Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

306

Steinwälzer - Steinzeit

mauerwerkes üblich gewesen ist. Die Verbindung von Bruchsteinen mit Eckquadern (opus incertum) wurde schon von den Etruskern angewendet. Sehr gebräuchlich war bei Griechen und Römern auch das Mischmauerwerk (opus mixtum), bestehend aus einer innern Packung aus Bruchstein und Mörtel und einer Umkleidung von Haustein, Bruchstein oder Ziegel.

Steinwälzer, s. Stelzvögel.

Steinwärder (Steinwerder), Stadtteil von Hamburg (s. d.), zum Teil im Freihafengebiet.

Steinway (spr. -weh), ursprünglich Steinweg, Klavierbauerfamilie in Neuyork. Der Begründer des Hauses Steinway and Sons, Heinrich (Henry) Engelhard S., geb. 15. Febr. 1797 in Wolfshagen im Harz, errichtete 1825 in Seesen am Harz ein Geschäft und fabrizierte hier zuerst Orgeln und seit 1835 Klaviere. 1850 übertrug er seinem ältesten Sohne Theodor das Seesener Geschäft und siedelte sich mit seinen Söhnen Karl, Heinrich, Wilhelm (William) und Albert in Neuyork an, wo sie 5. März 1853 ein eigenes Geschäft gründeten. Einen großen Aufschwung nahm die Firma 1855, als sie auf der Neuyorker Industrieausstellung die von S. erfundenen kreuzsaitigen Pianofortes ausstellte. Sie ließ 1863 einen prächtigen Marmorpalast erbauen, in dem sie ihre Instrumente von nun an verkaufte, und errichtete 1866 einen Konzertsaal mit Sitzplätzen für 2400 Personen, die Steinway-Hall (1890 zu Geschäftszwecken umgebaut). Die Firma beschäftigt zur Zeit 1500 Arbeiter. In ihren Fabrikräumen wird alles zum Klavierbau Gehörige fabriziert, sogar alle eisernen Bestandteile. 1872 erbaute sie in Astoria auf Long Island eine Dampfsägemühle, Eisen- und Messinggießerei sowie verschiedene Maschinenhäuser. Seit 1875 haben Steinway and Sons, die seit 1876 eine geschlossene Gesellschaft bilden, ein großes Geschäft in London ("Steinway-Hall"), seit 1880 ein Zweiggeschäft mit über 300 Arbeitern in Hamburg ("Steinways Pianofabrik"). Von den patentierten Erfindungen der Firma seien erwähnt: die Körper der Konzertflügel aus 25 Fuß langen Zargen zu biegen; die Unabhängigkeit des Metallrahmens, der Mechanik von den Tasten; die große Doppelmensur und das Tonhaltungspedal; durch letzteres ist es z. B. möglich, nur einen Ton oder einen Accord fortklingen zu lassen, während alle andern Töne mit der in Thätigkeit bleibenden Dämpfung zu spielen sind. In Wohlklang, Kraft, Vollkommenheit und Ausgeglichenheit des Tones sind die Steinwayschen Konzertflügel unübertroffen.

Der Gründer der Firma, Heinrich (Henry), starb 7. Febr. 1871, sein Sohn Heinrich 11. März 1865, Karl 31. März 1865, Albert 14. Mai 1877; Theodor gab 1865 das Braunschweiger Geschäft auf und trat in das Neuyorker ein; er starb 26. März 1889 in Braunschweig. William S., geb. 5. März 1836 in Seesen, führte bei Lebzeiten seines Vaters die kommerzielle und finanzielle Geschäftsleitung, war 1871 Mitglied des Siebziger-Komitees, seit 1876 Präsident der Gesellschaft Steinway and Sons, und hat sich um die Entwicklung des Deutschtums in Amerika verdient gemacht. 1894 wurde er Ehrenmitglied der Königl. Akademie von St. Cäcilia in Rom. Er starb 30. Nov. 1896 in Neuyork. Gegenwärtig sind Charles S. Präsident und Frederick S., George S., Henry Ziegler und N. Stetson Mitglieder des Verwaltungsrates. - Vgl. Th. Lemke, Geschichte des Deutschtums von Neuyork (Neuyork 1892).

