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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tarsalgie - Tartuffe

Tarsalgie (grch.), Schmerz in der Fußwurzel, entzündlicher Plattfuß.

Tarschisch, s. Hispania.

Tarsius, s. Koboldmaki und Halbaffen.

Tarsos, Stadt, s. Tarsus.

Tarsus (grch.), Fußwurzel (s. Fuß [anatomisch]); bei den Insekten (s. d.) der letzte Abschnitt des Beines.

Tarsus (Tarsos), die Hauptstadt Ciliciens, am Flusse Kydnos, war im Altertum eine Zeit lang der Sitz eigener, von der pers. Oberherrschaft abhängiger Könige und gelangte zu besonderm Ruhm und Glanz, als sich unter der Herrschaft der Seleuciden viele Griechen hier niederließen und eine höhere Lehranstalt für Philosophie und Grammatik gründeten, die um den Beginn unserer Zeitrechnung in ihrer höchsten Blüte stand. Die Stadt war auch der Geburtsort und die Bildungsstätte des Apostels Paulus. Noch jetzt ist T., im Wilajet Adana mit etwa 10 000 E., die bedeutenden Handel treiben, eine ansehnliche Stadt. Die Eisenbahn von T. nach Mersina wurde 4. Mai 1886 eröffnet.

Tarsza (spr. -scha), Eduard, Pseudonym des poln. Schriftstellers Michael Grabowski (s. d.).

Tartaglia (spr. -tálja), Niccolò, ital. Mathematiker, geb. um 1500 in Brescia, war seit 1530 in Verona, Piacenza, Mailand und Venedig als Lehrer thätig und starb 1557. Er erzählt seine Erlebnisse in dem Buche "Questi ed invenzioni diverse" (Vened. 1554). T. und Scipione Ferro teilen den Ruhm, zuerst kubische Gleichungen aufgelöst zu haben und zwar mittels der sog. Cardanischen Formel (s. Cardanus), welche T. 12. Febr. 1535 fand. Unter T.s Werken ist sein "General trattato de' numeri e misure" (3 Bde., Vened. 1556-60) hervorzuheben.

Tartan, soviel wie Plaid.

Tartane (ital.), ungedecktes Fischerfahrzeug mit einem Pfahlmast (s. Mast), einem lat. Segel und zwei Klüvern (s. d.) am Klüverbaum. Österreichische T. sind etwas größer als der Bragozzo (s. d.), sonst ebenso.

Tartarei, s. Tatarei.

Tartaren, s. Tataren.

Tartaros, nach Homer ein tiefer, nie von der Sonne erhellter Abgrund unter der Erde, so weit unter dem Hades oder der Unterwelt (s. d.), als der Himmel über der Erde, geschlossen durch eherne Pforten, das Abbild eines unterirdischen Gefängnisses. In ihn stürzte Zeus Frevler gegen seine Obergewalt, wie den Kronos und die Titanen, welche dort von den Hekatoncheiren bewacht werden.

Tartarus, Weinstein. Auf Rezepten bedeutet T. boraxātus Boraxweinstein; T, depurātus gereinigten Weinstein (s. Cremor tartari); T. natronātus Kaliumnatriumtartrat; T. stibiātus (auch T. emetĭcus) Brechweinstein (s. d.). Über T. ferrātus, (martiātus, chalybeātus) s. Eisenweinstein; über T. vitriolātus s. Kaliumsulfate.

