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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sperrgut - Speyer (Stadt)

Sperrgut, im Postverkehr ein Paket, das in irgend einer Ausdehnung 1½ m, oder in der Ausdehnung 1:½ m überschreitet und dabei weniger als 10 kg wiegt, oder solche Gegenstände, die einen unverhältnismäßig großen Raum einnehmen, z. B. Körbe mit Pflanzen und Gesträuchen, Käfige, leer oder mit lebenden Tieren, Kartons in Holzgestellen, Möbel, Korbgeflechte, Kinderwagen, Velocipeden u. dgl. Für S. wird das Porto (s. Postpaketsendungen) um die Hälfte erhöht. - Im Eisenbahnverkehr heißen S. (sperrige Güter) Frachtgüter, die bei geringem Gewichte ungewöhnlich viel Raum einnehmen und deshalb einer besondern Erhöhung des Frachtsatzes unterliegen, wie z. B. Bäume und Sträucher, leere Kisten und Fässer, Glasballons, Möbel, Schilf, Stroh u. s. w. (S. Eisenbahntarife.)

Sperrhaken, ein Dietrich (s. d.).

Sperrhorn, Bankhorn, Zweispitzamboß, französischer Amboß, ein kleiner Amboß mit zwei seitlichen Verlängerungen, von denen die eine kegelförmig, die andere vierseitig pyramidal zugespitzt ist.

Sperrige Güter, s. Sperrgut.

Sperrklinke, s. Klinke und Schaltwerk.

Sperrkraut, Pflanzenart, s. Polemonium.

Sperrnetze, s. Netzfischerei.

Sperrpunkte, s. Festungen.

Sperrrad, s. Klinke.

Sperrstunde, soviel wie Polizeistunde (s. d.).

Sperrvögel (Hiantes), in der ältern Systematik eine die Schwalben, Segler, Nachtschwalben, Schwalme umfassende Vogelordnung.

Sperrwerke, s. Gesperre.

Spes (lat.), röm. Göttin der Hoffnung, insbesondere des Landmannes auf eine gesegnete Ernte. Ihr Attribut ist eine Blume oder Kornähre; der Anker ist modern.

Spesen (vom ital. spese), soviel wie Auslagen, Unkosten, besonders in der Geschäftssprache des Handels gebräuchlich; hier spricht man von Handlungsspesen im Sinne der Geschäftsunkosten, ferner von Spesenrechnung (s. Rechnung), von Spesennachnahme (s. Nachnahme).

