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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Strahlenbündel - Strahlfäule

Beobachter auf der Erdoberfläche in der Richtung der Tangente SO an die Kurve im Endpunkte O. Ein Gestirn wird daher an der Erdoberfläche infolge der S. in größerer Höhe beobachtet, als es thatsächlich am Himmel steht. Der Betrag der S. ist abhängig von der Höhe des Gestirns über dem Horizont; im Zenith selbst ist sie Null, da hier die Strahlen senkrecht durch die Schichten der Atmosphäre hindurchgehen, und sie erreicht ihren größten Wert im Horizont. Den Verlauf der S. in diesen Grenzen zeigt folgende Tabelle:

Höhe des Sterns Refraktion

0° 34' 54"

5 9 46

10 5 16

15 3 32

20 2 37

25 2 3

30 1 40

40 1 9

50 0 48

70 0 21

90 0 0

Da die Dichte der Atmosphäre sich mit dem Druck und der Temperatur der Luft ändert, so muß bei genauer Berücksichtigung der S. bei astron. Beobachtungen auch auf die Angaben von Barometer und Thermometer Rücksicht genommen werden. Die obigen Zahlenangaben gelten für einen mittlern Luftzustand (+ 9,3° C. und 751,5 mm) und werden als mittlere Refraktion bezeichnet. Infolge der S. sieht man Sonne und Mond, deren Durchmesser etwa 30 Minuten beträgt, schon über dem Horizont, wenn sie eigentlich noch nicht aufgegangen sind, und umgekehrt können sie wirklich bereits um ihren ganzen scheinbaren Durchmesser unter den Horizont hinabgesunken sein und gleichwohl noch über demselben erscheinen, indem die S. im Horizont (Horizontalrefraktion) sie um ihren Durchmesser hebt. So verlängert also die S. den Tag, und obgleich diese Verlängerung bei uns nur wenige Minuten beträgt, so ist sie doch in den Polarländern sehr wohlthätig, indem sie dort, wo die Kälte die Luft sehr verdichtet und dadurch die Horizontalrefraktion vermehrt, mehrere Tage, ja Wochen beträgt, um welche die lange Winternacht abgekürzt wird. Aus derselben Ursache sieht man schon diesseits vom Polarkreise die Sonne im Sommer an einem Tage gar nicht untergehen. Ebenso ist die abgeplattete elliptische Gestalt, die Sonne und Mond am Horizont zu haben scheinen, daraus zu erklären, daß infolge der starken Änderung der S. nahe am Horizont der untere Rand beider um etwa 5 Minuten mehr durch die S. gehoben wird als der obere. Die S. ist bereits im Altertum bekannt gewesen, ihre richtige Erklärung konnte sie erst finden, nachdem durch Snellius das Gesetz der Brechung entdeckt worden war. Noch Tycho Brahe, der zuerst die Größe der S. durch Beobachtungen bestimmte, glaubte, daß dieselbe nur zwischen 0° und 45° Höhe vorhanden sei. Die Theorie der S. ist von einer größern Reihe bedeutender Mathematiker ausgebildet worden; aus der neuern Zeit sind namentlich zu nennen: Bessel, Ivory und Gylden, von denen auch Refraktionstafeln berechnet worden sind. Der Schwerpunkt aller dieser Theorien liegt in der Annahme, daß Dichte und Temperatur der Atmosphäre mit der Höhe abnehmen. Die bisher besprochene S., die sich auf den Gang der Lichtstrahlen von Gestirnen bezieht, heißt die astronomische S. Außerdem giebt es auch noch eine terrestrische S., der die von Gegenständen an der Erdoberfläche ausgehenden Strahlen unterworfen sind. Sie hebt gleichfalls entfernte Gegenstände, ihre wahre Größe ist aber schwer mit Genauigkeit zu bestimmen, da man es hier mit den untersten Schichten der Atmosphäre zu thun hat, die hinsichtlich ihrer Dichte große Unregelmäßigkeiten darbieten. Für die Geodäsie ist jedoch die Bestimmung der terrestrischen Refraktion, die schon von Kleomedes erwähnt, später von Walter in Nürnberg wieder entdeckt wurde und um die sich Euler, Lagrange, Laplace, Oriani, Biot, Bessel, Gauß u. a. verdient gemacht haben, sehr wichtig. Zu den Wirkungen der S. gehört auch eine Art der Luftspiegelung (s. d.). - Vgl. Bruhns, Die astronomische S. in ihrer histor. Entwicklung (Lpz. 1861).

