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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stuart; Stubaier Ferner,; Stubaier Gruppe; Stubaithal; Stubbenkammer

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Stuart (John MacDonall) - Stubbenkammer

Verbannung starb, war in erster Ehe mit Anna Hyde, Tochter des Grafen Clarendon, verheiratet, die ihm zwei Töchter, die spätern Königinnen Maria und Anna, gebar. Aus der zweiten nach Jakobs Übertritt zur kath. Kirche geschlossenen Ehe mit Maria von Este entstammten der gleichfalls kath. Prinz Jakob Eduard (s. d.) und eine Tochter, Marie Louise, die 1760 unvermählt starb. Außerdem hinterließ Jakob II. von Arabella Churchill, der Schwester Marlboroughs, den unehelichen Sohn Jakob, Herzog von Berwick (s. d.) und Fitzjames, von dem die Fitzjames in Frankreich abstammen.

Nachdem das engl. Parlament 1688 Jakob II. des Throns verlustig erklärt hatte, gingen die drei Kronen auf Jakobs älteste, prot. Tochter Maria (s. d.) und deren Gemahl, Wilhelm III. von Oranien, über. Wilhelm III. brachte nach dem kinderlosen Tod seiner Gemahlin (1695) mit dem engl. Parlament die Successionsakte vom 12. Juni 1701 zu stande, nach der den kath. Gliedern des Hauses S. das Thronrecht abgesprochen und die Erbfolge den prot. Nachkommen Jakobs I. zugesichert wurde. - Vgl. Nippold, Die Regierung der Königin Mary S. (Hamb. 1895).

Nach Wilhelms III. Tod (1702) bestieg Anna (s. d.), die zweite Tochter Jakobs II., den Thron, nach deren Tod (1714) die Successionsakte von 1701 in Kraft trat. Damit ging die Krone über auf den einzigen prot. Enkel der pfälz. Kurfürstin Elisabeth, den Kurfürsten von Hannover, der als Georg I. (s. d.) den engl. Thron bestieg.

Der kath. Sohn Jakobs II., Jakob Eduard (s. d.), nahm als Kronprätendent den Namen Jakob III. an. Er war vermählt mit Maria Sobieska und starb 1766. Sein ältester Sohn Karl Eduard (s. d.) lebte nach erneuten Versuchen zur Herstellung der Dynastie als Graf von Albany in Italien und starb ohne eheliche Nachkommenschaft 30. Jan. 1788 zu Rom. (S. Albany, Louise, Gräfin von.) Dessen einziger Bruder Heinrich Benedikt, der 1747 die Kardinalswürde erhielt, legte sich hierauf den Königstitel bei. Dieser letzte männliche Nachkomme des königl. Hauses S. lebte von einem Jahrgelde, das ihm der brit. Hof gab. Er starb 13. Juli 1807 zu Frascati. Georg IV. ließ ihm in der Peterskirche zu Rom durch Canova ein Denkmal errichten. Die wertvollen Familienpapiere, die er besaß, kaufte die brit. Regierung an und ließ sie veröffentlichen ("S. Papers", Lond. 1847).

Von andern Zweigen der Familie S. leben noch zahlreiche Glieder in Schottland, England und Irland. Sir John S., ein natürlicher Sohn Roberts II., war der Ahnherr der Marquis und Grafen von Bute, Lord Wharncliffes und Lord S. de Rothesays. Von den S. von Bonkyll stammen die Lords Blantyre und Douglas, die Grafen von Galloway und die Marquis von Londonderry; von Elisabeth, Tochter des Regenten Murray und Gemahlin Sir James S.s von Doune, die heutigen Grafen von Murray oder Moray. Außerdem leiten die Grafen von Traquair ihren Ursprung von einem natürlichen Sohne des Grafen James von Buchan, Stiefbruders König Jakob II., ab.

Vgl. Vaughan, Memorials of the S. dynasty (2 Bde., Lond. 1831); Campana de Cavelli, Les derniers S. à Saint-Germain-en-Laye (2 Bde., Par. 1871); O. Klopp, Der Fall des Hauses S. und die Succession des Hauses Hannover u. s. w. (14 Bde., Wien 1875-88).