Spessart oder Speßhart (schon im Nibelungenliede als Spehtshart, d. h. Spechtswald, vorkommend), Waldgebirge im W. Deutschlands, liegt dem nordöstl. Teile des Odenwaldes gegenüber, innerhalb des Bogens, welchen der Main von der Mündung der Fränkischen Saale und der Sinn bei Gemünden bis zur Mündung der Kinzig bei Hanau macht, reicht im N. zwischen der Kinzig und der Sinn bis gegen Salmünster, Schlüchtern und Brückenau und gehört dem bayr. Reg.-Bez. Unterfranken sowie dem südl. Teile des preuß. Reg.-Bez. Cassel an. (S. Karte: Bayern I.) Es ist ein schroff ansteigendes Massengebirge mit abgerundeten Kuppen. Der Hauptrücken beginnt gegenüber Miltenberg, mit dem ziemlich steilen Engelsberge, der ein Kapuzinerkloster mit herrlicher Aussicht trägt, und zieht in nördl. Richtung zur Quelle der Aschaff bis in die Gegend von Schlüchtern, ist 75 km lang und erreicht die Höhe von 450 bis 580 m. Der südl. Teil dieses Rückens trägt den höchsten Gipfel, den Geiersberg, 585 m. Der S. gleicht in seinen Bestandteilen dem Odenwalde, indem die Hauptmasse des Gebirges aus Granit, Gneis und Glimmerschiefer mit aufgelagertem rotem und geflecktem Sandstein besteht; er ist nur in den Thälern bewohnt und auf den untern Gehängen beackert, während die Höhen mit finstern Waldungen bedeckt sind, meistens von Eichen und Buchen, mit wenigen Birken und Nadelhölzern. Im ganzen ist der östl. Teil höher, steiler, rauher und mit dichtern Forsten bedeckt als der westliche. Die Flußthäler sind steil, eng und tief eingeschnitten. Man unterscheidet den Vorspessart oder den äußern Saum längs des Mains, namentlich im W., den Hochspessart oder das innere wellenförmige Waldgebirge, und den Hinterspessart, der sich plateauartig gegen die Kinzig und Kahl absenkt und den Orber Reisig (s. d.) umfaßt. Die höchsten Punkte sind außer dem Geiersberg die Hohe Warte 569 m, der Orber Reisig 540 m, die Geishöhe 520 m. Die vielen Bäche, welche den S. durchströmen und von denen die Sinn, Lohr, Hafenlohr, Elsawa, Aschaff, Kahl und Biber die bedeutendern, werden zur Kurzholzflößung, der das Gebirge begrenzende Main zur Ausfuhr des Bauholzes benutzt. Auf der Scheide der nach W. und O. abfließenden Gewässer führt der uralte Eselspfad vom Engelsberg über den Geiersberg zum Orber Reisig, ein dem Rennstieg im Thüringer Walde ähnlicher Pfad. Die Erschließung des S. für den Touristen- und Fremdenverkehr wird durch den Spessart-Touristenverein Hanau (in 2 Sektionen) eifrig gefördert. - Vgl. Herrlein, Sagen des S. (2. Aufl., Aschaffenb. 1885); P. Crämer, Die Jagd im S. in Sage und Geschichte (Münch. 1892); Schober, Führer durch den S. u. s. w. (Aschaffenb. 1888; 2. Aufl. 1892); Dietz, Wegweiser durch den S. (Würzb. 1893); ders., Touristenwegkarte für das Spessartgebiet (2. Aufl., ebd. 1896); Trinius, Alldeutschland in Wort und Bild, Bd. 3 (Berl. 1893); Bücking, Der nordwestliche S. (in den "Abhandlungen der königl. Preußischen Geologischen Landesanstalt"); Welzbacher, Specialkarte vom S. 1:100 000 (12. Aufl., Frankf. 1897).

Spessartbahn, s. Bd. 17.

Spessartin, Mineral, s. Granat.

Spetzburg, Burgruine bei Andlau (s. d.).

Speßhart, s. Spessart.

Spetsä, Spetsopula, griech. Inseln, s. Spezzia.

Spetzer Fehnkanal, s. die Tabelle zum Artikel Fehn- und Moorkolonien (Bd. 6, S. 629).

Spey (spr. speh), Gebirgsfluß in den schott. Grafschaften Inverneß, Elgin und Banff, entspringt aus dem kleinen Speysee südlich von den Corrievairack-Mountains, durchfließt ein malerisches Thal und mündet nach nordöstlichem reißendem Laufe von 173 km bei Garmouth in die Nordsee.

Speyer. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Pfalz, hat 157,69 qkm und (1895) 34 787 (16 925 männl., 17 862 weibl.) E. in 10 Gemeinden mit 26 Ortschaften, darunter eine Stadt. - 2) S., auch Speier (lat. spira), Hauptstadt des Reg.-Bez. Pfalz, ehemals Freie Reichsstadt im Gebiet des Bistums S., an der Mündung des Speyerbachs in den Rhein, an der Linie Schifferstadt - Lauterburg der Pfalz. Eisenbahnen und der Nebenlinie Heidelberg - S. (26,2 km) der Bad. Staatsbahnen, von denen letztere den Rhein auf einer Schiffbrücke überschreitet, ist Sitz der Kreisregierung, des prot. Konsistoriums und eines kath. Bischofs, des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Frankenthal), Oberpost-, Forst-, Nebenzollamtes, Landbau-, Straßen- und Flußbauamtes und einer Reichsbanknebenstelle und hat

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