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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spanien (Geschichte 1792-1833)

von San Ildefonso (19. Aug. 1796) und erklärte den Krieg an England, infolgedessen S. durch den Frieden von Amiens 25. März 1802 Trinidad verlor. Im Interesse Napoleons begann er 1801 einen ruhmlosen Krieg mit Portugal. Als beim Wiederausbruch des franz.-engl. Krieges 1803 S. Napoleon durch Subsidiengelder unterstützte, griffen im Okt. 1804 die Engländer die span. Silbergallionen an. S. mußte deshalb den Krieg an England erklären. Die Niederlagen bei Finisterre 22. Juli und bei Trafalgar 21. Okt. 1805 vernichteten seine Seemacht. Zugleich nötigte Napoleon I. Alcudia zu dem Vertrag von Fontainebleau (27. Okt. 1807), worin eine Teilung Portugals und seiner überseeischen Länder und für Alcudia ein souveränes Fürstentum Algarvien vereinbart wurde.

Indes war in S. die Opposition gegen das Willkürregiment des Herzogs von Alcudia gewachsen. Als ihr Haupt galt der Thronfolger Prinz Ferdinand von Asturien, der sich zugleich um Napoleons Protektion und die Hand einer bonapartischen Prinzessin bewarb und sich bei dem König zum Organ der Beschwerden gegen den Günstling machte. Deshalb verhaftet, mußte der Prinz durch tiefe Demütigungen und den Verrat seiner Mitschuldigen seine Freiheit wieder erkaufen. Während dieser Krisis waren franz. Truppen unter General Moncey, dann unter Murats Oberbefehl in S. eingerückt. Eine Empörung, der sich 18. März 1808 die königl. Garden in Aranjuez anschlössen, stürzte den Friedensfürsten und bewog den König am folgenden Tage zu Gunsten des Prinzen von Asturien abzudanken. Während dieser als Ferdinand VII. (s. d.) unter allgemeinem Jubel zum König ausgerufen ward und 24. März in das bereits von den Franzosen besetzte Madrid seinen Einzug hielt, stellte Karl IV. in einem Schreiben an Napoleon seine Abdankung als erzwungen dar. Aber auch Ferdinand VII. bewarb sich um die Gunst Napoleons, der 14. April in Bayonne eintraf und nun die beiden span. Könige nach dieser franz. Grenzstadt entbot. Es gelang dem Franzosenkaiser, Ferdinand erst zur Niederlegung der Krone, dann zum Verzicht auf alle seine Rechte an S. zu bewegen. Eine gleiche Erklärung stellten Ferdinands beide Brüder, die Infanten Don Carlos und Don Francisco de Paula, aus. Schon vorher hatte Karl IV. zu Gunsten Napoleons verzichtet. Auf die Nachricht von den Vorgängen in Bayonne brach in Madrid 2. Mai ein Volksaufstand aus, den Murat blutig unterdrückte, den aber die Spanier heute noch als den Anfang ihres Befreiungskrieges feiern. Karl IV., seine Gemahlin und Alcudia begaben sich nach Compiègne und später nach Rom; Ferdinand und die Infanten wurden in Valençay bewacht. Darauf berief Napoleon eine Junta von span. Abgeordneten nach Bayonne und ernannte 6. Juni 1808 seinen Bruder Joseph Bonaparte (s. d.), bisherigen König von Neapel, zum König von S. und Indien, indem er die Unabhängigkeit der span. Monarchie in ihren bisherigen Grenzen anerkannte. Am 15. Juni eröffnete die Junta, die dem König sofort gehuldigt hatte, ihre Sitzungen. Am 7. Juli ward die neue span. Verfassung, nach franz. Muster, sanktioniert und beschworen, worauf König Joseph 20. Juli in Madrid seinen Einzug hielt. Aber Nationalstolz und wilder Fremdenhaß, kühner Freiheitssinn und mönchisch-feudaler Fanatismus wirkten zusammen, eine beispiellose Kraft des Widerstandes zu erwecken. (S. Französisch-Spanisch-Portugiesischer Krieg von 1807 bis 1814.) Es bildeten sich in allen span. Provinzen Juntas, die im Namen des rechtmäßigen Königs Ferdinand VII. die Regierung ergriffen; die Oberleitung erhielt die Centraljunta von Sevilla, die 29. Jan. 1810 ihre Gewalt in die Hände einer Regentschaft von fünf Mitgliedern niederlegte. Eine von der Regentschaft berufene außerordentliche Versammlung der Cortes trat im Sept. 1810 in Cadiz zusammen und arbeitete eine neue Verfassung aus, die von der Regentschaft, welche von Großbritannien und Rußland anerkannt war, sanktioniert und verkündigt wurde.

