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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sterne; Sterneck; Sternenbanner; Sternfacetten; Sterngewölbe; Sternhaare; Sternhaufen; Sternjahr; Sternkammer; Sternkarten

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Sterne (Carus) - Sternkarten

Sterne, Carus, Pseudonym, s. Krause, Ernst.

Sterne (spr. störn), Lawrence, engl. Humorist, wurde 24. Nov. 1713 zu Clonmel in Irland geboren. Ein Verwandter ließ ihn erziehen, und 1732 ging er auf die Universität Cambridge, wo er 1740 Magister wurde. Von seinem Onkel erhielt er darauf die Pfarrei zu Sutton und eine Pfründe zu York. Durch seine Verheiratung wurde ihm noch die Pfarrei zu Stillington zu teil. 1759 gab S. in London die beiden ersten Bände von "Tristram Shandy" heraus, denen bis 1766 noch sieben folgten. Das Ergebnis seiner Reisen nach Frankreich und Italien ist sein "Sentimental journey through France and Italy by Mr. Yorick" (deutsch von Böttger, Berl. 1856; auch in Reclams "Universalbibliothek"). S. starb 18. März 1768 in London. Seine beiden oben genannten Werke fanden außerordentlichen Beifall. "Tristram Shandy" (deutsch von Gelbke, Hildburgh. 1869; auch in Reclams "Universalbibliothek") ist ein buntes Durcheinander von Episoden und Abschweifungen, aber die Menge komischer, mit rührenden Zügen untermischter Schilderungen von Auftritten aus dem häuslichen Leben und meisterhaften Zeichnungen der Charaktere machen es zu einem bewunderungswürdigen Werke. Außer jenen Schriften erschienen von S., gleichfalls unter dem angenommenen Namen Yorick, zwei Bände "Sermons" (Lond. 1760), denen später noch mehrere mit seinem wirklichen Namen folgten; auch sie verleugnen den Humoristen nicht. Nach seinem Tode wurden sein Briefwechsel (3 Bde., Lond. 1775) und die "Letters from Yorick to Eliza" (ebd. 1775) herausgegeben. Eine Gesamtausgabe seiner Werke erschien von Browne (4 Bde., Lond. 1873; neue Aufl. 1884) und Stapfer (Laurence S., étude biographique et littéraire, Par. 1870). - Vgl. Percy Fitzgerald, Life of S. (2 Bde., Lond. 1864); Traill, L. S. (ebd. 1882).

Sterneck, Freiherr von, österr. Admiral, s. Daublebsky.

Sternenbanner, s. Stars and Stripes.

Sternfacetten, s. Edelsteinschleiferei.

Sterngewölbe, s. Gewölbe.

Sternhaare, s. Haare (der Pflanzen).

Sternhaufen oder auflösliche Nebelflecke, Fixsternanhäufungen, die sich ohne weiteres dem Auge als zusammengehörige Gruppen zeigen. Einige sind schon mit dem bloßen Auge zu erkennen, so z. B. das Siebengestirn (s. d.), die Hyaden (s. d.), das Haar der Berenice (s. d.). Enger zusammengedrängt und dem bloßen Auge als Nebelfleck sichtbar sind die Präsepe (Krippe) im Krebs, ein Doppelsternhaufen im Perseus, ein S. im Hercules u. a. In diesen ist die Zahl der einzelnen Glieder außerordentlich groß. Mit Hilfe des Fernrohrs kann man viele, oft wunderbar schöne S. in den denkbar mannigfaltigsten Anordnungen der Einzelglieder sehen. Ihrer eigentlichen Natur nach gehören zu den S. auch viele Objekte, die selbst in starken Fernrohren wie Nebelflecke (s. d.) aussehen. Eine größere Zahl von S. ist in den letzten Jahrzehnten, neuerdings mit großem Erfolge unter Benutzung der Photographie, ausgemessen worden, d. h. die gegenseitige Lage der dieselben zusammensetzenden Sterne ist durch scharfe Messungen bestimmt worden. Spätere Wiederholungen dieser Messungen werden dann ergeben, welche Sterne wirklich miteinander in näherm Zusammenhange stehen und daher auch eine nach Richtung und Größe gemeinsame Eigenbewegung (s. d.) haben und welche wir bloß zufällig nur an derselben Stelle des Himmels sehen wie den betreffenden S., die also nur optisch zu diesem gehören. Auf der Tafel: Nebelflecke und Sternhaufen, Fig. 5, beim Artikel Nebelflecke, ist einer der schönsten und reichsten S. abgebildet, der S. im Hercules, in dem man mit sehr starken Fernrohren über 1000 Sterne zählen kann.

