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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Suspekt - Sussex (Grafschaft)

daß er recht eigentlich als Vertreter der schwärmerischen Mystik gelten darf. Seine Werke verbreiteten sich rasch und weit und wurden ins Lateinische, Französische, Italienische und Holländische übersetzt. Von der deutschen Sammlung giebt es zwei alte Ausgaben mit Holzschnitten (Augsb. 1482 u. 1512) und zwei neuhochdeutsche Übersetzungen von Diepenbrock (S.s Leben und Schriften, Regensb. 1829; 4. Aufl. 1884) und von Denifle (Seuses Schriften, Münch. 1876-80). Die "Briefe" S.s gab Preger heraus (Lpz. 1867). Eine sorgsame lat. Übersetzung lieferte Surius (Köln 1855 u. ö.). - Vgl. Böhringer, Die Kirche Christi und ihre Zeugen, Bd. 18 (neue Ausg., Stuttg. 1877); Preger, Geschichte der deutschen Mystik, Tl. 2 (Lpz. 1881); ders., Eine noch unbekannte Schrift S.s (Münch. 1896); Vetter, Ein Mystikerpaar des 14. Jahrh., Schwester Stagel in Töß und S. (Bas. 1882); Bevan, Trois amis de Dieu (Lausanne 1890); Th. Jäger, Heinrich Seuse (Bas. 1893).

Suspekt (lat.), verdächtig.

Suspendieren (lat.), schwebend aufhängen; einstweilig außer Wirksamkeit setzen, zeitweilig aufheben (s. Suspension). In der Studentensprache heißt eine Verbindung suspendiert, die zeitweilig nicht besteht. Die Suspension ist entweder durch die geringe Anzahl der Mitglieder veranlaßt, oder vom Universitätsgericht als Strafe verhängt.

Suspension (lat.), die vorübergehende Entfernung eines Geistlichen, Lehrers, Beamten oder Advokaten von seinem Amte oder der Praxis, welche wegen einer gegen denselben eingeleiteten Untersuchung verhängt und je nach deren Ausgange entweder wieder aufgehoben oder in gänzliche Entfernung, Absetzung, verwandelt wird.

Suspensiv (lat.), aufschiebend, daher suspensive Rechtsmittel (s. d.) solche, welche die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des Urteils hindern. Die Wirkung der Einlegung bezeichnet man als Suspensiveffekt. (S. Berufung und Rechtsmittel.) - Suspensivbedingung, soviel wie Aufschiebende Bedingung (s. d.).

Suspensorium (lat.), Tragbeutel, ein beutelförmiges Verbandstück zur Unterstützung der erkrankten Hoden.

Susquehanna, der größte Fluß des Staates Pennsylvanien in Nordamerika, bildet sich aus zwei Hauptarmen. Der Ost-Susquehanna entspringt im Staate Neuyork, westlich von Albany, und nimmt das Wasser des Otsegosees und den Chenango, weiter westwärts den Tioga oder Chemung auf. Der wasserreichere West-Susquehanna entsteht innerhalb des Alleghanygebirges im westl. Pennsylvanien. Nach der Vereinigung bei Sunbury flieht der S. erst südlich bis zur Mündung des Juniata, oberhalb Harrisburg, dann gegen Osten und ergießt sich bei Havre-de-Grace in das nördl. Ende der Chesapeakebai. Obgleich 730 km lang, hat er doch als Wasserstraße nur geringe Bedeutung. Oberhalb Port-Deposit (8 km), der obern Grenze der Ebbe und Flut, ist er wegen der Stromschnellen u. s. w. nicht einmal durch Boote zu befahren. Wichtig ist er für den Transport von Bauholz; auch begleiten ihn schiffbare Kanäle. Er ist reich an Fischen.

