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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sonntagsruhe; Sonntagsschulen; Sonometer; Sonor; Sonora; Sonorische Sprachen

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Sonntagsruhe - Sonorische Sprachen

besagt, daß, wenn die Briefe doch am Sonntag bestellt werden sollten, man den Coupon mit einem Tintenstrich ungültig zu machen habe. Die Einrichtung ist durchaus innerbelgisch, die Coupons werden von ausländischen Postverwaltungen nicht beachtet.

Sonntagsruhe, s. Sonntag und Sonntagsarbeit.

Sonntagsschulen, im allgemeinen alle Schulen, deren Unterricht auf den Sonntag fällt, also auch viele Fortbildungsschulen (s. d.), die ja ursprünglich von der Kirche für die religiöse Fortbildung der Jugend eingerichtet wurden. So braucht schon 1569 der Bischof von Samland für eine solche Einrichtung den Namen Sonntagsschule. Zuerst handelte es sich um die schulpflichtigen Kinder, z. B. in Württemberg als Ersatz für den im Sommer ausfallenden Schulunterricht, bald aber in erster Linie um die aus der Schule entlassene Jugend. In dieser Aufgabe wurden die S. durch die Fortbildungsschulen (s. d.) und Fachschulen (s. d.) abgelöst; der Name bleibt daher jetzt andern Einrichtungen vorbehalten, die man gegenwärtig häufiger als Kinder- oder Jugendgottesdienst zu bezeichnen pflegt. Die Kirchenordnungen der Reformationszeit enthalten vielfach die Forderung von Jugendgottesdiensten, und auch die kath. Kirche schloß sich dieser Sitte an: Kinderlehre oder Christenlehre war der Name, der Katechismus das Lehrbuch dafür. Ganz besonders nahm sich der Pietismus der Sache an. Spener und Francke waren eifrige Katecheten. Aber die modernen Kindergottesdienste gehen auf engl.-amerik. Einrichtungen zurück. In England handelte es sich um einen Ersatz für die fehlenden oder ungenügenden Volksschulen, und so richtete der Buchdrucker Robert Raikes 1783 in Gloucester die erste Sonntagsschule für arme, verwahrloste Kinder ein, in der dieselben in Religion und im Lesen und Schreiben unterrichtet werden sollten; 1785 wurde in London eine Gesellschaft zur Verbreitung solcher S. ins Leben gerufen, und 1883 haben allein in London 258 184 Kinder die Sonntagsschule besucht. Anders in Amerika: hier ist die Sonntagsschule keine Armenschule und beschränkt sich auf religiöse Unterweisung. Aber sie trägt auch hier einen durchaus schulmäßigen Charakter, weil sie nur bestimmt ist, den vom Lehrplan der öffentlichen Schulen ausgeschlossenen Religionsunterricht ergänzend zu erteilen. So konnte zwischen den beiden Ländern doch eine Art Sonntagsschulallianz geschlossen und gemeinsame Grundsätze für den Lehrplan verabredet werden. Nach Deutschland kamen Anregungen zu einer Bewegung für diese Art von S. erst von England herüber, dann besonders kräftig seit 1863 von Amerika. Der Amerikaner Woodruff fand für seine darauf gerichteten Bestrebungen in dem Heidelberger Kaufmann Bröckelmann einen energischen Vertreter; und so wurde die erste Sonntagsschule nach amerik. Muster noch 1863 in Frankfurt a. M. eingerichtet. Man acceptierte das Gruppen- und Helfersystem, wonach die Kinder in Abteilungen von 10 bis 12 von freiwilligen Helfern und Helferinnen gleichzeitig in der Kirche die religiöse Unterweisung erhalten. Dagegen benahm man ihnen mehr und mehr den Charakter der Schule und richtete sie als Kindergottesdienste mit Gesang, Gebet und Ansprache ein. So wurden die S. zu einer Angelegenheit der Kirche und kirchlichen Gemeinde, in die dem Gottesdienst bestimmten Räume verlegt und der Aufsicht der Geistlichen unterstellt. Der Besuch dieser Kindergottesdienste ist natürlich ein freiwilliger, die Teilnehmer sind schulpflichtige Kinder. Die religiöse Unterweisung und Anregung der aus der Schule entlassenen Jugend bleibt den christl. Jünglings- und Jungfrauenvereinen vorbehalten. - Vgl. Dalton, Geschichte, Wesen und Weise der evang. Sonntagsschule (Cass. 1887); ders., Die Sonntagsschule (Gotha 1891); von der Goltz, Das Bedürfnis besonderer Jugendgottesdienste und die zweckmäßige Art ihrer Einrichtung (Stuttg. 1888); von Rohden, Kindergottesdienst (in Renis "Encyklopädischem Handbuch der Pädagogik"), Bd.4, Langensalza 1897). - An Zeitschriften erscheinen: "Der Sonntagsschulfreund" von Dr. Dalton und "Der Kindergottesdienst" (Bremen).

