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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tachometer; Tachopyrion; Tachygraphie; Tachyhydrit; Tachymeter; Tachypetes; Tachyphag; Tachyphonus; Tacitus

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Tachometer - Tacitus

Berlin hergestellte T. besteht aus einer Steinplatte (Lithographiestein), einer elastischen Platte und einer mit Druckerschwärze versehenen Farbenwalze. Die Schrift oder Zeichnung wird mit autographischer Tinte vermittelst einer Feder auf den Stein übertragen und dieser mit einem Präparat (gesäuertes Gummiarabicum) bestrichen, wodurch er außer an den Schriftstellen zur Aufnahme der Farbe der Farbenwalze unempfindlich gemacht wird. Durch Auflegen der elastischen Platte auf den Schriftstein erhält man auf derselben einen verkehrten Abdruck (Negativ) von der Steinschrift und von diesem durch Auflegen von Papier die fertigen Abdrücke. Die Steinschrift wird von Zeit zu Zeit (nach etwa 8 Abzügen) durch Überrollen mit der Farbenwalze eingeschwärzt. Der Stein und die elastische Platte werden zur Aufnahme neuer Schriftstücke mit Terpentinöl gereinigt und der erstere mit Bimsstein nachpoliert.

Tachometer (grch.), ein Instrument zum Messen von Geschwindigkeiten, insbesondere zur Bestimmung der Umdrehungszahlen rotierender Wellen. Unter den vielfachen Konstruktionen von T. haben diejenigen die weiteste Verbreitung gefunden, welche auf Anwendung eines Centrifugalpendels beruhen. (S. auch Regulator.)

Tachopyrion, griech. Bezeichnung für das pneumatische Feuerzeug (s. d.).

Tachygraphie (grch.), Schnellschreibekunst, s. Stenographie.

Tachyhydrit, ein bei Staßfurt vorkommendes, rhomboedrisch krystallisierendes, salzähnliches Mineral, das im dichten Anhydrit rundliche wachs- bis honiggelbe, durchscheinende Massen bildet, die sehr bald an der Luft zerfließen; seine chem. Zusammensetzung (Calcium-Magnesiumchlorid) wird durch die Formel CaMg2Cl.12H2O ausgedrückt, der 36,8 Proz. Chlormagnesium, 21,4 Chlorcalcium und 41,8 Wasser entsprechen.

Tachymeter (grch.), Tacheometer, ein in neuerer Zeit vielfach zu Geländeaufnahmen benutzter Theodolit (s. d.), der außer zum Messen von Horizontal- und Vertikalwinkeln auch zum Messen von Entfernungen (mittels einer Distanzlatte) bestimmt ist; auch hat derselbe meist eine Bussole. In dieser Gestalt dient das T. zur Bestimmung von Punkten nach ihrer horizontalen Lage und nach Höhe, indem es die zur Auftragung dieser Punkte in der Zeichnung erforderlichen Zahlenwerte mit Bezug auf den jedesmaligen Aufstellungspunkt des Instruments liefert. Bei der Arbeit mit dem T. werden die gemessenen Punkte in einem Handriß eingetragen, die ermittelten Zahlenwerte für die gemessenen Horizontal- und Vertikalwinkel sowie die Entfernung in tabellarischer Form notiert und später hieraus die Zeichnung des betreffenden Geländes konstruiert. - Vgl. Croy, Die Tachymetrie und ihre Anwendung bei der Aufnahme von Waldungen (Wien 1893).

Tachypetes, s. Fregattvogel.

Tachyphag (grch.), eine Art Sarg (s. d.).

Tachyphonus, Vogelgattung, s. Krontangaren.

Tacitus, Marcus Claudius, röm. Kaiser (vom 25. Sept. 275 bis April 276 n. Chr.), wurde vom Senat gewählt, dem die Armee nach der Ermordung Aurelians die Ernennung überließ. Er war ein hochangesehener, uneigennütziger Mann und zeigte den besten Willen, war aber mit seinen 75 Jahren zu schwach für die wilde Zeit. Nach verschiedenen Kämpfen mit Alanen und Goten in Nordkleinasien wurde T. unter dem Vorwand, daß er den Abzug der Barbaren erkauft habe, von seinen Soldaten erschlagen. Sein Bruder, der Gardepräfekt Florianus, folgte ihm, wurde aber nach drei Monaten im Kampfe gegen den spätern Kaiser Probus ebenfalls von den eigenen Truppen zu Tarsus getötet.