Noch vor Beendigung des Kampfes, nach der Schlacht bei Vittoria, verzichtete auf Napoleons Befehl König Joseph auf S., und ersterer gab durch den Traktat von Valençay 11. Dez. 1813 dem König Ferdinand VII. S. zurück. Dieser Vertrag wurde von der Regentschaft nicht anerkannt; darauf erklärte Ferdinand von Valencia aus 4. Mai 1814 die Verfassung von 1812 für aufgehoben und die Cortes für aufgelöst. Am 14. Mai hielt er seinen Einzug in Madrid; doch sein Versprechen, eine neue Verfassung zu geben, blieb unerfüllt, vielmehr begann eine grausame Verfolgung aller Anhänger sowohl Josephs als der Cortes und der Regentschaft. Die Inquisition ward wiederhergestellt; Mönche, Klöster und Jesuiten lebten wieder auf. Ein finsterer Despotismus bezeichnete die neue Regierung, die nach außen nicht glücklicher war als im Innern. Florida ward 1819 für 5 Mill. Doll. an die Vereinigten Staaten verkauft; die abgefallenen amerik. Kolonien konnten aus Mangel an Geld und Schiffen nicht zurückerobert werden. Die oppositionellen Elemente sammelten sich in geheimen Verbindungen, die auf eine Wiederherstellung der Konstitution von 1812 hinarbeiteten. Durch die in Madrid entstandene Aufregung genötigt, verkündigte Ferdinand 7. März 1820 die Wiederherstellung der Verfassung, leistete den Eid auf dieselbe und binnen wenig Tagen war in ganz S. die neue Ordnung der Dinge anerkannt. Erlaß einer Amnestie, Aufhebung der Inquisition, der Patrimonialjustiz, der Zünfte, des Klosterzwangs, Errichtung von Nationalgarden waren die ersten Maßregeln. Als die Cortes 9. Juli 1820 zusammentraten, wurden mehrere Mönchsorden, auch der Orden der Jesuiten, abgeschafft und, um der Finanznot abzuhelfen, die meisten Klöster aufgehoben, ihre Güter eingezogen und die Geistlichkeit der Besteuerung unterworfen. Das Ministerium, in dem anfangs Arguelles (s. d.), später Martinez de la Rosa (s. d.) den Vorsitz führte, und die Cortes bemühten sich, die Ordnung gegen die extremen Parteien zu erhalten; trotzdem griffen die demokratischen Fraktionen, die sog. Comuneros (s. d.) und Descamisados, immer weiter um sich. Andererseits gewann die sog. Apostolische Partei, welche die absolute Königsgewalt, die mönchischen und feudalen Institutionen wiederherzustellen trachtete, in den nördl. Provinzen, namentlich in Catalonien, Navarra und Biscaya zahlreichen Anhang und setzte 15. Aug. 1822 zu Seo de Urgel eine Regentschaft ein, die im Namen des "gefangenen" Königs alles wiederherzustellen befahl, wie es vor dem März 1820 bestanden hatte. Es gelang jedoch dem General Mina, die Festung Urgel zu erobern und die sog. Glaubensarmee auseinander zu sprengen, so daß die Regentschaft 28. Nov. 1822 über die franz. Grenze flüchten mußte. Inzwischen hatten bei den