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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Spanische Litteratur

hunderts die Bühne beherrschen, versinken in unglaubliche Formlosigkeit und Absurdität, und nur die Unterart der Sainetes zeitigt noch nennenswerte Spätlinge bei den Sittenschilderern Ramon de la Cruz in Madrid, Castillo in Cadiz. Der allgemeine Bildungsstand war ein ungemein tiefer, und die bessern Köpfe mußten sich notwendig Frankreich zukehren, der geistigen Vormacht der Zeit. Von dort nahm Luzan die künstlerischen Grundsätze seiner übrigens nicht unverständigen Poética (1737), und dort wurzelten die unermüdlichen Aufklärungsbestrebungen des Benediktiners Feyjoo, nachdem schon 1714 die Spanische Akademie nach dem Muster der Französischen errichtet worden war. Aus der fremden, verstandesmäßigen Ästhetik konnte sich nur langsam eine eigene Produktivität entwickeln. Am wenigsten widerstrebten ihr die Lyriker des 16. Jahrh., und an diese schlossen sich dann auch, seit der von Kulturbestrebungen aller Art erfüllten, an tüchtigen Männern reichen Regierung Karls III., nachdem der ältere Moratin und Cadalso vorausgegangen waren, die Gruppen der Salamantiner und Sevillaner. An der Spitze der Schule von Salamanca steht Melendez, der neben der bukolischen Dichtung des Luis de Leon auch, beeinflußt von Jovellanos, die philos. Tendenzen der Zeit zum Ausdruck brachte; um ihn gruppieren sich Iglesias, Carvajal, Gallego, Noroña, Cienfuegos und der einzige wirklich große Dichter der Zeit, der sie abschließt, in seinem Leben aber noch tief in die folgende hineinreicht, Quintana. Noch etwas unfreier als jene waren die Sevillaner (seit 1793), die sich Herrera und Rioja zu Vorbildern nahmen: Arjona, Reinoso, Blanco, Lista; ihre latinistisch-elegante Richtung ist auch heute noch nicht ganz ausgestorben (Neoclasicismo). Es mögen außerdem noch Arriaza, die beiden Iriarte und Samaniego angeführt sein. Die Anwendung einer durchaus fremdartigen Schablone auf das Theater mußte notwendig unfruchtbar bleiben. In den Tragödien der Montiano, Huerta, Jovellanos, Cienfuegos, Quintana und selbst Martinez de la Rosa werden einzelne kräftige Ansätze doch wieder vom Pedantismus erdrückt. Von dauerndem Wert sind nur zwei Komödien Moratins: "El sí de las niñas" und "El Café", letztere eine wirksame Satire auf die Zuchtlosigkeit der Bühne. An ihn schlössen sich Gorostiza und Martinez de la Rosa an. Die einzige nennenswerte prosaische Fiktion der Zeit ist Islas satir. Roman "Fray Gerundio de Campazas". (Vgl. Menendez y Pelayo, Historia de las ideas estéticas en España, Bd. 3, Madr. 1888; Cueto, Historia crítica de la Poesia en el siglo XVIII, 3 Bde., ebd. 1893.)

