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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Strahlinge; Strahlkies; Strahlkrebs; Strahlpumpe; Strahlsche Pillen; Strahlstein; Strahltiere; Strähn; Straits Settlements

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Strahlinge - Straits Settlements

stehen, ferner aber auch bei arbeitenden Pferden, wenn der Strahl verkümmert ist (s. Zwanghuf) und kennzeichnet sich durch das Aussickern einer schmierigen, höchst übelriechenden Masse aus der Strahlfurche. Die S. ist leicht zu beseitigen durch tägliches Ausreiben der Strahlfurche mittels eines Strohbandes und Einstreuen von Eichenrinden- oder Eisenvitriolpulver.

Strahlinge, Radiolarien (Radiolaria), eine Klasse der Urtiere mit ziemlich hoch differenziertem Körperbau. Ihr Leib besteht aus zwei Hauptteilen, einer kleinern centralen Innenmasse und einer viel mächtiger entwickelten Außenmasse, gegen die sich jene durch eine, die sog. Centralkapsel bildende Haut abschließt. Die Binnenmasse entspricht dem Kern einer einfachen Zelle und vermittelt die Fortpflanzung. In ihr legen sich zu gewissen Zeiten festere Teilchen (Kernkörperchen) des Protoplasmainhalts in Gestalt ovaler Gebilde an, die von einer freien Hülle umgeben sind und an dem einen Pol eine lange bewegliche Geißel entwickeln. Diese Gebilde sprengen später die mütterliche Centralkapsel, schwärmen, sich mittels ihrer Geißel im Wasser fortbewegend, aus und werden nach und nach zu jungen S. Daneben kommen im Plasma der Binnenkapsel auch noch andere Gebilde vor: Vakuolen (Hohlräume), Öltröpfchen, Pigmentkörperchen, Krystalloide organischer Natur und wahre Krystalle von himmelblauer Farbe, die aus schwefelsaurem Strontian (Cölestin) bestehen. Die Kapselhaut ist entweder von einer großen Anzahl feinster Öffnungen oder von wenigen größern durchsetzt, von denen eine weit stärker als die übrigen entwickelt ist. Durch diese Öffnung steht das Binnenplasma mit dem Außenplasma in Zusammenhang. Das letztere zeigt eine dreifache Schichtung: auf der Kapselhaut und mit dem Binnenplasma durch die erwähnten Öffnungen in kontinuierlichem Zusammenhang stehend, liegt eine Schicht körnerreichen Protoplasmas, die Sarkomatrix. Auf ihr folgt eine viel dickere, homogene eiweiß- oder gallertartige, wasserreiche, meist hyaline Schicht, das Calymma, das bisweilen Hohlräume (Alveolen) enthält. Durch diese Schicht steigt von der Sarkomatrix ein Netzwerk feiner Fäden hindurch nach außen und bildet auf ihrer Oberfläche ein Netz körnerreichen Protoplasmas, das Sarkodiktyum, von dem viele Pseudopodien nach außen strahlen. Das Sarkodiktyum vermittelt Empfindung, Bewegung, Atmung und Ernährung und in ihm bilden sich die wesentlichen Teile des Skeletts. Dieses besteht in der Regel aus an eine organische Grundlage gebundenen Kieseln oder bisweilen aus einer rein organischen Substanz, dem Akanthin. Die Skelette, die nur selten fehlen, bilden die zierlichsten Gestalten in fast unglaublicher Verschiedenheit.