Sternjahr, s. Jahr.

Sternkammer (Star Chamber, Camera stellata), Name eines engl. Ausnahmegerichtshofs, der schon früher ohne feste Umgrenzung seiner Zusammensetzung und seiner Befugnisse bestand, dem aber erst Heinrich VII. 1487 feste gesetzliche Grundlage gab und den er hauptsächlich als Waffe des Königtums gegen die Aristokraten benutzte. Mehrere Mitglieder des königl. Geheimen Rats unter Zuziehung der Oberrichter der Reichsgerichte erhielten eine vom Parlament bestätigte Vollmacht, allein auf königl. Befehl hin Personen zur Untersuchung zu ziehen und zu strafen bei sieben besonders genannten Vergehen. Dazu gehörten: Aufruhr, ungesetzliche Versammlungen und besonders die oft beim Adel vorgekommene Aufstellung von Gefolgschaften unter eigenen Abzeichen (liveries). Die damit gesetzlich anerkannte diskretionäre Gerichtsgewalt der Krone durch einen inappellabeln Staatsqerichtshof wurde eine starke Stütze des königl. Absolutismus der Tudors und artete unter den Stuarts aus, so daß er vor allem vom Langen Parlament (s. d.) 1641 beseitigt wurde. Der Name ist wahrscheinlich genommen von dem nach seiner Deckenbemalung S. genannten Sitzungszimmer zu Westminster. - Vgl. Palegraves, Original authority of the King's Council (Lond. 1834); Reeves, History of the English Law, Bd. 1 (ebd. 1869); Busch, England unter den Tudors, Bd. 1 (Stuttg. 1892).

Sternkarten, Himmelskarten, bildliche Darstellungen des Fixsternhimmels. Auf ihnen sind die Sterne nach ihrer Größe und Lage so verzeichnet, wie sie von der Erde aus gesehen werden. Soweit sie nur die dem bloßen Auge wahrnehmbaren Sterne enthalten, dienen sie vornehmlich dazu, die Kenntnis der Sternbilder zu erleichtern. Der älteste Atlas, der Erwähnung verdient, ist der von Joh. Bayer, der u. d. T. "Uranometria" 1603 zu Augsburg in 51 Blättern erschien und zuerst die Bezeichnung der hellsten Sterne durch griech. und lat. Buchstaben je nach ihrer Helligkeit in der Folge des Alphabets mit α, β, γ, δ, ε, ζ, ... enthält. Diese Bezeichnungsart ist noch heute in der Astronomie gebräuchlich. Nach Bayer erschienen noch eine große Anzahl Sternatlanten, wie die von Schiller, Hevelius, Flamsteed, Bode, Harding u. a. Die Mehrzahl der ältern S. legt aber mehr auf die Zeichnung der Sternbilder als auf die Sterne selbst Gewicht. Als erster mustergültiger Sternatlas muß der von Argelander unter der Bezeichnung "Uranometria nova" oder "Neue Uranometrie" in 18 Karten 1843 herausgegebene bezeichnet werden, in dem Argelander sämtliche von ihm mit bloßem Auge wahrgenommenen Sterne genau nach ihrer gegenseitigen Lage und Helligkeit aufgenommen hat, und der ein getreues Abbild des im mittlern Europa sichtbaren Sternhimmels darstellt. Noch mehr Sterne enthält der "Neue Himmelsatlas" von Heis (Köln 1872) in 12 Karten, der auch die Milchstraße mit zur Darstellung bringt. Von billigen neuen S. verdient Erwähnung Schurigs "Himmels-Atlas" (Lpz. 1886). S. für den südl. Himmel sind die von Behrmann (Lpz. 1874) und die große "Uranometria Argentina"