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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Steinzertrümmerung; Steinzeug; Steirisch; Steirische Alpen; Steißbein; Steißdrüse; Steißfüße; Steißgeburt; Steißhühner

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Steinzertrümmerung - Steißhühner

spitzen (Fig. 5) und Pfeilspitzen (Fig. 3 u. 6) von Feuerstein in dieser Periode, aber auch sie zeigen durchschnittlich eine hervorragende Technik und Sinn für Formenschönheit. Über die Thongefäße dieser Periode s. Prähistorische Thongefäße. Die meisten Steingeräte aus dieser Periode haben die Ostseeländer, das südl. Schweden, Dänemark, Schleswig-Holstein, Hannover, Mecklenburg, Pommern und Rügen geliefert. Hier bleibt der Feuerstein noch das vorherrschende Material, während in den übrigen Kulturcentren der S., so in Sachsen und Thüringen, hauptsächlich Kieselschiefer und Grauwackenschiefer, in Schlesien und dem östl. Deutschland mehr Serpentin und Diorit, in den Stationen der Schweizer Pfahlbauten Granit, Diabas, Diorit, Hornblende, Jadeit u.s.w. verwandt wurde. Jedes Volk verwandte das Material, das die Natur des Landes bot, so tritt im Süden Europas und in Amerika oft an Stelle des Feuersteins der Obsidian. Rohere Formen von Steingeräten schreibt man einer ältern Epoche, der neolithischen S. zu, die Kjökkenmöddinger und andere Küstenfunde Skandinaviens haben viel Material davon geliefert.

Die paläolithische Zeit Europas gehört der Urbevölkerung an, über deren ethnische Zugehörigkeit nichts Sicheres feststeht; wahrscheinlich wohnten verschiedene Stämme vor den Kelten und Germanen in diesen Ländern und ragen zum Teil vielleicht auch noch in die neolithische Zeit mit ihren Dolmen und Hünengräbern hinein. Auch Kelten und Germanen haben in ihrer ersten Zeit zum Teil Steinwaffen benutzt, wie viele außereurop. Stämme noch in histor. Zeit, manche sogar noch jetzt keine Metallgeräte benutzen, also sich in der S. befinden.

Litteratur s. Urgeschichte.

Steinzertrümmerung, s. Steinoperationen.

Steinzeug, eine wichtige Gattung von Thonwaren mit verglastem Scherben. Von dem gewöhnlichen oder gemeinen S. unterscheiden manche das feine S., und zwar glasiertes und unglasiertes; doch faßt man besser die beiden letztern Warenarten unter der Bezeichnung Steingut (s. d.) zusammen. Das gemeine S. hat mit dem gewöhnlichen Töpfergeschirr die einfache Behandlung gemeinsam, unterscheidet sich aber von diesem durch das gewähltere Thonmaterial und durch den dichten, verglasten Scherben. Geschirre aus S. vertragen plötzlichen Temperaturwechsel sehr schlecht und eignen sich deshalb nicht zu Kochgeschirr; dagegen sind sie vortrefflich, wenn es sich um besondere Reinhaltung, um gewisse chem. Beständigkeit oder um Haltbarkeit und beträchtliche Wandstärke handelt. Daher ihre Anwendung zu Mineralwasserkrügen, Säureflaschen, Wassereimern, Milchnäpfen, Gefäßen zum Einmachen von Früchten, zum Aufbewahren von Schmalz, zu chem. Geräten (Kondensationsflaschen), Röhren für Aborte u. s. w. Das gemeine S. ist grau, bläulich oder bräunlich und mit Salzglasur (in neuerer Zeit auch zuweilen mit Borsäureglasur) versehen. Die grauen Geschirre sind meist mit vorher eingeritzten und kobaltblau aufgestrichenen Verzierungen versehen. Die Hauptvertreter dieser Art S. sind die sog. Koblenzer Geschirre aus den Orten Höhr, Grenzhausen, Baumbach, im sog. Krug- oder Kannebäckerland bei Vallenoar. Man unterscheidet dort die "Krugbäcker", die nur Mineralwasserkrüge herstellen, von den "Kannenbäckern", die Trinkgefäße, Haushaltungsgeschirre u. dgl. liefern. Dem S. nahe verwandt ist die engl. Lambethware, die besonders in chem. Geräten auftritt, aber auch außerhalb Englands, z. B. in Zwickau und im Altenburgischen, in Deggendorf und Schwandorf in Bayern, in Aussig, in Floridsdorf bei Wien, in Königssaal in Böhmen und in Hruschau in Österreichisch-Schlesien hergestellt wird.

