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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sugambrer; Suganathal; Suger; Suggerieren; Suggestibilität; Suggestion

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Sugambrer - Suggestion

Nach der Lehre des S. ist die Welt eine Emanation Gottes, der überall und in allem ist. Gott ist das allein existierende Wesen. Das Ziel des Lebens ist das Aufgehen in Gott. Zu diesem Ziele gelangt man vermittelst verschiedener aufeinander folgender Vollkommenheitsstufen, deren successive Erreichung den Inhalt des Lebens im Sinne des S. bildet. Vom Gesetz ausgehend gelangt man durch stufenweise Vervollkommnung, innerhalb deren den ekstatischen Zuständen (Hal) eine große Rolle zukommt, endlich zur Vereinigung mit Gott, welche das Ziel des S. ist. Innerhalb der Bestrebungen des S. verliert das Gesetz des Islams sowie das konfessionelle Leben überhaupt allen Wert und alle Bedeutung. Um auf dem Boden des Islams möglich zu bleiben, hat der S. zu einer allegorischen Deutung des Gesetzes seine Zuflucht genommen. Wie hinsichtlich der Formulierung der pantheïstischen Lehre, so bieten die verschiedenen Kreise des S. auch hinsichtlich ihres Verhältnisses zum Ritualgesetz Abstufungen dar. Während die einen sich äußerlich an das Gesetz halten, verkünden andere öffentlich die Lossagung von demselben. Es giebt demgemäß zweierlei Derwischorden, welche, je nach ihrem Verhältnis zum Ritualgesetz, mit dem pers.-arab. Namen Ba-schar (mit Gesetz) und Bi-schar (ohne Gesetz) bezeichnet werden. Wegen seiner pantheïstischen Lehren sowie auch wegen seines Verhältnisses zu dem Gesetz traten die orthodoxen Theologen dem S. feindlich gegenüber. Dies Verhältnis führte bereits sehr früh zur Verfolgung der Autoritäten der pantheïstischen Ketzerei. Unter diesen ist der berühmteste ein Wollkrempler Namens Hallâdsch, der die Inkarnation Gottes im vollkommenen Menschen lehrte und im pantheïstischen Sinne die Worte sprach: Ich bin die Wahrheit (d. i. Gott). Seiner Lehren wegen wurde er 922 hingerichtet. Viele orthodoxe Autoritäten, unter welchen Ghazali (s. d.) der bedeutendste ist, bestrebten sich, den Formalismus der mohammed. Gesetzlehre mit sufischen Ideen zu durchdringen, und schufen ein zwischen S. und Islam vermittelndes System. Korporative Vertretung findet der S. in den zahlreichen Orden der Derwische (s. d.), welche in ihren Regeln und Lehren die verschiedenen Richtungen des S. darstellen. In ihnen ist aber auch der Mißbrauch hervorgetreten, den arbeitsscheue Menschen und Landstreicher mit den tief angelegten Lehren des S. treiben.

Außer den systematischen Darstellungen seiner Lehren hat der S. die Poesie stark beeinflußt, namentlich die pers. Poesie. Die bedeutendsten Vertreter dieser mystischen Poesie sind Senai, Ferid ed-dîn Attar (der Verfasser des Mantik al-tair), Dschelal ed-dîn Rumi (der Verfasser des Mesnewi), Hafis, Dschami u. a. In der arab. Litteratur ist ihr bedeutendster Vertreter Omar ibn el-Fâridh.

Über die Lehren und Geschichte des S. vgl. Malcolm, History of Persia, Bd. 1 (2. Aufl., Lond. 1829); Hammer-Purgstall, Geschichte der schönen Redekünste Persiens (Wien 1818) und in seiner Ausgabe von Omar ibn el-Faridhs Taije (ebd. 1854); Silvestre de Sacy in den "Notices et extraits tirés de la Bibliothèque du Roi", Bd. 12 (Paris); Tholuck, Ssufismus sine teosophia Persarum patheistica (Berl. 1821); ders., Blütensammlung aus der morgenländ. Mystik (ebd. 1825); Garcin de Tassy in der Ausgabe von Izz el-dins Oiseaux et les fleurs und von Ferid ed-din Attars Mantik el-tair (Par. 1863); Edw. Palmer, Oriental mysticism (Cambr. 1867); Kremer, Geschichte der herrschenden Ideen des Islams (Lpz. 1868). Ein kurzes Kompendium der Lehre des S. gab Krehl (Omar ben Suleimâns Erfreuung der Geister, türkisch und deutsch, ebd. 1848) mit Anmerkungen heraus.

