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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Spanische Reiter; Spanischer Befreiungskrieg; Spanischer Bock; Spanischer Erbfolgekrieg

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Spanischer Befreiungskrieg – Spanischer Erbfolgekrieg

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Spanische Mark'

den Grafen von Barcelona regiert wurde. Hauptstadt war Barcelona.

Spanischer Bock, Folterinstrument, s. Bock, polnischer.

Spanische Reiter, s. Spanischer Reiter.

Spanischer Erbfolgekrieg (1701–13 [14]). Da das habsburg. Königshaus in Spanien mit dem kinderlosen Karl II. (1665–1700) auszusterben drohte, setzte schon lange vor dessen Tode die span. Erbfolgefrage die Diplomatie der europ. Mächte in Bewegung. Ludwig XIV. von Frankreich wollte die Verzichtleistung seiner Gemahlin Maria Theresia, ältern Schwester Karls II., nicht anerkennen, weil niemand die Rechte seiner Nachkommen veräußern, noch ein Reichsgesetz willkürlich beseitigen könne. Kaiser Leopold I., Gemahl der jüngern Schwester Karls II., Margaretes, hatte zwar seine Tochter Maria Antonia, Gemahlin des bayr. Kurfürsten Max Emanuel, zum Verzicht auf ihre Erbansprüche bestimmt, aber dieser Verzicht mußte nicht minder anfechtbar erscheinen. Und so schien es eine glückliche Lösung zu sein, als es durch das Betreiben Hollands und Englands zum Haager Teilungsvertrage vom 11. Okt. 1698 kam, wonach der bayr. Kurprinz Joseph Ferdinand das span. Mutterland und die Kolonien, sein Vater Max Emanuel die Statthalterschaft der Niederlande erhalten, Frankreich und Österreich die übrigen Länder des span. Erbes unter sich teilen sollten.

Erbittert über solche Einmischung fremder Mächte, hatte Karl schon seinen Großneffen Joseph Ferdinand zum Gesamterben eingesetzt, als dieser plötzlich starb (Febr. 1699). Leopold verlangte jetzt die span. Besitzungen für seinen Sohn Erzherzog Karl, spätern Karl VI., und Mailand für sich; Ludwig dasselbe für seinen Enkel, Herzog Philipp von Anjou, und für sich eine Art Schutzherrschaft über denselben. Nach langem Ränkespiel siegte der franz. Einfluß. Karl hatte vor seinem Tode (1. Nov. 1700) in geheimer Urkunde Philipp als Erben eingesetzt. Ludwig, die frühern Abmachungen mit den Seemächten mißachtend, nahm das Vermächtnis an und entsandte Philipp als König 23. Jan. 1701 über die span. Grenze. Fast zu gleicher Zeit verdrängte Kurfürst Max Emanuel mit franz. Hilfstruppen die holländ. Besatzungen aus den Grenzstädten, weil jetzt die span. Niederlande nicht mehr gegen Frankreich geschützt zu werden brauchten. Daneben wurde Ludwigs Absicht offenkundig, Engländer und Holländer von den südamerik. Häfen auszuschließen und statt des Oraniers Wilhelm III. den Stuartprätendenten Jakob Eduard (s. d.) als König von England anzuerkennen. Dieser Gefahr franz. Suprematie gegenüber erklärten die Seestaaten ihre Interessen als gemeinschaftliche und schlossen 7. Sept. 1701 mit dem Kaiser ein Schutz- und Trutzbündnis im Haag ab, welches dank dem Einfluß Marlboroughs und seiner Frau nach Wilhelms III. jähem Tode, 8. März 1702, auch von Königin Anna aufrecht erhalten wurde. Inzwischen hatte Kaiser Leopold, dem die meisten Reichsfürsten, besonders Kurfürst Friedrich von Brandenburg, zur Seite standen, Prinz Eugen von Savoyen nach Italien geschickt, der den Marschall Villeroi bei Chiari 1. Sept. 1701 schlug und in Cremona gefangen nahm. Markgraf Ludwig von Baden verhinderte am Ober- und Niederrhein als Oberbefehlshaber des Reichsheers die Verbindung ↔ der Franzosen und Bayern; Marlborough (s. d.), an der Spitze von 60000 Mann und mit den übrigen Verbündeten vereinigt, zwang die Franzosen, das Kurfürstentum Köln zu räumen. Der abgefallene Kurfürst Joseph Clemens mußte nach Frankreich fliehen. Doch gelang es dem franz. Feldherrn Villars, Okt. 1702 Kehl zu besetzen, nach Schwaben vorzudringen und dem Kurfürsten von Bayern Ulm zu nehmen. Letzterer brach im Juni 1703 mit einem bayr.-franz. Heere nach Tirol auf, zu dessen Eroberung sich Vendôme mit ihm verbinden sollte. Allein dies wurde durch einen blutigen Volksaufstand der Tiroler verhindert. Doch behauptete Max Emanuel Kufstein und Regensburg und eroberte Augsburg und Passau, während Vauban Altbreisach nahm, Marschall Tallard die Rückgabe Landaus erzwang und Vendôme den größten Teil Piemonts besetzte.

