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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tanzmeister - Tape

gar nicht getrennt. Der Tanz wurde sogar bei allen religiösen Festen, verbunden mit Hymnengesang, angewendet, und die Griechen, bei denen diese Kunst Orchestik hieß, erreichten auch in ihr einen hohen Grad der Vollkommenheit. Von den Römern pflanzte sich der Tanz auf die Volksbühnen der Italiener fort. Schon im 16. Jahrh. schrieben mehrere Italiener über den Tanz (Fabricio Caroso, "Nobilità di Dame", Vened. 1600; Cesare Negri). Sie und vorzüglich die Franzosen (Th. Arbeau, "Orchésographie", Langres 1588 und 1596) haben die neuere T. ausgebildet und auf ihre heutige Vollkommenheit gebracht. Unter Ludwig XIV. wurde durch Beauchamp der erste Grund zu dem künstlichen theatralischen Tanze der Franzosen gelegt. Noch mehr aber verdankt die T. dem berühmten Noverre (s. d.). Gegenwärtig noch bilden die franz. und ital. Tänze zwei verschiedene Schulen, von welchen jedoch die erstere das Übergewicht hat. Die Familien Vestris und Taglioni, die Tänzerinnen Elßler, Cerrito, Grisi und Grahn, sowie die Tänzer A. Leon und K. Müller gehören zu den Koryphäen der neuern T. Zu leugnen ist jedoch nicht, daß der theatralische Tanz vielfach zu einem Kunststückmachen ausgeartet ist und die plastische Bedeutung verloren hat.

Vgl. Saint-Leon, Sténocoréographie (1858); Waldau, Böhm. Nationaltänze (Prag 1859); Klemm, Katechismus der T. (6. Aufl., Lpz. 1894); Czerwinski, Geschichte der T. (ebd. 1862); ders., Die Tänze des 16. Jahrh. (Danz. 1878); ders., Brevier der T. (Lpz. 1879); Voß, Der Tanz und seine Geschichte. Eine kulturhistor.-choreographische Studie (Berl. 1868); Angerstein, Die Volkstänze im deutschen Mittelalter (2. Aufl., ebd. 1874); Böhme, Geschichte des Tanzes in Deutschland (2 Tle., Lpz. 1886); Zorn, Grammatik der T. (nebst Atlas, ebd. 1887); Freising, Leitfaden für den Tanzunterricht (Berl. 1892); ders., Tanzkurzschrift (ebd. 1891); Zibet, Geschichte des Tanzes in Böhmen, Mähren und Schlesien (czechisch, Prag 1895); Dieringer, Die T. (4. Aufl., Münch. 1895).

Tanzmeister, ein Hohlzirkel (s. d.).

Tanzmeisterstellung, auch französische oder zehenweite Stellung, bei Pferden eine Stellung, bei der die Unterfüße von den Fesselgelenken ab, anstatt parallel zu verlaufen, auseinander gehen und die Zehen nach auswärts gerichtet sind.

Tanzwut, Tanzsucht, s. Choreomanie.

Taoismus (von dem chines. taò, s. Lao-tze), diejenige Form der chines. Volksreligion, welche in Lao-tze ihren Stifter verehrt, obwohl der heutige T. mit den Lehren dieses Philosophen nichts mehr gemein hat. Vielmehr ist derselbe ein Gemisch von Ahnendienst und rohem Naturkultus, überdies stark mit buddhist. Elementen durchsetzt. Das taoistische Pantheon umfaßt ein unübersehbares Heer von Göttern und Genien. An der Spitze steht der "erhabene Monarch, der Jadekaiser" (Jü-Hwang-schang-ti), und unter den Genien spielen die sog. Pah-sien, d. i. acht Genien, mit dem Gotte des langen Lebens (Scheu-sing) an der Spitze, die Hauptrolle. Wie im Buddhismus herrscht auch im T. der Glaube an die Seelenwanderung. Der T. ist besonders in den niedern Klassen der Bevölkerung verbreitet. Seine Litteratur ist überaus umfangreich, aber noch wenig erschlossen. Die taoistischen Priester, Tao-tze genannt, zerfallen in zwei Hauptgruppen: die Weltgeistlichkeit und die Klostergeistlichkeit; die letztere ist dem Gelübde der Ehelosigkeit unterworfen. An der Spitze der Hierarchie steht der Thien-tze, d. h. Himmelsmeister, eine Art Papst, der für eine Inkarnation des "Jadekaisers" gilt und auf dem "Berge des Drachens und Tigers" (Lung-hu-schan), an der Nordgrenze der Provinz Fu-kien, residiert, im übrigen jedoch weder polit. noch hierarchischen Einfluß besitzt. - Vgl. de Rosny, Le Taoïsme (Par. 1892).