Steinweg, Dorf, s. Stadtamhof.

Steinweichsel, Pflanzenart, s. Prunus.

Steinwein, s. Frankenweine.

Steinwerder, s. Steinwärder.

Steinwerfer, s. Petrobolen.

Steinwurz, Pflanzenart, s. Agrimonia.

Steinwüsten, s. Wüste.

Steinzeit, die älteste der drei vorgeschichtlichen Kulturperioden (s. Urgeschichte), in welcher der Gebrauch der Metalle noch unbekannt war und alle Gerätschaften und Waffen aus Stein angefertigt wurden. Wie weit die S. in die Urzeit herabreicht, und wann man zeitlich somit die erste Besiedelung Europas anzusetzen hat, wird wohl nie auch nur annähernd sicher zu bestimmen sein. Nur so viel steht fest, daß die ältesten der Steinzeitfunde noch dem Diluvium angehören, und daß auch die jüngere S., deren Reste man in den Ost- und Nordseeländern zahlreich vorfindet, sowie viele Höhlenfunde in Frankreich, Belgien und Deutschland teilweise bis über 3000 Jahre v. Chr. zurückreichen.

Man unterscheidet eine ältere oder paläolithische (grch. palaiós, alt, líthos, Stein) oder diluviale S., in welcher der Mensch in Mitteleuropa mit jetzt ausgestorbenen (Mammut) oder nach dem Hochnorden zurückgewichenen Tieren (Renntier) zusammenlebte, für deren Zeitdauer man keine Anhaltspunkte besitzt, und eine jüngere oder neolithische (grch. neos, neu, jung) Periode, welche von einem zeitlich unbestimmten Anfang an bis in den Anfang des zweiten Jahrtausends v. Chr. währte. Dazwischen nimmt man auch noch seltener eine mittlere (mesolithische) S. an.

Die Funde aus der ältern diluvialen Periode, rohe Feuersteinäxte von primitiver Form, Meißel, Schaber und messerartige lange Späne sind nur durch Behauen hergestellt und zeigen infolgedessen noch eine rohe, unebene, unregelmäßige Oberfläche, auf der sich die einzelnen Schläge noch deutlich erkennen lassen (s. Tafel: Urgeschichte I, Fig. 1 u. 2). Die Fundstellen im Sommethal, zahlreiche Höhlen in Frankreich, Belgien, in Österreich und Deutschland, hier namentlich die berühmten Fundstellen bei Taubach-Jena und Schussenried u. a. sind hierher zu rechnen. In der zweiten, der neolithischen Periode, sind die Mehrzahl der Steingeräte sorgfältiger und exakter gearbeitet und zum Teil fein geschliffen und poliert; und während früher der Flint fast ausschließlich zur Verwendung gelangte, werden jetzt auch alle möglichen andern Gesteinsarten gebraucht, Granit, Diorit, Schiefer, Kieselschiefer, Diabas, Porphyr, Serpentin, Jadeit u. s. w., aus denen Beile (Fig. 10) und vor allen die zahlreichen Hämmer und Hacken mit Stielloch (Fig. 9 und Taf. II, Fig. 1) hergestellt wurden. Das Polieren und Schleifen machte man mit Wasser auf Schleifsteinen von Sandstein und Quarzit, das Durchbohren der Hämmer mit Sand und Wasser vermittelst eines Holzstabes oder eines hohlen Knochens, der durch irgend eine Vorrichtung in rotierende Bewegung gebracht wurde. Die zum Teil mit vollendeter Exaktheit und in höchst ansprechenden und geschmackvollen Formen hergestellten Steinhämmer, besonders aus den Ostseeländern, verraten schon einen hohen Grad von Kunstsinn und Kunstfertigkeit in dieser Zeit. Die aus Feuerstein hergestellten Beile, Meißel und Hohlmeißel zeigen oft eine spiegelblanke Politur und ebenso regelmäßige exakte Formen, wie unsere Geräte der Neuzeit. Nur behauen und nicht poliert bleiben noch die Schaber (Taf. II, Fig. 2), Dolche (Fig. 4), Lanzen-^[folgende Seite]