beim Artikel Afrika). Das ganze Land stellt eine von Nordwesten nach Südosten geneigte Hochfläche (1900–2800 m) dar, welche im N. von einem Randgebirge (Kondela 3500 m, Gan Libach 2200 m, Ankor 1130 m und Aisema) umsäumt wird. Zwischen dem Golf von Aden und dem Gebirge zieht sich bis zum 47.° östl. L. eine schmale, niedrige Küstenebene (Goban) hin. Die nach dem Innern abgezweigten Bergketten lösen sich bis Ogaden (s. d.) in sanft gewellte Hügellandschaften auf. Am Ostrand erhebt sich 60–120 m hoch eine felsige Kante, 500 km lang, welcher von Merka an längs der Benadirküste mächtige Dünenwälle folgen. Der steile Teil der Küste wird Barr el-Khasain genannt. Geologisch betrachtet ist S. nach Paulitschke eine vulkanische Decke, ein Abschub der großen vulkanischen Herde im NO.; nach den neuesten Entdeckungen von Ruspoli und Donaldson Smith aber ein emporgehobener Meeresboden, mindestens in Bezug auf die Hochebene südlich von Ogaden. Das Wenige, was man wissenschaftlich bis jetzt erforscht hat, läßt sich dahin zusammenfassen, daß die Küste des Golfs tertiär ist und daß die Gegenden südlich von Berbera und bei Harrar aus rotem Lehm mit Mergel und Kalkuntergrund, daß die Steppen zwischen dem Küstengebirge und dem Tug Fafan aus horizontal geschichteten Porphyrmassen, endlich daß die Landstriche am mittlern Webi und Jub aus Seichtwasserbildungen eines ehemaligen Kreidemeers, überaus reich an Ammoniten, bestehen. Im ganzen ist das östlich gelegene Binnenland wasserlos; nur zur Regenzeit füllen sich die vom Randgebirge ausgehenden Rinnsale mit fließendem Wasser. Dagegen sind stets wasserreich:

  • 1) der Webi Schebehli; er bildet sich (unter 7° nördl. Br. und 42° 20' östl. L. von Greenwich) aus der Vereinigung der Erer (mit dem weit aus dem Westen zuströmenden Wabi Sidama) und des Tug Burka (beide bei Harrar entspringend), wird von Ime (Imi) an schiffbar und mündet nahe dem Indischen Ocean in zwei Sumpfseen;
  • 2) der Jub (s. d.).

Das Klima wird im ganzen als sehr angenehm gerühmt, obwohl die Jahresmitteltemperatur gegen 28° C. betragen soll. Am gesündesten ist das Gebirge und die Hochfläche im N. und die Gegend von Harrar; weniger zuträglich der Küstenstrich am Golf von Aden und Süd-Ogaden. Die kühlste Zeit fällt in die Monate Januar bis Mitte März, die heißeste in Juli, August, September und November. Die Regenzeit mit dem Nordostmonsun dauert im N. von Dezember bis Mai (im Innern von April bis Juli); die Trockenzeit mit dem Südwestmonsun von Juni bis November (im Innern von Mitte Oktober bis Mitte März). Die Vegetation ist sehr dürftig, nichts als Savannen und krüppelhaftes Buschwerk; nur der Süden besitzt einigermaßen fruchtbaren Boden. Über der Küstenflora von Tamarisken, pers. Salvadore und Schirmakazien erhebt sich eine an Trockenheit gewöhnte Bergflora mit kandelaberartig hochwachsenden Wolfsmilchbäumen, Aloen, fleischig-massigen Passifloren und harzreichen Balsambäumen. Bemerkenswert ist unter den Fleischgewächsen Adenium multiflorum (auch auf Sokotra heimisch), deren Milchsaft Pfeilgift liefert. Waldungen im eigentlichen Sinne giebt es nicht; nur Galeriewälder mit Feigenbäumen und Dattelpalmen an den Ufern der Flüsse. Als Paradies von S. wird Ogaden gerühmt; doch ist es meistens nur Weideland, gering der Anbau von Durra, Mais und Erbsen. Besonders charakteristisch sind die Mimosen und Prairiegräser, welche wegen ihres intensiven Geruches dem S. seit uralten Zeiten den Ruf eines «wohlduftenden Landes» eingebracht haben, und die wertvollen Weihrauchbäume mit mächtigem, ästigem Gefüge. Es giebt Elefanten, Nashörner, Flußpferde und Giraffen im Süden, Löwen, Leoparden, Antilopen, Zebras und eine Unmenge von Affen. An Haustieren werden außer Kamelen, Pferden, Eseln, Rin-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 43.