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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tagmaß - Tagus

wahre antike Kostüm einführte. Später wirkte er in Cassel, bis 1853 in Warschau. Er starb 11. Febr. 1871 am Comer See. Er ist der Verfasser vieler Ballette, unter denen sich "Sylphide" durch Erfindung, Poesie und sinnreiche choreographische Ausführung auszeichnet.

Marie T., Tochter des vorigen, geb. 23. April 1804 in Stockholm, trat 1822 in Wien, dann in Stuttgart und München, seit 1827 in der Großen Oper zu Paris mit größtem Beifall auf. 1832 wurde sie nach Berlin berufen, wo sie besonders als Bajadere in dem Balett gleichen Namens sich auszeichnete. Der ungemeine Beifall, den sie hier erntete, begleitete sie bei allen ihren Engagements in Deutschland, Frankreich, Italien, England und Rußland. 1832 verheiratete sie sich mit dem Grafen Gilbert de Voisins. Nachdem sie 1844 zu Paris, 1847 zu London zum letztenmal die Bühne betreten hatte, zog sie sich nach Italien zurück, wo sie in Venedig und am Comer See schöne Schlösser besaß; sie starb 23. April 1884 zu Marseille.

Paul T., Bruder der vorigen, geb. 12. Jan. 1808 in Wien, widmete sich in Paris im Collège Bourbon den klassischen Studien, später im Konservatorium unter Coulon sowie unter Leitung seines Vaters der Tanzkunst. Er betrat mit seiner Schwester Marie zugleich die Bühne in Stuttgart (1825), dann in Wien, München und seit 1827 in Paris mit großem Erfolg. 1829 fand er zu Berlin ein lebenslängliches Engagement und verheiratete sich hier mit der ersten Tänzerin, Amalie Galster, die fortan in Berlin wie auf Kunstreisen in Paris, London, Stockholm, Warschau u. s. w., selbst in Amerika die Triumphe des Gatten teilte, aber 1847 von der Bühne schied. Sie starb 23. Dez. 1881 in Berlin. Nachdem Paul T. 1849 zum königl. Ballettmeister und 1869 zum Ballettdirektor des Hoftheaters zu Berlin ernannt worden war, widmete er sich mit großer Energie der Förderung seiner Kunst und erwarb sich besonders durch seine eigenen choreographischen Kompositionen den Ruf des vorzüglichsten Ballettdichters der neuern Zeit. Als seine bedeutendsten Ballette sind hervorzuheben: "Sardanapal", "Undine", "Satanella", "Flick und Flock", "Fantasca" u. s. w., die nicht nur in Berlin, sondern auch auf den meisten großen europ. Bühnen Beifall fanden. T. starb 7. Jan. 1884 in Berlin.

Marie T., geb. 27. Okt. 1833 zu Berlin, Tochter des vorigen, betrat 1847 in London zum erstenmal die Bühne. Dieselbe enthusiastische Aufnahme wie hier fand sie einige Monate später zu Berlin, wo sie engagiert wurde. 1866 zog sie sich infolge ihrer Vermählung mit dem Prinzen Joseph Windisch-Grätz von der Bühne zurück. Sie starb 27. Aug. 1891 auf Aigen in Niederösterreich. Sie vereinigte im Tanze Anmut und Schönheit mit den Vorzügen künstlerischer Vollendung und einem hervorragenden dramatisch-mimischen Talent.

Tagmaß, s. Bergwerkseigentum.

Tagpfauenauge, s. Pfauenauge.

Tagraubvögel, s. Raubvögel.

Tagreiher (Ardea), eine Vogelgattung, deren Mitglieder Tagvögel sind, im Gegensatz zu den Nachtreihern (Nycticorax) und Rohrdommeln (Botaurus). Die T. zeichnen sich durch schlanke Formen, langen dünnen Hals und den Besitz von Schmuckfedern am Hinterkopf, Rücken und Kropf aus. Der bekannteste T. ist der gemeine graue Fischreiher. (S. Reiher.)