Die Herrschaft der franz. Ideen des 18. Jahrh. war niemals unbestrittener als während und nach dem Befreiungskampf. Böhl von Fabers und Durans Eintreten für Calderon rief zunächst nur Widerspruch hervor. Es war die Amnestie von 1833, welche mit den polit. Flüchtlingen, den Alcalá Galiano, Saavedra, Espronceda u. a., die Romantik als etwas völlig Neues, Unvermitteltes aus Paris und London herüberbrachte. Der Begriff deckt sich nicht ganz mit dem, was man in Deutschland, mehr mit dem, was man in Frankreich unter dem Namen versteht; gemeinsam ist die Feindschaft gegen den Regelzwang, der poet. Entdeckungstrieb und vielfach die ungezügelt phantastische Neigung. Eigenartig war der starke Anhalt, welchen bei einem Teil der Romantiker die Vorliebe für das Mittelalter in der heimischen lyrisch-epischen und dramat. Litteratur des 16. und 17. Jahrh. fand. Angel Saawedras Epos "El moro exposito" (1833) mit der kunsttheoretischen Einleitung Alcalá Galianos, sein Drama "Don Alvaro" zündeten explosiv, und sie waren eine echt nationale That, da der hoch begabte und klar denkende Dichter wie kein anderer nach ihm vom Geist der alten Romanze durchdrungen ist. Seine histor. Poesie fand zahllose Nachfolger, unter welchen etwa Arolas zu nennen ist, bis sie in dem glänzenden, aber ungleichmäßigen Zorrilla erlosch. Dem romantischen Drama schloß sich zunächst, mit mehr Erfolg als Verdiensten, Gil de Zárate an; weiter sind seine hervorragendsten Vertreter Garcia Gutierrez, Hartzenbusch (der Dichter der "Amantes de Teruel"), Zorrilla, der unfähig war, bühnengemäß zu schreiben, aber ungewöhnliche Gaben zeigt, Fernandez y Gonzalez, dessen "Cid" Erwähnung verdient, Avellaneda und Aureliano Fernandez-Guerra. Die Einwirkungen der Franzosen, besonders Victor Hugos, kreuzen sich dabei mannigfach mit denen der eigenen klassischen Bühne; als Endpunkt der Richtung läßt sich der erste Bühnensieg Ayalas (1861) bezeichnen. Gleichzeitig mit Saavedra fand übrigens noch das franz. Lustspiel Moratins einen hervorragenden Vertreter in Breton de los Herreros. In derselben Zeit ersteht auch, angeregt durch den viel schwächern Jouy, die Prosaform der Skizze, mit scharf beobachtender, tief ernster Satire bei Larra, harmlos humoristisch bei Mesonero y Romanos, fein gezeichnet bei Somoza, farbvoll und witzig, aber mit archaistischen Sprachliebhabereien bei Estébanez Calderon. Zahlreich, aber wertlos sind die histor. Romane, die mehr Dumas als Scott nachahmten; von Larra, Espronceda, Enrique Gil, Patricio de la Escosura bis auf Navarro Villoslada fehlt die Erkenntnis, daß hier ein Gelingen nur möglich ist, wenn man in das intimste Denken und Kleinleben der Vergangenheit einzudringen vermag; erst Perez Galdós' "Episodios nacionales" erfüllen diese Vorbedingung.

Esponcedas Gedichte sind heute noch so modern wie vor 60 Jahren; wie bei ihm der Einfluß Byrons, kommt bei dem erheblich jüngern Becquer eine Beeinflussung durch Heine und mehr vielleicht noch durch Hoffmann von Fallersleben zur Geltung. Diesen beiden gebührt, abgesehen von der episch-lyrischen Richtung Saavedras und Zorrillas, der erste Platz unter den neuspan. Lyrikern. Neben ihnen mögen noch genannt sein Enrique Gil (1815-46), Fernandez de Velasco duque de Frias (1783-1851), Pastor Diaz (1811-63), die Frauen Avellaneda und Coronado, Tassara (1817-95), der Andalusier Rodriguez Rubi (1817-90), Arolas, Selgas (1824-82), Trueba, Ruiz Aguilera, Martinez Monroy (1837-61), Lopez Garcia, Manuel del Palacio, Balart, und als diejenigen, welche heute das größte Ansehen genießen, Campoamor und Nuñez de Arce. Die ziemlich stark vertretene, meist oberflächliche lyrische Philosophie ruht vornehmlich auf jener Krauses, die durch Sanz del Rio in Spanien eingeführt wurde und zeitweilig einen weitgehenden, auch polit. Einfluß übte, und auf Hegel. Die südamerik. Lyriker (hervorzuheben sind Acuña in Mexiko, Batres in Guatemala, Bello in Venezuela) folgen den Anregungen Madrids (vgl. über sie die "Antologia de poetas hispano-americanos", 2 Bde., Madr. 1894). Unter den Dramatikern stehen voran Tamayo y Baus und Adelardo Lopez de Ayala, der