Sonometer (lat.-grch.), s. Audiometer.

Sonor (lat.), klangvoll, wohltönend.

Sonora, nordwestlichster Staat Mexikos, der zweitgrößte und am dünnsten bevölkerte des Bundesstaates, im O. an Chihuahua, im SO. an Sinaloa, im SW. und W. an den Meerbusen von Kalifornien, im N. an das Territorium Arizona der Vereinigten Staaten grenzend, hat 197973 hkm und (1895) nur 191 281 E., also 0,9 auf 1 qkm. Die Alluvialebenen im W. mit einzelnen Höhenzügen sind zum Teil gut bewässert und zur Viehzucht geeignet, großenteils aber, besonders im NW., sandig und wasserarm. Das Gebirge ist die Sierra Madre mit ihren reich gegliederten westl. Abfällen. Die bedeutendsten Flüsse sind: Rio Mayo, Rio Jaqui, der 360 km lange Rio S., Rio de la Asuncion (San Ignacio) und der untere Rio Colorado an der Nordwestgrenze. Das Klima ist heiß, besonders am Meer, aber, mit Ausnahme der sumpfigen Küstenstriche, gesund. Der Feldbau erweist sich da, wo nicht Feuchtigkeit fehlt, sehr lohnend und liefert hauptsächlich Mais, guten Weizen, Gerste, Hülsenfrüchte sowie die meisten mexik. und europ. Gemüse, auch Baumwolle und Tabak. Durch die kath. Missionare wurden europ. Obstsorten und Südfrüchte eingeführt. Ebenso gedeiht der Weinstock sowie Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Pfeffer und Zimmet. Die gut angebauten Teile liegen in den fruchtbaren Flußthälern. Die Viehzucht, die einst Hauptnahrungszweig der Bevölkerung war und besonders große Mengen Rindvieh lieferte, ist zurückgegangen. Die Berge enthalten reiche Lagerstätten an edeln Metallen, Kupfer und Blei, und fast alle Flüsse führen Waschgold. Der Bergbau ist jedoch von geringer Bedeutung. Die Industrie beschränkt sich auf die gewöhnlichen Handwerke. Wichtigster Handelsplatz ist Guaymas (s. d.); bedeutend ist der Küstenhandel mit Mazatlan, San Blas, Acapulco sowie mit Arizona. Im N. und O. leben noch unbezwungene Indianerstämme, wie die Papago, Mayo und die Apachen. Hauptstadt ist Hermosillo (s. d.), wichtig auch Ures. Vor der Küste liegt die Insel Tiburon.

Sonorische Sprachen, Sonorasprachen, nach Buschmann die Sprachen einer großen Zahl von Stämmen der Staaten Jalisco, Sinaloa und Sonora in Mexiko und einiger nördlich davon gelegener Distrikte, die alle untereinander und dem mexik. Sprachstamme verwandt sind. Er unterscheidet: 1) Die Acaxee-Gruppe; dazu gehören die Acaxee, die im Quellgebiet des Flusses Culiacan in Durango und im südl. Teil von Sinaloa wohnen; ferner die Xixime, Sabaibo und Tebaca, die südlich, westlich oder nordwestlich von den Acaxee wohnen. 2) Die Cora-Gruppe, gesprochen von den Cora, Nayarit und Tecualme im Staate Jalisco. 3) Die