Steirisch, der Nationaltanz der Steiermärker. Er ist in schnellem Zeitmaß und ¾- oder 3/8-Takt gehalten und der Allemande (s. d.) ähnlich.

Steirische Alpen, früher häufige zusammenfassende Bezeichnung der Niedern Tauern, Norischen Alpen und Cetischen Alpen (s. Ostalpen).

Steißbein, Schwanzbein, Kuckucksbein (Os coccygis), der unterste Abschnitt der Wirbelsäule des Menschen; es entspricht dem meist viel ansehnlichern Schwanzskelett der Wirbeltiere und besteht aus vier, höchst selten fünf verkümmerten Wirbeln, deren oberster mit dem Kreuzbein in Verbindung steht. (S. die Tafel: Das Skelett des Menschen, Fig. 2, 31.) Es sind Wirbelrudimente, nur die Körper sind noch erhalten; die Bogen fehlen und von den Fortsätzen sind nur einige wenige angedeutet. In abnormen Fällen, bei den sog. geschwänzten Menschen, ist das S. nicht nach der Höhle des kleinen Beckens, sondern nach außen zu gekrümmt und macht dann den Eindruck eines kleinen Schwänzchens, ein Verhalten, das übrigens beim Embryo (s. d.) in der ersten Zeit seiner Entwicklung die Regel bildet.

Steißdrüse (Glandula coccygea), ein kleines drüsenartiges Knötchen vor der Spitze des Steißbeins, dessen Bedeutung noch gänzlich unbekannt ist; jedenfalls ist es keine Drüse.

Steißfüße (Podicipidae), eine gegen 40 Arten zählende kosmopolit. Familie tauchender Vögel, mit langem, schlankem, spitzem Schnabel, kurzen Flügeln, weit nach hinten stehenden, kurzen, seitlich stark zusammengedrückten Beinen, deren Zehen nicht durch Schwimmhäute verbunden, sondern nur breit lappig gesäumt sind. Der Schwanz besteht aus einem Büschel kurzer, zerschlissener Federchen, die Hauptfarbe des Gefieders ist grau, nur am Hals oder am Kopf findet sich bisweilen eine lebhaftere braune Farbe und zugleich an letzterm auch besonders entwickelte Federn, die, wie beim Haubensteißfuß oder Haubentaucher (Podiceps cristatus Lath., s. Tafel: Schwimmvögel II, Fig. 6), eine Doppelhaube und eine Bartkrause bilden können. Die S. leben fast ausschließlich an und auf süßen Gewässern von Insekten, Fischen u. s. w., doch gelegentlich auch von Vegetabilien und tauchen vorzüglich. Das Fell der größeren Arten wird vielfach als Pelzwerk benutzt. Sie bauen ihre schwimmenden Nester auf eingeknickte Schilfstengel und legen 4-6 weiße, manchmal rotbraun angeflogene überkalkte Eier.

Steißgeburt oder Steißlage, in der Geburtshilfe derjenige regelwidrige Geburtsvorgang, bei dem an Stelle des kindlichen Kopfes zuerst der kindliche Steiß aus den Geburtswegen hervortritt. Für die Mutter bringt die S. unter sonst normalen Verhältnissen keinerlei Nachteile, wogegen dem Kind durch die Steißlage mancherlei Gefahren erwachsen können. (S. Geburt.)

Steißhühner (Tinamidae s. Crypturidae), eine aus 9 Gattungen und 39 Arten bestehende Familie der Hühnervögel (s. d.) vom Habitus der Rallen, jedoch ist ihr Schwanz in der Regel sehr klein, meist fehlt er sogar. Sie sind bräunlich gefärbt und ohne bunten Hautlappen, sehr selten nur mit besonders ent-^[folgende Seite]