Sugambrer, Volksstamm, s. Sigambern.

Suganathal (Val Sugana), ein von der Brenta durchströmtes Thal in Tirol, zwischen der Cima d'Asta-Gruppe und den Belluneser Hochalpen im N. und den Vicentinischen Alpen im Süden (s. Ostalpen), ist in dem flachen Thalsattel von Pergine (482 m) nordwärts gegen das Thal der Fersina geöffnet, welche bei Trient in die Etsch mündet. Unmittelbar südlich von der Wasserscheide liegen die Seen von Caldonazzo (447 m) und Levico. Das Thal ist reich an Maulbeerbäumen und Reben. Hauptort ist Borgo (s. d.). Das Thal, anfangs breit, folgt gegen Osten einer tektonischen Linie, wendet sich später in enger Schlucht südlich und mündet bei Bassano in die oberital. Ebene. Die Suganathalbahn oder Val-Sugana-Bahn (65,135 km; 1896 eröffnet), eine Lokalbahn von Trient nach Tezze an der ital. Grenze, geht von Trient (192,5 m) zuerst im Thale des Suganaflusses und ersteigt die Wasserscheide (471 m) zwischen Etsch und Brenta, auf welcher Strecke (10 km) zahlreiche Kunstbauten und Tunnels angelegt sind. Die Anlagekosten betragen 6 Mill. Fl.

Suger (spr. ßüschähr), Abt von St. Denis, franz. Staatsmann, von niedriger Herkunft, trat 1196 zuerst im Dienste der Abtei St. Denis, dann 1118 und 1121 als Gesandter König Ludwigs VI. beim Papst hervor. Er wurde 1122 Abt und spielte bald eine wichtige und für die erstarkende franz. Monarchie nützliche Rolle als Freund und erster Berater des Königs. Auch dessen Sohn Ludwig VII. vertraute dem bewährten Minister ganz und ließ ihn als Reichsverweser zurück, als er 1147 ins Heilige Land zog. Kraftvoll wahrte S. die Rechte des Königs gegenüber der Willkür der Feudalherren. Als Ludwig VII. nach vielen Verlusten ohne Erfolg heimkehrte (1149), rüstete S., ursprünglich kein Freund des Kreuzzugs, zu einem zweiten, starb aber 13. Jan. 1151. S. hat sich auch als Geschichtschreiber ausgezeichnet, indem er eine "Vita Ludovici VI" (hg. von Molinier, Par. 1887) verfaßte. - Vgl. Combes, L'abbé S. Histoire de son ministère et the son régime (Par. 1853); Huguenin, S. et la monarchie française au 12e siècle (ebd. 1857).

Suggerieren (lat.), eingeben, an die Hand, unter den Fuß geben, beeinflussend veranlassen (s. Suggestion).

Suggestibilität (neulat), Empfänglichkeit für die Suggestion (s. d.).

Suggestion (lat.), ursprünglich die Erweckung einer Vorstellung durch eine andere ("Suggestionsgesetz") der schott. Psychologenschule), wurde zuerst von Braid als Bezeichnung für gewisse Erscheinungen in der Hypnose eingeführt. Wie schon im gewöhnlichen Leben durch Sinneseindrücke gewisse entsprechende Gefühle (z. B. beim Anblick von Ungeziefer Hautjucken) entstehen können, wie andererseits durch Gefühle (z. B. Angst) allerhand Vorstellungen ängstlicher Art ausgelöst werden, so finden sich derartige Wechselwirkungen ganz besonders in dem hypnotischen Zustande, wo die Suggestibilität gesteigert ist, wenigstens in gewissen Formen derselben. Bringt man z. B. die Hände eines Hypnotisierten in die Haltung wie beim Gebet, so entsteht in demselben lebhaft die Vorstellung des Betens, das Gesicht drückt eine andächtige Stimmung aus, die nicht