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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Strontium - Strophe

Strontium (chem. Zeichen Sr, Atomgewicht 87,5), ein Metall, das für sich und in seinen Verbindungen große Ähnlichkeit mit Calcium und Baryum besitzt, gelb aussieht, härter als Blei und dehnbar ist, in der Rotglühhitze schmilzt und beim Glühen an der Luft mit glänzendem Lichte verbrennt. An trockner Luft bleibt es unverändert. Wasser wird von S. unter lebhafter Entwicklung von Wasserstoffgas zersetzt. Man stellt das Metall durch elektrolytische Behandlung von geschmolzenem Chlorstrontium dar. In der Natur kommt es in den beiden Mineralien Cölestin (s. d.) und Strontianit (s. d.) vor. Die Strontiumverbindungen färben beim Verdampfen die nichtleuchtende Flamme lebhaft karminrot, weshalb einige derselben zur Bereitung des roten Bengalischen Feuers benutzt werden. (S. Strontiumcarbonat, Strontiumchlorid, Strontiumnitrat, Strontiumoxyd, Strontiumsulfat.) Das Spektrum des S. s. auf Tafel: Spektralanalyse.

Strontiumacetat, s. Essigsaure Salze 3.

Strontiumcarbonat, kohlensaures Strontium, SrCO3, kommt als Mineral Strontianit (s. d.) vor, entsteht als in Wasser unlöslicher weißer Niederschlag beim Einleiten von Kohlensäure in eine Lösung von Strontiumhydroxyd oder beim Vermischen von Lösungen von Strontiumsalzen mit kohlensaurem Natrium.

Strontiumchlorid, Chlorstrontium, SrCl2, wird durch Einwirkung von Chlorwasserstoffsäure auf Strontiumcarbonat gewonnen und krystallisiert aus der wässerigen Lösung mit 6 Molekülen Krystallwasser in farblosen hexagonalen Säulen, verwittert an der Luft, löst sich leicht in Wasser und Alkohol und färbt die Flamme rot; man benutzt es in der Feuerwerkerei und der Mineralwasserfabrikation.

Strontiumhydroxyd, s. Strontiumoxyd.

Strontiumnitrat, salpetersaures Strontium, Sr(NO3)2, entsteht beim Lösen von Strontiumcarbonat in Salpetersäure, scheidet sich aus der heißgesättigten wässerigen Lösung in schönen Krystallen, die in Alkohol unlöslich sind (Unterschied von Calciumnitrat), aus. Das S. ist der Hauptbestandteil des roten Bengalischen Feuers (s. d.).

Strontiumoxyd, Strontian, Strontianerde, SrO, entsteht beim Glühen von Strontiumcarbonat oder im kleinen leichter von Strontiumnitrat. Es verbindet sich unter lebhafter Wärmeentwicklung mit Wasser zu Strontiumhydroxyd, Sr(OH)2, das in kochendem Wasser leicht löslich ist und aus der gesättigten Lösung in großen farblosen Krystallen, Sr(OH)2 + 8H2O, anschießt. Es findet Verwendung bei der Melassenentzuckerung (s. d.).

Strontiumsulfat, schwefelsaures Strontium, SrSO4, als Mineral Cölestin (s. d.), entsteht als in Wasser sehr schwer löslicher weißer Niederschlag beim Vermischen von löslichen Strontiumsalzen mit schwefelsauren Salzen.

Strophaden, jetzt Stamphanäs, auch Strivali, kleine Inselgruppe im Ionischen Meere, 45 km südlich von Zante, mit 60 E., meist Mönchen eines befestigten Klosters; hier ist nach Virgil der Wohnsitz der Harpyien.