Sueß, Eduard, Geolog und Paläontolog und österr. Abgeordneter, geb. 20. Aug. 1831 zu London, studierte in Prag und Wien, wurde 1852 Assistent am Hofmineralienkabinett und 1857 außerord., 1867 ord. Professor der Geologie an der Universität Wien. Seit 1867 ist er auch ordentliches Mitglied, seit 1893 Vicepräsident der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. S. hat in Fachzeitschriften eine Reihe Arbeiten veröffentlicht, die sich namentlich auf die Stratigraphie der Alpen, auf die Organisation und Systematik der Brachiopoden, auf die Geologie Italiens beziehen. Von seinen selbständigen Schriften sind zu nennen: "Der Boden der Stadt Wien" (Wien 1862), "Die Entstehung der Alpen" (ebd. 1875), "Die Zukunft des Goldes" (ebd. 1877), "Die Zukunft des Silbers" (ebd. 1892), "Das Antlitz der Erde" (2 Bde., Prag und Lpz. 1885-88). Seit 1869 Mitglied des niederösterr. Landtags und 1870-74 Mitglied des Landesausschusses und als solches mit der thatsächlichen Durchführung der neuen Volksschulgesetzgebung in Niederösterreich beschäftigt, hat S. nach dieser Richtung hin eine Reihe von pädagogischen Gutachten und Aufsätzen veröffentlicht. 1873-96 war S. Mitglied des österr. Abgeordnetenhauses und gehörte hier zur liberalen Verfassungspartei. Als Gemeinderat der Stadt Wien (seit 1863) hatte S. hervorragenden Anteil an den die Donau und die städtische Wasserversorgung betreffenden Arbeiten.

Süß, Hans, Maler, s. Kulmbach.

Süß, Joseph, württemb. Finanzmann, meist Jud' Süß genannt, s. Süß-Oppenheimer.

Sussanin, Iwan, russ. Bauer aus dem Dorfe Domnina im Gouvernement Kostroma. Er rettete, nach der von Kostomarow als unhistorisch nachgewiesenen Tradition, 1613 dem neu gewählten Zaren Michael Romanow das Leben, indem er eine Abteilung Polen, welche den Zaren suchte, um ihn zu ermorden, absichtlich in einer falschen Richtung führte. S. mußte dafür mit seinem Leben büßen. Seinen Nachkommen, unter dem Namen Bjelopaschzy (s. d.), wurden dafür Privilegien und Rechte gewährt. Die That selbst bildet den Stoff zu Glinkas Oper "Das Leben für den Zaren" (1836).

Süßapfel, s. Strauchäpfel.

Süßbrand, der zum Schwefeln (s. d.) der Weinfässer und des Weinmostes dienende vollkommen reine, namentlich arsenfreie Schwefel. Er kommt als Täfelchen in den Handel, die als Schwefelschnitte oder Süßbrandschnitte bezeichnet werden.

Süßerde, soviel wie Beryllerde (s. Beryllium).

Süßer See, s. Salziger See.

Süßes Verfahren, in der Stärkefabrikation, s. Stärkemehl.

Sussex (spr. ßöss-), Grafschaft an der Südküste Englands, hervorgegangen aus dem 491 von Ella gestifteten Königreich der Südsachsen oder Suthseaxe (Suthsaxonia), wozu auch Sudrige, das jetzige Surrey (s. d.) gehörte, wird im N. von letzterm, im NO. von Kent, im S. vom Kanal, im W. von Hampshire begrenzt und zählt (1891) auf 3776,67 qkm 550 442 E., d. i. 146 auf 1 qkm und eine Zunahme von 12,2 Proz. gegen 1881. Kreidehügel unter dem Namen South-Downs (südl. Dünen) treten in die Grafschaft ein und erstrecken sich, allmählich der Küste näher tretend und unweit Lewes noch 248 m hoch, bis zu dem 159 m hohen Vorgebirge Beachy-Head. Sie bilden einen reichen Weidebezirk von 200 qkm. Der Strich zwischen den Kreidehügeln und der Küste ist überaus fruchtbar. Nördlich von ihnen zieht das Thal des Wealds. An 600 qkm des Wealds sind mit den Resten eines Eichenforstes bedeckt, der in alten Zeiten unter dem Namen Andredesleag die ganze Grafschaft einnahm und Schiffbauholz lieferte. Schiffbare Flüsse sind der Arun mit