Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Syllabus; Syllepsis; Syllogismus; Sylphen; Sylt

537

Syllabus - Sylt

Syllabus (grch.), im spätern Latein, namentlich der christl. Schriftsteller, ein Inhaltsverzeichnis, eine Aufzählung. In neuerer Zeit wurde der Ausdruck durch den S. Pius' IX., ein Verzeichnis aller angeblichen Irrlehren der Gegenwart, populär, der der päpstl. Encyklika (s. d.) vom 8. Dez. 1864 beigegeben war.

Syllepsis (grch.), eine grammatische Figur, bei der ein Attribut oder Prädikat auf zwei oder mehrere, in Person, Geschlecht und Numerus verschiedene Subjekte bezogen wird.

Syllogismus (grch.), eine Hauptart des mittelbaren Schlusses, d. h. desjenigen, der aus einer Mehrzahl gegebener Urteile ein neues ableitet. Die voraus gegebenen Urteile heißen Vordersätze oder Prämissen des S. Der einfache S. hat deren zwei; jeder S. aus mehr als zwei Prämissen läßt sich aus eine Reihe von S. von je zwei Prämissen leicht zurückführen. Der aus den Prämissen neu zu gewinnende Satz heißt Schlußsatz. Von den beiden Vordersätzen des einfachen S. muß der eine das Prädikat, der andere das Subjekt des Schlußsatzes als Prädikat oder Subjekt enthalten; der andere Bestandteil beider Prämissen (der im Schlußsatz fehlt) muß ein gemeinsamer sein. Derjenige Vordersatz, welcher das Prädikat des Schlußsatzes enthält, heißt Obersatz (propositio major), derjenige, welcher das Subjekt desselben enthält, Untersatz (propositio minor); der den beiden Prämissen gemeinsame Begriff, welcher die Verknüpfung von Subjekt und Prädikat im Schlußsatz vermittelt, heißt Mittelbegriff. Die Lehre vom S. (Syllogistik) ist von Aristoteles zuerst entwickelt, von den Stoikern vervollständigt und seitdem von den Logikern mit fast überflüssiger Subtilität ausgebaut worden. Nach der Stellung der drei Begriffe oder Termini, welche die Elemente (Grundbestandteile) des S. bilden, in den beiden Prämissen unterscheidet man vier Schlußfiguren. Im Schluß der ersten Figur ist das Prädikat des Schlußsatzes zugleich Prädikat des Obersatzes und das Subjekt des Schlußsatzes zugleich Subjekt des Untersatzes, durch geeignete Umformung kann aber das Prädikat des Schlußsatzes im Obersatze zum Subjekt, das Subjekt des Schlußsatzes im Untersatz zum Prädikat werden, woraus dann durch Kombination die vier möglichen Stellungen beider sich ergeben. Bezeichnet man Subjekt und Prädikat des Schlußsatzes mit S und P, den Mittelbegriff mit M, so lassen sich die vier Figuren durch folgendes Schema verdeutlichen:

^[Leerzeile]

I II III IV

MP PM MP PM

SM SM MS MS

SP SP SP SP

^[Leerzeile]