Stuart (spr. stjuh'rt), John MacDonall, Entdeckungsreisender, geb. 1818 in Schottland, begleitete 1844-46 Sturt auf dessen Expedition, erforschte 1858 mit Forster das südaustral. Gebiet westlich vom Torrenssee, umwanderte das Stuartgebirge, erreichte südlich den See Younghusband, erstieg den Mount-Finke und gelangte südlich zur Küste. 1839 erforschte S. das Land zwischen dem Torrens- und dem Eyresee und das Flußgebiet des Neales. Zwei Versuche, den austral. Kontinent von Süden nach Norden zu durchwandern, mißglückten kurz vor Erreichung des Ziels. Endlich (1862) gelang S. die Durchschneidung des Festlandes; die Expedition erreichte den Oberlauf des in den Carpentariagolf mündenden Roper und, von da über das Gebirge nach Nordwesten wandernd und den Adelaidefluß bis zur Mündung verfolgend, die Südwestecke des Vandiemengolfs. Nach Adelaide noch 1862 zurückgekehrt, starb S. 5. Juni 1866 in Nottingham-Hill. Hardman gab heraus: "Explorations in Australia. The journals of John Mac Donall S. during the years 1858-62" (2. Aufl., Lond. 1864).

Stubaier Ferner, s. Stubaithal.

Stubaier Gruppe, s. Ostalpen.

Stubaithal, Hochthal der gleichnamigen Alpengruppe im Tiroler Bezirk Innsbruck, zweigt bei Schönberg an der alten Brennerstraße vom Wippthal ab und zieht sich, 40 km lang, bis zum Fuße der Stubaier Ferner hinauf, die mit ihren höchsten Spitzen den Hintergrund bilden. Links wird das Thal von der Kette der Villerspitzen (3095 m), des Hohen Burgstall (2609 m) und der Saile (2402 m) umrahmt, rechts vom Habicht (3274 m), dem Kirchdach und dem Serlesspitz (2715 m). Der vom Ruderhofspitz auslaufende Grat der Brennerspitzen (3022 m) teilt die obere Stufe in zwei Zweigthäler. Das Thalwasser, der wilde Rußbach, entspringt mit zwei Quellen aus dem Gletschercirkus der Mutterberger Alp, empfängt rechts, den Bach der Sulzenau und den Bach des Langenthals, links den Alpeiner Bach und mündet 8 Km südlich von Innsbruck in die Sill. Das Thal ist reich an Wald und Weide; in der Thalsohle, die in der untersten Stufe 2 bis 3 km breit ist und sich 900-1000 m ü. d. M. erhebt, liegen stattliche Dörfer; der Getreidebau steigt bis 1150 m an; Alptriften ziehen sich fast bis zu den Gletscherzungen hin. Der Sitz des Bezirksgerichts ist in Mieders (395 E.), Vulpmes (1079 E.) ist Mittelpunkt des gewerbthätigen Lebens, Neustift (1217 E.) Ausgangsstation für die Gebirgstouren. Hinter Neustift gabelt sich das Thal; rechts zieht das 24 km lange Oberberg- oder Alpeiner Thal bis zur Grenzkette des Ötzthals hinauf und endet mit dem Gletschercirkus der Alpeiner Alm (2043 m). Das Unterbergthal, die Fortsetzung des Hauptthals, zieht nach Südwesten und ist wegen seiner kühnen Bergformen, seiner Wasserfälle und Gletscherpracht der interessanteste Teil des S. - Vgl. Stubai, Thal und Gebirge, Land und Leute, hg. durch die Gesellschaft von Freunden des Stubaithales (Lpz. 1891).

Stubbenkammer, Vorgebirge im NO. der Insel Rügen, auf der Halbinsel Jasmund (s. d.). Die Große S., d. h. steinerne Treppe (poln. stopień, Stufe, kamień, Stein), ist ein senkrecht abfallender Kreidefels, dessen höchster Punkt, 133 m hoch, der Königsstuhl heißt. Jenseit einer Schlucht, zu der 600 eingegrabene Stufen hinabführen, liegt weiter ostwärts die Kleine S., nicht so hoch, aber fast noch steiler.