In Spanien war inzwischen die althabsburg. Anhänglichkeit des Adels wieder erwacht; ein engl.-holländ. Geschwader landete in Cadiz; König Dom Pedro II. von Portugal schloß sich den Verbündeten an, und 8. März 1704 landete Erzherzog Karl als König Karl III. mit einem engl.-holländ. Geschwader in Lissabon. Die nächsten großen Entscheidungen fielen aber auf deutschem Boden. Tallard, Marsin und Max Emanuel waren im Mai 1704 bei Villingen vereinigt, Mitte Juni Marlborough und Prinz Eugen bei Großheppach. Die Bayern wurden 2. Juli am Schellenberg geschlagen, und bei Hochstädt (Blenheim) erfochten Eugen und Marlborough 13. Aug. einen Sieg, der Frankreichs Kriegsmacht den empfindlichsten Stoß versetzte. Marlborough, nach Leopolds I. Tode 5. Mai 1705 vom Kaiser Joseph I. zum Fürsten des Reichs erhoben, ging nach den Niederlanden, erfocht bei Ramillies 23. Mai 1706 einen glänzenden Sieg über Max Emanuel und Villeroi und ließ überall den span. König Karl III. als Herrn der Niederlande ausrufen. Einen nicht minder wichtigen Sieg erfocht Prinz Eugen über das 80000 Mann starke Heer des Herzogs von Orléans und Marsins 7. Sept. bei Turin, wo sich besonders die Preußen unter Leopold von Dessau auszeichneten. Piemont und das Mailändische waren jetzt von den Franzosen gesäubert, und das ganze span. Italien, auch Sicilien und Sardinien, huldigte im nächsten Jahre dem Hause Habsburg.

Am 4. Jan. 1707 war Ludwig von Baden, der so lange die Linien von Stollhofen und Bühl gegen die Franzosen verteidigt hatte, gestorben, und nun rückte Marschall Villars, die Linien durchbrechend, bis Schwaben und Franken vor. Die Franzosen wurden erst wieder zurückgedrängt, als der Kurfürst von Hannover Oberbefehlshaber wurde. In Spanien blieb die Entscheidung zwischen Philipp V. und Karl III. lange zweifelhaft. Nach den Kämpfen an der Sierra Estrella zog sich das span. Heer unter Berwick, von den Portugiesen verfolgt, wieder über die Grenze zurück. Die Engländer benutzten die Kriegswirren, um 3. Aug. 1704 unter Führung des Landgrafen Georg von Hessen-Darmstadt sich Gibraltars, das Franzosen und Spanier dann vergebens belagerten, durch einen Handstreich zu bemächtigen. Ein Jahr darauf fuhr Lord Peterborough von Gibraltar aus mit Georg von Hessen und Karl nach Catalonien, dessen Bevölkerung durch den Habsburger ihre alten Freiheiten wiederzuerlangen hoffte. Georg fiel bei der Erstürmung Montjuichs,der Burg von Barcelona, und diese Stadt huldigte 24. Okt. König Karl III. (VI.).

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 116.