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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spanien (Unterrichtswesen. Zeitungswesen)

dem Gesetz vom 14. Juli 1891 beträgt die Höchstsumme der Noten 1500 Mill. Pesetas, wovon ein Drittel in Gold oder Silber gedeckt sein soll. Die Hälfte dieses Drittels soll in Gold bestehen. Das Privileg läuft bis 31. Dez. 1921, wurde aber 1896 bis zum J. 1980 erneuert.

Unterrichtswesen. Die Bildung der span. Nation ist im allgemeinen infolge der langjährigen Vernachlässigung und der Niederdrückung jedes geistigen Aufschwungs durch den polit. und kirchlichen Obskurantismus hinter den sämtlichen Nationen Westeuropas, Portugal ausgenommen, zurückgeblieben. Die Masse des von Natur edeln, kräftigen, reich begabten und ritterlichen Volks liegt noch in Unwissenheit und Aberglauben versunken. Das Bildungsbedürfnis ist gering, das geistige Leben in Madrid konzentriert. 1888 war die den Lehrern noch schuldige Summe auf über 6 Mill. Pesetas angewachsen, so daß im Herbst jenes Jahres in der Provinz Almeria allein 35 Lehrer ihre Schulen schlossen, weil sie seit Monaten vergeblich auf Gehaltszahlung warteten. Das gesamte Unterrichtswesen ist nach dem Gesetz vom 28. Aug. 1857 geregelt, nach dem vom 19. März 1870 ganz von der Kirche getrennt. Infolge der schlechten Finanzwirtschaft nimmt das Schulwesen keinen Aufschwung. 1860 konnten 20 Proz. der Gesamtbevölkerung lesen und schreiben, 4,6 Proz. nur lesen, 1889 war die Zahl der erstern nur auf 28,5 Proz. gestiegen, die der letztern auf 3,4 Proz. gesunken, 68,1 Proz., und zwar weiblichen Geschlechts 1 811 675 mehr als männlichen, waren Analphabeten. Unter den Rekruten befanden sich 63 Proz. Analphabeten und unter den 1889 nach Buenos-Aires ausgewanderten Spaniern sogar 90 Proz. 1885 bestanden angeblich 24 529 öffentliche und 5576 private Elementarschulen mit 1 813 183 Kindern. Zu den Anstalten des Sekundärunterrichts gehören zunächst seit 1845 die Institute (Institutos de segunda eseñanza), welche an die Stelle der frühern Lateinschulen getreten sind und ihrem Namen nach, nicht aber nach ihren Leistungen, etwa den deutschen Gymnasien entsprechen. Außerdem bestehen Colegios, Vorbereitungsschulen zu den Universitäts- und Specialstudien, lauter Privatanstalten. Zu den Sekundärunterrichtsanstalten sind noch die Priesterseminarien zu rechnen. 1879 gab es im ganzen 417 Anstalten der Segunda eseñanza mit 33 638 Schülern, von denen 12 734 Staatsanstalten besuchten. Universitäten mit etwa 17 000 Studenten und 700 Docenten giebt es noch zehn: Madrid (eigentlich Alcala) und Barcelona mit fünf, Salamanca (im Anfang des 13. Jahrh. gegründet), Granada und Santiago mit vier Fakultäten, Saragossa und Sevilla, Valencia, Oviedo und Valladolid mit zwei Fakultäten. Alle zehn haben eine jurist. Fakultät, alle, mit Ausnahme von Oviedo, eine medizinische; doch wird dieselbe in Salamanca gleich der naturwissenschaftlichen von der Stadt, in Sevilla von der Provinz unterhalten (die mediz. Staatsfakultät für Sevilla ist in Cadiz). Die philos. Fakultät fehlt in Valencia und Valladolid, die mathematisch-naturwissenschaftliche ist nur in Madrid, Barcelona und Salamanca vorhanden, die pharmaceutische nur in Madrid, Barcelona, Granada und Santiago. Eingegangen sind die von Alcala (nach Madrid verpflanzt), Toledo, Huesca, Cervera, Lerida, Palma und Cordoba. Es giebt keine theol. Fakultät, da alle Priester in den Seminaren der Bischöfe vorgebildet werden. Alle Fakultäten verleihen den Titel Licenciado, während der Doktortitel nur in Madrid erworben werden kann. Anstalten für Fachunterricht sind die Kunstschulen zu Barcelona, Granada, Malaga, Oviedo, Coruña, Cadiz, Sevilla, Valencia, Valladolid und Saragossa; die Handelsschulen zu Madrid, Barcelona und Cadiz, die Schiffahrtsschulen, die Baugewerk- und Feldmesserschulen und die Veterinärschulen. Zu den höhern Unterrichtsanstalten gehören die königl. Central- und Landwirtschaftsschule zu Aranjuez, die Forstlehranstalt, früher zu Villaviciosa de Odon bei Madrid, jetzt nach dem Escorial verlegt, die Industrieschulen zu Madrid, Barcelona, Gijon, Sevilla, Valencia und Vergara, 20 Ackerbauschulen, eine Schule für Specialingenieure, die höhere Architekturschule und die Schule für Malerei, Bildhauerei und Kupferstechers, das königl. Konservatorium für Musik und Deklamation, sämtlich zu Madrid, die Notariatsschulen in fünf Städten, die diplomat. Schule zu Madrid, die wenigen Schullehrerseminare. Dazu kommen die militär. Fachschulen. Der Privatunterricht und die Privaterziehungsanstalten sollen von der Unterrichtsbehörde streng überwacht werden; doch ist es damit schlecht bestellt. An gelehrten Akademien und Gesellschaften, an Bibliotheken und Museen hat S. keinen Mangel, und manche erfreuen sich reicher Dotation und guten Rufs. Eigentliche gelehrte Akademien giebt es acht, darunter sieben in Madrid, außerdem 11 mediz.-chirurg. Akademien. Wichtige Bibliotheken bestehen bei den Universitäten, den erzbischöfl. und bischöfl. Domkapiteln und bei den meisten der acht Akademien. Bedeutend sind die Nationalbibliothek zu Madrid und die des Escorial. Unter den Archiven sind das castilische zu Simancas (s. d.), das aragonesische zu Barcelona und das indische zu Sevilla die wichtigsten. Die bedeutendsten Kunstsammlungen sind in Madrid, Sevilla und Valencia.