Strahlenbündel, auch einfach Bündel, die Gesamtheit der durch einen Punkt im Raume gehenden Geraden. Es bildet in der projektiven Raumgeometrie einen wichtigen Begriff.

Strahlenbüschel, auch einfach Büschel, die Gesamtheit der in einer Ebene liegenden und durch einen Punkt gehenden Geraden. Das S. ist ein wichtiger Begriff der projektiven ebenen Geometrie.

Strahlende Materie nannte William Crookes den Zustand der in Geißlerschen Röhren eingeschlossenen Gase im Augenblick elektrischer Entladungen. (S. Elektrische Lichterscheinungen.) Diesen strahlenden Zustand der Materie deutete Crookes als einen vierten Aggregatszustand der Körper; diese Ansicht wurde aber von andern Physikern widerlegt. - Vgl. Crookes, S. M. (deutsch von Gretschel, Lpz. 1879; 2. Aufl. 1882); Puluj, Strahlende Elektrodenmaterie Wien 1880 u. 1883).

Strahlende Wärme, Wärme, die durch Strahlung, d. h. durch Vermittelung des Äthers von einem Körper zum andern übergeht, im Gegensatz zu der Körperwärme, die sich in den Körpern von Teilchen zu Teilchen durch Wärmeleitung (s. d.) fortpflanzt. Die Warmestrahlen sind von den Lichtstrahlen nicht wesentlich verschieden und werden wie die Lichtstrahlen reflektiert, gebrochen, polarisiert, und können wie diese zur Interferenz gebracht werden. Über Brechbarkeit der Wärmestrahlen s. Spektrum. Wenn man zwei Hohlspiegel nach Art der Schallspiegel (s. d.) aufstellt, so wird das Thermometer in dem einen Brennpunkt durch eine heiße Kugel in dem andern Brennpunkt erwärmt, durch eine kalte Masse in diesem abgekühlt. Die Wirkung ist auf der Strecke zwischen den beiden Brennpunkten nicht merklich und verschwindet, wenn man einen Schirm z. B. zwischen das Thermometer und den zugehörigen Spiegel stellt, wodurch die Strahlen abgefaßt werden. Bezüglich der Durchlässigkeit und Absorption gegenüber den Wärmestrahlen zeigen die einzelnen Körper sehr verschiedenes Verhalten. (S. auch Diatherman.)

Strahlenfigur, s. Zelle II.

Strahlenkörper, beim Auge, s. Ciliarkörper.

Strahlenpilz, s. Aktinomykose.

Strahlenstärke, s. Strahl und Stärkemehl.

Strähler, s. Schraubenschneidemaschine.

Strahlerz, Abichit, ein in monoklinen säulenförmigen Krystallen, auch in keilförmigen und halbkugeligen Aggregaten auftretendes Mineral, außen schwärzlich blaugrün, innen dunkel spangrün. Chemisch ist es ein wasserhaltiges Kupferarseniat von der Formel Cu3(AsO4)2+3Cu(OH2). S. findet sich in Cornwall, bei Tavistock in Devonshire und zu Saida in Sachsen.

Strahlfäule beim Pferde, ein Fäulnisprozeß des Horns in der Strahlfurche des Hufes, entsteht bei Pferden, die längere Zeit unthätig im Stalle