Strophanthin, ein krystallinisches, sehr bitter schmeckendes, in Wasser und Alkohol leicht lösliches stickstofffreies Glykosid, das sich in den Samen von Strophantus hispidus DC. (nach andern Strophantus kombé Oliv., s. Strophanthus) vorfindet und zur Klasse der Muskelgifte gehört. In kleinern Gaben steigert es die Kontraktilitat der Muskeln, insbesondere des Herzmuskels, und wird deshalb neuerdings gleich dem Fingerhut gegen Herzschwäche und organische Herzleiden mit großem Vorteil benutzt; in größern Gaben führt es schnell tödliche Muskelstarre herbei. Aus den Samen wird die Strophanthustinktur (s. d.) bereitet, die in gleicher Weise wie das S. therapeutisch verwendet wird.

Strophanthus, Pflanzengattung aus der Familie der Apocynaceen (s. d.) mit zahlreichen Arten in den afrik. und asiat. Tropenländern, sehr rasch wachsende milchsaftführende strauchartige Schling- und Klettergewächse mit länglich-elliptischen bis eiförmigen glatten oder behaarten Blättern und gablig-doldenförmigen Blütenständen. Die Blumenkronlappen besitzen ein eigentümliches mehr oder weniger langes, seilartig gedrehtes Anhängsel. Die Früchte sind meist paarweise stehende Balgkapseln, gelb bis braun gefärbt, nach der Spitze sich verschmälernd und bei der Reife in einer Längsspalte aufspringend. Sie enthalten 100-200 und mehr Samen von verschiedener Färbung und Behaarung, 3-5 mm breit, 1,5 cm lang, mit einer verschieden langen, zierlich aussehenden, leicht abbrechenden Federkrone. Sämtliche Arten enthalten ein als Herzgift wirkendes Glukosid, Strophanthin; einige werden von den Eingeborenen bei der Bereitung von Pfeilgiften (s. d.) benutzt. Das Deutsche Arzneibuch hat die Samen (Semina Strophanthii) von S. hispidus DC. (braune Strophanthussamen) und von S. kombé Oliv. (grüne Strophanthussamen, Kombésamen) aufgenommen. Außerdem kommen im europ. Handel zeitweise die Samen von S. glaber Blondel (Gabun), S. languinosus Blondel (Sambesi) und die Samen einer unbekannten Art vom Niger vor.

Strophanthustinktur (Tinctura Strophanthi) ein neuerdings vielfach gebrauchtes Arzneimittel gegen Herzleiden. Sie wird erhalten durch Ausziehen von 1 Teil Strophanthussamen, der durch Pressen vom fetten Öle befreit ist, mit 10 Teilen verdünntem Weingeist.

Strophe (grch.), in der Poesie, insbesondere in der lyrischen, eine größere rhythmische Periode, die durch Verbindung mehrerer Verse zu einem Ganzen entsteht. Die Alten nannten eine Verbindung von mehrern Versen ein System und bezeichneten ein System dann als S., wenn es in völlig gleicher Form ein zweites Mal oder öfter wiederholt wurde. Von zwei gleichen Systemen, die einander gegenüber standen, hieß das erste die S., das zweite die Antistrophe (Gegenstrophe). Die Anfänge der Strophenbildung liegen bei Archilochus vor, der sich auf zwei- oder dreizeilige S. beschränkte. Auch die äol. Lyriker und Anakreon hatten nur S. von wenigen Reihen. Umfangreichere Strophengebäude schuf erst die chorische Lyrik, insbesondere Stesichorus, und die Tragödie. S., deren Verse einander gleich sind, hießen Monokola; solche, in denen zwei, drei und vier Versarten wechselten, Dikola, Trikola und Tetrakola.

Im Strophenbau der modernen Nationen spielt der Reim eine maßgebende Rolle: durch künstliche und verwickelte Reimverschlingungen sind da zum Teil höchst umfängliche Strophengebäude entstanden, wie die ital. Canzone und die S. der deutschen Meistersinger. In der altgerman. Dichtung bestehen die beliebtesten S. aus vier allitterierenden Langzeilen (s. d.), eine Form, die sich, mannigfach verwandelt, noch in den S. des mittelhochdeutschen Volksepos widerspiegelt, so in der Nibelungenstrophe (s. d.); auch eine vierzeilige Mischung von Lang- und