Zeitungswesen. Zuerst erschienen fliegende Blätter, die Tagesereignisse berichteten, 1509-1649 in Toledo, Valencia, Madrid und Valladolid und andern Druckorten, neben geschriebenen Berichten; die erste periodische Zeitung war die "Gaceta" (1661), die noch heute offizielles Organ der Regierung ist, seit 1698 "Gaceta de Madrid" genannt. Im 18. Jahrh. waren von Bedeutung das "Diario de los Literatos de España" (1737-42), der "Mercurio historico y politico" (1738-1805), je die erste litterar, und polit. Revue; der "Belianis literario" (1765), satir. Charakters, das "Memorial literario" (1784-1808, 34 Quartbände), "Semanario economico" (1765), Kunst, Wissenschaft und Verwaltung, "Semanario de Agricultura y Artes" (1797-1808, 23 Bände) und die "Anales de Historia natural" (1798-1800), alle in Madrid erschienen. In der Provinz erschienen zahlreiche Diarios, Gacetas, Correros und Semanarios, so in Barcelona, Saragossa, Malaga, Salamanca, Alcala de Henares, Alicante, Palma, Valladolid, Cartagena, Granada, Sevilla und Gerona. Viele von diesen erhielten sich bis in das 19. Jahrh.; neue Diarios entstanden in Valencia, Santiago, Badajoz, Manresa, Oviedo, Lerida und anderwärts, zur Zeit des Unabhängigkeitskampfes gegen Napoleon. In Cadiz erschienen 1808-10: 14 Zeitungen, wie die "Gaceta de Cadiz", der "Conciso", der Robespierre español", in Barcelona "La Abeja politico-literaria" (1808-14) und viele andere, in Madrid die beißend scharfe "Atalya de la