Je nachdem man in jeder dieser Arten allgemeine oder partikulare, bejahende oder verneinende Urteile zusammenstellt, ergeben sich die verschiedenen Modi der einzelnen Figuren. Die Modi der ersten Figur sind z. B. diese: 1) Obersatz, Untersatz und Schlußsatz allgemein bejahend; 2) Ober- und Schlußsatz allgemein verneinend, Untersatz allgemein bejahend; 3) Obersatz allgemein bejahend, Unter- und Schlußsatz partikular bejahend; 4) Obersatz allgemein verneinend, Untersatz partikular bejahend, Schlußsatz partikular verneinend. Beispiele (nach Überweg): ad 1) Alle Dreiecke mit beziehentlich gleichen Winkeln sind ähnliche Figuren, alle Dreiecke, deren Seiten einander proportional sind, sind Dreiecke mit beziehentlich gleichen Winkeln, also sind alle solche Dreiecke ähnliche Figuren, ad 2) Was vom Willen unabhängig ist, kann nicht durch Strafgesetze erzwungen werden, theoretische Überzeugung ist vom Willen unabhängig, sie kann also nicht durch Strafgesetze erzwungen werden, ad 3) Alle Quadrate sind geradlinige ebene Figuren; einige Parallelogramme sind Quadrate, also sind einige Parallelogramme geradlinige ebene Figuren, ad 4) Keine menschliche Schwachheit kann der Gottheit anhaften, einiges, was die Mythologie der Gottheit nachsagt, ist menschliche Schwachheit, also kann einiges von dem, was die Mythologie der Gottheit nachsagt, ihr nicht anhaften. Die Schlüsse der ersten Figur sind die wertvollsten und z. B. in der Mathematik oft gebraucht; auch lassen die übrigen Figuren, von denen namentlich die vierte ganz entbehrlich ist, sich leicht durch Umformung auf die erste zurückführen. Unter den Modi der ersten Figur sind wieder die beiden ersten die wichtigsten. Dem kategorischen Schluß, in dem Prämissen und Schlußsatz kategorische Urteile sind, hat man den hypothetischen und disjunktiven hinzugefügt, d. h. denjenigen, in welchem aus hypothetischen oder disjunktiven Sätzen gefolgert wird. Endlich können auch mehrere S. sich zu einer Schlußkette vereinigen, indem der Schlußsatz des einen S. zur Prämisse eines fernern wird u. s. w. Über die möglichen Schlußfehler s. Fehlschluß und Trugschluß.

Sylphen (grch.), Luftgeister, s. Elementargeister; die weiblichen heißen Sylphiden.

Sylt (Silt, vom altfries. Silendi, "Seeland"), eine zum Kreis Tondern des preuß. Reg.-Bez. Schleswig gehörige nordfries. Insel mit (1895) 4204 E., begrenzt das Wattenmeer und hat eine eigentümliche, in drei Halbinseln sich ausspreizende Gestalt (s. Karte: Hannover, Schleswig-Holstein, Braunschweig und Oldenburg, Bd. 8, S. 790). Ihre Länge beträgt 36, ihre Breite ½-12½ km. Der südlichste Punkt ist Hörnum-Odde, der nördlichste Ellenbogen. Die östlichste Spitze des etwa in der Mitte gegen das Festland vorgestreckten Zipfels heißt Nösse (Nös-Odde) und ist nur 10 km vom Festland entfernt. Im Süden wird S. durch das Vortrapptief (Fahrtrapptiefe) von Amrum und Föhr, im N. durch das Lister Tief von Röm geschieden. S. bedeckt 96 qkm und liegt durchschnittlich 18 m ü. d. M.; an einigen Stellen erheben sich die berühmten Lister Dünen bis zu 34 m, das Rote Kliff bei Kämpen sogar bis zu 46 m. Dünen und Sandklitten erfüllen mit geringer Ausnahme die südl. Halbinsel (Hörnum) wie die nördliche. Jetzt thut die preuß. Verwaltung sehr viel für die Erhaltung der Insel und die Befestigung der Dünen. Der mittlere Hauptteil enthält das beste Marsch- und Geestland. Man rechnet etwa 40 qkm auf urbares Land; alles übrige ist Heide. Auf der Geest findet man zahlreiche Grabhügel; einzelne kommen in der Marsch vor, und auch ein wohlerhaltener Ringwall, die sog. Burg beim Dorf Tinnum, liegt in der Marsch. S. ist in drei Kirchspiele geteilt und bildet einen Amtsgerichtsbezirk. Die Bewohner sprechen einen besondern nordfries. Dialekt, während seit der Reformation Kirchen- und Schulsprache deutsch ist. Die Männer, als tüchtige Seeleute bekannt, treiben auch Ackerbau, Viehzucht und Entenfang. Die fiskalische Austernzucht liegt gegenwärtig danieder. Der Hauptort ist Keitum (s. d.); der Hafen befindet sich bei dem 3 km nördlich gelegenen Munkmarsch, von wo eine Schmalspurbahn