Tartini, Giuseppe, Violinspieler, Komponist und Theoretiker, geb. 12. April 1692 zu Pirano in Istrien, studierte zu Padua die Rechte, lebte im Minoritenkloster zu Assisi zwei Jahre und benutzte diese Zeit zur Ausbildung seines Violinspiels und zu Studien der Theorie des Tonsatzes unter Leitung des Pater Boëmo, Organisten des Klosters. Dann ging er nach Venedig, 1714 nach Ancona; 1721 wurde er als erster Geiger bei der Kapelle der Kirche Sant' Antonio zu Ancona angestellt. Sein Ruf stieg mehr und mehr, und er wurde sogar 1723 zu den Krönungsfeierlichkeiten Kaiser Karls VI. nach Prag berufen, wohin er in Gesellschaft seines Freundes, des Violoncellisten Bandini, ging. Mit diesem blieb T. dann zwei Jahre in der Kapelle des kunstsinnigen Grafen Kinsky. Hierauf kehrte er nach Padua zurück und errichtete daselbst 1728 eine berühmt gewordene Musik- und hauptsächlich Violinschule, aus der viele treffliche Künstler (Nardini, Pasqualino, Bim u. a.) hervorgingen. Die Italiener gaben ihm deshalb den ehrenden Beinamen: Maestro delle nazioni. Er starb 16. Febr. 1770 in Padua. In Pirano wurde ihm 1897 ein Denkmal gesetzt. T. hat die Kunst der Bogenführung zuerst in ein System gebracht ("L'arte dell' arco", neu gedruckt in Chorons "Principes de composition", 2. Aufl., Bd. 6, Par. 1816); seine Grundsätze haben im wesentlichen heute noch Gültigkeit. Auch komponierte T. für sein Instrument fleißig, meist Sonaten und Konzerte; namentlich bekannt ist jetzt noch die sog. Teufelssonate ("Trille du diable"), die infolge eines Traums des Künstlers entstanden sein soll. Ein besonderes System der Harmonie gründete er auf das 1714 von ihm entdeckte Phänomen des sog. dritten Klangs oder Tartinischen Tons (s. Kombinationston). Er entwickelte dieses System im "Trattato di musica secondo la vera scienzia dell' armonia" (Padua 1754) und "De' principj dell' armonia musicale contenuta nel diatonico genere" (ebd. 1767).

Tartinischer Ton, s. Kombinationston.

Tartolin, der esthnische Name von Dorpat (s. d.).

Tartrate, die weinsauren Salze, s. Weinsäure.

Tartrazin, ein zu den Hydrazonfarbstoffen gehöriger, sehr echter gelber Wollfarbstoff, der durch die Einwirkung von Phenylhydrazinsulfosäure auf Dioxyweinsäure erhalten wird und die Konstitution COOH(C:N·NH·C6H4·SO3Na)2·COOH besitzt.

Tartronsäure, Oxymalonsäure, eine zweibasische organische Säure von der Zusammensetzung C3H4O5 = COOH·CHOH·COOH. Sie krystallisiert in großen Prismen, ist in Wasser leicht löslich und schmilzt unter Zersetzung bei 184° C. Ihre Verbindung mit Harnstoff (Tartronylharnstoff) ist die Dialursäure (s. d.).

Tartronylharnstoff, s. Dialursäure.

Tartsche, im spätern Mittelalter Bezeichnung verschiedener Schildformen. Die Reiter führten die kleine Rundtartsche oder Faustschild; die T. des Fußvolks waren größer, viereckig, von Holz, mit Leinwand oder Leder überzogen; auch kommen T. vor in Form eines langschenkligen Dreiecks mit der Spitze nach unten. Über die besondere Art der Setztartschen s. d. An der Rundtartsche waren bisweilen Einschnitte, sog. Degenbrecher, zum Abfangen der feindlichen Waffe angebracht.

Tartuffe (spr. -tüff), Name des Titelhelden der berühmtesten Komödie Molières, hiernach als Gattungsname des Scheinheiligen gebräuchlich geworden. Ursprünglich bedeutet das Wort "Betrüger" (Imposteur) vom altfrz. truffle, tartuffle (terrae tubera Trüffel, dann Betrug), wovon auch truffler, truffer (betrügen) herkommt. Daß Molière im T. ein bestimmtes Urbild kopiert habe, ist unerweislich; doch möqen ihm Persönlichkeiten wie Abbé Roquette (später Bischof von Autun), Hardouin, Erzbischof von Paris, vorgeschwebt haben. Gutzkow hat die Entstehung der Komödie Molières und die Intriguen, welche die öffentliche Aufführung anfangs verhinderten, in seinem Lustspiel "Das Urbild des T." (1847) behandelt. - Vgl. Mangold, Molières T. (Oppeln 1881).