Taormina (lat. Tauromenium), Stadt im Kreis Castroreale der ital. Provinz Messina auf Sicilien, auf einer 120 m hohen Felsterrasse an der Ostküste, über Giardini (2818 E.) an der Eisenbahn Messina-Catania herrlich gelegen und überragt von den Ruinen des Castello (396 m), das wieder nach NW. vom 635 m hohen Dorf Castel Mola (mit 356, als Gemeinde 1173 E. und Ruinen eines Kastells) und weiter vom Monte-Venere (864 m) beherrscht wird, hat (1881) 3128 E., einen Dom, davor einen monumentalen Brunnen, got. Paläste, röm. Bäder (Naumachie genannt), in der Nähe vier Grotten und im O. auf vorspringender, 124 m hoher Landzunge ein berühmtes, wohlerhaltenes, altgriech. Theater, dessen größter Durchmesser 109 m beträgt und von wo sich die herrlichste Aussicht, besonders auf den Ätna, bietet. - Die alte Stadt verdankte ihren Namen dem Berge Tauros (jetzt Monte-Toro), an dessen Abhange sie lag, und wurde 396 v. Chr., nach der Zerstörung des benachbarten Naxos von den Siculern gegründet. Die Stadt gelangte bald, besonders durch den Handel, zu hoher Blüte, erlitt dann unter der Herrschaft der Römer (im 1. Jahrh. v. Chr.) mehrere schwere Schläge und wurde erst durch Augustus, der eine röm. Kolonie hinführte, wieder gehoben. - Vgl. Squillaci, T. attraverso i secoli (Catania 1892).

Taos, s. Pueblo-Indianer.

Tapageurs (frz., spr. -schöhr), s. Claque.

Tapajoz (spr. -schohs), rechter Nebenfluß des Amazonenstroms in Brasilien, entsteht aus Juruena und Arinos in Mato Grosso. Der Rio Juruena entspringt auf der Serra dos Parecis, der Rio Arinos nordöstlich von Diamantino. Nach der Vereinigung bildet er unterhalb Taguaralzinho Katarakte, wie Salto Augusto und Salto de Simão. In GrŸão Para tritt er nach Aufnahme des Crepore ein, bildet oberhalb Itaituba die beiden untern Fälle (Caxoeira de Apue), wird von hier aus auf 330 km mit Dampfschiffen befahren und mündet, fast seenartig erweitert, 1680 km lang bei Santarem. - Vgl. Coudreau, Voyage au T. (Par. 1897).

Tapanhuna, Kinder von Negern und Indianern (s. Farbige).

Taparelli d'Azeglio, s. Azeglio.

Taparica, Insel bei Bahia (s. d.).

Tapayaxin (Phrynosoma orbiculare Wiegm., s. Tafel: Echsen III, Fig. 3), auch Krötenechse, eine bis 13 cm lange und über dem Rücken fast 14 cm breite, träge mexik. Eidechse, der Familie der Leguane zugehörig, mit kurzem, dickem Schwanze, abgerundetem Kopfe und mit kurzen, festen Stacheln an Seiten, Rücken und Kopfe.

Tape (engl., spr. tehp), schmaler Band- und Papierstreifen; auch der telegr. Druckapparat (System Hughes), welcher in den Geschäftsbureaus Aufstelllung findet und mit dem Telegraphenamte der Effektenbörse (Stock Exchange) in Verbindung steht. Vermittelst dieser T. werden während der ganzen Dauer der Börsenzeit die Kursnotierungen auf einem schmalen weißen Papierstreifen (dem eigentlichen T.) selbstthätig abgedruckt.