Die S. sind meist mikroskopische Einzelwesen, doch giebt es auch koloniebildende unter ihnen. Systematisch bilden die S. zwei Unterklassen, deren jede wieder in zwei Legionen zerfällt: I. Unterklasse Porulosa oder Holotrypasta, Centralkapsel kugelrund, ihre Haut von zahlreichen feinen Poren durchbohrt, aber ohne größere Hauptöffnung. 1) Legion Spumellaria, Haut der Centralkapsel von unzähligen, allenthalben unregelmäßig verteilten Poren durchsetzt; ein Skelett fehlt entweder oder ist kieselig, entsteht aber niemals in der Centralkapsel. 2) Legion Acantharia, Poren in der Haut der Centralkapfel zählbar und regelmäßig geordnet, Skelett entsteht in der Centralkapsel und besteht aus Akanthin. II. Unterklasse Osculosa oder Monotrypasta, Centralkapsel gestreckt, nur in der Umgebung des einen Pols (Mundpol) ist ihre Haut von Öffnungen durchsetzt. 1) Legion Nassellaria, Centralkapsel eirund, am einen Pol ein siebartiges Porenfeld, in der Nähe des andern liegt ein Kernkörperchen. Das Skelett ist kieselig und hat meist eine Hauptachse. 2) Legion Phaeodaria, Centralkapsel sphärisch mit einer Hauptachse, Kapselhaut doppelt, an dem einen Pol findet sich eine Hauptöffnung mit strahligem Rande, Skelett kieselig, im Calymma entwickelt sich ein besonderer konkav-konvexer Teil, das Phäodium, das sich mit seiner konkaven Seite über die Hauptöffnung legt. Haeckel beschreibt von den S. 739 Gattungen und 4318 Arten, von denen auf der beigefügten Tafel: Strahlinge einige der ausgezeichnetsten abgebildet sind. Die S. sind Meeresbewohner und finden sich in allen Schichten von der Oberfläche bis zu den tiefsten Tiefen, wo sie besonders zahlreich sind und wo ihre Schalen einen großen Teil des Schlammes (sog. Radiolarienschlick) bilden.

Vgl. E. Haeckel, Die Radiolarien, eine Monographie (Berl. 1862); ders., Report on the Radiolaria collected by H. M. S. Challenger (Lond. 1887); K. Hertwig, Der Organismus der Radiolarien (Jena 1879).

Strahlkies, Mineral, s. Markasit.

Strahlkrebs, eine Wucherung des Fleischstrahls beim Pferde. Man bemerkt an Stelle des Hornstrahls eine fleischige, leicht zerfallende und übelriechende Masse, die nach erfolgter Entfernung durch Abschneiden, Abätzen oder Abbrennen schnell wieder wächst. Greift die Wucherung auf die übrigen Teile des Hufs über, dann spricht man von Hufkrebs. Der S. ist ein langwieriges, in der Regel schwer zu beseitigendes Leiden. Am besten bewähren sich Ätzungen und Verbringen des Pferdes in einen Stand mit Lehmboden.

Strahlpumpe, Bezeichnung für die Injektoren (s. d.).

Strahlsche Pillen, zur Blutreinigung empfohlen, werden in verschiedenen Sorten (Nr. 0-4) vertrieben. Die mildern Sorten enthalten neben Rhabarber- und Aloeextrakt geringe Mengen Koloquintenertrakt, und die schärfern Sorten größere Mengen des letztgenannten Extraktes. Sie sind kräftig abführend, können aber auch sehr schädlich wirken. (S. auch Pillen im Artikel Geheimmittel.)

Strahlstein, Mineral, s. Hornblende.

Strahltiere, Radiaten (Radiata), nannten Cuvier und dessen Nachfolger solche wirbellose Tiere, deren Hauptcharakter darin besteht, daß die Organe des Körpers strahlenförmig wie die Speichen eines Rades um eine Achse gelegen sind, deren Endpunkt durch den centralen Mund gegeben ist. Man rechnete dazu die Stachelhäuter (s. d.), die Polypen und die Akalephen oder Quallen. Gegenwärtig vereinigt man nach R. Leuckarts Vorgang die Schwämme, Polypen, Quallen und Rippenquallen zu dem Typus der Cölenteraten (s. d.) oder Hohltiere und betrachtet die Echinodermen als einen besondern Kreis des Tierreichs.

Strähn, s. Garn und Spinnerei.

Straits Settlements (spr. strehts séttlments, d. i. Ansiedelungen an der Meeresstraße [von Malaka]), zusammenfassende Bezeichnung der engl. Besitzungen auf der Halbinsel Malaka (s. d.) und den vorliegenden Inseln, die, seit April 1867 Kronkolonie, auf 3998 qkm (1891) 512 342 E. zählen. (S. Karte: Ostindien II: Hinterindien.) Die drei Bestandteile sind Singapur (s. d.), Stadt und Distrikt Ma-^[folgende Seite]