Tagsatzung, früher Tagleistung genannt, die Versammlung der Gesandten der schweiz. Kantone (Stände) zur Aufrechthaltung ihres Schutz- und Trutzbündnisses und zur Besorgung sonstiger gemeinschaftlicher Angelegenheiten, analog dem ehemaligen Deutschen Bundestage. Die T. versammelte sich bald da, bald dort. Seit der Reformation wurden öfters besondere katholische T. in Luzern, sowie reformierte in Aarau gehalten; für die allgemeinen war im 16. und 17. Jahrh. meist Baden, im 18. Frauenfeld der Versammlungsort. Die helvet. Einheitsverfassung von 1798 beseitigte die T. und setzte an ihre Stelle einen Senat und einen Großen Rat; die Mediationsakte von 1803 stellte sie mit erweiterten Kompetenzen wieder her und bestimmte Freiburg, Bern, Solothurn, Basel, Zürich und Luzern zu Versammlungs- und Vororten. Durch die Bundesakte vom 7. Aug. 1815 endlich wurde die Zahl der Vororte auf drei beschränkt und die T. versammelte sich, alle zwei Jahre wechselnd, zu Zürich, Bern und Luzern. Dieser Zustand dauerte bis zur Beseitigung der T. durch die Verfassung vom 12. Sept. 1848. (S. Schweiz [Geschichte].)

Tagschläfer (Nyctibius) oder Schwalche, Vogelgattung mit breitgedrücktem, kurzem, tief nach hinten gespaltenem Schnabel, der hinten seitlich borstenartig entwickelte lange Bartfedern trägt. Der Oberschnabel biegt sich an der Spitze stark hakig über. Es sind sechs Arten aus dem tropischen Amerika und von den westind. Inseln bekannt. Der Riesenschwalch (Nyctibius grandis Viell.) oder Ibijau der Eingeborenen bewohnt Südamerika von Paraguay bis an die Südgrenze der tropischen Wälder und Jamaika, ist aber nirgends häufig. Der nach Art aller Nachtvögel gefärbte, weichfederige Vogel wird so groß wie ein Bussard. Er brütet in Baumlöchern und legt auf den Mulm zwei längliche, braun marmorierte Eier. Seine Nahrung besteht aus Insekten, namentlich aus großen Nachtfaltern, die er bloß im Fluge zu sich nimmt. Das Geschrei ist dem des Uhus ähnlich.

Tagschmetterlinge, s. Tagfalter.

Tagnan (Pteromys), Gattung der Nagetiere und zwar der Eichhörnchen (s. d.). Sie sind verhältnismäßig groß, mit einer Flughaut zwischen den Gliedmaßen und bewohnen in 12 Arten das südl. Asien mit seinen Inseln bis Formosa und Japan (s. Tafel: Nagetiere II, Fig. 5).

Taguanuß, soviel wie Elfenbeinnuß (s. d.).

Taguima, Insel, s. Basilan.

Tagulanda, Insel, s. Sangir.

Tag- und Nachtgleiche, soviel wie Äquinoktium (s. d.).

Tag- und Nachtwinde, durch den Unterschied zwischen der Wärmewirkung der Sonne und der Abkühlung während der Nacht bedingte Winde. Die Gesetze dieser täglichen Periode der Windströmung richten sich namentlich nach der Lage des Beobachtungsortes. Im Gebirge und an Küsten großer Wasserflächen sind die Unterschiede am bedeutendsten. An den Küsten sind die Tagwinde identisch mit den Seewinden, die Nachtwinde mit den Landwinden (s. Land- und Seewinde). Im Gebirge gehen die Tagwinde bergauf, die Nachtwinde bergab. (S. Gebirgswinde.) Die Änderungen in der Windstärke sind ebenfalls von den örtlichen Verhältnissen abhängig, im allgemeinen werden aber zur Zeit des Auf- und Untergangs der Sonne Minima eintreten.

Tagus, im Altertum Name des Tajo (s. d.).