Tacitus, Cornelius, röm. Geschichtschreiber, geb. um 55 n. Chr. Ein Zusammenhang seiner Familie mit dem alten Adelsgeschlecht der Cornelier läßt sich nicht nachweisen. Nach eingehenden rhetorischen Studien wurde er, nachdem er sich 78 mit der Tochter des Gnäus Julius Agricola (s. d.) vermählt hatte, unter Titus 80 oder 81 Quästor, unter Domitian Tribun oder Ädil, 88 Prätor, 98 unter Nerva Konsul. Zwischen Prätur und Konsulat scheint er außerhalb Roms mit der Verwaltung einer Provinz beschäftigt gewesen zu sein. In späterer Zeit war er als Sachwalter thätig. Das Jahr seines Todes ist ungewiß, fällt aber nicht vor 117. Von den ihm zugeschriebenen Schriften rühren unbestritten vier von ihm her, nämlich "Agricola", "Germania", "Historiae" und "Annales", die alle unter Nerva und Trajan entstanden sind. Die Autorschaft des "Dialogus de oratoribus" ist kaum mehr bestritten; es sprechen überwiegende Gründe dafür, daß er dem jugendlichen T. zuzuweisen ist. Durch alle diese Schriften geht ein Zug der Opposition gegen seine Zeit, die fortwährend, direkt oder indirekt, an der als Ideal vorschwebenden republikanischen Vergangenheit gemessen wird. Der "Dialogus de oratoribus" ist von der Tendenz eingegeben, den Auswüchsen der zeitgenössischen Beredsamkeit die großen Redner der Republik als Muster vorzuhalten. Die Schrift "De vita et moribus Julii Agricolae", geschrieben 98, sollte zunächst dem Schwiegervater, dessen Tod nicht undeutlich dem Domitian schuld gegeben wird, ein Denkmal setzen, hatte aber auch den Zweck, zu zeigen, wie es einem wackern Manne möglich sei, unter einem Despoten zu dienen, ohne seine Würde und Unbescholtenheit zu verlieren. Das Buch "De origine situ moribus ac populis Germanorum" (gewöhnlich kurz "Germania" genannt), die älteste Beschreibung Germaniens und der Germanen, geschrieben ebenfalls 98, macht zunächst nur den Anspruch, eine ethnolog. Schilderung dieses für Rom so wichtigen Grenzlandes zu geben; aber das Bild unverdorbener Kraft und reiner Sitte, das darin den Zeitgenossen vorgehalten wird, soll zugleich ein Gegenbild gegen die Sittenlosigkeit des röm. Lebens sein. Die nach Inhalt, Umfang und Stil bedeutendsten Werke sind die unter Trajan geschriebenen "Historiae" und "Ab excessu divi Augusti" oder "Annales", zusammen 30 Bücher, von denen auf die "Historien" 14, auf die "Annalen" 16 kamen. Erhalten sind von den "Historien" nur Buch 1 bis 5,26, von den "Annalen" Buch 1-4, vom fünften die ersten Kapitel, vom sechsten der größte Teil, ferner Buch 11 (aber ohne den Anfang) bis 16,25. T. wollte ursprünglich die Regierungen von Neros Sturze bis Trajan schildern, gelangte aber nicht ganz an dieses Ziel, sondern nur bis zum Tode Domitians (96); der erhaltene Teil begreift sogar nur die J. 69 und 70. Statt der Fortsetzung griff er in den "Annalen" auf die Zeit von Tiberius bis Nero zurück und hat in der erhaltenen Beschreibung der Zeit des Tiberius, Claudius und Nero ein Gemälde des Despotismus voll typischer Bedeutung geliefert.

Der hervorragende Charakter seines Stils liegt in der gedrängten, gedankenreichen, oft übertriebenen und gewaltsamen Kürze und in der Vorliebe für